MOUNT ARARAT Tour

Eigentlich ist die Überschrift nicht ganz zutreffend, denn wir haben in einem Tag die ganze Region mit einem Allrad-PickUp (logisch: TOYOTA HILUX) und einem Führer erkundet. Der höchste Berg in der TÜRKEI, der MOUNT ARARAT war aber ein ganz zentraler Punkt.

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Früh´ am Morgen geht es los, erst mal in Richtung IRAN. Wir düsen so auf dem Highway dahin, auf einmal stehen auf beiden Fahrspuren LKW´s und Murat, unser Fahrer und Führer für den Tag, weicht auf die kaum befahrene Gegenfahrbahn aus.
Auf einer Länge von geschätzten 12 Kilometern warten doppelreihig die LKW´s auf ihre Grenzabfertigung für die Einreise in den IRAN. Man möchte Mäuschen spielen und durch die LKW-Wände hindurch schauen: Was da wohl alles exportiert wird?

An der Grenze selbst wird der Grund für den Stau klar. Die Grenze ist geschlossen, kein LKW darf in die massiv geschützte Grenzanlage einfahren. Die armen Fahrer, die werden wohl Tage warten (?).

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Wir beobachten Fußgänger, die gerade aus dem IRAN kommen – und Murat berichtet, das er auch einmal im Monat in den IRAN fährt: Um Käse zu kaufen und Freunde zu besuchen. So viel ist klar: Die Kurden kennen keine moderne Staatsgrenzen.

Man könnte hier den Tag mit zuschauen verbringen, aber eigentlich wollen wir ja zum Meteorkrater, der sehr dicht an der Grenzlinie auf Türkischem Gebiet liegt. Also ab in einen Feldweg. Wir werden von einem Soldaten mit Gewehr und Helm gestoppt. Murat gibt ihm seine Papiere als Pfand und erklärt, das wir nur mal kurz den Krater sehen wollen.

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Ja, OK, ein tiefes Loch in der Erde das offensichtlich so da nicht hin gehört. Ich mache Bilder von der Umgebung, auch von den Grenzanlagen, mit dem 200mm Teleobjektiv.

Wir fahren zurück zur Straße, der Soldat gibt Murat die Papiere zurück und will meine Bilder sehen…und besteht darauf, das ich alle Bilder von der Grenzanlage lösche. Vor seinen Augen. Kein Problem, so doll waren die sowieso nicht…

Zurück auf dem Highway biegen wir links zur ARCHE NOAH ab.

Und das ist wieder so eine Räubergeschichte, die erzählt werden will:
Also ursprünglich war die Geschichte die, das NOAH ohne GPS und ohne Seekarten seinen Dampfer auf dem Gipfel des MOUNT ARARAT auf Grund gesetzt hat. Das Blöde ist nur, das man das in all den Jahrhunderten immer wieder überprüft hat – und keinen Beleg für die diese These gefunden hat. Selbst Murat (nach eigenem Bekunden mehr als 1.000 Mal auf den Berg geklettert) hat keine Belege für diesen Schiffbruch auf dem MOUNT ARARAT gefunden…

…dafür haben andere, Amerikaner natürlich, auf Bodenradar Aufnahmen einige Kilometer weit weg eine (nach ihrer Ansicht) unnatürliche Bodenverwerfung gefunden, die in ihren Ausmassen exakt denen der ARCHE NOAH entsprechen würde.

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Ganz besonders interessant ist die These, das die Arche über Anker verfügte. Genau 12 an der Zahl, natürlich, zeitgemäß, keine geschmiedeten Metallhaken, sondern schlichte Ankersteine. Und diese Steine, hübsch mit einem Loch oben drin für die Ankerleine, stehen wieder ganz woanders.

Alles natürlich irgendwie in Sichtweite des MOUNT ARARAT.

Nun denn, nach reiflicher Prüfung wissen wir auch nicht, welche Geschichte wahr ist, aber ins Gästebuch des ARCHE NOAH Hauses in der Nähe der Erdverwerfung haben wir geschrieben: TOLLE GESCHCIHTE, gut erzählt, glauben wir mal!

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(Besser eine starke Behauptung als ein schwacher Beweis)

Dann zum MOUNT ARARAT.

Aus der Straße wird ein Weg, aus dem Weg ein sehr holpriger mit Steinen übersähter Pfad. Wir wollen (können?) nicht wandern, wir wollen fahren, so weit es geht. Im „langsame Fahrt voraus Allrad-Gang“ erklimmt der HILUX den Berg. Murat erzählt, das sie die Bergwanderer auch mit dem Auto in den Berg fahren, von da aus dann zu Fuß. Mit Pferden wird vorab das Gepäck und die Zelte in die verschiedenen Lager transportiert.

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Für Touristen rechnet Murat 5 Tage für den Auf- und Abstieg. Das sei aber wirklich kein Bergsteigen, sondern Bergwandern. Jedermann könne das tun. Und wenn man keine Kondition habe, dann würde man eben eine 8 Tagestour machen – keine Ahnung, ob das sinnvoll ist. In jedem Fall sinnvoll fürs Geschäft.

Nun denn, wir eiern so den Berg rauf, da steht da auf einmal ein russischer Jeep am Abgrund. Verlassen. Murat sagt, das seien bestimmt Bergwanderer, die auf eigene Faust den MOUNT ARARAT erklimmen wollen. Der Grund für den ungewöhnlichen Parkplatz wird nach der nächsten Biegung klar: Dicke, herunter gerollte Felsklötze verhindern eine Weiterfahrt.

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Wir sind nun auf ca. 2.500 Metern Höhe angekommen, also knapp die Hälfte des ganzen Giganten. Das Wetter ist super, der Ausblick grandios. Vor uns liegt im Tal ein riesiger ausgetrockneter See, denn dessen Zulauf hat man für Bewässerungsprojekte umgeleitet.

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Die Talfahrt geht einfacher, aber wir werden wirklich extrem durchgeschüttelt.  Festhalten, wo auch immer!

Wir fahren auf die andere Seite des ausgetrockneten Sees um die historischen Ankersteine zu besichtigen. Die stehen mitten im Dorf einfach so rum, wenn jemand einen weg tragen würde (OK, Obelix Kräfte angenommen) würde es kaum jemand merken. Murat merkt man an, das er regelrecht traurig über den Umgang mit der lokalen Historie ist. Recht hat er, an vielen anderen Orten der Erde wird angemessen mit solchen Schätzen umgegangen. Tourismus muss entwickelt werden.

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Als letzten Tourpunkt haben wir den BALIK GÖLÜ See auf ca. 2.200 Metern Höhe auf der Liste.  Die Anfahrt ist lang und beschwerlich, denn wir fahren zunächst Querfeld ein und sehen so Landschaftsbilder, die man nie und nimmer von einer Straße aus sehen würde. Eine Quelle inmitten der Pampa, das Wasser schießt mit hohem Druck in ein aus Feldsteinen erbautes Becken. Immer wieder erkundigt sich Murat bei vorbei kommenden Schäfern oder Bauern nach dem Zustand der Feldwege in die Berge. Denn einmal den Weg eingeschlagen gibt es kaum ein zurück – jedenfalls nicht, wenn man den See noch im hellen erreichen möchte.

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Uns wird die Fahrt ehrlicherweise ein wenig zu lang und zu beschwerlich, aber wir haben es ja so gewollt.

Und so ein einmaliger Anblick will ja auch verdient werden!

Am See gibt es auf der einen Seite nur ein Dorf, auf der anderen Seite hat vor Jahren mal jemand versucht, eine Art Hotel hier aufzuziehen, aber dessen Ruine zeugt davon, das das nicht erfolgreich war. Der See friert im Winter komplett zu und Murat kommt dann manchmal zum Eisfischen her: Loch ins Eis schlagen und Angelleine rein.
Im Sommer macht er Wandertouren in diesem Gebiet mit Gästen, die die Höhe und die Einsamkeit lieben. Übernachtet wird im Zelt. Natürlich.

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Der Ehrgeiz unserers Führers uns auf eine gute Höhe für den Besten See-Panoramablick zu bringen führt dazu, das der HILUX sich fest fährt. Zu nass, zu schlammig, zu tiefe Spurrillen. Als das Auto ein Stück seitwärts den Hang runter rutscht bittet uns Murat auszusteigen. Wir sollen warten, bis er das Auto wieder frei hat.

Ja klar, kein Problem.

Als nach 15 Minuten wilder Ausbruchversuche das Auto in immer blödere Positionen kommt, fragen wir uns, wie man hier oben wohl Hilfe holen könnte?

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Wir helfen Murat, kleine Steine zu suchen und diese unter die Räder zu legen. Gar nicht so einfach, denn die Steine sind wie Eisberge: Nur ein kleiner Zipfel ragt aus der Erde, das Dicke Ende ist unter der Erde. Was also aussieht wie ein loses Geröllfeld, ist in Wirklichkeit eine Naturwiese mit dicken Feldbrocken…

Nun denn, Murat bekommt das Auto mit den Steinen frei und alle drei sind happy. Wir fahren nochmal zum Seeufer, haben ein kleines Picknick bestehend aus unterwegs gekauftem Brot und Gemüse (der Gemüsemann wollte uns vor lauter Gastfreundschaft die Tomaten, Gurken und Peperonies schenken, aber Heidi und Murat haben darauf bestanden, dafür zu bezahlen) und machen uns dann auf den langen Heimweg – natürlich andere Strecke.

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Regelrecht deprimiert haben uns die Bergdörfer. Man macht sich keine Vorstellung davon, wie hart die Menschen hier leben. Keine Ahnung, wie sie den Winter überstehen, aber jetzt, im Frühling ist Garten- und Feldarbeit angesagt. Frischer Kuhdung wird zu Klumpen geformt und in der Sonne getrocknet. Heizmaterial für den nächsten Winter. Immer wieder sehen wir neben den aus Feldsteinen traditionell gebauten Häusern und Hütten leer stehende Neubauten die aussehen, wie aus einem Musterkatalog für Fertighäuser. So richtig bekommen wir aus Murat diese Häuserstory nicht heraus, aber wir vermuten, das die von der Regierung gebaut wurden und die Einheimischen da hin umziehen sollen. Vermutlich müssen sie was dafür bezahlen, aber das wird sicher irgendwie geregelt sein.
Aber die Häuser sind so anders als das gewohnte, die Grundstücke um die neuen Häuser herum so viel kleiner – die zu bauen ist völlig sinnlos. So stehen der größte Teil der „neuen Bauernhäuser“ einfach leer in der Gegend herum.

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In den Bergdörfern traue ich mich kaum Bilder zu machen. Die Menschen sehen sehr Ernst aus, die Hirtenhunde bellen böse. Touristen vermutlich nicht erwünscht.

Am frühen Abend kehren wir zu MURAT CAMPING zurück und genießen noch mal den Warnsinns-Ausblick auf das Tal – und das Essen, das der Koch geschwind auf den Tisch bringt.

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Toller Ausflug, vermutlich zu viel für einen Tag.

Von nun an machen wir uns also auf den Rückweg – sprich Richtung Westen. Unterwegs gibt es noch viel zu sehen, das Schiff (MV LENA J) das den STORMVOGEL transportiert hat spontan noch ein paar andere Häfen in den Fahrplan mit aufgenommen und wird nicht vor dem 20. Mai 2015 in FETHIJE erwartet. Das gibt uns ein paar Tage mehr Zeit für die Rückreise.

Weitere Berichte folgen – mit diesem aber, bin ich heute mal wieder a jour.

Peter.

P.S.: Wir sind nun in VAN und machen morgen eine Bootstour auf den See – zu einer angeblich ganz tollen Kirche auf einer Insel…schauen wir mal, gell 😉

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