RIO GUADIANA Brücke

Dieser Artikel beschreibt unsere Passage der Hängebrücke über den Grenzfluss RIO GUADIANA, der PORTUGAL von SPANIEN trennt.

Auslöser für diesen Artikel sind die unterschiedlichen Aussagen, mit welcher Masthöhe (besser: Durchfahrtshöhe) man die Brücke passieren kann. Wir verwenden den Reiseführer „ATLANTIC SPAIN AND PORTUGAL“ von IMRAY in der 7ten Ausgabe von 2015. Dort wird die Maximale Durchfahrtshöhe wie folgt beschrieben. Zitat:

„Note that the clearence given on Portugese charts is 18m but this is referenced to Mean Sea Level“.

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Nun, unser STORMVOGEL benötigt eine Durchfahrtshöhe von 19 Metern, die sich wie folgt zusammen setzt:

(mit dem Spi-Fall = oberster Block am Mast, gemessen):

1) 16,80 Meter von Masttop bis Mastfuss
2) 1,5 Meter von Mastfuss bis Wasserlinie
3) Zwischensumme: 18,20 Meter
4)Zusätzlich 0,80 Meter Sicherheitspuffer für UKW-Antenne (flexibel), Toplichter und Windsensor (beides fix)
5) Summe: 19,00 Meter.

OK, 19 Meter sind nicht 18 Meter. Also große Internet-Recherche:

a)  WIKIPEDIA (englisch)
Spricht von 20 Meter Durchfahrtshöhe, aber keine Angabe zum Wasserstand.

b) SY BELLALUNA (englisch)
Zitat: „Our mast is 20.7 m including antennas. The bridge is 18 m accordingly to the charts but our guide book states 20.5 high tide 23 low tide“. Leider keine Angabe, welcher Reiseführer das sagt.

c) OFFSHORE SAILING (deutsch)
Hat die Passage mit 18 Meter Durchfahrtshöhe bei Hochwasser problemlos absolviert.

d) SY MISTROMA OF GAIR (englisch)
Hat mit 20 Meter Durchfahrtshöhe bei Niedrigwasser die Passage problemlos absolviert.

e) CRUISERSWIKI (englisch)
Spricht gar von 23 Meter Durchfahrtshöhe, keine Angabe zur Tide.

f) SY SCARLET LADY (englisch)
Diese Yacht hat benötigt eine Durchfahrtshöhe von 19,5 Meter – keine Probleme.

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Tja, was ist also richtig?

Keine Ahnung. Scheint eher Ermessensfrage zu sein? Aufgrund der o.g. Referenzen sind wir für den 12. April 2016 davon ausgegangen, das eine Passage bei Niedrigwasser auf jeden Fall möglich sein muss.

Reiseplanung also wie folgt:

r.1) Niedrigwasser VILA REAL DE SANTO ANTONIO am 12. April 2016 um 13:22 Uhr.

r.2) Hochwasser 3,04 Meter, Niedrigwasser 0,98 Meter, Differenz 2,06 Meter.

r.3) Start VILA REAL 13:00 Uhr, dann das kurze Stück Flussaufwärts um mit dem allerletzten Ebbstrom an der Brücke anzukommen.

r.4) Dann mit ganz langsam voraus unter die Brücke, bereit abzudrehen wenn am Masttop etwas anfängt zu kratzen. Durch den noch gegen laufenden Ebbstrom stoppt das Boot bei Bedarf sehr schnell auf.

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Das war der Plan. In Wirklichkeit war die Passage völlig problemlos (bis auf das laute Herzklopfen der Crew!) und es war noch deutlich Platz zwischen Antennenspitze und dem Brückenbeton. Wirklich schwer zu schätzen, aber ich glaube mittlerweile, das die Durchfahrtshöhe bei Niedrigwasser 23 Meter ist. Das behaupten zwei Internet-Seiten und passt zu unserer eigenen Erfahrung.
So was ist ja eigentlich keine basisdemokratische Angelegenheit, sondern Seemanschaft. In der Ostsee haben wir an den Pfeilern der Fehmarnsundbrücke einen Pegel in riesigen Ziffern – so kann man vor Passage die tatsächliche, gerade aktuelle maximale Durchfahrtshöhe ablesen – ganz schön clever, die Deutschen 😉

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Der RIO GUADIANA ist mittlerweile mit Fahrwassermarkierungen ausgestattet. Nagelneue Backbord und Steuerbord-Pfähle nach dem Lateralsystem. Sogar nachts beleuchtet. Sehr beruhigend!
Auf der ganze Passage nach ALCOUTIM (ca. 18 Seemeilen) Flussaufwärts im Fahrwasser hatten wir bei auflaufenden Wasser eine minimale Wassertiefe von 4 Metern, oft aber auch 10 und mehr Meter. Also wirklich kein Problem. Nur beim Anleger in ALCOUTIM auf der Steuerbordseite des Fahrwassers beim nördlichsten Pontoon hatten wir bei der Wende auf einmal 1,5 Meter in der Anzeige. Also keinen großen Bogen fahren, sondern dicht an den Pontoon – da sind es bei Niedrigwasser über 3 Meter.
Eine Passage in Dämmerung oder Nacht würden wir dennoch nicht wagen. Zu viele Mooring- und Ankerboote im oberen Flussdrittel und Nebel würden eine solche Reise unnötig schwierig machen.

Mit dem Spi-Fall habe ich eine GOPRO in den Masttop gezogen und eine Videoaufnahme der Passage gemacht. Hier zu sehen bei YOUTUBE. Die Geräusche kommen von der Brücke – war echt laut. Nur das Klopfen nicht, das war das Gehäuse der GOPRO, das gegen den Mast schlug 😉

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