Kleiner Terrorverdacht

Wirklich wahr – aber nur Vermutung und nicht belegbar. Das ORANGE Logo habe ich zweckes Illustation dem Anbieter entliehen…

Was ist passiert?

In PORT DE ARO (unserem ersten Landgang in SPANIEN) hatten wir uns SIM Karten von LYCA MOBILE gekauft – angeblich sollte man damit auch THETERING (Hot Spot) für das Internet machen können. Also ein Handy im Internet und Notebook, Tabletts und Co. gehen über das eine Handy ins Internet.
Das geht aber mit LYCA MOBILE gar nicht – teurer Fehlkauf, denn man wird Mühe haben, die gekauften 5 GB Daten in 30 Tagen mit einem einzelnen Handy abzufrühstücken.

Also geht Freund ROBBI (der AUSTRALIER auf dem Motoboot SOUTHERN STAR) in BARCELONA in einen ORANGE SPAIN Shop und stellt fest, das ORANGE die gewünschte Funktion erlaubt.

ROBBIE kauft also zwei SIM Karten, eine für SOUTHERN STAR und eine für STORMVOGEL. Wie gefordert legt er dafür einen seiner beiden Reisepässe vor – den BRITISCHEN.

Wir legen die Karten in unsere Handys, aktivieren das Internet und alles ist super! Wir können mit allen Geräten surfen und ärgern uns nur noch ein wenig über den LYCA MOBILE Fehlkauf.

Drei Wochen später, am  30. Oktober 2015 in AGUADULCE:

Es ist Freitag Abend und die SIM Karte von ROBBIE hat kein Internetguthaben mehr – AUSTRALIER surfen ja bekanntlich gerne… 😉

Ich habe mir bereits die lausige Kundenseite (recht viele technische Fehler in der heutigen Zeit) von ORANGE im Internet angesehen und biete an, das ich „mal eben“ ROBBI´s Karte auflade und ein neues Internet-Paket buche. Mühevoll, aber es gelingt. Ich lade 50 € mit meiner Deutschen Kreditkarte auf seine Spanische SIM Karte und buche davon für 15 € weitere 2 GB Internet. ROBBIE gibt mir die 50 € in Cash…kurzer Test – super, funktioniert!

Am nächsten Morgen funktioniert unsere ORANGE SIM Karte nicht mehr – kein Telefon, kein Internet. Auch die frisch aufgeladene SIM Karte von ROBBIE ist außer Betrieb.

So ein Mist!

Wir kennen nur die spanische Telefonummer der Hotline von ORANGE – kann man vergessen. Also mit Pässen, Geld, SIM Karten und Handys bewaffnet am Samstag ins Auto und auf die Suche nach einem ORANGE Shop. Den finden wir in einem Einkaufszentrum und eine der drei Damen dort spricht sogar ein wenig Englisch.
Sie hat auch keine Erklärung für die Sperre, reiht sich tapfer in die endlose Warteschlange der ORANGE Hotline ein und stellt nach gut einer Stunde lediglich fest, das man das Problem an einem Samstag wohl nicht lösen werden könne. Sonntag sowieso nicht, Montag ist, mal wieder, ein Feiertag. Die nette Shop-Mitarbeiterin verspricht, sich am Dienstag darum zu kümmern und uns dann anzurufen…denn wir kaufen zunächst einmal neue SIM Karten um überhaupt Online und erreichbar zu sein.

Dienstag, 3. November 2015 später Nachmittag: Bisher kein Anruf, also wieder mit dem Auto zum ORANGE Shop. Die Mitarbeiterin ist wieder da, sagt, sie sei noch nicht dazu gekommen  und ruft nun sofort wieder die Hotline an. Die sagt, alles kein Problem, wir bekämen in den nächsten Stunden eine SMS und dann sei alles wieder gut.

Mittwoch, 4. November 2015: Wieder später Nachmittag, keine SMS, wieder eine Auto-Tour zum ORANGE Shop. Immerhin liegt auf beiden SIM Karten ein Guthaben von ca. 70 € sowie die laufenden Internet Pakete für noch gut 20 Tage.
Die Frau mit Shop ist zwar noch nicht genervt, aber unglücklich, das wir immer wieder, immer unzufriedener auf der Matte stehen.
Irgendwie kommt sie an einen anderen Hotline-Mitarbeiter und der sagt, da gebe es ein größeres Problem und man werde innerhalb von 72 Stunden mit uns Kontakt aufnehmen. Wir versuchen höflich zu bleiben, machen aber auch klar, das das inakzeptabel ist. 72 Stunden seit Samstag sind längst rum…
So gelangen wir auf einmal zu einer Englisch sprechenden Hotline von ORANGE (in Spanien sind das die Telefonnummern: 900 906 129 und 900 906 121).

Auch dieser Mitarbeiter erklärt ROBBIE die 72 Stunden Prozedur – wir (die Kunden) müssten Fragen beantworten und ORANGE würde dann prüfen.

Weil ROBBIE entnervt aufgibt spreche auch ich mit dem Menschen – und flippe fast aus, als er von uns verlangt, das wir die Marken, Typen, die IMEI Nummern sowie sämtliche Kaufbelege der Handys (der Hardware!) vorweisen sollen, per Fax natürlich, eine eMail Adresse bietet ORANGE nicht an. Ein Fax kann der ORANGE Shop aber nicht schicken…

Begriffsstutzig wie ich nun mal bin rede ich mich erst mal in Rage und nehme nur am Rande wahr, das der Mensch am anderen Ende der Leitung einen echt guten Job macht. Immer ruhig, immer sachlich. Ich bestehe darauf, das wir die geforderten Informationen nicht beibringen müssen weil es schlicht unsere Sache sei, wo wir ordnungsgemäß gekaufte und registrierte SIM Karte einlegen.

Ich führe aus, das wir überhaupt keine Belege für die Geräte mehr hätten, schließlich würden wir um die Welt reisen und die Handys da kaufen, wir wir sie gerade brauchen – und weil wir das jeweilige Land dann ja zwecks Weiterreise wieder verlassen, brauchen wir keine Kaufbelege – sowieso keine Garantie. Wir hätten nun Geräte aus der TÜRKEI, DEUTSCHLAND, INDONESIEN und THAILAND im Einsatz.

Mein Gegenüber stutzt und bittet mich, in der Leitung zu bleiben und hält längere Rücksprache.

Ja OK, auf die Belege könne man verzichten, aber die Marken und IMEI Nummern sowie die Geschichte mit der Weltreise müssten wir schriftlich per Fax ORANGE mitteilen.

So langsam dämmert mir, was da eigentlich los ist und wieso unsere beiden SIM Karten gesperrt wurden.

Für ein blödes Stück Software, das verdächtige Handy-Benutzung aufspüren soll, sieht das ja auch mächtig komisch aus:

1) Ein BRITE kauft zwei SIM Karten und zahlt mit einer AUSTRALISCHEN Kreditkarte

2) Die SIM Karten werden in Telefonen verwendet, die aus der TÜRKEI, INDONESIEN, THAILAND und DEUTSCHLAND stammen – ausweislich der IMEI Nummer, der weltweit eindeutigen Gerätekennung aller Handys.

3) Nach drei Wochen wird eine der SIM Karten mit einer DEUTSCHEN Kreditkarte aufgeladen

Da hat die Software wohl gedacht, sie habe da ein paar waschechte Terroristen oder wenigstens sau dumme Gauner am Wickel.

Das erklärt dann auch, wieso kein normaler Sachbearbeiter uns helfen konnte – keiner wusste, warum die Karten gesperrt wurden. Schließlich will man ja nicht, das solche Prüfverfahren allgemein bekannt werden. Das erklärt, warum der englisch sprechende Hotline-Mitarbeiter immer nur davon sprach, das man die vorgegebene Prozedur einhalten müsse – ohne zu erklären, wieso die SIM Karten überhaupt gesperrt wurden. Das erklärt, wieso man die Gerätenummern beibringen muss. (…schließlich hatte ORANGE die ja sowieso schon seit Wochen über das Handy-Netz).

Nun denn, wir senden am Donnerstag Morgen (5.11.2015) das geforderte Fax  aus dem Hafenbüro und schon am frühen Nachmittag bekommen wir eine SMS, das die SIM Karte nun wieder frei geschaltet sei. Keine Entschuldigung, keine Erklärung, kein Gooddie für 5 Tage Ausfall.

Soweit also ein Erfolg.

Aber auch das echt blöde Gefühl, das in der Welt mittlerweile Dinge abgehen, die man als normaler Mensch nicht mal ahnen kann.

Und wenn man es mal genau nimmt, unsinnige Dinge. Wenn wir wirklich Terroristen gewesen wären, hätten wir wohl unser Ding direkt durchgezogen und nicht erst drei Wochen gewartet. Wenn wir wirklich Terroristen gewesen wären, hätten wir lokale Identitäten angenommen. Lokale Telefone gekauft, Bargeld verwendet.

Wenn man das Thema im Internet recherchiert, dann stellt man ganz schnell fest, das die angeblich einmalige IMEI Nummer manipulierbar sein soll. Und das es kommerzielle Datenbanken zur Abfrage eben solcher Nummern gibt.
Zur Erinnerung: In der TÜRKEI haben wir ein „lokales“ Handy gekauft, um der dortigen IMEI basierte Gerätesperre zu umgehen – denn „nicht türkische Geräte“ werden per Gesetz gesperrt.

Oberflächlich wird die Datensammlung und Validierung als Kundenschutz verkauft: Gestohlene Handys identifizieren oder wieder finden und so…

Aber rechnet man mal 1 und 1 zusammen, dann will man gar nicht tiefer graben:

Auf unserer Reise wurde unser Reisepass bisher mehr als 100 mal kopiert. Für die Registrierung einer SIM Karte, für das Anmelden in einer Marina oder die Anmietung eines Autos. Da hat man schon mal plausible (also zueinander passende) Daten einer realen Person. Passnummer, Geburtsdatum, Name. Dann die Datensammelwut im Internet – oder, wie eben gelernt, im Mobilfunkbereich.

Wenn man dann mal bloß nicht irgendwann virtuell („datentechnisch“) geclont wird und irgendwelche Gotteskrieger unsere Identität annehmen…

…oh Gott, ich gestehe, ich gestehe…

Peter.

P.S. I:

Bereits vor Wochen habe ich mich gefragt, wie GOOGLE unsere Endgeräte unterscheiden kann. Denn das können sie offenbar: Ich verwende bei GOOGLE nur einen Account. Wenn ich im PLAY STORE eine App kaufe, wird sie immer auf dem ersten Handy installiert, mit dem ich mich mal bei GOOGEL PLAY angemeldte habe – auch wenn ich die App auf einem ganz anderen Handy installieren möchte (…und dort den gleichen Account verwende). Das kann, nach meinem Verständnis, nur über die IMEI Nummer laufen – wie zur Hölle kommt GOOGLE daran? Das ist mehr als unheimlich – das ist beängstigend!

P.S.II
Hier noch ein paar Links zum Thema:
https://de.wikipedia.org/wiki/International_Mobile_Equipment_Identity

http://winfuture.de/news,51285.html

http://www.telespiegel.de/handy/ueberwachung-abhoeren.php

http://www.heise.de/ct/artikel/Terrorabwehr-vs-Grundgesetz-290038.html

https://curved.de/news/imei-datenbank-zentrale-wegfahrsperre-fuer-smartphones-85672

https://imeidb.gsma.com/imei/login.jsp

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.