Tag 3

Der Sonntag beginnt mit einem schon fast festlichen Frühstück:

Pochiertes Ei auf Tomate, Speck, Avokado-Creme und Toast. Na, wenn das mal kein Sonntagsfrühstück ist!

Die Nacht verlief wieder sehr Ereignisarm – auch das ist gut. Auf meiner Wache gab es gegen 1:30 Uhr Delphine. Zuerst hört man ein ungewöhnliches Plätschern und Zischen. Dann steckt man den Kopf aus der Tür vom Brückendeck und sieht im fahlen blauen Schimmer der Unterwasserscheinwerfer die wunderschönen Tiere. Schlafen die denn nie? Oder, Saturday Night, sind wohl auf dem Weg nach Hause?

Der Schwell hat merklich zugenommen und die Stabilisatoren müssen immer heftiger arbeiten – das kann man ganz gut an deren Kontrollinstrument ablesen. Aber die Dünung ist so super lang, so das diese das Boot nur ganz allmählich anhebt und es dann wieder ins Tal befördert. Der Zauber kommt von Steuerbord-Achtern und wir fühlen uns eher wie auf einem Kamel oder Elefanten denn auf dem Ozean. Gemächlich, spürbar aber nicht unangenehm.

Mittlerweile haben wir 25°C und mehr Außentemperatur, im leichten Wind kommt uns das aber kühler vor. Bei Tageslicht haben wir auf parallelem Gegenkurs einen grossen Bulk-Carrier passiert und eine Segelyacht als Mitläufer im Abstand von vier Seemeilen überholt. Die Crew wird sicherlich fluchen – würden wir jedenfalls, wenn wir auf dem STORMVOGEL wären: Bei 8-10 Knoten achterlichen Wind steht bei dem Schwell kein Segel gut – na ja, vielleicht unser Stress-Segel (WINGAKER). Und trotz Stress beim Setzten: Unter diesen Bedingungen hätten wir es setzten müssen! Scheint der Segler aber nicht zu haben – durch das Fernglas können wir nur weiße Segel erkennen.

Der angekündigte Strom hat uns erreicht, wir laufen ohne Veränderung der Motordrehzahl 0,5 bis 0,8 Knoten mehr – der Plotter nimmt das zum Anlass zu vermelden, das wir schon Mittwoch Abend in MINDELO ankommen würden. Ja ja, so sind Computer. Da gibt man ihnen null-komma-irgendwas zu futtern, und schon rechnen sie das neue Weltglück aus.

Heidi hat das Dritte Buch ausgelesen und geht dabei sehr strategisch vor: Auf ihrer Morgenwache, wenn es noch dunkel ist, liest sie auf dem TABLETT via KINDLE App, bei Tageslicht ein gedrucktes Buch.

Dem 500-verrückten Skipper zum Wohlwollen haben wir auch eine Runde Karten „500“ gespielt und dabei echten Mist gebaut. Der Skipper hat die die Erste Runde verloren und sich grummelnd zum Sonnen auf das Vordeck verholt. Wie so häufig: Wie doof kann eine Mannschaft auf einer Ozean Passage nur sein?

Derweil habe ich aus 3.700 Mittelmeer-Bildern eine Auswahl von zunächst 700 gezogen, die ich dann auf 140 „very best of“ verdichtet habe. So als ersten Anlauf für das was da noch kommen mag…wenn wir wieder zu Hause sind. 😉
Auf den Auslöser drücken ist so einfach – auszuwählen so viel aufwendiger, gar schwieriger!

Mit dieser keinen Klage aus dem Ozean beende ich diesen Beitrag…gibt ja schließlich gleich Kapitäns-Dinner, ist ja Sonntag… 😉

Peter.

P.S.: Die große Ähnlichkeit zu einem Kreuzfahrer ist tatsächlich vorhanden. Wir haben sogar einen Meerwasserpool um uns herum.

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