Zur Lage XXX

Für die (Boots-)Technisch interessierten und auch für die eigene Dokumentation hier ein neuer Lagebericht als Nachtrag. Soweit ich das sehe, der erste in diesem noch jungen Jahr 2016.

Der STORMVOGEL hat die „Einwinterung“ im frostfreien AGUADULCE sehr gut überstanden, einzig afrikanischer Wüstensand hat unseren Dampfer etwas eingesaut – kein Problem.

In der Zeit vom 8. bis 20. März 2016 haben Heidi, Hendrik und ich unsere umfangreiche ToDo Liste abgearbeitet – weitestgehend ohne sonst notwendige Unterstützung von Mechanikern oder lokalen „Fachkräften“ aller Art.
Hat Spaß gemacht, wir haben ordentlich was geschafft und das gute Gefühl ein Boot in einem guten technischen Zustand zu fahren.

Die Jobs, deren Beschreibung und (wo vorhanden) die Bilder im einzelnen:

a) Ankerkasten
In NEUSEELAND wurde ja der Ankerkasten vergrößert, weil wir 100 Meter Kette fahren wollten. Die Entscheidung für viel Kette war richtig. Allerdings müssen wir die Kette immer mit der Hand stauen, der Kettenkasten hatte keinen Bilgenalarm und war auch nicht mehr wasserdicht, weil die „Kollegen“ in NZ einfach aufgehört haben zu arbeiten als sie das Stauproblem nicht lösen konnten.
Vor Eintritt in den ATLANTIK also höchste Zeit, die Situation zu verbessern!

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Anders als bei modernen Yachten verfügt der STORMVOGEL nicht über einen selbst lenzenden Kettenkasten, weil der Kettenkasten bis unter die Wasserlinie geht. Damit soll das Gewicht nach unten verlagert werden.
Wasser kann in den Kettenkasten nur über die an Deck befindliche Kettenklüse gelangen. Das passiert, wenn wir sehr nass segeln und der Bug öfters mal in der Welle steckt. Die Ankerwinsch-Persenning hält das gröbste ab, aber es ist mit Sicherheit nicht trocken.

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Nun denn: Wir haben einen Elektronischen Sensor (ohne bewegliche Teile) an den zentralen Bilgenalarm angeschlossen, den Kettenkasten wieder Wasswerdicht gemacht (…selbst wenn er voll laufen würde, würde nun kein Wasser in das Boot laufen können) und die Vorderseite des Kettenkastens mit Teflonfolie ausgeklebt. Die Hoffnung war, das die Kette nun leichter rutscht…aber Sohn Hendrik hat es auf den Punkt gebracht: Solange die Kette ganz vorne im Kettenkasten eintritt, kann sie nicht durch Magie 40 Zentimeter nach hinten gelangen. Also bleiben wir erst mal beim Handstauen.
Für die Ostsee reichen dann vielleicht ja auch 30 Meter Edelstahlkette, die wir vielleicht bei eBay und Co günstig schießen können – und die werden sich in den riesigen Kasten schon rigendwie verteilen 😉

b) Service GENERATOR
Neben der Routine-Wartung (Ölwechsel, Impeller, Keilriemen, Dieselfilter) sollte endlich mal eine generelle Verbesserung herbei geführt werden. Der Generator ist unter dem Kartentisch in einer Schallschutzhaube verbaut. Den Deckel und die Vorderseite der Schallschutzhaube kann man demontieren, nicht aber die rechte und hintere Seitenwand. Das Ding ist, das die Impellerpumpe und der Keilriemen an der rechten Seite sind. So hat man maximal 4 Zentimeter Platz zum Arbeiten.

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Die rechte Seite konnte man nicht demontieren, weil dort der Seewasserschlauch, die Dieselschläuche und die Batteriekabel durch Löcher geführt wurden. Wenn man also die rechte Seite mal eben demontieren wollte, weil man den Impeller wechseln wollte, hätte man 2*2 Stunden Rüstzeit gebraucht.

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Nun denn, wir haben die Verbindungen einmal gekappt, die Seite ausgebaut und die Löcher durch großzügige Schlitze ersetzt. Dann alle Leitungen mit Schutzschläuchen versehen, wieder montiert und jetzt bekommt man auch dieses Seitenteil einfach heraus.
Soviel zum Erfolg…
…der Ölwechsel und vor allem der Keilriemenwechsel war allerdings zum abgewöhnen. Aber das muss beim Generator auch so sein: So ein Luxusteil auf einem Segelboot will natürlich besondere Aufmerksamkeit 😉
Dennoch: Wartung durchgeführt **UND** Verbesserung herbei geführt!

c) SERVICE Hauptmaschine
Dieser Service ist fast schon Routine. Leider bekommen wir es immer noch nicht hin, den Ölfilter so zu tauschen, das das alte Öl nicht in die Bilge läuft. Wir kennen den Trick mit der über-gezogenen Plastiktüte und sammeln so bestimmt 250 ml Öl ein, aber es läuft auch immer ordentlich was in die Bilge. Das Saubermachen dauert länger als der Ölwechsel. Seufz. Nun denn: Öl (12 Liter!), Ölfilter, Dieselvor- und Hauptfilter, Impeller (alter war OK, aber auch hart) und Keilriemen getaucht. Der Keilriemen war kurz vor Ende, wie man sehen kann.

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d) Ruderanlage

d.1) Ruderanlage (Spiel) überprüfen / Hydrauliköl kontrollieren/ersetzten – Die Ruderlager haben wir neu abgefettet und etwas (ca. 100ml) Hydrauliköl im Vorratsbehälter am Steuerstand im Deckshaus nachgefüllt. Ich denke, etwas Schwund ist nach über einem Jahr Dauernutzung wohl OK und von einem Hydrauliköl-Leck wissen wir nichts. Wenn es ein Leck gäbe, wäre mehr ÖL verschwunden.

d.2) Steuerrelais Steuercomputer incl. Sockel erneuern – Den Job hatte ich schon länger auf dem Zettel. Seit INDONESIEN fahren wir Reserve-Relais samt Sockel. Aber so richtig habe ich mich an die Kabel nicht heran getraut. Zusammen mit Hendrik hat der Austausch sehr gut geklappt und das Foto demonstriert sehr gut, wie nötig das war.

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d.3) Steuercomputer gegen Wasser besser schützen – Das alles (auch das Relais) geht auf den ATLANTIK 2012 Unfall zurück: Als der Kopf der Steuersäule abgerissen war, konnte Seewasser (Gischt) durch die Steuersäule an die Steuerelektronik gelangen. Seit dem ist das Relais und der Steuercomputer in Plastik eingewickelt, um Spritzwasser abzuhalten. Soweit ich das sehe, ist seit 2012 aber nie wieder Wasser eingedrungen.

e) Leckagen beseitigen
Wir kannten zwei Deck-Leckagen. Bevor wir wieder im nassen ATLANTIK sind, wollten wir diese beseitigen.

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e.1) Die GRANNY-Bar an Backbord war zwar augenscheinlich noch fest, aber auch die einzig mögliche Ursache für das Leck an Backbordseite. Also haben wir die Decke demontiert um an die drei Bolzen zu kommen. Und tatsächlich, zwei waren lose und dort konnte mit Sicherheit Tropfwasser eintreten. Also mit Sikkaflex neu eingedichtet und die Bolzen knüppelfest angezogen.

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e.2) Am Niedergang-Schiebeluk tropft es ab und zu auch durch. Wir haben ein paar Sikka-Nähte nachgezogen und die vier Lüftungslöcher erst mal mit Holzstopfen dicht gesetzt um zu prüfen, ob das die Lösung bringt. Nun müssen wir abwarten, bis das Deck mal wieder richtig nass ist.

f) Auswintern

f.1) Laufendes Gut einbauen – Wir hatten im November 2015 alle Fallen und Schoten ausgebaut um sie auf Schäden überprüfen zu können und durch Sorgleinen ersetzt. Nun mussten die alle wieder rein. Zu zweit ein guter Job.

f.2) Segel anschlagen – Auch kein Problem mehr, erst Recht wenn man zu Dritt ist. Das Groß braucht mit den Segellatten natürlich die meiste Zeit, aber mit Ruhe und Geduld auch kein Problem mehr.

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f.3) Wassermacher auswintern – Die Winterkartusche mit der Chemie ausbauen, neuen Seewasserfilter einbauen und durchspülen. Das haben wir im Hafen nur ganz kurz gemacht und dann später auf See zwei Stunden. Funktioniert alles tadellos und das Wasser ist geschmacksneutral.

f.4) Deck segelklar machen (Leinen etc) – Wir fahren ja permanente Leinen für unseren Spi-Baum und den Bullenstander. Also auf jeder Seite drei zusätzliche Leinen mit Blöcken, Karabinern und Führungsrollen.

g) Externe Hilfe

g.1) YAMAHA Außernborder Service – Den Außenborder geben wir einmal im Jahr immer zum externen Service. JUYMAR hat alle alten, durch neue ersetzte Teile vorgelegt und zusätzlich die Arbeit mit Fotos belegt. Sehr vorbildlich!

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g.2) Bootsrumpf polieren und wachsen – Das hat die Firma KEEPBOAT übernommen und einen hervorragenden Job gemacht. So „shiney“  war STORMVOGEL schon lange nicht mehr 😉

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g.3) Cockpit Sitzkissen bauen lassen – Ein lang gehegter Wunsch von Heidi, endlich in Erfüllung gegangen. Leider war die Verständigung sehr schwierig und faktisch wissen wir nicht, wer nun die Kissen gebaut hat – das Ergebnis gefällt uns aber sehr gut und war echt preiswert.

g.4) Kochgas auffüllen – Das ewige Thema: Wo bekommt man für seine Flaschen Gas her? Wir haben das Problem für dieses Jahr wie folgt gelöst: Unsere „Deutschen“ Flaschen sind sowieso arg mitgenommen (Korrosion) und die bekommen wir in Spanien auch nicht gefüllt. Also gingen die in den Müll und wir haben vorläufig ganz auf die blauen CAMPINGAZ Flaschen umgestellt. Vier volle an Bord – damit kommen wir wohl nach Hause.

h) Zuletzt die kleineren Dinge des Lebens:

h.1) Proviant & Getränke ausrüsten – logisch, wir wollen es nett an Bord haben 😉

h.2) Nähen: Steuerbord Rettungsring neue Halterung – die Klettverschlüsse sind nach drei Jahren Sonne weg gerottet und wurden ersetzt.

h.3) Nähen: GPS Halterung – ähnlich: Durch Sonneneinstrahlung zerstört und ersetzt.

h.4) Nähen: Persenning Hydrovane – Eine Naht musste nachgenäht werden, weil die offen war.

h.5) Nähen: 2 Kissen – schon wieder: Wir wollen es nett an Bord haben und die Nähmaschine funktioniert ja wieder 😉

h.6) Bootsinnere sauber machen / Wäsche etc. – das dauert….

h.7) Boden Backskiste Achtern verbessern damit der auf keinen Fall durchknicken kann. Wir haben nun einen Abstandhalter auf einen Spant so aufgesetzt, das der den Boden voll unterstützt.

h.8) Boilerproblem finden & lösen – das war wohl Fehlalarm, denn der funktioniert bei Landstrom tadellos.

h.9) Stainless Steel incl. Achterstag polieren – Heidi´s Dauerbaustelle. Für die Achterstag Aktion mussten wir den Mast mit Dirk und laufendem Backstag abfangen. Dann konnten wir das Achterstag demontieren und an den Mast anlegen. Heidi in den Bootsmansstuhl und fix poliert.

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h.10) Herd Arretierung wieder einbauen – Echter Kniffel-Job für Hendrik: Die Arretierung wird im Hafen gebraucht, wenn der Herd fixiert werden soll. Die beiden Bolzen sind irgendwie hinter einer Abdeckung in den Herd gefallen und mussten mit sehr viel Geduld heraus gefischt werden.

h.11) „Baumschraube“ am Mast ausbauen und auf Verschleiß prüfen – Wieder so ein Job mit viel Vorbereitungsarbeit und dann schnellem Ergebnis. Die Schraube am Lümmel demontiert und für absolut gut befunden. Keine Abnutzung, Verkrümmung oder Verschleiß.

h.12) Roonstan (Großschoot) Rolle als Ersatzteil besorgen und einbauen – Hatte ich im Winter in Elmshorn gemacht. Gut, das es die Ersatzteile gibt.

h.13) Haarken Schrauben (Kreuz) und Pins als Ersatzteile besorgen – Wie oben: Hatte ich im Winter in Elmshorn gemacht. Gut, das es die Ersatzteile gibt.

h.14) Lukenhandel erneuern – Ebenfalls Ersatzteil in Elmshorn besorgt und einfach eingebaut.

Tja, und das war dann das Winterlager 2015/2016.

Peter.

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