Nach BARCELONA!

Am Freitag, den 2. Oktober 2015 brechen wir Morgens in SETE auf, um Frankreich zu verlassen und in einem 155 langen Meilentörn über Nacht nach Spanien, nach BARCELONA zu segeln.

Heute stimmt die Wettervorhersage so gar nicht – aber nicht zu unseren Ungunsten, wie sonst üblich. Nein, diesmal haben wir schon wieder ordentlichen Segelwind, der uns auf einem leichten Süd-Süd-West Kurs nach BARCELONA führen soll…

…aber irgendwie ist auf beiden Booten die Luft raus – für einen Übernachter fehlt am späten Nachmittag die Kraft. Vielleicht liegt es auch daran, das wir nun wieder nahe der Küste sind und ein Abbruch möglich erscheint.

Also fix die Seekarte und den Törnführer konsultiert. Die Ankerbucht CALA DE CULIP scheint gut zu sein und bei Tageslicht erreichbar. Als wir dort ankommen stellen wir erstens fest, das dieses Felsloch ganz schön eng ist, zweitens der Anker kaum hält und wir uns drittens hier sehr unwohl fühlen.

Also doch den Nachttörn? Vorbereitet sind wir.

Nur haben wir keine Lust.

Wir gehen um das Kap herum in die Bucht PORT LLIGAT, dort soll man sehr gut ankern können. Mit wirklich allerletzem Tageslicht kommen wir dort gegen 19:30 Uhr an. Kein Gedanke an Anker, hier liegen sehr viele, auch viele freie, Mooringbojen herum. Keine Ahnung ob wir die nehmen können, aber wir fragen auch nicht weiter und es kommt keiner.
Die Nacht verläuft sehr ruhig, richtige Entscheidung Nummer 1.

Am sehr frühen Morgen, gegen 5:00 Uhr nun weiter – in einem Rutsch die gut 80 Meilen nach BARCELONA.

Es ist noch dunkel aber mit etwas Mondlicht kommen wir ohne Probleme aus dem Mooringfeld ins kleine Fahrwasser.

Kein Segelwind, Maschine läuft. Wir runden CABO SAN SEBASTIAN und langsam, schleichend, hinterrücks geht das Theater los.

Immer noch kein Segelwind, aber es baut sich auf dieser Seite der Küste eine Dünung auf, die uns wie schon lange nicht mehr durchschüttelt. Unter Deck ist gehörig was los, an Deck müsste man ein Segel zum stabilisieren setzten, aber das würde nur sehr heftig hin und her schlagen.

Mittlerweile gehts gegen an und wir haben auch Wind, natürlich auf die Nase.

So wird das nichts mit BARCELONA.

An Ankern ist bei diesem starken auflandigen Schwell nicht zu denken, die Buchten sind alle offen nach Süd-Westen. Also ein Hafen. Der Törnführer spricht nur von hochpreisigen Marinas an der COSTA BRAVA – außer PORT DE ARO, das sei ein mittelpreisiger Hafen.

Also ins 4 Meilen entfernte PORT DE ARO.

Mittlerweile schlägt unser neuer (seit TÜRKEI) Bilgenalarm erstmals an. Immer mal wieder bei starken Rollbewegungen. Mist, was ist das?

Die mutige, aber eben auch leicht verrückte Heidi überprüft bei der Schaukelei die Wassermacherbilge und die Schwingkielbilge. Das ist sehr harte und gefährliche Arbeit. Man muss die Backskisten leer räumen und den Inhalt so stauen, das man davon nicht erschlagen wird. Beide Bilgen trocken. Also entweder Fehlalarm oder die Bugstrahruderbilge hat Wasser.

Ich will nicht, das Heidi im Vorschiff alles auseinander baut, um nach zu sehen. In einer halben Stunde sind wir im Hafen und da haben wir alle Ruhe der Welt für eine genaue Überprüfung.

Die Dünung steht voll auf der Hafeneinfahrt von PORT DE ARO. SOUTHERN STAR ist vorraus, Robbie meint, das Einlaufen werde tricky werden.

Wir beobachten das Motorboot genau, es rollt zwar, aber sieht alles gut aus.

Nun wir hinterher. In der Tat, tricky, tricky. Ich bitte Heidi, Ausschau nach achtern auf eventuell brechende Wellen zu halten. Ich schaue vorraus, gebe etwas mehr Gas und halte das Ruder fest umklammert.

Wie bei der Pass-Passage auf dem TUAMOTO Atoll TAKAROA muss man hier mitten in der Einfahrt eine Backbord 90° Kursänderung hinlegen. Nicht zu früh, nicht zu spät andrehen, sonst hängt man auf den Felsen.

Junge, junge, so ein Abenteuer brauchen wir nicht noch mal. Auf gar keinen Fall.

Aber, und wie immer, nur das zählt: Beide Boote haben es ohne Beschädigung geschaft.

Obwohl einige nun eine Bahnfahrkarte nach BARCELONA buchen wollen. Wir geloben, bei der Welle nicht wieder auszulaufen. Der erneute Abbruch war offensichtlich die Richtige Entscheidung Nummer 2. Es ist ein echter Vorteil auf diesen Küstentörns. Abbruch möglich.

Später pilgern wir noch mal zur Hafeneinfahrt, der Hafen ist mittlerweile offiziell per roter Flagge geschlossen. Die kann man aber nur sehen, wenn man ausläuft. Nun brechen auch tatsächlich einige Wellen in der Einfahrt.

Wir überprüfen das Boot und stellen fest, das die Bugstrahlruderbilge ca. 25 Liter Seewasser hat. Kommt aus dem Ankerkasten. Wir lenzen und sind erst mal froh´ über den Bilgenalarm und darüber, das das Wasser nicht aus dem Bugstrahrunder-Tunnel stammt, sonst müssten wir jetzt mal eben kurzfristig in den Kran.

So haben wir also ein kleines Projekt für das Winterlager. Der Ankerkasten bekommt auch noch einen Bilgenalarm und wird wieder wasserdicht aufgebaut – das Projekt haben die „Spezialisten“ in NEUSEELAND irgendwie nicht abgeschlossen. Nun gut. Nix passiert.

Im Ort PLAYA DE ARO rüsten wir uns mit lokalen SIM Karten von LYCA aus. 5 GB Daten und 120 Minuten sprechen für 50 €. Tolle Sache, wenn denn das TETHERING (HotSpot) bei den Smartphones funktionieren würde. Wieder so ein Mist mit den Telefonen. Wie soll man in 30 Tagen 5 GB mit dem Handy auffressen?

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Am nächsten Morgen (Sonntag, 4/10/2015) hat sich der Schwell gelegt und nach Inspektion der Hafeneinfahrt verlassen wir mit Zustimmung aller Crew-Mitglieder PORT DE ARO. Keiner fährt tatsächlich mit der Bahn.
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Mittelpreisig meint im übrigen an der COSTA BRAVA in der Wintersaison satte 57 € pro Nacht.

Die 45 Seemeilen nach BARCELONA verlaufen ereignislos, aber auch ohne Segelwind.

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Aus einem geplanten Übernachttörn sind drei volle Tage mit einigen Aufregern geworden.

Wer hätte das gedacht? So kann es gehen, auf See.

Aber jetzt sind wir in BARCELONA und haben seit drei Tagen das Projekt „Heizungsbrenner erneuern“. Herrlich, das schreit schon wieder nach einem neuen Lagebericht, endlich mal wieder!

Peter.

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