950 Kilometer durch Nord-THAILAND

Um die Wartezeit bis zum Bootstransport zu überbrücken, aber auch um einen schnellen Tapetenwechsel herbei zu führen, sind wir kurzentschlossen zu einem Flug/Auto Kurzrtrip in den Norden von THAILAND aufgebrochen.

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Mit AIRASIA von PHUKET in die Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz CHIANG MAI. Wir landen am Nachmittag des 11. April 2015 (ein Samstag) und auch hier ist es brütend heiß. Am Flughafen werden Taxifahrten in die Altstadt verkauft – nur, es gibt keine Taxis und die Schlange ist endlos. Also auf eigene Faust ein TukTuk (Sammeltaxi) gestoppt und für die Fahrt in die Stadt nur 100 statt 150 Bath bezahlt. (1 € sind etwa 32 Bath).

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Über BOOKING.COM haben wir vorab drei Nächte im CHIANG MAI BOUTIQUE HOUSE gebucht und freuen uns über das sehr schöne Zimmer und vor allem die coole Klimaanlage! Ein kleiner Spaziergang in die Umgebung, ein leckeres Essen in einem Backpacker-Restaurant und ein klein wenig Shopping, das war der Tag.

Auf der Suche nach einem netten Restaurant kommen wir bei einem Schneider vorbei. Der sieht weiße, potentielle Kunden vor seinem Schaufenster herum stehen, öffnet die Tür und zerrt uns verbal in den Laden. Nun, abgeneigt gegen Maßhemden war ich ja noch nie und so untersuchen wir zögerlich die Stoffe und Schnitte, die er anzubieten hat. RONALD hat den Laden gerade neu eröffnet, vorher war er in BANGKOK und er schwört Stein und Bein, wir seien seine ersten Kunden in CHIANG MAI. Er nimmt Maß und Heidi kann es sich nicht verkneifen mit dem Handy Fotos dieser doch sehr intimen Szene zu machen. Sie gibt sich recht amüsiert und am Ende bestellen wir 6 statt der geplanten 4 Hemden. RONALD ist eben ein echter Vollblutverkäufer.

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Für den Sonntag hat Heidi einen der vielen Märkte als Ziel erkoren. Die Straßen werden bereits durch weiße Wasseranarchisten bevölkert und wir müssen aufpassen, das wir nicht (sehr) nass werden.

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SONGKRAN (THAILANDS Neujahrsfest) heißt die Veranstaltung und während das in PHUKET nur einen Tag andauert, sind in CHIANG MAI vier Tage für die Wasserorgie reserviert.

Wir düsen nochmal zum Flughafen um bei SIXT ein Auto klar zu machen – ich würde sehr gerne mal einen TOYOTA HILUX fahren – dem wohl weltweit am meisten verbreiteten PickUp Truck. SIXT meint, sie hätten einen und so buchen wir für Dienstag.

Am frühen Abend kommen wir zum Hotel zurück und hören schon von weitem Ohrenbetäubenden Techno-Müll. Umpf Umpf Umpf, Stampf Stamf, Stampf. In einer Tour!

Genau gegenüber von unserem Hotel, Luftlinie 22 Meter, haben vier (nur 4!) Mitarbeiter eines Massagesalons eine ungefähr 2.500 Watt starke Musikanlage aufgebaut und „feiern“. Wir gehen ins Zimmer und stellen nach 30 Minuten fest – das geht nicht. Das geht gar nicht!

Und das hat nichts mit unserem Alter oder Musikgeschmack zu tun. Ganz sicher nicht!

Was ist zu unternehmen?

Den Verstärker mit einem Eimer Wasser übergießen, ist ja schließlich SONGKRAN?

Die vier verrückten mit einem Faustschlag nieder strecken?

Oder zur Rezeption gehen und fragen, ob wir bei sofortigen Auszug unser Geld für die beiden kommenden Nächte wieder bekommen?

Logisch, letzteres ist der German Way Of Life und die Verständigung ist ob der Sprache und der Lautstärke äußerst schwierig. Aber, und das ist bemerkenswert: Bereits nach 2 Minuten gibt es eine super Problemlösung. Es gibt in einem anderen Stadtteil ein neueres Schwesterhotel, wir können kostenlos umziehen, das Hotel besorgt sogar ein Auto mit Fahrer und bezahlt dafür.
Das neue Zimmer ist sogar noch besser, OK, der Stadtteil ist nicht ganz so prickelnd aber eben deshalb auch viel ruhiger.

Am Montag (13/04/2015) erreicht die Wasserschlacht um CHIANG RAI einen neuen Höhepunkt. Laut LONLY PLANET Reiseführer ist CHIANG MAI neben BANGKOG die Metropole der Wasserpistolen. Ach was! Und wir mitten drin!

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Also schleichen wir uns durch die Stadt, mit wasserdichter GOPRO Kamera statt sensibelchen NIKON D800. Logisch, am Ende sind wir auch mal wieder pitsch nass, aber wir haben niemals zurück geschossen!

Dienstag Morgen mit vollem Gepäck zum Flughafen und oh Wunder, der TOYOTA HILUX ist doch nicht verfügbar (angeblich Schlüssel verloren). Statt dessen bekommen wir einen TOYOTA FORTUNER SUV, ebenfalls Allradantrieb und eine 3 Liter Dieselmaschine. Das Teil kostet in der Miete laut Preisliste fast doppelt so viel wie der HILUX, aber, und so ist eben SIXT, wir bekommen ihn zum HILUX Preis. Da kann man nicht meckern und nach wenigen Kilometern bereits ist der FORTUNER unser Bester Freund. Via WIKIPEDIA finde ich später heraus, das das Chasis und der Motor vom HILUX stammt und das das Auto in Europa gar nicht angeboten wird – dafür wird es unter anderem in THAILAND gebaut und ist hier wohl überaus erfolgreich.

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Wir machen uns direkt auf nach Norden und verlassen die sehr gut ausgebaute Schnellstraße um mehr von der Landschaft zu sehen.

Wir verlassen die Nord-Östlich verlaufende Route 118 und gehen nach Westen auf die 1150. Eigentlich nur, um dort ein paar Bilder von den Reissfeldern zu machen. Aber der Weg gefällt uns uns gut, wir fahren einfach weiter. Später bemerken wir durch einen Blick auf die Karte, das wir eigentlich in die völlig falsche Richtung fahren. Egal.

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Wir haben Zeit. Kurz hinter PHRAO zweigen wir ab nach Norden auf die 1345. Schon wieder eine aufgebaute Straßensperre, diesmal mit Uniformierten am Fahrbahnrand. Diese Straßensperren sind offenbar Kontrollpunkte und je nach Laune des zuständigen Polizeibeamten (oder ist es Militär?) wird abgeriegelt und kontrolliert. Nun, wir halten also an und fragen, ob die Straße nach Norden geöffnet sei. Er versteht kein Wort aber mit dem Finger auf der Karte gelingt die Verständigung. Alles frei und kein Problem, wir können fahren. So kommen wir südlich von CHAI PRAKAN auf die 107, die im wesentlichen parallel zur 108 verläuft. Kurzer Ostsch
wenk auf die 109 und schon sind wir wieder nach 4 Stunden Landschaftsfahrt und Fototour auf der 108 auf dem direkten Weg nach CHIANG RAI.

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Kurz vor CHIANG RAI (Achtung: R statt M) finden wir leicht den WHITE TEMPLE, der wirklich ganz anders als die sehr vielzähligen Buddhistischen Tempel hier aussieht. Logisch, hat ja auch ein Künstler entworfen. Wir nutzen die Abendsonne für ein paar gute Fotos!

Übernachten im DIAMOND PARK INN Hotel und werden darauf hingewiesen, das das Hotelrestaurant wegen der Feiertage geschlossen habe. So verlassen wir das eher durchschnittliche Zimmer und die ganze Anlage und erkunden die Gegend – auf der Suche nach etwas Essbarem.

Wir müssen gar nicht lange suchen und landen, wie immer per Zufall, in einem „all you can eat“ Selbstkochrestaurant:

Auf dem Tisch steht ein Gasbrenner mit einer Pfanne, in deren Mitte man grillen kann und im Außenbereich Gemüse in Wasser garen kann. Am Buffet holt man sich die Zutaten und los geht es. Als wir eintreffen ist der Laden zu etwa einem Drittel gefüllt, als wir ihn verlassen ist er brechend voll. Logisch: Für 179 Bath ist das ein echtes Schnäppchen.
Gut gegessen und noch was erlebt (ganz klar: Erlebnissgastronomie auf dem Land!) kehren wir ins Hotel zurück. Am nächsten Morgen, beim Frühstück, lernen wir das das Restaurant im Hotel gar nicht geschlossen war.

Merke: Fehlinformationen sind manchmal gar nicht so schlecht.

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Am Mittwoch geht es weiter nach Norden, zum GOLDEN TRIANGLE. Auch hier sind die Wasserschlachten noch voll im Gange. Wir haben nun MYANMAR (Burma), LAOS und THAILAND in Sichtweite. Und viele andere Touristen sowieso.
Danach östlich nach CHIANG KHONG. Wir hoffen, hier direkt und ohne Zwischenhändler eine Flussfahrt auf dem MEKONG buchen zu können. Pustekuchen. Der Fährverkehr nach HUIAI XAI (LAOS) ist längst eingestellt. Vor Jahren wurde 10 Kilometer weiter öestlich die FRIENDSHIP IV Brücke mit einem ultramodernen Grenzübergang in die Welt gesetzt. Wir finden zwar noch eine eMail Adresse von einem lokalen Touranbieter, aber als wir nach zwei Tagen eine Antwort erhalten steht da auch nur drin, das in diesen Tagen keine Tour statt findet. Schon wieder schlechtes Timing.

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Ist aber auch egal. Wir übernachten im TEAK GARDEN HOTEL mit grandiosem Ausblick auf den Fluss und beschließen am nächten Tag nach LAOS zu gehen. Ohne Auto. Nur mal eben rüber, die Gegend erkunden und bei der Rückkehr die THAILAND Visas erneuern lassen – denn die laufen am 30. April 2015 ab.

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Gesagt, getan. Die Grenzanlage sieht aus, als ob sie für 100.000 Personen pro Tag ausgelegt sei, wir sind aber nur 10 oder 15 Menschen.
Bevor wir ausreisen fragen wir beim Grenzbeamten nach, ob wir bei Wiedereinreise tatsächlich 30 Tage bekommen – dem ist so. Allerdings brauchen wir für die Einreise nach LAOS 30 US-Dollar pro Person. Findige Geldwechsler gibt es auch hier und so ist das auch kein Problem.

Der Grenzverkehr ist interessant geregelt:
Zunächst verlässt man das Land wie in einem Flughafen. Der Grenzbeamte am Schalter stempelt einen aus und man geht durch ein Gate. Dann muss (!) man fuer 20 Bath eine Bussfahrkarte kaufen, denn es gibt keinen Fußweg über die Brücke.
Also kauft man das Ticket und wartet darauf, das der Bus los fährt. Das macht er natürlich nur dann, wenn er halbwegs voll ist…und bei den wenigen Menschen, die geraden ach LAOS wollen, wartet man….und wartet….und wartet…und dann gehts los!
Die Busfahrt ist ihr Geld wert – sie dauert gut 15 Minuten und weil in LAOS Rechtsverkehr gilt, gibt es eine gewagte, Landschafts-verbrauchende Straßenführung um von Links auf Rechts zu kommen.

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Das Grenzgebäude in LAOS sieht exakt wie das auf der THAILAENDISCHEN Seite aus. Offenbar der selbe Bauplan. Wir füllen die Einreiseformulare aus und müssten so langsam mal unsere Passnummer und die Gültigkeitsdaten aus dem Kopf wissen. Um die Pässe zurück zu bekommen zahlen wir die 30 USD und nochmal 30 Baht, weil wir keine Passbilder dabei haben.
Wir bekommen ein 30 Tage LAOS Visa und betreten erstmals in unserem Leben LAOTISCHES Gebiet. Die TukTuk Faherer verlangen Vorkasse und wir lassen uns nach HUIAI XAI bringen. Schon auf der Fahrt fällt auf: Deutlich ärmer, deutlich herunter gekommener und schmutziger.
Es würde uns nicht wundern, wenn die gesamte Grenzanlage (auf beiden Seiten) von TAHILAND gebaut und bezahlt wurde (?).

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Der Ort ist grausam. Das mag auch daran liegen, das die Kollegen hier in LAOS auch Neujahr gefeiert haben und die Flaschen und den Essensmüll einfach liegen gelassen haben. Keine Ahnung, ob die das wieder aufräumen wenn sie nüchtern sind?

Es gibt nichts zu sehen, aber es ist Mittagszeit. Das erste Restaurant mit Flussblick meint, es habe noch geschlossen, das zweite kocht für uns und hilft dabei, etwas Zeit in LAOS zu verbringen.

Sicher, es mag bessere Plätze in LAOS geben als dieses verschnarchte ehemalige Grenz-Fährdorf. Aber dazu hätten wir die mehrtägige Flusstour machen mueesen. Vermutlich.

Auf der Fahrt zurück zur Grenze treffen wir einen Japaner und einen Peruaner, der in NEW YORK lebt. Beide sind zwar etwas älter, aber durchaus echte Backpacker der gehobenen Klasse (Rollkoffer statt Rucksack) und reisen getrennt. Beide dachten, sie bleiben ein paar Tage in LAOS, aber nach ein paar Stunden in HUIAI XAI haben beide unabhängig voneinander beschlossen, sofort wieder zurück zu fahren – ins schönere THAILAND…

…GENAU WIE WIR.

Die Wiedereinreise nach TAHILAND ist bis auf das Ausfüllen der Formulare einfach. Auch hier wird ein Foto gemacht (wie im übrigen auch bei der Ausreise – was allerdings passiert, wenn das ausreisende Gesicht ein anderes ist als das einreisende ist nicht überliefert) – und wir können nun bis zum 15. Mai 2015 in THAILAND bleiben.

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Zurück am Auto stellt sich die Frage, wo wir heute eigentlich schlafen wollen? Mittlerweile ist es nach 16:00 Uhr und es wird Zeit was zu finden. Bei BOOKING.COM (das wir vor Ort als reine Suchmaschine verwenden) finden wir das 5 Sterne Hotel NAKARAJ NAKHON HOTEL CHIANGKHONG ganz in der Nähe. Aber das Navi des Autos kennt die Adresse nicht und GOOGLE MAPS hat andere Straßen als die in der Realität.
So suchen wir 1,5 Stunden – ein echter Seemann gibt niemals auf – und finden dann eine Baustelle, auf der drei Leute hausen und meinen, das Hotel sei geöffnet. Eine riesige Bauruine zur Rechten, eine Schotterpiste voraus und ein Flachbau zur linken, in dem sich offenbar die Zimmer befinden. Inmitten des Outbacks des MEKONGs.
Das Restaurant sei geschlossen und auf den Zimmern gebe es kein Bier.

In Summe, unter Berücksichtigung aller Umstände, kein Ort für eine kuschlige Übernachtung.

Also weiter. Auf dem Rückweg nach CHIANG KHONG soll noch das schöne SIANTARA RESORT liegen, auch diesmal haben wir große Probleme es zu finden – und das ist geschlossen. Statt Schlafgelegenheit haben wir nur eine Super Offroad-Allrad-Schotterpiste gefunden und befahren. Hat Spass gemacht, aber nun wird es dunkel.

Also doch zurück nach CHIANG KHONG, aber diesmal ins RIVERSIDE Hotel. Ganz nett hier, vor der Tür zum Fluss hin haben verschiedene Rudermannschaften ihr Quartier aufgeschlagen, denn hier finden Wettfahrten in den traditionellen Langbooten statt. Bei Talfahrt kommen die Boote auf eine atemberaubende Geschwindigkeit, gen Berg kämpft die ganze Mannschaft um jeden Meter.

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Soweit also alles im Lot, die anderen machen Sport in glühender Hitze und wir sitzen bei coolen Drinks und leckerem Essen im Restaurant und schauen zu.

Der nächste Tag ist mal wieder einer Bergtour mit dem Auto vorbehalten.LONLY PLANET empfiehlt eine der spektakulärsten Bergstraßen in THAILAND – das ist genau unser Ding!

Die Route führt von CHIANG KHONG über die 1155 und 1093 nach PHAYAO, sehr oft dicht am MEKONG Fluss vorbei.

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Wir finden die Abzweigung vom Highway und tauchen in eine völlig andere Welt ein. Nach nur wenigen Kilometern beginnt der Anstieg und ehe man sichs versieht, ist man auf ueber 1.000 Meter. Die Luft wird auf einmal angenehm kühl und sogar auch etwas klarer, aber leider eben nur „etwas“. Kurzer Break in einem Bergdorf, dann weiter in den PHU CHI FA Nationalpark. Die Straßen sind in der Regel nagelneu und sehr gut zu befahren, nur ganz wenige Abschnitte sind mit Schlaglöchern übersät – aber kein Problem für unseren Allrad-Truck.

Die relevanten Aussichtspunkte sind unübersehbar ausgeschildert und wir erklimmen unseren ersten Gipfel. Na ja, so halb jedenfalls.

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Ob der brütenden Hitze sind wir auch mit dem halben Weg zufrieden

Weiter, zum nächsten Gipfel, mit dem Auto. Natürlich.

Nun sind wir auf irgendwas mit 1.500 Meter. Die letzten Meter geht es nur zu Fuss und ein etwa 10 jähriger Jungunternehmer bietet sich auf dem sehr gut ausgeschilderten Weg für 100 Bath als Guide an. Wir schmunzeln und Heidi handelt ihn auf 50 herunter. Ja, das sei auch OK und so machen wir uns auf den Weg. Der Junge flink wie ein Grashüpfer, die Frau sportlich dynamisch und der Kerl als Dampflok-Kollektiv. So ein Mist. Null Kondition mehr und zu viel Bier im Bauch.

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Oder liegt das alles nur an der ungewohnten Höhenluft?

Könnte ja auch sein? Also theoretisch und so.

Nun, wir erreichen 1.628 Meter und einen Grenzstein. Denn die Klippe, die wir gerade bestiegen haben, liegt mit vielleicht 4-8 Metern auch auf LAOTISCHEM Gebiet, nur ist diese Stelle von LAOS aus gar nicht zu erreichen. So können wir, diesmal ganz ohne TukTuk, Bus und Grenzbeamten nochmal nach LAOS „übertreten“.
Längs des Weges haben findige Bergfamilien ihre kleinen Kinder in Sonntagstracht positioniert. Die Kinder singen, tanzen oder sagen (offenbar) Gedichte auf und erwarten, oh Wunder, eine kleine finanzielle Anerkennung für die dargebotene Vorstellung.

Mutter Theresa..
…alias Heidi kann nicht anders. Gebannt schaut sie jeder Vorführung zu und applaudiert einsam in der Wildnis. Schnell ist das vorhandene Kleingeld aufgebraucht und so müssen die Kinder mit zum Parkplatz herunter kommen um ihren Lohn in Empfang zu nehmen, nach dem Heidi etwas Geld gewechselt hat.

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Man kann nicht alle glücklich machen, so meine ich jedenfalls. Und ob die Eltern gut beraten sind, so das Familieneinkommen aufzupepen ist auch fraglich. Denn die Kinder, die kleinen Kinder, werden so zu dressierten Affen erzogen die sich gegen Geld den Touristen zur Schau stellen. Süß, aber verwerflich.

An dieser Stelle sei passend eingefügt, das wir nicht den Eindruck haben, das die Kinder regelmäßig zur Schule gehen und dort unter anderem Englisch oder Rechnen lernen. Nach unserem Eindruck liegt die Ausbildung in THAILAND (so wir das nun nach ein paar Wochen beurteilen können) deutlich unter dem Nivau von INDONESIEN. Jedenfalls bei Kindern und Teenagern.
Vielleicht liegt das schlicht daran, das das eine eine Militärdiktatur ist und Bildung eher schädlich für ein Fortbestehen der Macht ist und das andere eine junge, aufstrebende Demokratie?

Wie auch immer, wir lassen drei sehr junge Menschen zurück auf dem Berg und wünschen ihnen alles, alles Gute!

Wir versuchen in den Bergen ein einfaches Hotel oder eine gehobene Pension zu finden, aber die Häuser oder Hütten, die wir als solche Übernachtungsplätze identifizieren, sind alle verwaist und verschlossen.

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Wir haben den höchsten Punkt bereits überschritten und die Straße führt langsam, aber unaufhaltsam wieder hinunter in die Ebene.

Eine echt tolle Route, einsam, kurzweilig und völlig andere Landschaften. Soweit wir das erkennen konnten, leben die Bergbauern vom Anbau von Tee, hüten Ziegen und Rinder und bauen Gemüse an. Weite Teile der Bergrücken sind (offenbar schon vor langer Zeit) abgeholzt und kahl. Nur einmal sehen wir eine Aufforstung, dafür öfters mal Brandrodung. Einige Straßenabschnitte sind durch Bergrutsche zerstört und gerade wieder aufgebaut worden. In dieser Region wird Infrastruktur offenbar groß geschrieben – nur, und das verstehen wir nicht, warum werden keine neuen Bäume gepflanzt, wenn man denn schon die Sünden der Vergangenheit erkannt hat? Denn das hat THAILAND durchaus. TEAK darf nicht mehr geschlagen werden.

Wir erreichen CHIANG KHAM und verlieren bei den ganzen CHIANGs in den letzten Tagen etwas den Überblick. Und wieder suchen wir uns einen Wolf nach unserer Wunschherberge. Klar, es gibt auch einfache Hotels im Stadtkern (die allesamt nicht bei BOOKING.COM vertreten sind), aber das wollen wir nicht. Wir wollen RICOS RESORT, finden es mal wieder auf völlig absurden Wegen durch Hinterhöfe und Gassen und werden schon wieder von einem Walkie Talkie Wachmann abgefangen, der erst mal jemanden holen muss um zu klären, ob wir hier übernachten können.

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Die junge Frau, die nun erscheint, zeigt Heidi zunächst eine der beiden Villen. Drei Schlafzimmer, Küche, eine atemberaubende Inneneinrichtung und ein toller Ausblick auf die umgebenden Reissfelder. Für 19.000 Bath die Nacht – äh, ja, äh, das ist nun doch nicht was wir suchen? Bei BOOKING.COM gab es doch auch „einfache“ Hotelzimmer?

„Ja, die haben wir auch, drüben im Resort“. Also fahren wir ein paar Meter weiter und landen bei Darran im Resort. Ebenfalls sehr schöne Anlage, das Zimmer wirkt mit den Himmelbetten und Moskitonetzen auf den ersten Blick eher schlicht elegant, aber als wir die Tür zum „Badezimmer“ öffnen verschlägt es uns glatt die Sprache!

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Wir stehen quasi im Urwald! Kleine Palmen und Pflanzen säumen die nach oben offene Rückwand. Das ganze Bad hat so an die 50 Quadratmeter, ist sehr weitläufig und eben „offen“ im Sinne von „draußen“.

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Echt tolle Idee und wir fragen uns natürlich sofort, wie man wohl die ganzen üblen unerwünschten Insekten fern hält, die so eine feuchte Tropenoase anziehen muss.
Die Kombination aus Klimaanlage (im Zimmer, kalt, sehr (schön) kalt) und Moskitonetz ist offenbar die Lösung, denn wir werden von keinem Insekt belästigt. Nur, als später in der Nacht Heidi einmal auf die Toilette muss, bittet sie um männlichen Beistand zum Betreten der grünen Tropenhölle, die sich hier Badezimmer nennt

Nun denn. Wir sind die einzigen Gäste und natürlich gibt es kein Restaurant. Darran meint, wir sollen zu Cheng fahren und malt uns eine Karte. Da wir in der Dunkelheit zurück kehren werden, programmiere ich im Navi die aktuelle Position als „home“ ein und verkenne die Tatsache, das das Navi die verschlungenen Wege hierher ja gar nicht kennt. Aber immerhin ein Ansatz.

Wir finden Chengs Restaurant in einem super tollen alten Holzhaus. Ich tippe auf 100 Jahre oder älter und mache mich vor Heidi so mal eben zum Narren. Denn Cheng ist selbst noch ganz doll von seinem Haus begeistert und gibt uns eine kleine Führung des vor drei Jahren (!) neu errichteten Gebäudes. Wie peinlich – kann ich denn wissen das die Leute hier so was noch bauen können? Das ganze Haus ist lackiert, Wände, Böden (im ersten Stock) – mit vier Lagen! Es muss irre aufwendig sein, das alles sauber und in Schuss zu halten? Ach, das geht schon, meint Cheng, das mache seine Frau…

Das Essen ist lecker und Cheng ist ganz interessiert an unserer Reisegeschichte. Nach anfänglichem Zögern glaubt er sie uns am Ende wohl doch.

Als wir am nächsten Morgen nach dem hervorragendem Frühstück in einer der Villen auschecken, ergibt es sich, das Darrans in plaudern kommt und wir ein wenig mehr über die Anlage erfahren,. Denn bei genauerem Hinsehen kann man erkenen, das zumindest das Resort einen abrupten Baustop erfahren haben muss. Einfach, von heute auf Morgen, den Bau eingestellt und dann das halbfertige so gut kaschiert, das man das fertige in Betrieb nehmen konnte.
Das liege daran, das RICO eigentlich Textilunternehmer war und dort gutes Geld verdient hat. Alles, was rein kam wurde in das Resort und die Villen gesteckt. Zweites Standbein und so. Doch im Zuge der Wirtschaftskrise kollabierte das Textilgeschäft und ging pleite. Kein frisches Geld mehr für den Hotel(weiter)bau.

Und so kommt es, das mitten in der Pampa von Nord-THAILAND eine der aufregendsten, tollsten und schönsten Hotelanlagen steht, die wohl nie ganz fertig werden wird. Aber, es gibt einen Tennisplatz und der ist der Grund, warum Darran mit seiner Thailaendischen Frau vor drei Monaten von PHUKET nach CHIANG KHAM gekommen ist: Er ist Tennistrainer und im Verbund aller soll die Anlage zu Glanz und Gloria geführt werden…
…es bleibt ihnen zu wünschen, uns fehlt der Glaube daran.

Aber nicht das wir uns hier falsch verstehen: Wer in der Nähe ist, sollte unbedingt im RICO RESORT übernachten!

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Wir fahren planlos Richtung Süden nach PHAYAO, der Provinzhauptstadt. Nur 100 Kilometer. Der Ort ist leider so austauschbar wie so viele Orte, durch die wir gekommen sind. Links und Rechts der Straße bunte Häuser, die im Erdgeschoss einen Verkaufsraum haben und im ersten Stock eine Wohnung bieten. Sagt uns gar nichts. Und so beschließen wir, einfach weiter zu fahren und einen Tag früher als geplant ins schöne CHAIANG MAI (Old City) zurück zu kehren.

Weil wir den Service des CHIANG MAI BOUTIQUE HOUSE so einmalig gut fanden, haben wir uns wieder im ersten der beiden Häuser eingemietet, die große Party ist ja schließlich vorbei.

Am Abend schlendern wir über den riesigen Samstagmarkt, verlieren uns um Menschengewühl und ich gehe zurück zum Hotel um mein Telefon zu holen. Gut, das wir beide lokale Nummern haben. Nach Wiedervereinigung wollen wir Essen gehen, schlendern so die Straße runter und Heidi erkennt im Halbdunkeln auf der anderen Straßenseite Phil und Norma von MINNI B, mit denen wir zuletzt auf den SIMILAN ISLANDS einen schönen Abend verbracht haben.

Hallo, gehts noch?

1.500 Kilometer von unseren Booten, mitten im Inland treffen wir Segelfreunde?

Natürlich verbringen wir den Abend zusammen, tauschen neue Geschichten aus und halten die beiden davon ab, den Markt zu sehen. Was solls, man muss eben Prioritaten setzen.

Allerdings wird es das letzte mal gewesen sein, denn die beiden machen eine vier wöchige Inlandstour mit Peking als letzter Station und kehren dann erst zum Boot zurück…dann sind wir, hoffentlich, schon längst in der TÜRKEI.

Sonntags geben wir das Auto ab, absolut Null Probleme. 960 Kilometer gefahren und viel gesehen.

Am Nachmittag dann zu RONALD, die Hemden abholen. Stolz wie Oskar zeigt er uns das Werk und besteht darauf, das ich eines anprobiere. Nun, eine Umkleidekabine gibt es nicht und das Schaufenster ist weit offen – ach was solls?

Die Hemden sind super, einzig der Bauchumfang scheint sich in einer Woche vergrößert zu haben – oder, und das halte ich für viel wahrscheinlicher: Heidi hat in geheimer Absprache mit RONALD dafür gesorgt, das die Hemden etwas enger sind und mich so beim tragen permanent an ein gewisses, noch zu lösendes Problem erinnern.

Heute, am Montag dem 20. April 2015, da ich diese Zeilen schreibe, sind wir auf dem Rückflug nach PHUKET. Nach Hause.

Zum STORMVOGEL.

Gutes Gefühl, wieder zurück zu kommen und eindeutig gelungener Tapetenwechsel.

Peter.

Und hier die Bilder. Einige sind digital nachbearbeitet, da die Farben einfach zu matschig waren…

CHIANG MAI

 

CHIANG RAI

 

CHIANG KHONG

 

CHIANG KHAM

 

HUIAI XAI

 

GOLDEN TRIANGLE

 

PHU CHI FA

 

P.S.:
Mittlerweile gibt es auch wieder Änderungen im Bootstransport: WIEBKE kommt zwar und lädt in PHUKET Boote, aber es kommt auch LENA J (offenbar ein Schwesterschiff). Erst hieß es, LENA J kommt zwei Tage früher als WIEBKE und wir sind „Umgebucht“. Nun heißt es, LENA J kommt erst am 29. APRIL 2015. Das Warten wird zur Qual. Und es wird ein Abenteuer, über das, nachdem bestanden, noch berichtet werden muss

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