FETHIYE nach BOZBURUN

27. Mai 2015 bis 8. Juni 2015

Eine lange Zeit, viele Stationen, wenig Seemeilen dazwischen.

Es war zunächst durchaus eine wahre Wohltat, wieder an Bord zu kommen und endlich wieder „zu Hause“ zu sein.

Dank der Hilfe unserer Freunde aus HILDEN war STORMVOGEL schnell seeklar (Seeklar ist man, wenn man mehr als 30 Minuten braucht, um Sachen wieder zu finden – haben wir in einem schlauen Buch gefunden) und gehen Mittwoch (27/5/2015) auf große Fahrt.
Unter Motor, Wind ist keiner, dafür ein Mörderschwell aus Süden, der uns gehörig durchschaukelt und einige an Bord etwas grün aussehen lässt. Nach drei Stunden ist der Spuk vorbei und wir laufen durch eine kleine Passage in das extrem geschützte Revier von FETHIYE KÖRFEZI ein (südlich von GÖCEK).

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Talsperren-Verhältnisse mit Fallwinden. Wir treffen unsere Freunde von SOUTHERN STAR wieder, grillen zusammen und freuen uns sehr, wieder auf dem Wasser zu leben.
Die eindrucksvolle Kulisse der WALL BAY macht es aber einem auch einfach…sich so zu freuen. Wenige mutige erkunden das kalte, erfrischende und kristallklare Wasser. Haben wir einen Jungbrunnen gefunden?

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Von FETHIYE über die WALL BAY in die (gleich um die Ecke liegende) SARSILLA KOYO, dort kleiner Crew-Wechsel – HILDEN gegen KÖLN – nach BABA ADASI, CAYCAGIZ KOYU (mehrfach) in die Touri-Falle TURUNC, MARMARIS (mehrfach), nach BOZUKKALE und schließlich heute nach BOZBURUN. Ungefähr 100 Seemeilen in 13 Tagen, wenn das mal kein Schneckenrekord ist?!

Was gibt es besonders zu berichten?

Mal überlegen…

1) Die Zeit mit den Freunden aus HILDEN bzw. KÖLN war sehr schön – vier Erwachsene an Bord des STORMVOGELS sind denn wohl auch dessen Limit.

2) Mal kurz wieder in die Werft (siehe Lagebericht).

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3) Der Barbier von MARMARIS:
Rasieren ist lästig. Rasieren nervt insbesondere dann, wenn man es vier Wochen lang nicht gemacht hat. Die Gute Nachricht: Rasieren kann delegiert werden. Bereits zwei mal in der TÜRKEI geschehen – immer zur vollsten Zufriedenheit des rasierten 😉
Der Barbier von MARMARIS ist keine 25 Jahre alt, arbeitet in einem der zahlreichen Läden unter der Anleitung des Besitzers und lockt den zu rasierenden mit dem Wahnsinnspreis von 10 Türkischen Lira (TL) (etwa 3 €) für eine Rasur in das Ladenlokal.

Sonst zahlt man 15 TL.

Der Rasierte in Spe erliegt der Versuchung, schwingt sich geschickt auf den engen Stuhl und wird umgehend eingeseift. Auch dieser junge Bartabschneider massiert wie die anderen vor ihm liebevoll den Schaum in Hals und Wangen, mit dem Finger tupft er den Schaum um Mund, Nase und Ohren. Dann die mit einer gewissen Spannung erwartete Rasur.

Gekonnt, Glatt und Gut.

Nun, so denkt sich der frisch rasierte, fix bezahlen und ab durch die Mitte.

Aber nicht dem dem geschäftstüchtigen Barbier von MARAMIS – in seinem extrem gebrochenen Englisch höre ich nur „waxing“ – die lästigen Haare in Nase und Ohr, die einem im Alter so sprießen, wurden bei den anderen Handwerksvertretern einfach abgefackelt. Hier also eine andere offerrierte Methode – na dann mal los.
Der eben frisch rasierte wird mit Wachs eingestrichen – Wangen, Ohren und, man glaubt es kaum, in, ja wohl, IN DIE NASE! Freilich wird der zähflüssige Wachs in der Nase mit Holzstäbchen gesichert, aber die Nase ist zunächst einmal zu.

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Eine mitreisende Dame mittleren Alters, ehemals Kommunikationsoffizier und nun amtierende Skipper Paparazi  schießt gemeine Fotos vom gequälten, frisch rasierten und nun mit Wachs besudelten. Der kühlt langsamer ab als dem Barbier lieb ist und die Sache zieht sich hin…

…dann die erlösende Folter. Dramaturgisch wohl durchdacht – erst die harmlosen Wangen, dann die schon stärker gefühlten heißen Ohren und dann die echt erbarmungslosen Nasen-Innen-Flügel –

huiiijjjjuiiii, das zwirbelt vielleicht!!!

Uff, mal wieder überlebt – wie, was? Ob der frisch rasierte, frisch gewachste (oder enthaarte?) jetzt noch eine Gesichtsmaske haben möchte? Die täte ihm gut. Na ja, wenn es einem gut tut? Das werde aber eine ziemliche Sauerei – der frisch rasierte, frisch gewachste möge doch bitte sein Hemd ausziehen. Ach wie peinlich, so hier im Laden, erster Stuhl am Schaufenster.

Ein Schelm, wer da an One-2-One Marketing denkt?

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Nun, die Gesichtsmaske basiert offenbar zu 95% aus Gips, denn bereits nach wenigen Minuten sitzt der frisch rasierte, frisch gewachste, halb entkleidete mit versteinertem Gesicht vor dem Spiegel und denkt, er wollte doch nur rasiert werden?

Der Barbier von MARMARIS hingegen vertreibt sich die Wartezeit mit dem Handy und empfiehlt der schadenfroh zusehenden Paparazi, die Bilder doch gleich bei FACEBOOK zu posten.

Wie gemein, wie hundsgemein!

Dann, endlich, die Erlösung. Die Maske wird abgewaschen – und weil der Barbier von MARMARIS sowieso schon mal den Wasserstrahl in der Hand hat, wird auch gleich der Kopf mit gewaschen, massiert, eingeölt, getrocknet und gefönt.

Der frisch rasierte, frisch gewachste, Gesichtsmasken-verschönte, gewaschen und gefönte Kunde denkt nur noch an Flucht – bevor dem Barbier von MARMARIS noch was neues Einfällt – allein, das Hemd, das Hemd muss erst wieder angezogen werden!

Jegliche weitere Optimierungsversuche des Babiers von MARMARIS an dem frisch rasierten, frisch – sie wissen schon und so weiter – werden von eben jenem abgeblockt und durch Zahlung eines saftigen Tinkgeldes und der nun doch üppigen Rechnung unter den nicht vorhandenen Teppich gekehrt.

Schwups, nach nur einer Stunde Intensivbehandlung betritt der nun optisch sehr ansprechende frisch rasierte wieder die Straße – und ist zurück im Leben!

4) Der Beste Bierpreis
Verbürgte Aussagen eines Australischen Paares lauten: 96 TL für 24 Dosen 0,5 Liter EFES (= lokales Bier). Wollen wir auch haben. Komisch nur, das uns keiner diesen Preis machen will. Die Preisspanne reicht 135 bis 145 TL, aber nie 96 TL – auch nicht in dem Laden, in dem die Australier eingekauft haben…
…als ich entnervt 110 TL biete, meint ein junger Verkäufer, den Tränen nahe, er kaufe selbst für 120 TL ein – was für ein Drama!

Nun, wie löst man dieses Problem?

Ganz einfach.

Man geht zu einem Taxistand und fragt, wo es das günstigste Bier in der Stadt gibt und was eine kurze Shoppingtour dorthin so kostet. Selbstverständlich muss man die Kosten für das Taxi auf eben jenen Bierpreis umlegen – das Geheimnis ist die Menge – mehr kaufen senkt den Durchschnittspreis, in diesem Fall.

Wir düsen also zu einer Art Großmarkt, finden dort 24 0,5 Liter EFES Dosen für sagenhafte 103 TL (incl MwSt) und stellen uns an der Kasse an. Der Kassierer will kein Geld. Er will gar nicht erst an uns verkaufen. Nur für türkische Kunden – nix Ausländer. Gibts denn so was? Der Taxifahrer hält seinen Pass für uns hin und schon können wir bezahlen, schmeißen das Auto voll und fahren zurück zum Dingi am Hafen. Das fällige Trinkgeld für den Taxifahrer erhöht den Bierpreis zwar wieder etwas, aber, wie schon erwähnt, die Menge machts!

Unglücklicher Weise treffen wir beim Entladen der kostbaren Fracht auf diesen unsäglich doofen Zeitgenossen, der sein Bier angeblich für 120 TL einkauft. Der will wissen, wo wir das her haben und was wir dafür bezahlt haben…erfährt es, weil wir so unglaublich freundliche Menschen sind, (nennt man das nicht auch naiv?) und geht anschließend verbal auf den Taxifahrer los!

Selbstverständlich in Türkischer Sprache – wir verstehen kein Wort – allein die Gestik sagt alles.

Und die Moral der Geschichte:
Bereits des öfteren haben wir (und nicht nur wir) den Verdacht, das es in der TÜRKEI oft zwei Preise gibt – einen für die Eingeboren und einen für uns weiße Touris. Also jedenfalls oft, nicht so beim Barbier von MARMARIS – der macht einfach nur geschicktes, fettes Up-Selling ;-))

So, das muss nun für die vergangenen 13 Tagen als Geschichten aus der Seefahrt reichen…

Heiter weiter!

Peter.

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