Das Privileg (CHIPIONA)

…besteht für uns darin, Pläne jederzeit ändern zu können. Eigentlich sind wir zum ersten mal seit Jahren völlig frei in unserer täglichen Reiseplanung. Kein Zeitdruck, keine Rallyes, keine Flotte, keine Freunde.

Und genau deshalb sind wir nun in CHIPIONA (Spanien, 20 Seemeilen nördlich von CADIZ) und nicht wie geplant in ALBUFEIRA (Portugal).

Was ist also passiert?

Eigentlich nichts, schon gar nichts Schlimmes. Nur war der Wind am 6. April 2016 nicht so, wie wir ihn erwartet haben. Aus der Bucht von CADIZ sind wir noch sehr gut unter Segeln heraus gekommen – und waren überrascht ob der 20 Knoten, die da bliesen.

In der Übersicht: Untren Rechts ist CADIZ, oben Links CHIPIONA. Die blauen Linien sind die Plankurse nach Westen,die rote unser tatsächlicher Kurs.
In der Übersicht: Untren Rechts ist CADIZ, oben Links CHIPIONA. Die blauen Linien sind die Plankurse nach Westen,die rote unser tatsächlicher Kurs.

Wir richten uns schon auf einen schnellen Schlag ein, da dreht der Wind schlagartig um mehr als 90° und wir fahren auf einmal nach Süden…äh, halt, äh, Moment mal – da wollen wir doch auf keinen Fall hin.
Also sortieren und die Verwunderung über den abrupten Winddreher überwinden, Segel trimmen und Optionen prüfen.

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Im Detail von Rechts nach Links: Zunächst der Winddreher und der Südkurs, dann die Wende nach Norden bis ganz an die Sandbänke heran, dann erneute Wende um einmal groß auszuholen für den langen Nord-Schlag nach CHIPIONA.

Dann eine Wende um zu sehen, wie es auf dem anderen Bug läuft. Erstmalig verwenden wir dazu den elektrischen Autopiloten. Man stellt ihn auf „Wende Steuerbord“ oder „Wende Backbord“ ein, bereitet sich vor und drückt dann „Start“ auf dem Gerät. Und dann ändert der Autopilot den Kurs automatisch & schnell den Kurs um 100° auf die andere Seite…und, das ist nun wichtig, fängt das Boot wieder ab und bleibt dann auf dem neun Kurs – sofern man die Wende nicht versaut und das Boot aufstoppt. Bei keiner oder nur ganz langsamer Fahrt kann der Autopilot natürlich keinen Kurs halten.

Im Detail: Leider sind wir mit der letzten Wende nicht weit genug nach Westen gekommen, also müssen wir kurz vor den nächsten Sandbänken nochmal eine Wende fahren um Raum zu gewinnen. Sehr frustrierend, das man dabei faktisch zurück fährt...und ein bisschen nach West (links) kommt...
Im Detail: Leider sind wir mit der letzten Wende nicht weit genug nach Westen gekommen, also müssen wir kurz vor den nächsten Sandbänken nochmal eine Wende fahren um Raum zu gewinnen. Sehr frustrierend, das man dabei faktisch zurück fährt…und nur ein bisschen nach West (links) kommt…

Durch diese Dritte, eiserne Hand sind die Wenden nun leichter, weil es mehr freie Hände zum Zupacken bei den Vorsegeln gibt. Heidi kümmert sich um die Fock und ich um das YANKEE. Alle fünf Wenden an diesem Tag klappen astrein, trotz späterer 25 Knoten Wind.

Nun denn, wir finden heraus, das wir auf dem neuen Bug so gerade eben NORD laufen können. Das hilft uns bei unseren beiden möglichen Zielen auch nicht. Denn beide liegen im Westen. Klar, wir könnten die ganze Nacht aufkreuzen, die Schläge länger machen und auf einen Winddreher hoffen, aber das ist nichts für uns. Wozu so ein Streß?

Und das ist also unser unschätzbares Privileg – wir ändern einfach das Ziel.

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In das (von CADIZ aus) 20 Seemeilen entfernte CHIPIONA. Das erreichen wir nach einer weiteren Wende komfortabel und wir freuen uns sehr über unseren STORMVOGEL unter Segeln. Das Groß im ersten Reff, beide vollen Vorsegel und ganz knapp am Wind. Schwenkkiel raus, um auch die letzten paar Grad Höhe zu bekommen, kaum Welle. Besser kann es nicht laufen.

Wir laufen in den Hafen von CHIPIONA ein, machen fest und lernen im Hafenbüro, das wir nun etwas in der Falle sitzen. Denn die Hafeneinfahrt ist versandet und bei Niedrigwasser kommen wir hier nicht raus – entgegen den Informationen im Buch. Das ist aber nur ein kleines Problem, denn bei halben Hochwasser reicht es schon und ein Hochwasser ist im Moment um Sonnenaufgang herum.

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Anlegerbier im ortsüblichen REAL CLUB NAUTICO.

Als wir zurück kommen liegt ein zweiter Gastlieger hinter uns. Auch eine KOOPMANS (Typ BREEHORN), auch aus Deutschland. Mit einer sehr netten Crew. Der Abend wird lustig, kurzweilig und informativ: Wir bekommen erste Hand Tips für PORTUGAL und die ALGARVE. Sehr, sehr gut!

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Und so ändern wir nochmals den Plan. Von hier aus wollen wir nun nach VILLA REAL an der Spanisch/Portugiesischen Grenze. 55 Seemeilen nach Nord-West. Also da, wo der Wind in der Regel her kommt.

Heute Morgen werden wir geweckt vom Windalarm. Der steht auf 30 Knoten. Es pustet noch eine Weile so wild, dann flaut es ab und es wird wieder nett. Nun denken wir also, das wir Morgen weiter gehen…auf eine lange Kreuz. Denn Segelwind soll sein, irgendwas mit NORD und nur ein bisschen WEST. Schauen wir mal Morgen aus dem Fenster und sehen dann weiter…

…soviel zur Segeltaktik.

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Der Ort CHIPIONA ist sehr nett. Zum einen gibt es hier eine große Flotte von kleinen Fischerbooten, die im flachen Wasser der Bucht von CADIZ die essbaren Meersbewohner aus dem Wasser holen. Zum anderen gibt es sehr schöne Sandstrände mit echtem Sand. Natürlich noch recht leer, so vor der Saison. Die ist hier von JULI bis SEPTEMBER. Es gibt viele Ferienwohnungen und Häuser, im Sommer ist hier bestimmt der Bär los. Alles hat seine Zeit.

Peter.

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