Sieben Meilen Stiefel – Bella Italia

…nun ja, ein Segelboot wie der STORMVOGEL trägt ja bekanntlich keine Schuhe, von daher ist der Titel etwas her geholt. Es sind auch nicht 7 Meilen die wir im Moment täglich so abreißen, sondern 50, 60 oder gar 70.

Dieser Beitrag berichtet über folgende Stationen im Zeitraum Mittwoch, 5. August bis Samstag, 8. August 2015.

  • SANTA MARIA DI LEUCA (49 Seemeilen)
  • CROTONE (71 Seemeilen)
  • ROCIELLA IONICA (63 Seemeilen)

Die ADRIA haben wir an ihrer schmalsten Stelle von OTHONI (GRIECHENLAND) nach SANTA MARIA DI LEUCA (ITALIEN, Stiefelabsatz) überquert. An dieser Stelle nur 49 Seemeilen breit und gut in einem Tag zu schaffen. Erst recht, wenn man super Nordwind hat und die ganze Strecke segeln kann. Mit einer Durchschnitts-Reisegeschwindigkeit von knapp 7 Knoten bretten wir über das offene Meer, die Welle ist auszuhalten, das Wetter gut.
Kein Vergleich zu den ruppigen ÄGÄIS Törns, aber doch so weit Hochsee, das an Kochen nicht zu denken ist… 😉

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Wir erreichen unseren ersten ITALIENISCHEN Hafen am frühen Nachmittag und hissen die Landesflagge. Dabei fällt auf, das es wohl die letzte „neue Flagge“ auf unserer Reise sein wird. Mit Chance machen wir zwar noch MAROKKO in diesem Jahr, das wäre dann der Bonus. Aber alle weiteren Landesflaggen auf dem Weg nach Deutschland haben wir auf dem STORMVOGEL schon mal gehisst.

Seufz.

Aber das Glas ist doch halb voll…!

Der Anker fällt vor der Hafeneinfahrt. Unsere wichtigsten Aufgaben (Einklarieren und lokale SIM Karte fürs INTERNET-Handy kaufen) können wir an diesem Tage nicht mehr erledigen. Es ist Feiertag, SMD LEUCA ist ein abgelegener Touri-Ort (Stiefelabsatz, ich sage nur Stiefelabsatz).

So bleiben wir also einen Tag länger als gedacht (ist auch gut so!) und gehen am Morgen zum Hafenmeister. Während es uns irgendwie logisch erschien, das die AUSTRALIER ihr Boot anmelden müssen, waren wir um so überraschter, das auch unser DEUTSCHER STORMVOGEL einer Anmeldung bedarf. So jedenfalls der Hafenmeister in seiner schnieken weißen Uniform.
Den Papierkram erledigt ein Mitarbeiter, der das wohl alles zum ersten Mal macht – eine satte halbe Stunde dauert der Vorgang pro Boot.

Also mal im Ernst, ich würde zu gerne in DEUTSCHLAND einklarieren und unsere eigenen Prozesse kennen lernen!

Mit dem Mietwagen kurven wir in den Nachbarort, um die SIM Karten zu kaufen. Das INTERNET via HANDY ist hier viel billiger als in GRIECHENLAND, muss wohl an der deutlich größeren Bevölkerung liegen.

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Es ist heiß und die Klimaanlage des Autos hat ihre Mühe mit unseren Ansprüchen. Mehr oder weniger zufällig landen wir auf der Tour in ORTANTO im Norden von SMD LEUCA. Hübsches Städtchen mit merkwürdigen Sitten:

Wir Essen zu Mittag in einem Restaurant abseits der Sehenswürdigkeiten und Touristen. Die Preise auf der Speisekarte erscheinen uns normal, die Portionen eher klein. OK, ist halt nur Lunch. Als es ans bezahlen gibt entdecken unsere Rechnungsprüfer Heidi und JoJo einen unbekannten Posten in Höhe von 5 €. Auf Nachfrage bekommen wir erklärt, das das hier ein richtiges Restaurant und keine Pizzabude sei! Hier gebe es richtige Tischdecken und keine Papiertücher auf dem Tisch. Und das koste nun mal Geld, das wir als „Servicepauschale“ zu bezahlen hätten.
Na das sind ja Methoden…

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Es ist immer noch heiß, die Innenstadt wimmelt nur so von Parkverboten, Anliegerstraßen und Polizisten, die gerne 135 € fürs Falschparken kassieren würden. Alles klare Zeichen, die Stadt zu verlassen und die Heimfahrt nach SMD LEUCA anzutreten. Die Fahrt auf der Küstenstraße ist langsam, aber dafür Atemberaubend. Wer hätte gedacht das diese Küste so schön ist?

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Das sehen die Einheimischen genau so – es ist Ferienzeit in ITALIEN und die Küste ist voll von eingeborenen Touristen 😉

Am Freitag, den 7. August 2015 verlassen wir in der Frühe den guten Ankerplatz und gehen vom Stiefelabsatz nach Süd-Westen zur Stiefelsohle. CROTONE ist unser weit entferntes Ziel und das Wetter spielt wieder mit. Wir können fast die ganzen 70 Seemeilen segeln, nur Mittags muss der Brüllaffe mal für ´ne Stunde ran.
Kurt, der NIEDERLÄNDER den wir in MESOLANGI getroffen haben, meinte ja, man könnte kostenlos im Industriehafen von CROTONE liegen. Das sieht die örtliche Wasserschutzpolizei am frühen Abend leider anders und verscheucht uns von einem guten, ruhigen und niemanden störenden Ankerplatz. Wir bunkern hier noch mal Diesel nach und gehen dann in den Stadthafen – und feilschen wie die Schneider um das Liegegeld –

– BEVOR WIR FESTMACHEN!

Schön finden wir unser Verhalten ja auch nicht, aber es kann doch auch nicht sein, das man für knapp 12 Stunden Liegeplatz satte 50 € zahlen soll? Wir nehmen uns vor, viel mehr mit Eingeborenen oder lokalen Seglern zu sprechen und so gute Ankerplätze für die nächsten Etappen zu finden!

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Am Abend gibt es ein kleines Jazz-Konzert im Hafen, trotz allgemeiner Müdigkeit schleppen wir uns kurz da hin, dann fällt zumindest der Skipper ins Koma und wird nur vom Wecker am nächsten Morgen geweckt.

Denn es geht weiter mit den Sieben Meilen Stiefeln.

Weiter die Küste hinunter nach ROCIELLA IONICA (Sa 8/8/2015), mal eben 63 Seemeilen abreißen. Diesmal reines Downwind segeln, ahhh, das können wir. Großsegel auf die eine, Yankee mit Baum auf die andere Seite und schon brettern wir wieder übers Wasser. Astrein!

Zeitweise können wir sogar die Fock dazu setzen und laufen über 7 Knoten – damit wird jede lange Etappe zur normalen Etappe.

Der Tag verläuft Ereignisarm, das Einlaufen in die Marina hingegen ist eine Show. Denn die Einfahrt versandet immer wieder und Berichten zu Folge sind hier auch schon schlimme Unfälle mit gestrandeten Booten passiert.
Statt zu baggern schickt die Marina nun immer ein Boot hinaus, das als Lotse durch die Sandbank fungiert. Doch auch diese Slalomstrecke wird es bald erwischen, wir loten 2.10 Meter Wassertiefe vor der Einfahrt – wohl gemerkt, in der vom Lotsen vorgegebenen Strecke.

Unser Anleger bei 20 Knoten Nordwind (quer zum Ponton) wird viel beachtet – verläuft aber völlig Problemlos nach dem ich begriffen habe, das unser Bugstrahlruder bei dem Wind den Bug nicht quer zur Windrichtung halten kann. Also seit langem mal wieder „Bow In“ in eine Box. (mit dem Bug zuerst).
Die Schwimmstege sind nur halb so lang wie die Boote und man muss eine Weile mit den Festmacherleinen arbeiten, um das Boot gut fest zu machen…aber der Luxus, mal eben längsseits an Land zu springen zu können ist natürlich super.

Wir verhandeln wieder wie türkische Teppichhändler mit dem Hafenmeister – keine Chance. Kein Rabatt, kein Deal. Der Mann bleibt höflich aber bestimmt. Geschickt, geschickt und aus Sicht des Betreibers der richtige Mann am richtigen Platze!

Im Hafen gibt es eine Pizzeria die Abends gegen 19:30 Uhr öffnet. Das mit dem „öffnen“ ist spaßig, denn die Angestellten bauen auf der Kaimauer gefühlte 100 Tische und Stühle für 600 Personen auf. Als wir essen, sind kaum Gäste da, aber wir sind so hungrig und müde, das wir früh´ Essen wollen. Die Pizza wird hier als viertel- oder halber Meter verkauft. Auch mal eine Idee. Wir freuen uns über die niedrige Rechnung (5 Personen 44 €) und staunen nicht schlecht, als, man glaubt es kaum bei den Papiertischdecken, die Servicepauschale in Form von 1 € pro Person wieder auf der Rechnung auftaucht 😉

Macht der Gewohnheit – wir gewöhnen uns an alles, wenn wir müssen.

Den weiteren Abend verbringen wir mit einem Segler aus HAMBURG dessen Namen wir peinlicher Weise versiebt haben. Markus, Thorsten? So ein Mist! So viel Bier war nun auch nicht im Spiel – und dabei haben wir ihn Löcher in den Bauch gefragt. Denn er kommt gerade aus ROM herunter gebummelt und kennt die Küste, kostenlose Ankerplätze und akzeptable Marinas aus aktueller Anschauung. Das ist unser Mann und wir füllen unsere Seekarte mit vielen Notizpunkten, plauschen über vergangenes und zukünftiges und das harte Seglerleben an sich…

..allein, es wird Mitternacht und der nächste 70 Meilen Törn ruft. Wir wären gerne geblieben, um weiter zu schnacken, um die Gegend zu erkunden und auch mal wieder ab zu hängen. Aber ein Heimflug für unseren Passagier ist bereits ab SIZILIEN gebucht und das ist unser nächstes Ziel (NAXOS).

Und da, am Fuße des ETNA, so viel ist sicher, werden wir deutlich länger als 12 Stunden bleiben!

Peter.

P.S.:
Bilder gibt es leider nicht so viele, erst Recht nicht viele schöne.

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