NAXOS GIARDINI nach TROPEA

Wir haben Glück mit dem Wetter. Nicht großes Glück. Großes Glück wäre, wenn der Wind aus OST, WEST oder SÜD wehen würde. Tut er aber nicht. Er weht gar nicht. Also motoren wir recht viel – nach NORDEN.
Da wäre dann auch die Definition von Pech – wenn der Wind aus NORD oder um NORD kommen würde. Das tut er in dieser Gegend wohl recht häufig und daher empfinden wir es als Glück, das er nicht weht 😉

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Weht längere Zeit kein Wind, ist die See platt. Keine Welle. Das Boot wiegt sich natürlich trotzdem ein wenig hin&her, aber das ist schon ganz angenehm so.

Weniger angenehm, um nicht zu sagen echt scheiße sind die ganzen Strand-Discos die bis in die Puppen (4:00 Uhr) den Strand rocken. Da liegt man irgendwo vor Anker, ahnt nichts böses und gegen 22 oder 23 Uhr geht das WUM WUM BUM BUM los. In ITALIEN ist jetzt Hauptferienzeit und daher sind die Strände und strandnahen Städte voll von einheimischen Touristen. Und in den drei oder vier Urlaubswochen des Jahres wollen die natürlich ihren Spaß haben!
Diese Hauptferienzeit hat noch eine andere Schattenseite: Die Liegeplätze in den Marinas kosten noch bis Ende August gut 30-40% mehr, als was sie sonst kosten würden. Für den STORMVOGEL so zwischen 110 und 130 € die Nacht. Also versuchen wir vor den Marinas zu ankern, wie einige einheimische Yachten auch. Das klappt gut, aber die schlauen Marina-Betreiber haben genau da die Stranddiscos aufgebaut und sorgen des Nachts für einen ungemütlichen Schwell…oder so.

 

Nun denn, wir sind weiter gereist und haben diese drei Stationen gemacht:

  • NAXOS GIARDINI (69sm Sizilien, So 9/8-Mi 12/8/2015)
  • SCILLA (37 sm, Mi 12/8/2015)
  • TROPEA (29sm, Do 13/8/2015)

NAXOS war ein Tip von Kurt, dem Niederländer auf seinem Riesenkatamaran den wir in MESOLONGI (GRIECHENLAND) getroffen haben. Im Hafen gibt es keinen Platz für Yachten, aber man kann davor recht gut im Sand ankern. Nur zwei Nachteile gibt es hier: Disco und Schwell, siehe oben.
Dafür hat man aber einen spektakulären Blick auf den ETNA (wenn die Wolken aufreißen) und auf die Bergdörfer (Städte) TAORMINA und noch höher CASTELMOLA.

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Unsere Besucherin mustert hier ab und für den Transfer zum Flughafen, aber auch für spätere Ausflüge wollen wir ein Auto mieten. Keine Chance. Alle Mietwagen ausgebucht. Und auch am Flughafen sieht es nicht aus aus, als ob wir erfolgreich sein könnten: Bei endlosen Schlangen vor den Tresen geben wir einfach auf.
Wie sich später heraus stellt ist das ein Glück, denn viele Straßen in den Bergstädten sind für „normale“ Autos einfach gesperrt – geschweige denn die Herausforderung von abenteuerlichen Steigungen und fürchterlicher Enge.

Endlich mal wieder ein Landausflug. Wir buchen den Hop On / Hop Off Bus und werden vorzüglich herum kutschiert. Logisch, zuerst wollen wir ganz nach oben, nach CASTELMOLA! Die Fahrt ist super – viel zu sehen, der kleine Ort auf der Bergspitze wohl einmalig. Und anders als wir das sonst so von der Welt kennen – völlig erschlossen. Straßen, Strom, Wasser, Kanalisation. Der Aufbau einer solchen Infrastruktur muss Jahrzehnte gedauert haben. Dennoch: Der Charme der alten Zeit wurde bewahrt. Das ist echt clever.

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Ob es allerdings clever ist, Häuser am Abgrund zu bauen und das in unmittelbarer Nähe zu einem aktiven Vulkan – das wagen wir mal einfach zu bezweifeln 😉

Nach dem Rundgang und den Bildern mit dem Bus ein Dorf tiefer, nach TAORMINA. Unten, vom Wasser aus betrachtet sieht der Ort echt klein aus. Ist man aber erst mal dort ist man überrascht, wie groß er ist. Und bis auf die Straßen und Gassen, die Auf- und Ab führen merkt man nicht, das man hoch oben auf einem Berg ist. Irgendwo muss ein MSC Kreuzfahrer vor Anker liegen – die Stadt ist voll von Menschen, die so einen MSC Cruises Aufkleber auf der Brust tragen. Seht her, ich bin ein Kreuzfahrt-Touri und ich kaufe alles zu jedem Preis!

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Gegen frühen Nachmittag erleben wir ein Gewitter im Ort – der erste Regen seit wir im Mittemeer sind. Der erste Regen seit Juni! Ahhh, tut das gut. Die Luft und die Stadt wird abgekühlt und als wir uns auf dem Rückweg machen genießen wir die frische Kühle.

Sehr schöner Ausflug – aber zum ETNA wollen wir nicht mehr, denn wir sind den Liegeplatz nach drei Nächten überdrüssig.

Also nun durch die STRASSE VON MESSINA, nach SCILLA, einer Empfehlung von FRATI. Die Passage zwischen SIZILIEN und der Stiefelspitze von ITALIEN haben wir sorgfältig geplant und melden uns per UKW Funk auch an der Leitstelle an. Das Wetter ist gut, kein Wind und, das ist enttäuschend, kein Schiffsverkehr. Nur die vielen Fähren, aber kein großer Containterjäger der diese Meerenge gerade befährt.

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Frank (FRATI) sagte über SCILLA:
„Wir kommen also von Süden durch die STRASSE VON MESSIA, biegen um die Ecke und sehen eine große schwarze Gewitterfront vor unserer Nase“

Tja, das scheint wohl typisch für diese Gegend hier zu sein, denn auch wir kommen bei Bestem Wetter um die Ecke und finden ein gewaltiges Gewitter vor unserer Nase. Also mal mit ganz langsamer Geschwindigkeit warten, bis das abgezogen ist. Denn trotz Radar würde man in solchen Verhältnissen nicht sicher navigieren können.

Als wir wieder sehen können regnet es zwar noch aber wir dampfen zunächst in den kleinen Hafen. Da ist absolut kein Platz. Die dort liegenden Schwertfischer-Boote bewundern wir später von Land aus im Detail…
…alle Moorings scheinen durch kleine Sportboote belegt zu sein. Da kommt in Regenzeug ein Dingi-Fahrer angebraust und zeigt uns eine freie Mooring – für SOUTHERN STAR bleibt nur der Anker im felsigen, schlecht haltenden Grund. Robbie taucht und findet heraus, das sein Anker gut halten wird, aber das am Meeresgrund jede Menge alte, kaputte Moorings herum liegen die mal wieder in Betrieb genommen werden müssten.

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Egal, beide Boote liegen gut, aber der Regen lässt nicht nach. Regen, der schön kühlt, aber nur düstere Fotos dieser wunderbaren Kulisse zulässt. Am späten Nachmittag pilgern wir an Land und erkunden die Stadt. Auch hier viele enge, sehr schöne Gassen die mit Feldsteinen gepflastert sind.
Überraschend wenige Restaurants, jedenfalls auf der Seite, auf der wir unterwegs waren.

Später im Hafen nochmal zu den Fischerbooten. Auf einem irre hohen Mast (20 Meter?) ist der Fahrstand. Dort muss der Fischer-Käptn wohl den Schwertfisch sichten und seinen kleinen Dampfer da hin bugsieren. Dann steht auf einem noch längeren Ausleger am Bug (30 Meter?) ein Harpunier und versucht, die Beute zu erlegen. Betrachtet man Mast und Ausleger im Verhältnis zu dem winzigen Boot dann fragt man sich, wie das Teil überhaupt aufrecht schwimmen kann?

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Die Nacht verläuft bis auf den Schwell ruhig, keine Disco in SCILLA. Pluspunkt!

Am nächsten Morgen weiter nach TROPEA – diesmal eine Empfehlung des Hamburgers, den wir in ROCIEALA IONICA getroffen haben und dessen Namen wir vergessen haben. Er meinte über TROPEA „Frauenstadt“.

Was bitte ist eine Frauenstadt?

„Na ja, so eine Stadt mit vielen kleinen Gassen und Sträßchen, schönen Häusern und Millionen von kleinen Geschäften“ ;-))

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Ob der unverschämt hohen Liegekosten in der Marina gehen wir mal wieder davor vor Anker. Nur Strand, keine Disco zu sehen. Wir erschleichen uns Zugang zur Waschmaschine in der Marina und waschen, was das Zeug hält – und bezahlen natürlich dafür, denn die Maschinen nehmen Euro Münzen.

Eine kleine Siesta und am Abend dann in die Stadt. Um die zu erreichen muss man ungefähr 200 Treppenstufen aufsteigen, der Törnführer verspricht, es lohne sich. Die Altstadt liegt mal wieder auf einem Felsen und die alten Häuser scheinen nahtlos in den Felsen über zu gehen. Hier gibt es viele Restaurants und Eisdielen…wir verweilen in einer und schauen sehr interessiert den vorbei ziehenden Menschenströmen zu.

Das ist so eine Art neue Lieblingsbeschäftigung für uns hier in ITALIEN. Den flanierenden Menschen zusehen. Egal ob Mann oder Frau – jeder wirkt im Bestdress und mit gestyltem Haar wie aus dem Ei gepellt.
An dieser Stelle sei noch kurz angemerkt, das der Skipper des STROMVOGELS eigentlich noch schnell nach SEVILLIA müsste, um den dortigen Barbier aufzusuchen…

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Die Nacht wird richtig scheiße. Es ist trotz Windstille zeitweise extrem rollig und irgend einer hat dann doch noch eine Disco aufgemacht ;-(

Man kann eben nicht alles haben…Heidi meint am Morgen, das waren sauer verdiente 110 €.

Besser 110 € für gutes Essen als für eine doofe Marina ausgeben, gell?

Peter.

P.S.:

Bilder, Bilder, Bilder:

NAXOS

 

SCILLA

 

TROPERA

 

 


 

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