Zur Lage XXVIII

Unglaublich, der letzte Lagebericht liegt mehr als drei Monate zurück, da macht es wohl durchaus Sinn, endlich mal wieder was aktuelles zu schreiben.

Dieser Lagebericht beschäftigt sich mit

1) Reiseplanung
2) Manschaft
3) Technik, als da wäre:
3.1) NANNI Ersatzteile
3.2) Heizung
3.3) Kettenkasten
3.4) Boiler

1) Reiseplanung
Der STORMVOGEL wird in AGUADULCE, Südspanien überwintern. Der Hafen von AGUADULCE liegt ganz in der Nähe von ALMERIA, gut 150 Seemeilen östlich von GIBRALATR, dem offiziellen Ende des Mittelmeeres – oder ist es der Anfang? Wir planen Anfang November 2015 in AGUADULCE anzukommen. Wir stellen den STORMVOGEL wieder an Land, schließlich soll er hier bis Anfang März 2016 alleine bleiben.
Große Reparaturen haben wir nicht geplant, weil keine anliegen. (Toi, Toi, Toi!). Diesmal also keine Werftzeit, sondern einfach nur Winterpause. Wobei „Winter“ hier relativ ist: Die Temperaturen liegen im Winter zwischen 15° und 20 °C.

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Heidi und ich werden als Crew auf SOUTHERN STAR noch mal den Atlantik überqueren. Der Plan ist, mit zwei Motorbooten von den KANARISCHEN INSELN aufzubrechen und in die Karibik zu gehen.
Die Planung für diesen Törn ist nicht ganz einfach, da es gilt, zwei Boote, Crew und Wetter zu koordinieren. Stand „heute“ ist der Törn für November 2015 oder Januar 2016 vorgesehen. Somit wissen wir im Moment selbst auch nicht, wo wir in diesen beiden Monaten sein werden….
…aber wenn wir nicht auf dem Atlantik sind, dann sind wir wohl zu Hause in ELMSHORN 😉

(oder in HILDEN – zum feiern! – um wenigstens eine Leserfrage zu beantworten).

So oder so, wir werden dann Anfang März 2016 zurück nach AGUADULCE gehen, den STORMVOGEL ordentlich auswintern und uns dann auf die letzte große Etappe nach HAMBURG begeben. Der „große Plan“ sieht vor, das wir im Juli, August oder September 2016 mit dem Boot zurück sind. Es gibt durchaus unterschiedliche Meinungen an Bord, welcher Monat wohl der Beste wäre.

Noch lange hin, noch viel zu erleben und viel zu entdecken. Nicht zu viel planen.

Schauen wir mal 😉

2) Mannschaft
Unser lieber Freund Wolfgang hat angemerkt, das er so etwas wie Reisemüdigkeit bei uns fest stellt. Da ist schon was dran. Dieses Fahren nach Fahrplan ist anstrengender als gedacht. Aber wir kennen keine andere Möglichkeit, so viel wie möglich vom Mittelmeer zu sehen.
Einige andere Boote die wir kennen, machen immer mal wieder 200 oder 300 Seemeilen am Stück, lassen unterwegs einige Stationen aus und bleiben dafür länger an einem Ort. Das sind wir aber auch nicht. Wenn wir drei Tage irgendwo liegen, zieht es uns weiter.

Nun denn, noch zwei oder drei Wochen und dann ist unsere Segelsaison 2015 beendet und wir bekommen einen, oder gleich zwei Tapetenwechsel.

3) Technik
Wir sind immer noch von größeren Problemen verschont! Ist das nicht toll? Wir finden das super! Kann aber auch sein, das sich der Maßstab nur verschoben hat. Was sind schon „größere Probleme“, was sind „kleinere“?

3.1) Ersatzteile Hauptmaschine
Wir hatten unseren NANNI N4.85 Diesel in SINGAPUR eine große Inspektion gegönnt und dabei den Anlassermotor und den Turbo Lader gewechselt. Einige Zeit später bin ich denn darüber gestolpert, wieso wir in diesem Zusammenhang nicht wenigstens eine Ersatz-Impellerpumpe (für die Seewasswerkühlung) und eine Ersatz-Lichtmaschine an Bord genommen haben? Denn das sind wohl die einzigen Komponenten, die in nächster Zeit wohl ihren Geist aufgeben könnten.
Nun denn, wir wollten die in Deutschland bestellen und dann mit nehmen. Lernkurve-1: 2-3 Wochen Lieferzeit und Lernkurve-2: teuer! Also haben wir die Teile in Frankreich bestellt, in SETE abgeholt und dabei gut 20% gegenüber dem deutschen Preis gespart.

Also fahren wir jetzt noch mehr Ersatzteile an Bord. Wird Zeit, das wir wenigstens die alten Maschinenteile nach Hause zwecks Überholung bekommen.

Die Lichtmaschine und die Impellerpumpe sind natürlich Standard-Industrieteile und stammen nicht von NANNI selbst. Aber NANNI unternimmt alles, um diese Teilenummern zu verschweigen, damit man die Ersatzteile über NANNI bezieht. Daher hier wieder mal die Klarnamen:

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Die Impellerpumpe für den NANNI N4.85 Bootsdiesel trägt folgende Bezeichnung:

SPX Johnson Pump
F7B-9
10-24748-01
1553

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Die Lichtmaschine für den NANNI N4.85 Bootsdiesel trägt die folgende Bezeichnung:

MAHLE
AAK1812-14V 100A
11.203.657
15-209

Aber Vorsicht: Die MAHLE Lichtmaschine hat an einer Stelle eine „Kerbe“ (hier links im Bild) die eventuell nur für die Montage an dem NANNI Diesel notwendig ist. (?)

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3.2) Heizung
Man glaubt es kaum, aber insbesondere in Südfrankreich war es in den frühen Morgenstunden doch schon recht kalt. Seit NEUSEELAND wissen wir, das wir die Heizung erneuern müssen, jetzt, der Winter steht vor der Tür, ist es wohl endlich an der Zeit.
Also den WEBASTO Händler für BARCELONA im Internet gesucht und die gleiche Heizung als Ersatz bestellt. Denn das ist schon fast sensationell: Unsere WEBASTO Heizung heißt DBW2010 – und ist ca. 20 Jahre alt….
…und WEBASTO hat die immer noch im Programm! Das nenne ich mal Kontinuität!

Nun denn, wir kommen in BARCELONA an, der Mechaniker mit der neuen Heizung erscheint. Er baut unter lautem Fluchen die alte Heizung aus und auf dem ersten Blick sehen die beiden Heizgeräte wirklich identisch aus. Alle Anschlüsse an den gleichen Stellen, gleiche Abmessungen, Toll!

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Na ja, beim zweiten Blick fällt dann auf, das das Steuergerät (SG) ein anderes ist. Die alte Heizung hat SG 1564, die neue SG 1553. Eine umfangreiche Internet-Recherche ergibt, das wir, um ganz genau zu sein, offenbar das Modell „WEBASTO DBW2010 sensoric“ hatten. Die findet man im Internet nicht zum Kauf angeboten. Es findet sich immer nur die „WEBASTO DBW2010“ ohne weitere Information – und die kommt eben mit dem Steuergerät SG 1553.

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Der Unterschied zwischen den beiden Geräten (die ansonsten ja völlig gleich aussehen) ist die Steuerlogik. Die einfacherer Variante mit SG 1553 heizt das Heizwasser einfach auf gut 70°C auf und schaltet dann den Brenner ab. Sinkt die Temperatur des Heizwassers auf 62°C ab, wird der Brenner wieder eingeschaltet und das Heizwasser wieder auf 70°C erhitzt. Die Temperatur im Bootsinneren wird dabei über die Thermostate an den Heizkörpern geregelt.

Die „klügere“ Variante mit SG 1564 wird über die Raumtemperatur gesteuert. Ein zentraler Temperaturfühler misst im Innenraum die Temperatur und wenn es zu kalt wird, wird der Brenner gezündet. Ist die Wunschtemperatur erreicht, schaltet der Brenner wieder ab.
In diesem „sensoric“ Betrieb läuft der Brenner also weniger, es wird weniger Diesel und elektrische Energie verbraucht.

Nun ist es natürlich nicht so, das man einfach das Steuergerät austauschen kann, denn für diese intelligentere Steuerung sind mehr Sensoren im Brenner und im Heizwasser notwendig.

OK, konnte man (ich!) nicht wissen und soooo schlimm ist diese unterschiedliche Temperatursteuerung ja nun auch nicht. Dank der hervorragenden WEBASTO Dokumentation bin ich nun schlauer…

Also wird der neue WEBASTO DBW2010 mit SG1553 munter eingebaut. Zwei Mechaniker kapitulieren und die beauftragte Firma (immerhin offizieller WEBASTO Händler) sucht einen echten Spezialisten. Der kommt und ist wirklich gut. Kämpft aber mit dem Wassertank: Als er die Anlage mit der Heizflüssigkeit (einem Mix aus Wasser und Frostschutzmittel) wieder auffüllt und unter Druck setzt, stellt er fest, das unser Heizwassertank undicht ist und erneuert werden muss.
Wir haben mittlerweile Donnerstag…

…seit vier Tagen wird an dem Teil geschraubt….

…nun, der Tank wird erneuert und nach Rücksprache mit WEBASTO sollen die alten Schalter (manuell „An“, Zeitschaltuhr) auch mit SG 1533 funktionieren.

Gegen 20:30 Uhr am Donnerstag Abend (8/10/2015) kommt der spannende Moment: Wir schalten die Heizung an…

…und sie läuft!

Astrein!

Sogar die Umwälzpumpe läuft.

Toll!

OK, jetzt mal abschalten und die Anlage auf Dichtigkeit überprüfen.

Äh, abschalten?

Abschalten geht nicht. Die Heizung läuft munter weiter – es bleibt nur der Hauptschalter für das 12 Volt Bordnetz als Ausschalter.

OK, das geht zwar, ist aber kein Dauerzustand. Denn wenn das Heizgerät über den „richtigen“ Schalter ausgeschaltet wird, läuft es noch ein Stück weiter um abzukühlen. Nimmt man über den Hauptschalter die 12 Volt Versorgung ganz weg, entfällt die Abkühlphase – nicht gut!

Nun haben wir also ein echtes elektrisches Verkabelungs-Problem. Das neue Heizgerät wird mit einem simplen „Ein/Aus“ Schalter zum selbst Verkabeln geliefert. Uns würde das ja reichen…

…allein, es fehlt an Personal: Keiner der beteiligten Mechaniker traut sich da ran.

Es ist Freitag Vormittag und es ist wirklich an der Zeit, das wir BARCELONA in Richtung Süden verlassen.

Samstag wird nicht gearbeitet, Sonntag sowieso nicht und Montag ist Feiertag.

Also denn, selbst ist der Mann!

Zusammen mit einem nicht näher zu benennenden Motorbootskipper wollen wir uns an die Verdrahtung machen. Dazu bauen wir erst mal im kleinen alle Kabel so auf, wie sie später sein sollen.
Der Schaltplan ist nach näherem Studium gar nicht so schwer zu verstehen – die Steckerbelegung auch nicht. Den Stecker muss man sich mit den mitgelieferten Teilen nämlich selber bauen. So will WEBASTO offenbar die größtmögliche Installationsvielfalt ermöglichen.

Quelle: WEBASTO AG
Quelle: WEBASTO AG

 

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Quelle: WEBASTO AG

Tja, Kabel und Stecker gebaut und Mutig eingeschaltet.

Nichts, tote Hose.

Hm.

Aus, wieder an.

Nichts, immer noch tote Hose.

Grübel, Grübel, Grübel.

Also, könnte es vielleicht sein, das die Steckerbelegung im Installationshandbuch nicht den Stecker zeigt, sondern den Sockel (Buchse) am Steuergerät? Wenn das so wäre, hätten wir alles spiegelverkehrt gemacht…und +12 Volt auf Pins gelegt, auf die keine +12 Volt gehören. Wie robust ist so ein Steuergerät?

Versuch macht klug.

Also den Stecker verändert und wieder, nun schon deutlich weniger mutig, eingeschaltet.

Ahhh, die Umwälzpumpe läuft nun, aber das Heizgerät nicht.

Ohhh, mir schwant böses!

Wir probieren den alten Stecker aus, mit dem wir ja einschalten, aber nicht abschalten konnten.

Geht auch nicht mehr – nur die Pumpe läuft.

Es fällt sehr, sehr schwer anzuerkennen, das wir (ich!) durch die falsche Interpretation der Steckerbelegung offenbar das nagelneu Steuergerät SG 1533 zerschossen haben.

That life.
Dont worry, be happy.
We only can try.

Das frustrierende ist doch eigentlich nur, das wir nach fünf Tagen Arbeit und 3.500 € Investment keine funktionierde Heizung haben. Es gibt schlimmeres.

Da gibt es verschiedene Lösungen!

Ab nach Süden, wo es wärmer ist! Und zwar schleunigst!

Äh, und, na ja, ein Bier. Bier beruhigt!

Aber Bier ist nicht die Lösung. Nicht von Dauer, nicht Endgültig.

Die Lösung ist, das wir nun bei dem WEBASTO Händler in BARCELONA ein neues SG 1553 bestellt haben, es ins Winterlager schicken lassen und dort einbauen werden. Und wehe, das funktioniert nicht! ;-))

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Zur Erklärung der Fotos:
Die beiden roten Kabel sind für den Schalter S1 (Ein/Aus) und jetzt (richtig) auf Pin 1+4. Das blaue Kabel ist Minus an Pin 2 – da es in der Mitte ist, ist es immer richtig, ob spiegelverkehrt oder nicht. Die beiden weißen Kabel sind für die Steuerung der Kontroll-Lampe im Schalter und liegen auf Pin 3+6.

Aus meiner Sicht fehlt im Handbuch ein DEUTLICHER Hinweis darauf, das bei der Pin-Belegung nicht der Stecker, sondern die Buchse gezeigt wird. Aber das ist vielleicht auch nur ein Selbstschutzversuch angesichts der schmählichen Niederlage…?

Hätte, hätte, Fahrradkette: Hätte ich auf das Steuergerät gesehen, wäre mir vielleicht aufgefallen, das die Belegung der Buchse gemeint sein könnte?

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Nun denn.

Ich habe WEBASTO als Verbesserungsvorschlag mitgeteilt, im Handbuch doch aufzunehmen, das die Buchse und nicht der Stecker gemeint ist.

Und im übrigen: Hier auf MALLORCA ist es trotz bedecktem Himmel so warm, das wir eher an Klimaanlage denn an Heizung denken 😉

3.3) Kettenkasten
Darüber hatte ich ja schon im Beitrag „Nach BARCELONA!“ berichtet. Hier noch ein paar Bilder zu der Problematik. Man kann auch gut erahnen, wieso die 100 Meter Kette in diesem Kasten nicht gut fällt. Aber tiefer geht es nicht…

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Der Konstrukteur des zentralen Lenzsystem des STORMVOGELS hätte sicher den NOBEL-Preis verdient. Für Philosophie. Ich gebe zu, wir hatten noch nie den Ankerkasten lenzen müssen – nun wollte ich aber doch wissen, wie das geht!

Also den Bauplan studiert:

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Und gelernt, das es noch viel mehr Ventile an Bord gibt, als ich jemals dachte. Aber wenn man es dann begriffen hat, ist es alles ganz logisch. Folgender Waschzettel ist dabei heraus gekommen:

——————————— SCHNIP / SCHNAP —————–
a) ANKERKASTEN
Zum Lenzen des Ankerkastens mit der Hochdruckpumpe sind vier Ventile richtig einzustellen:

a.1) Ventil „A1“ in der Toilette, Steuerbordschrank (Klopapierstauraum). Dieses Ventil ist auf „Durchgang“ zu stellen. „Schwarzer Pfeil“ zeigt nach oben. Die Symbole „<^>“.

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a.2) Ventil „A2“ in der Wassermacherbilge an Steuerbord. Dieses Ventil ist ebenfalls auf Durchgang zu stellen. „Schwarzer Pfeil“ zeigt nach oben. Die Symbole „<^>“.

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a.3) Am Manifold in der Wassermacherbilge ist das rote Ventil „KETINGBAK EN VUILWATERTANKS“ zu öffnen.

a.4) An der Hochdruckpumpe ist das Ansaugventil „3“ längs zum Bootskiel zu stellen.

Nun kann die Pumpe aus dem Kettenkasten ansaugen. Aufgrund der Vakuumtechnik dauert der Ansaugvorgang etwas länger, also die Pumpe laufen lassen.
——————————— SCHNIP / SCHNAP —————–

3.4) Boiler
Das ist nun mal wieder was aus der Abteilung „Klabautermann“. Der ist seit Monaten auf SOUTHERN STAR, aber mit Chance ist er zurück? Wir nehmen nach Jahren der Nicht-Nutzung den 220 Volt Warmwasser-Boiler bei Landstromversorgung in Betrieb und freuen uns über das warme Wasser.

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Nach ein paar Tagen funktioniert das Teil aber nicht mehr. Komisch. Alle Sicherungen sind drin. Aber kein warmes Wasser.
Eine Überprüfung bedeutet ca. 2 Stunden umräumen, denn die Achterkajüte ist voll mit Material. Mit dem Messgerät kann ich feststellen, das an der Boiler-Steckdose kein Strom mehr ankommt. Vor Inbetriebnahme hatten wir das Überprüft. Mit einem Schalter auf der Bootskonsole wird ein Relais geschaltet das dann die 220 Volt auf dieser Steckdose frei gibt. Das Relais schaltet auch – sicherheitshalber gegen ein anders getauscht – geht immer noch nicht.

Nun steht also zu vermuten, das Herr Klaubtermann das Kabel auf dem Weg von Relais zur Steckdose unterbrochen hat – mit Chance saugt er jetzt selbst den Strom ab um seine elektrische Heizung in Gang zu halten – wo doch die Bordheizung nicht geht?

So weit zur Lage.

Und wer da denkt, als Weltumsegeler umselgt man die Welt, der liegt falsch!

Man repariert sich um die Welt!

Peter.

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