Autonomes Leben im Paradies

Liegen vor dem paradiesischen SIMILANT Islands vor Anker (bzw. Mooring,
denn Ankern ist hier im Nationalpark nicht erlaubt) – schlechtes
Internet, aber gute Gelegenheit für einen Artikel zu diesem Thema.

Seit nun 10 Tagen sind wir wieder aus uns alleine gestellt. Seit wir die
YACHT HAVEN MARINA verlassen haben, muss alles an Bord selbst erzeugt
werden.

Das Lebenselixier ist DIESEL – genau den man auch vom Auto kennt. Wir
haben zwei Dieseltanks an Bord, der an Steuerbord fasst 390 Liter, an
Backbord 280 Liter. Klar, beim Tanken bekommen wir jedes mal einen
kleinen Anfall, egal wie teuer oder billig der DIESEL gerade ist. Die
Menge machts ;-(

Nun denn, mit DIESEL als Rohstoff können wir über den Generator
elektrische Energie erzeugen – absolut notwendig für den Kühlschrank und
in diesen Küsten-nahen Gewässern auch den Gefrierschrank.

Der Verbrauch von elektrischen Geräten wird in Amperstunden (Ah)
gemessen. Wenn wir Kühlschrank und Gefrierschrank laufen lassen, dann
brauchen wir in 24 Stunden so ca. 120 Ah. Die auf Anker notwendige
Navigationselektronik oder das Licht ist dagegen lächerlich gering,
vielleicht ca .10 Ah in 24 Stunden.

Unsere Verbrauchsbatterien haben eine Kapazität von 600 Ah, aber, und
das ist so eine Art Etikettenschwindel bei Batterien: Man kann nur
ungefähr die Hälfte nutzen. Mit anderen Worten, theoretisch brauchen wir
nur alle zwei Tage den Generator laufen lassen. Aber dann wären die
Batterien jedes mal ziemlich am Ende – so rennt unser Generator einmal
am Tag und versorgt uns mit neuer elektrischer Energie – gespeichert in
den drei dicken, jeweils 200 Ah fassenden Batterien.

Der Generator versorgt die gleichen Ladegeräte mit Strom, die auch in
einer Marina mit Landstromversorgung die Batterien laden. Damit ist der
Generator aber nicht ausgelastet. Daher machen wir jedes mal auch
Wasser, wenn der Generator läuft und das See (Meer) Wasser uns sauber
genug erscheint.

Der Wassermacher ist ein weiteres Schlüsselelement zum autonomen Leben.
Denn Wasser (Frischwasser!) braucht man zum trinken, kochen, duschen und
waschen. Unser Wassermacher produziert 60 Liter Trinkwasser in der
Stunde und gehört damit schon zu den großen. Genau wie bei den
Dieseltanks haben wir 390 bzw. 280 Liter Frischwasser-Tankkapazität, nur
genau auf der anderen Seite, der Symmetrie wegen.
Das Tankwasser nutzen wir nur zum Waschen und Spülen, Trinkwasser füllen
wir direkt vom Wassermacher in 5 oder 6 Liter Wasserkanister ab. Der
Grund dafür liegt in dem Umstand, das wir ein Aluminium-Schiff fahren
und die Tanks selbstverständlich alle aus Aluminium sind. Nun hat Heidi
vor Reiesebeginn gelesen, das Aluminium im Verdacht steht, Alzheimer zu
befördern und entschieden, das wir nur Wasser aus Kanistern trinken bzw.
zum Kochen verwenden.

Der Wassermacher hat zwei Betriebsmodi: 12 Volt und 220 Volt. Wenn wir
auf Generator laufen, ist 220 Volt angesagt, wenn die Hauptmaschiene
sowieso läuft, der 12 Volt Betrieb.

So haben wir also in der Regel Wasser genug, es sei denn, wir sind in
Gegenden wo man nicht schwimmen gehen würde, weil die Wasserqualität
einem zu schlecht erscheint. Aber einen Wassernotstand haben wir noch
nie erlebt. Toi, toi. toi!

Wenn wir also im letzten Hafen genug Lebensmittel und Getränke (z.B.
Bier) eingekauft haben, können wir tagelang, auf Konserven sogar
Wochenlang autonom bleiben. Das vermittelt durchaus ein sehr starkes
Gefühl von Unabhängigkeit!

Seit NEUSEELAND haben wir auch Solarpanele, die bringen bei der starken
Sonne hier in THAILAND durchaus 30-40 Ah über den Tag. Decken aber eben
nicht den tatsächlichen Stromverbrauch. Hilfe könnte unser Windgenerator
leisten – wenn denn mal Wind wehen würde.

Mit anderen Worten – ohne DIESEL können wir keine längerere Zeit autonom
bleiben – es sei denn, wir verzichten auf coole Drinks und leckeres Essen.

Das allerdings ist keine Option für die STORMVOGEL Crew!

P.S.:
So ein Generator will natürlich auch gewartet werden – Öl,
Ölfilterwechsel und Impeller (für die Seewasserkühlung)alle 200 Stunden,
das ist jedesmal kein Zuckerschlecken sondern harte Arbeit!

P.S.II:
Die Bibel habe ich nie gelesen – aber ich frage mich tatsächlich, ob da
das Wort DIESEL vorkommt?

P.S.III:
Wenn, also rein hypothetisch, wenn man noch mal auf Tour gehen würde,
müsste man eine deutlich energiesparendere Methode zur Kühlung von
Getränken und Lebensmitteln an Bord installieren. Keine Ahnung, was das
wäre, aber im Jahre 2015 muss es da doch was geben???

P.S. IV:
Freut auf fantastische Bilder – wenn wir wieder richtig online sind 😉

Ein Gedanke zu „Autonomes Leben im Paradies“

  1. Ja, ja die Technik- unsere Altvorderen sind ja mit nichts losgefahren, was sie nicht selbst reparieren oder gar mit Bordmitteln nachbauen konnten. Nur mit Holz, Schmiedeeisen, Kupfer, Bronze, Leder, Segeltuch, Teer, Glasperlen und manpower mit reichlich Erfahrung reichte es bereits vor knapp 500 Jahren um eine völlig unbekannte Welt……..Das muss man so ja nicht unbedingt wiederholen wollen, aber wenn ich so verfolge, was euch trotz klotzender Vorbereitung schon so alles an teurer Technik geknickt ist, kommt man schon auf den Gedanken, dass es mit etwas weniger Sehnsucht nach dem nächsten Service auch ein schönes Gefühl sein könnte……Autonomie ist wohl auch nur ein relativer Begriff! Über das Thema Deines P.S.III hatte ich auch schon mal nachgedacht. Die Zauberformel wäre wohl das Vermeiden von zwangsläufig hohen Umwandlungsverlusten. Wenn du erst sehr mühselig mit zweifellhaftem Wirkungsgrad geregelten Strom erzeugst, den in einen Elektromotor schickst, der dann erst den Kompressor antreibt, hast du eine Kaskade von sich potenzierenden Verlusten. Ich würde versuchen, einen Kühlkompressor direkt von einem Windrad oder Schlepppropeller antreiben zu lassen. Ohne Wind oder Fahrt muss dann natürlich trotzdem (mal) die Batterie ran. Schätze mal, dass das für eine extrem gut isolierte Kühlbox reichen könnte. Auf Tiefkühlerbsen würde man aber wohl trotzdem verzichten müssen:-). Deinen Tiefkühler könnte man ja auch dazu benutzen, das überall in den Tropen verfügbare(?) Stangeneis zu bunkern und damit dann die Kühlbox zu unterstützen.
    ‚Was die Größe der STORMVOGEL betrifft : Die „familientaugliche“ MARATANA oder der Laboe-SEEADLER sind wohl immer noch günstig zu haben – soll ich mal für euch recherchieren?………

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