Zur Lage XXII-c

Letzter Teil des SINGAPORE Werftberichts…

…und in Ermanglung von aussagekräftigen Bildern diesmal mit Bildern der RAFFLES MARINA SINGAPORE – unserer Heimat für drei Wochen.

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1) NANNI N.85 Hauptmaschine
Montag (26/01/2015 ) kam die MAN Crew wieder und fand den Fehler schnell – der Kabelschuh vom Anlasser-Steuerkabel war locker und hatte keinen Kontakt. Behoben und der Brüllaffe sprang an. Hört sich gut an, keine weißer oder schwarze Abgasfahne – also erst mal alles OK.
Aber am „restaurierten“ TURBO LADER tritt Öl aus. Eine Dichtung hat sich bei der Montage aus der Position gemogelt und saß nicht richtig. Das ist schon echter Mist: An der ganzen Maschine muss man um Ecken und Winkel herum arbeiten und sieht nie richtig, was man macht. Aber das das war schnell vom Tisch und erledigt.

Und das Thema 1.000 Betriebsstunden Inspektion der Hauptmaschine abgeschlossen!

Tags darauf eine Stunde Testlauf auf dem Fluss vor der Marina, auch keine Probleme oder Auffälligkeiten.

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Einen neuen, richtig passenden TURBO LADER haben wir dennoch bestellt und erwarten ihn in PHUKET. Denn, so die MAN Spezialisten, das sogenannte „WASTE GATE“ arbeitet definitiv nicht richtig, weil es zu schwergängig ist. Und nicht mal eben so wieder in Gang gesetzt werden kann.
Über das „WASTE GATE“ wird überschüssiger Ladedruck aus dem TURBO LADER bei hoher Motordrehzahl entlassen. Also so eine Art Überdruckventil. Laut MAN spielt das aber nur bei hohen Drehzahlen (> 2.700) eine Rolle. Wir laufen in der Regel mit 1.500 bis 1.700 – also erst mal kein Problem.

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2) Kühlschrank
Das ein Kühlschrank eine so komplexe, mehrere Tage dauernde Baustelle sein kann, war uns neu. Mr. Wilson schulg bereits am Montag bei uns auf…und kam ebenfalls zu dem Schluss, der Kompressor sei hin. Und, oh Wunder, er müsse noch einen (zwar gebrauchten) wassergekühlten am Lager haben.

Welch Glück!

Mr. Wilson verbaut nicht gerne wassergekühlte Kühlschrankkomperssoren: Technisch zu aufwendig und zu teuer. Die Luftgekühlten würden zwar das Boot wärmer machen, seien aber billiger einfacher. Und außerdem hätten die Boote ja Klimaanlage.

Hm, ja, wir ja jetzt nicht so.

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Nun denn, am Mittwoch wird das neue Teil eingebaut, mit Gas befüllt der der Kühlschrank wieder in Betrieb genommen. Super, toll…

…für ein paar Stunden. Denn, und das fällt auf, das Teil schaltet nicht ab. Es läuft die ganze Nacht, un-unterbrochen. Was nun, ist jetzt auch noch das Thermostat kaputt?

Also kommt Mr. Wilson am nächsten Tag wieder wieder…

…und diagnostiziert Wasser (-Spuren) im Kühlkreislauf. In dem ja nur das pure Kühlgas sein soll. Das Wasser gefriert, das Gas kann nicht zirkulieren, das Thermostat meldet, Temperatur nicht erreicht, der Kompressor läuft weiter, das Gas kann aber wegen dem Gefrorenen Wasser nicht zirkulieren und kühlen. So dreht sich das Drama im Kreis. Oder besser – friert im Kreis.

Abhilfe:
Kühlgas wieder ablassen, mit einer Vakuum-Pumpe den Kühlkreislauf für drei Stunden leer saugen und hoffen, das dabei auch die Wasserspuren beseitigt werden. Wieder mit Kühlgas auffüllen und schon läuft der Kühlschrank wieder- und, das ist nun neu, er schaltet sich auch ab!

Punktsieg Mr. Wilson.

Nur, so bemerke ich später, wieso läuft eigentlich die Umwälzpumpe für das Kühlwasser nicht mehr? Die sorgt dafür, das die wassergekühlten Kompressoren mit „Kühlwasser“ versorgt werden.

Hat Mr. Wilson etwa die Elektrik versaubeutelt?

Erneuter Aufritt Mr. Wilson.

Mittlerweile ist es Donnerstag, der 29. Januar 2015, 19 Stunden vor Abreise aus SINGAPORE.

Nein, so Mr. Wilson, die Elektrik sei OK, vermutlich habe die Pumpe eine Macke. Mit dem Schraubenschlüssel auf dem Motorgehäuse angeklopft und schon dreht sie sich.

Und so erklärt sich denn auch, warum der alte Kompressor kaputt gegangen ist: Der Arme musste in brütender Hitze auf der Werft seinen Job verrichten und wurde nicht mit Kühlwasser aus dem Kühlmitteltank (…denn unsere Wasserkühlung basiert nicht auf Seewasser, sondern auf einem eigenen Kühlmitteltank) versorgt, weil die Pumpe sporadische Aussetzer hat und kein Kühlwasser zirkuliert.

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Ja, nun läuft sie ja erst mal und Mr. Wilson brachte uns (gegen Entgeld, natürlich) 2 Stunden vor Abreise am Freitag noch eine Behelfspumpe vorbei, die ich erst mal als Übergangslösung einbauen kann. Denn die „Macken-Pumpe“ ist eine so tolle, die sollen wir überholen lassen und auf keinen Fall vernichten.

So jedenfalls Mr. Wilson.

Wieder was gelernt und, was noch wichtiger ist, großen Respekt vor unserer Kühlschranktechnologie aufgebaut.

Da schmeckt das kalte Bier doch glatt noch besser – jetzt, wo man versteht wie aufwendig das ist, das kalt zu bekommen!

3) Fäkalientank Entlüftung
Eine unappetitliche Sache, die wir noch in der Werft erledigt haben. Bereits seit einigen Monaten versagte ganz offensichtlich die Entlüftung des Schwarzwasser-Tanks. Das merkte man immer daran, das es in den Abflüssen blubberte und stank, wenn man das Klo (in den Tank, anders geht das auf dem STORMVOGEL gar nicht) abpumpte.
Die erste Überlegung war, das die Entlüftung an der Tankseite verstopft sein müsste. Also Tank aufschrauben und mit einer Spirale durch den Entlüftungsschlauch drehen, bis man die Blockade beseitigt hat.

Echte Drecksarbeit, absolut unangenehm…

…also genau das Richtige für die Crew und nicht für hochqualifizierte Werftarbeiter!

Wie durch ein Wunder, göttliche Fügung oder einfach nur pures Glück änderte ich den Plan bevor er in die Tat umgesetzt wurde.

Denn:

Alle sieben Tanks werden achtern, deutlich über der Wasserlinie entlüftet. Die Schläuche sind einigermaßen gut zugänglich. Wenn man nun von dort aus beginnen würde, wäre das alles viel einfacher und nicht ganz so ekelig.

Also die Schläuche auf der Backbordseite von den Borddurchlässen abgeschraubt und rein gepustet. Komisch, hört sich gut an, fühlt sich gut an und scheint völlig OK zu sein?

Aha, dann muss es der Borddurchlass aus Edelstahl sein?

Also Puste-Schlauch darauf aufgesetzt und gleich der erste ist dicht gesetzt.

Volltreffer!

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Die Demontage war natürlich mal wieder nicht ganz so einfach, aber mit der Euphorie eines „ich habe das Problem gefunden!“ Entdeckers auch kein echtes Problem.

Und, was war?

Das ganze Teil ist einfach so korrodiert, das da keine Luft mehr durch geht. Mit einem spitzen Schraubenzieher die Korrosion beseitigt, WD40 Spray drauf und mit Polierpaste glänzend gemacht.

Wieder eingebaut und ein große, unangenehmes Problem gelöst!

Selbst gelöst, wie wir betonen möchten.

Man muss sich auch an kleinen Erfolgen freuen können, gell?

Und nur mal so:
Hätten wir den Tank aufgeschraubt und wären von der anderen Seite das Problem angegangen, wir hätten die Blockade nie gefunden!

Und wären einmal mehr frustriert zu Bett gegangen.

War aber nicht so!

Spiel, Satz, Sieg, Stormvogel!

Peter.

P.S. Neue China-Scheiße:
Diesmal nicht vom STORMVOGEL, sondern von SOUTHERN STAR – dort ist eine Art Lagerbolzen der Stabilisatoren einfach gerissen und hat das Lager in Freiheit entlassen. Einfach ab. Mittlerweile bedenklich ist, das man wirklich nicht mehr weiß, wo man gutes Material bekommt.

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Wenn das so weiter geht und sich alle Bolzen, Schrauben und Muttern einfach so verabschieden, dann steht wohl der Weltuntergang bevor.

Die hat dann nämlich eine Schraube locker. Die Welt.

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