AYAMONTE nach ALBUFEIRA und umzu

Die Hängebrücke des RIO GUADIANA erreichen wir am Samstag, den 16. April 2016 zwar bei ablaufend Wasser, aber viel zu früh. Mit Standgas machen wir immer noch sagenhafte 4,5 Knoten Fahrt und der STORMVOGEL bleibt gerade so steuerfähig. Knapp drei Knoten Strom. Aber was soll die Aufregung? Auch diesmal ist noch genug Platz für die Antenne auf dem Mast und wieder geht alles gut.

Während die Flussfahrt im Oberlauf recht geschützt von den umgebenden Hügeln und Bergen erfolgt, pustet der Wind im Unterlauf ungehemmt über das flache Land. Aktuell steht unser Windalarm bei 30 Knoten und nach der Brückenpassage schlägt er öfters mal an…

ayamonte_monchique_0001
…so auch beim Anleger in der AYAMONTE Marina auf der spanischen Seite des Flusses. Wasserstand wirklich kein Problem (weil im Dezember 2015 gebaggert) und auch die Strömung im Hafenbecken ist durchaus beherrschbar. Allerdings kämpfen wir mit dem drückenden Westwind und erstmals in der Geschichte legen wir mit eingelegtem Rückwärtsgang (Standgas) an und vertäuen das Boot. Ich bin stolz auf uns. Keine neue Macke im Boot 😉

Adlerdings stellen wir später fest, das der liebe alte Fährmann in ALCOUTIM uns zwei Schrammen an Backbord spendiert hat. Sieht man nur, wenn man auf dem Pontoon direkt davor steht.

ayamonte_monchique_0011
Tja, AYAMONTE ist irgendwie ein komischer Ort. Alles irgendwie verwirrt, verteilt, vereinzelt. Wir finden bei unserem Rundgang zwar den Ortskern, aber auch der ist kein Highlight. Immerhin gibt es Tapas und Bier zum Mittag.
Die Marina ist offenbar so was wie eine Niederländische Kolonie. 5 Boote und auch der Tip kam ja von einem Niederländer. Wir sind schwer beeindruckt von einem 82 jährigen Skipper, der auf allen vieren an Deck herum kriecht um seinen Dampfer zu putzen. Will in diesem Jahr auch nach Hause und das Boot verkaufen – seit seine Frau gestorben sei, sei es nicht mehr das selbe und außerdem hätte er nie vermutet, wie viel Arbeit die Bootspflege unter Deck machen würde. Heidi lächelt still, erhebt aber mahnend den Zeigefinger in meine Richtung nach dem Motto: „Höre seine Worte!“

Ob des besseren Segelwetters bleiben wir bis Montag (18/4/2016) und hoffen auf guten Segelwind, um nach ALBUFEIRA zu kommen. Stark bewölkt mit einzelnen Regenschauern, aber auch guten Ostwind soll es geben. Tja, von den 47 Seemeilen segeln wir immerhin 10, 190 Seiten Buchseiten lesender Weise vernichtet und am Ende gab es auch Regentropfen. Irgendwie eine Meilen-Mach-Passage. Mehr nicht.

ayamonte_monchique_0021
In ALBUFEIRA liegen wir in einer besonderen Marina, weil aufwendig in den Fels gesprengt. Und weil die damals beim Bau wohl noch kein Gefühl für zukünftige Bootsgrößen hatten, liegen wir am Ponton für Superyachten mit unseren schlanken 48 Fuß. Neben an liegt eine 55iger BENETAU und sieht echt doppelt so groß aus. Und jetzt kommts: Dieser Riesendampfer wird mit zwei Winschen gesegelt. Zwei! Wir haben acht und sehen echt halb so groß aus. Schon merkwürdig, dieser moderne Bootsbau. Auf der anderen Seite liegt eine riesige HANSE, immerhin vier Winschen. Irgendwann kommt man noch drauf, das man auch mit nur einer klar kommen müsste?

Wir treffen eine Deutsche Crew aus Duisburg wieder und genießen die Gesellschaft sehr. So sehr, das wir uns ohne große Mühe zu einer echten Wanderung im Hinterland der ALGARVE Küste überreden lassen. Segler und wandern. Schließt sich ja eigentlich und in jedem Fall grundsätzlich aus.

ayamonte_monchique_0046
Die Tour ist sehr schön, anfangs sehr nass und später dann auch noch sehr schlammig. Aber kein Problem für unsere ALL WEATHER ALL YEAR ALL PURPOSE Profi-Gummi-Wanderschuhe, die wir seit der TÜRKEI an den Füßen tragen. Bemerkenswert, das wir gefühlt immer nur Bergauf laufen, aber nie die Sonne erreichen. Irgendwie hat unser Wanderführer zwar den vollen Durchblick, aber auch ein Händchen für Berge die er leichtfüßig erklimmt, während andere keuchen wie eine alte Dampflokomotive. So scheint es jedenfalls.

ayamonte_monchique_0091
Wir sehen Zitronen und Orangenbäume, uralte Korkplantagen und so viel grün, wie schon lange nicht mehr. Die extrem gute Beschreibung des Wanderweges steht im Reiseführer „ALGARVE“ vom MICHAEL MÜLLER VERLAG, geschrieben vom Portugal-Fan und Meister himself MICHAEL MÜLLER und steht dort auf Seite 243: „Tour 9 Rundwanderweg NAVE – CALDAS DE MONCHIQUE – NAVE“.

Und jetzt, bei der WEB-Recherche zu diesem Beitrag kommt heraus, das ich unbewusst schon immer eine Beziehung zu MONCHIQUE hatte. Denn hier hatte einer der legendären SPLIFF´er sein Tonstudio. DA FLIEGT MIR DOCH DAS BLECH WEG!
MANFRED PRAEKER ist leider schon vier Jahre tot, wer weiß, vielleicht hätten wir seine Musik in den Gassen gehört?

ayamonte_monchique_0101

Nun denn, wir überstehen die kleine Wanderung erstaunlich gut, sind aber bei Rückkehr zum STORMVOGEL auch wirklich Müde. Tags darauf verabschieden wir uns von den Duisburgern, bedauern die Trennung und sind gewiss, sie irgendwann einmal wieder zu sehen.

Peter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.