ISHAK PASHA PALACE (DOGUBEYAZIT)

Nach nur 100 Kilometern Fahrt kommen wir am 7. Mai 2015 in DOGUBEYAZIT an.

Was für eine dreckige, staubige, herunter gekommene Stadt! 78.000 Einwohner sollen hier laut Ortsschild wohnen. Den Grund für den Staub haben wir schnell ausgemacht. Die Straßen sind nicht asphaltiert, sondern mit Steinen gepflastert. Als Füllmaterial hat man offenbar diesen zementartigen, sehr feinkörnigen  Sand genommen, der hier Alleeorts in den Bergen abgebaut wird.

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Wir wühlen uns im wahrsten Sinne des Wortes durch die verstopfte Stadt und finden das Hinweisschild auf den ISHAK PASHA PALACE. Die Straße ist noch verrückter als die zuvor, denn sie wird im laufenden Verkehr abgerissen. Ein Bagger schiebt die Steine auf einen Haufen und kippt sie dann auf LKW´s. Der Verkehr läuft weiter…der erste Gang kämpft sich durch, obwohl einige hinter uns hupen.

Dann Bergauf – diesmal auf gepflasterter Straße. Heidi bekommt wie üblich eine Krise ob der Steigung, der Skipper, äh, Fahrer ist voll konzentriert den Bus in Fahrt zu halten.

Wir sehen den ISHAK PASHA PALACE – und dann das erhoffte Hinweisschild auf MURAT CAMPING. Direkt unterhalb des Palastes. Wie praktisch ist denn das?

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Ein Cousin von Murat empfängt uns – und leitet uns weiter zu Murat. Der freut sich über Besuch – und Kunden, die großes vor haben! Denn wir wollen die große MOUNT ARARAT Tour machen – in einem Tag, freilich ohne den Berggipfel zu erklimmen. Murart erklärt uns, das die Einheimischen die Gipfeltour in 2 Tagen schaffen, mit den Touris (…sprich erfahrenen Bergwanderern / Kletteren) dauert das fünf Tage. Mit Basislager, Höhenlager und Co.

Nix für uns. Erstmals seit langem denke ich, meine Kondition könnte echt besser sein. Aber wir haben ja auch gar keine Zeit (Uff!).

In der Zwischenzeit wird Frühstück bei sensationellem Panorama-Ausblick serviert.

Wir parken den Bus, machen uns Spaziergang-fertig und erklimmen den Berg zum ISHAK PASHA PALACE. OK, kleine Abkürzung, aber steiler gehts nimmer!

Der Palast – ein Hammer!!!

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Wer jemals vom MEDICUS gefesselt wurde, wer jemals GAMES OF THRONES süchtig geworden ist, der fühlt sich hier sofort zu Hause. Die Anlage ist weit verzweigt und mit Tafeln sehr gut erklärt. Festhalle, Küche, Gesindelräume, Gemächer der Fürstlichen, Wachräume und ein Klo. Die wahre Geschichte des Palastes bekommt Heidi von Adam, der vor dem Tor Souvenirs verkauft und eigentlich in VAN studiert.

Vor 350 Jahren erbaut, von Erdbeben und Kriegen zerstört, ist der Palast gerade erst vor vier Jahren wieder aufgebaut worden. Als die Leute in der Umgebung anfingen, Steine aus der Ruine für den eigenen Hausbau zu holen haben einige bemühte Bürger Fotos gemacht und an die Regierung in Ankara appelliert, dieses Bauwerk vor dem Verfall zu retten.
Dort hat man den Wert des Palastes wohl erkannt und den Wiederaufbau finanziert. Uns gefällt das Resultat sehr, aber Murat meint, man hätte es 1:1 mit Original-Material wieder aufbauen müssen. Stimmt schon, bei genauerer Betrachtung sieht man „alt“ und „neu“ und das Dach aus Gas und Holz ist chic, aber eben nicht Zeitgemäß.

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Dennoch: Besser so gerettet als dem Verfall preis gegeben – und so lange keine großen Touristenströme kommen, wäre alles andere vielleicht auch Overkill gewesen. Denn Touristen sieht man an diesem phantastischen Ort nicht. Vermutlich zu früh´ in der Saison oder zu schwer zu erreichen?

Ein Märchen aus 1000 und einer Nacht. Einmal mehr muss man sich fragen, ob wir in unseren Tagen noch genau so geschickt und clever sind, wie die Baumeister vor 350 Jahren!

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Um die Anlage herum kann man die Ruinen der alten Stadt DOGUBEYAZIT erkennen. Denn früher war die Stadt rings um den Palast angesiedelt. Nun ist sie im Tal und der Palast blickt in luftiger Höhe darauf.

Murat hat jedenfalls die 1A Lage mit seiner Anlage, der Grund ist seit Generationen in Familienbesitz. Soweit alles gut, wenn es denn nicht so schwierig wäre, Touristen hierher zu bekommen. In einem Radius von 100 Kilometern gibt es drei Flughäfen, die alle über ISTANBUL oder ANKARA erreicht werden können. Das kann also nicht das Problem sein.

Vielleicht ist der Palast einfach nicht bekannt, vielleicht gibt es zu viele Vorurteile über die Ost-Türkei, vielleicht ist einigen die Nähe zum IRAN (30 Kilometer) nicht geheuer?

Insofern: Die Gegend ist wirklich eine Reise wert, problematisch könnte es mit Hotels werden – das haben wir nicht überprüft. Die Zimmer, die Murat vermietet, sind nicht dazu angetan, Bergwanderer aufzunehmen – wir sind sehr froh, unseren tollen Bus dabei zu haben. Allerdings, und das sei auch erwähnt, wie nutzen das Klo und die heiße Dusche von einem der Zimmer. Und das sehr gerne!

Kann also alles nicht soooo schlimm sein?

Peter.

P.S.: Bei der Link-Recherche bin ich auf das hier gestoßen. Ups, da waren wir?

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