BODRUM: Wir brauchen MEER Geld!

Es ist Samstag Abend, wir liegen vor BODRUM seit Donnerstag (18/06/2015) vor Anker. Die Sonne ist gerade unter gegangen, es wird im Nord-West Wind (MELTINI genannt) etwas kühl und der Drang zur Fleecejacke ist größer als der zum Bier.

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Es ist noch hell, in der Abenddämmerung kommen drei Segel-Superyachten und eine Motor-Superyacht (mit Helikopter auf dem Achterdeck) an. Alle aus MALTA. Ist MALTA eigentlich EU? Alle direkt neben uns – deren Dingis (Beiboote) sind halb so groß wie unser STORMVOGEL, zwei der Segel-Superyachten sehen zum verlieben schön aus…

…also…

…BRAUCHEN WIR meer GELD!

Müssen wir also wieder arbeiten gehen und die nötigen Millionen scheffeln – nicht (!) ernst gemeinte Job-Angebote bitte als Kommentar zu diesem Beitrag!

Die Überschrift zu den folgenden Zeilen könnte denn auch lauten:

  •  BOZBURUN nach BODRUM in 5 Etappen
  • Reise in die Vergangenheit
  • Zum Kotzen: Die Deutsche Rolle in der Welt und insbesondere im Syrien Konflikt
  • Wir reparieren uns immer noch um die Welt!

Aber hübsch der Reihe nach, alle Überschriften sind passend, alle sind richtig, aber keine trifft ausschließlich zu!

  • BOZBURUN nach SELIMIYE (20 sm)
  • SELIMYE nach KECI BÜKÜ (6 sm)
  • KECI BÜKÜ nach DATCA (23 sm)
  • DATCA nach KNIDOS (21 sm)
  • KNIDOS nach PABUC BÜKÜ (23 sm)
  • PABUC BÜKÜ nach BODRUM (10 sm)

Über die Tagestörns lässt sich zusammenfassend sagen, das wir einige immerhin segeln konnten, die Maschine aber weiterhin unser treuer Freund ist. Die Welle ist erträglich, weil nicht vorhanden und die Temperaturen sind so angenehm, das man sie gar nicht wahr nimmt 😉

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Highlights sind sicherlich alle Stationen, die TÜRKEI ist einfach ein sehr einladendes, sehr gewinnendes, sehr freundliches Land. Uns imponieren fast täglich fließend deutsch sprechende Türken, die Deutschland den Rücken gekehrt haben und in ihre Heimat zurück gekehrt sind. Wer da denkt, Deutschland sei das Schlaraffenland  Europas, der liegt wohl falsch. Es gibt offenbar Menschen, die einfach nur glücklich sein wollen.

DATCA, KNIDOS und BODRUM sind sicher besonders erwähnenswert – wenn man mal wohlwollend darüber hinweg sieht, das die anderen, einsameren Plätze einfach nur schön sind. Das Wasser herrlich klar und kühl…

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…da kann man denn auch mal Morgens den Versuch starten, den Wassermacher zu reparieren und, wenn es einem zu blöde, zu warm oder was auch immer wird, einfach mal ins Wasser springen, ein paar Züge schwimmen, den Kopf frei bekommen, sich abkühlen, abtrocknen und weiter werkeln. Ist es nicht das, was das Leben an Bord ausmacht?

In DATCA haben wir mal wieder vor dem Hafen den Anker geschmissen, da wir uns mit den völlig überzogenen Marina- und Hafengebühren nicht abfinden wollen. Außerdem ist für uns das Ankerlieger-Leben kein Problem – in INDONESIEN und eigentlich in ganz 2014 gab es ja gar nichts anderes.

Wir treffen dort Rick, Sally und Kai wieder, die Australier, die uns in BOZBURUN zum Lamm-Grillen eingeladen haben…na ja, also indirekt: Denn das NEUSEELÄNDISCHE Boot an unserer Seite ist hier so was wie in Publikumsmagnet und ermuntert jeden aus DOWN UNDER zu einem Schnack.
Ist ja auch egal, wie und warum man nette Menschen kennen lernt. Wichtig ist, das man sie kennen lernt!

Sonntags (14/06/2015) mieten wir uns mal wieder vier Motorroller in DATCA und erkunden die Halbinsel per Straße. Schroffe Landschaft, tolle Buchten, (offenbar) gute Hotels und natürlich astreine Straßen. Wir fahren ganz nach Osten, erklimmen große Höhen mit atemberaubenden Ausblicken über die beiden Buchten, spüren die Hitze von der Straße aufsteigen, im Wind abkühlend und riechen die Pinienwälder trotz Helmen auf den Köpfen!

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Der Rückweg ist länger als gedacht und ob des Gegenwindes auch anstrengender als gedacht. Wir machen Station am einzigen Weingut weit und breit und treffen auf TOLGA, einem sympathischen Ende 20iger, der als ehemaliger Fitnesstrainer nun als Angestellter den Besuchern das Weingut erklärt und mit uns die Weinprobe bestreitet. TOLGA ist (sollten wir jetzt schreiben „natürlich“?) in Berlin geboren, hat dort Abitur gemacht, spricht fließend und völlig akzentfrei Deutsch, Englisch und Türkisch. Und hat, und auch das ist nicht neu, die Faxen in Deutschland dicke gehabt.
Die Weinprobe ist super, wer hätte gedacht das türkischer Wein so gut schmeckt? Wir erwerben natürlich einige Flaschen, denn hier kostet der Wein genau so viel wie im Supermarkt, aber hier kann man ihn vorher wenigstens probieren. Der Transport auf den Motorrollern ist eine lokale Spezialität, die wir nun auch beherrschen.

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KNIDOS ist Historie pur. Alleine das Ankern im historischen Hafen von KNIDOS vermittelt einem das Gefühl, um tausende (zwei-komma-fünf) Jahre in die Vergangenheit gereist zu sein. Der Hauch der Geschichte ist hier überall zu spüren und man braucht dazu erst gar nicht die vielen Hinweistafeln zu lesen. Einfach mal hinsetzen (im Schatten, wenn möglich!) und die Gedanken ziehen lassen…auf einmal sieht man die Stadt zu beiden Seiten des Hafens im vollen Leben. Was denn auch sofort die Idee hervorbringt, die ganze Stadt und den Hafen original wieder aufzubauen und „Ferienhäuser“ ohne Strom, fließend Wasser und Spülklo an Touristen zu vermieten, die natürlich in Altertümlicher Kluft versuchen wollen, eine Woche in dieser Epoche zu überleben – KNIDOS liegt abgeschnitten an der westlichen Spitze der Halbinsel DATCA, also absolut optimal für eine solche Anlage!

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Und schließlich BODRUM. Als Touristennest von uns vor-verurteilt mit einem schweren Start. Jetzt, nach drei Tagen völlig rehabilitiert. Wir mögen diesen typischen türkischen Mittelmeerort. OK, den beiden Mega-Discos die bis Morgens um 4 (!!!) die ganze Bucht beschallen, könnte man mal den Strom abstellen, aber die Stadt hat alles zu bieten, was man nach ein paar einsamen Tagen in verträumten Ankerbuchten als Wohlstandsbürger wohl so vermissen könnte. Bäcker, Markt, Schlachter, Supermarkt, METRO (…wg. günstigstem Bierpreis),  Barbier (jawohl, mal wieder rasiert worden!), Kneipen und Restaurants mit fairen Preisen und guter Qualität. Dazu eine Burganlage, die einem von außen betrachtet wie eine Sache von einer Stunde erscheint, man sich aber inneren für Stunden verlieren kann, weil es so viel zu entdecken und erkunden gibt! Astreine Anlage!

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Nun, hier in BODRUM treffen wir auch zum ersten mal Leibhaftig auf SYRISCHE Flüchtlinge – jedenfalls geben das viele der in dem kleinen Park am Hafen unter freiem Himmel lebende Familien mit Zetteln, die in englisch geschrieben sind, zu verstehen.

Wir sind betroffen von der offenkundigen Armut und der Not. Wir sind glücklich über den toleranten Umgang der Türken mit den Fremden, wir sind hilflos in unserem Bemühen zu helfen.

Am ersten Tag geben wir spontan einfach Geld – stellen aber auch gleich fest, das dies ein Fass ohne Boden wird.

Am zweiten Tag fassen wir den Plan der strukturierten Hilfe. Wir geben jedem gleich viel Geld, fotografieren jeden und bringen die Gesichter der Flüchtlinge auf unsere Websites um dem Drama eine Öffentlichkeit zu geben.

Am dritten Tag verwerfen wir den Plan vom Vortag weil uns doch leise Zweifel kommen, wieso wir gerade hier, in der westlichsten Touristenmetropole der TÜRKEI auf SYRISCHE Flüchtlinge stoßen die im freien übernachten (das Wort „campieren“ würde ein Dach über dem Kopf bedeuten, das nicht vorhanden ist) und um Geld bitten? Wieso nicht in FETHYIE, in MARMARIS oder im Landesinneren nahe der SYRISCHEN Grenze?
Was, wenn geschickte Schleuser die Menschen hier ausgesetzt haben, um Geld, viel Geld, heran zu schaffen? Für einen Weitertransport?

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Dennoch, wir wollen was machen! Von Australischer Seite kommt der Gedanke „Lebensmittel statt Geld“ und so beschaffen wir 10 Tüten voll Obst und Gemüse sowie 20 Brote und verteilen sie mit Hilfe von zwei Türken und einem jungen SYRER an die ersten 10 Familien, die wir im Park mit unserem kleinen Lebensmitteltransport antreffen…

…und wir sind erstaunt! Einige meinen, sie hätten genug zum Essen, ob wir vielleicht Windeln für die Babys hätten? Oder besser noch Geld?

Tja, so geht es einem mit einem ausgeprägten Helfersyndrom dieser Tage in BODRUM. Der junge SYRER (dessen Namen wir leider versiebt haben…) ist selbst verwundert, denn einige der von ihn auf arabisch angesprochenen „SYRER“ antworten auf TÜRKISCH. Er fragt sich, wieso er hier Arbeit gefunden hat und seine Landsleute hier im Park sitzen und auf „Hilfe jedweder Art“ warten? Nun, er ist nach eigenem Bekunden erst 16 Jahre alt und hat vielleicht eine noch naivere Lebenseinstellung als wir, aber irgendwie kommt uns das alles immer komischer vor…?

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Einige der von uns beschenkten freuen sich denn aber wirklich von Herzen und so bekommen wir doch noch das Gefühl, was gutes getan zu haben.

Nach unserer Erinnerung hat der SYRIEN Konflikt im Sommer 2012 angefangen – genau zu der Zeit, als wir aufgebrochen sind. Seit dem hat sich wohl niemand gekümmert, denn das Land zerlegt sich weiter, die Menschen rennen davon um zu überleben und die Waffenindustrie verdient sich mal wieder eine goldene Nase.
Nach HEIDI´s Internetrecherche geht man im Moment davon aus, das 2 Millionen SYRISCHE Flüchtlinge in der TÜRKEI leben – helfen wir den TÜRKEN bei der Bewältigung der humanitären Katastrophe? Helfen wir den SYRERN ihr Land wieder in den Griff zu bekommen? Helfen wir, das Sterben zu beenden?

Ach nein, wir (unsere Regierung!) ist ja immer noch damit beschäftigt, die Finanzwelt zu „retten“ in dem sie das Risiko auf uns Bürger (=Steuerzahler) überträgt und sich von Zockern vorführen lässt. Ja Mensch, wenn das mit den Milliarden so einfach geht, da kommen mir doch gleich ein paar Ideen, wie wir schnell zu Geld für eine echte Superyacht kommen!

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In etwa, ganz kurz, so:
Staat übernehmen (SYRIEN?), der EU mit Phantasie-Bilanzen beitreten, Superyacht für den Präsidenten „El Pedro“ auf Kredit in Deutschland bauen lassen und ab geht die Post!

Einstweilen jedoch beschränken wir uns darauf, TÜRKISCHE Geldautomaten mit EURO Ausgabe zu finden um einen soliden Bargeldbestand in EURO aufzubauen – vor unserer Weiterreise nach GRIECHENLAND in etwa 10 Tagen. Nur mal so für den Fall, das endlich längst überfällige Konsequenzen gezogen werden.

Und, ach ja, das ist durchaus noch ein Satz wert:
Wir kleiner STORMVOGEL können offenbar als einzige normale Segelyacht im Ankerfeld der Superyachten vor BODRUM mit ankern!

Mit unseren (seit NEUSEELAND) 100 Metern Kette ;-))

Peter.

Ein Gedanke zu „BODRUM: Wir brauchen MEER Geld!“

  1. Na, Boot doch wieder zu klein? Malta könnte helfen! Es ist als Mitglied der EU für alle Geschäfte von EU-Bürgern rund um Sportboote besonders interessant, da es dafür einen verminderten MwSt-Satz von 5,4 % anbietet. Die EU war „not amused“ und versucht mit einer richtlinie, dieses Schnäppchenangebot nur auf Bürger von Malta zu beschränken – was offensichtlich nicht so richtig klappt, wenn man die richtigen Steueranwälte einschaltet, die vorgeblich EU-rechtsfeste Modellle anbieten. Besonders bei Super- und Megayachten ist das ja schon r i c h t i g Geld, das n i c h t gezahlt werden muß.
    Deine Idee mit dem Zeitreise-Feriendorf ist super. Auf ein Wasserclosett müßte noch nicht mal verzichtet werden, denn das kannten die ollen Griechen (und später dann die Römer) durchaus, da sie durch ihre gar nicht so stillen Gemeinschafts-Örtchen fließend Wasser laufen ließen. Allerdings saß man da quasi Backe an Backe – ein echtes Gemeinschaftserlebnis. Wenn ihr nach Athen kommen solltet, könnt ihr sowas gut erhalten in der antiken Altstadt am „Turm der Winde“ (nein, der heißt nicht deswegen so…:-)) besichtigen. Allerdings – bei unserer Türkeireise vor einigen Jahren hatten wir den starken Eindruck, dass die stolzen Türken ein mentales Problem damit haben könnten, dass sie „ihren“ Touristen in Ihrem Land weitgehend ausgerechnet griechische Altertümer zur Besichtigung anbieten müssen. Ein antikes griechisches Stadtleben von mit Toga herumlaufenden Touristen in der Türkei würde dann möglicherweise nicht so ganz die nötige Förderung erhalten……

    Ihr spart gerade eine menge Geld durch ankern – damit könnte es allerdings spätestens in der Adria vorbei sein. Dort kommen Liegegeldeintreiber+Uniformträger mit Kalaschnikow auch schon mal per Boot zum abkassieren in „ihrer“ Bucht, auch wenn der nächste Hafen meilenweit weg liegt. Der Bericht, den ich darüber gelesen habe, ist allerdings einige Jahre alt. Andere Regionen verbieten ankern – natürlich nur aus Umweltschutzgründen……..

    Respekt übrigends – Tolger spricht akzentfrei Deutsch – o.k., Peter – aber dass Du akzentfreies Englisch und sogar Türkisch erkennen kannst, hätte ich nicht gedacht – wie gesagt, Respekt, Respekt——–:-))

    Gute Weiterreise von uns beiden!

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