Zur Lage XXII-b

Freitag, der 23. Januar 2015

Zweite Werfthalbzeit vorüber, STORMVOGEL wieder im Wasser, Zeit für einen weiteren Lagebericht.

Also eigentlich ist alles gut, aber eben nur eigentlich. Wir haben in der zweiten Werftwoche wieder viel geschafft – fast alles, was auf dem Zettel stand! Aber zwei nicht unwesentliche Geräte bereitet noch Probleme. Getreu dem Motto, das Glas ist halb voll, hier die positiv formulierten Nachrichten:

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1) Turbo Lader
Wie bereits mehrfach erwähnt stand dieses Teil auf der Verdächtigen Liste „Geht demnächst kaputt“ weil sich immer ein Ölfilm auf dem Gehäuse bildete. Nun, der Turbo Lader wurde vergangenen Montag demontiert und tatsächlich, die Schaufelräder der Turbine ließen sich nicht mehr drehen!
Wie sich später heraus stellte, lag das aber nur am abgelagerten Kohlenstoff („Carbon“) der Auspuffabgase. Irgendwie werden die wohl nicht weg gebrannt und behindern die Turbine. Eine Erklärung ist, das wir wie die meisten Segler den Motor eher untertourig fahren und er daher nie auf auf Vollgas läuft. Folgt man den Experten, soll man an einem Motortag die Maschine für mindestens eine Stunde unter Vollast fahren, damit der gesamte Abgasweg (incl. Turbo Lader) frei gebrannt wird.
Na ja, das machen wir wirklich nicht gerne, weil wir dann 7,5 bis 8 Knoten laufen, das Heck sich im Wasser ansaugt und es sehr laut an Bord wird.

Nun denn. Hier das Bild des gerade ausgebauten Turbo Laders:

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Hier das Typenschild des eigentlich aus Deutschland als Ersatz mitgebrachten Turbo Laders:

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Und hier das Bild des rudimentär überholten alten Turbo Laders:

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Denn:
Der neue passt nicht. Falsches Modell. So ein Ärger! Seit Sommer lag er schon in Elmshorn herum. Dann haben wir ihn im Gepäck mit nach SINGAPORE gebracht und nun ist das das falsche Teil! Und, noch besser: Die Lieferzeit für einen „original NANNI“ beträgt 14 Tage!

Passt so gar nicht in den Zeitplan.

Also den alten überholt. Die MAN Niederlassung in SINGAPORE ist Vertragspartner von NANNI – und wieder mal sehr gut. Wie schon damals in GRAN CANARIA. Die haben den alten auseinander gebaut, die Kohlestoffablagerungen und Korrosion beseitigt und wieder zusammen gesetzt. Das einzige, was nicht mehr re-annimiert werden konnte ist die Drucksteuerung – die klemmt. Aber, so MAN, das sei nur dann ein Problem, wenn wir immer auf Voll-Last laufen würden – und tun wir Segler ja gerade nicht – siehe oben.

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Nun denn, wir haben dennoch mal wieder einen neuen Turbo Lader bestellt und lassen uns den von SINGAPORE aus nach schicken – und tauschen ihn halt später – wo immer wir sind. Getreu dem Motto: Wir reparieren uns um die Welt – an den schönsten Plätzen!

2) Schwenkkiel
Ein Highlight ist unser Schwenkkiel. Zur Erinnerung. Die Bilge war seit AUSTRALIEN absolut trocken, aber als wir es nach 4 Monaten mal wieder ausfahren wollten, blieb es auf halbem Weg  stecken. Nach dem wir den Kielkasten ordentlich von Muscheln und Seetang gereinigt hatten, kam es zwar heraus, aber eher widerwillig.
Wir haben nun einen (von 6) Abstandshaltern im Kielkasten wieder auf das ursprüngliche (= vor AUSTRALIEN) Maß reduziert und einen Abstandsring entfernt. Nun bewegt sich das Teil butterweich – und wird trotzdem (wg. der anderen 5 Abstandshalter) gut geführt.
Und das alles, ohne das Teil zu demontieren. Super Trick: Mit dem Gasbrenner flachen Schraubenzieherkopf heiß machen und sich durchschmelzen.

Operation gelungen! Das wilde gegen den Wind kreuzen kann beginnen!

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3) Anlasser-Motor
Wir haben einen neuen Anlasser – wie gewünscht. Der alte hat auf einer Seite ganz klar deutliche Korrosionsspuren – wie der wohl von innen aus sieht?

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Der neue kommt von MITSUBISHI und man kann endlich das Typenschild lesen:

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MITSUBISHI NO 3X 16  1G777 63012 M008T 50672

Und der läuft im Moment leider nicht. Das Etappenziel, die Maschine heute Abend wieder in Betrieb zu nehmen, haben wir nicht erreicht.

Aus einem noch unbekannten Grund startet die Maschine nicht. Der neue Anlasser gibt keinen Mucks von sich.

Nun mussten die die MAN Mechaniker heute Abend zu einem Firmen-Dinner und konnten die Ursache mitÜberstunden nicht mehr ergründen – ich gehe davon aus, das irgendwas am elektrischen Anschluss schief gegangen ist.
BTW: Irre, oder?: MAN SINGAPORE hat 200 Mitarbeiter!

4) Motor – Kleinbaustellen

4.1) Thermostat
Laut NANNI Wartungshandbuch soll das alle 400 Stunden gewechselt werden – OK; nach nun 1.000 Stunden sah´ das aber noch sehr gut aus. Dennoch getauscht.

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4.2) Einspritzdüsen
Das NANNI Serviceheft (hier: Garantiebedingungen) spricht davon, das die alle 400 Betriebsstunden getauscht werden sollen. Alle Spezialisten sagen aber, das ist Nonsens! Dennoch, nach nun 1.000 Stunden wollten wir neue haben…
…sind dann aber von unserem Wunsch abgekommen, als uns die für 1.302,32 S$ (mithin ca. 860 €) je Stück angeboten wurden. Wir brauchen ja immerhin vier davon. Eine GOOGLE Recherche erbrachte Einspritzdüsen  für PKW so um die 10 €, ganz teure für 50 €, aber nie eine für 860 €!

Merkwürdig.

So oder so, durch einen Zufall konnte ich endlich die URL für das Werkstatthandbuch unseres Motors heraus finden und herunter laden. Dort steht zu lesen, das die Einspritzdüsen nach 1.500 Betriebsstunden getestet (!!!) werden sollen. Nun das haben wir nun bei 1.000 Betriebsstunden gemacht und alles ist super.

So sieht so ein kostbares Teil aus:

singapore_marina_yacht_service_0031Beschriftung: D 8170 6N

4.3) Luft-Ansaugschlauch
Ein kleine Geschichte ist dieser Gummi-Schlauch zwischen Turbo Lader und Maschinen-Luftansaugstutzen. Das Original-NANNI Teil wurde so auf den Durchmesser des Turbo Laders vergewaltigt, das der glatt eingerissen ist – das ist, laut MAN Techniker, denn auch die Erklärung für den Ölfilm auf dem Turbo Lader Gehäuse. Schauen wir mal.
Der neue Schlauch mit der identischen Teilenummer hat den richtigen Durchmesser. Fortschritt durch Technik – sagt AUDI dazu.

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5) Ankerkette
Durch das tägliche Ankern in INDONESIEN hat sich die Längen-Markierung an der Ankerkette verflüchtigt. Wir haben die Werftzeit zur Neumarkierung genutzt und die Kette alle 10 Meter (kürzere Abstände sind Nonsens) mit Farbe (wir hatten nur weiße) und Kabelbindern markiert. Das hält wohl wieder ein Jahr.

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Die 100 Meter Kette, die wir seit NEUSEELAND fahren, wahren im übrigen die Beste Investition 2014.

6) Kühlschrank
Tja, ein wirklich, insbesondere in diesen Breitengraden, tragischer Tot. Der hat am Wochenende auf der Werft einfach den Dienst eingestellt. Der Werftelektriker Ong, ein wirklich dufter 62 jähriger SINGAPURER, konnte durch das Ausschlussverfahren eindeutig den Kompressor als Fehlerursache identifizieren – mehr aber auch nicht. Da reicht sein Wissen nicht aus und wir müssen auf Mr. Wilson warten.

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WILSON, WILSON, WIIIIIIILLLLLLLLLSSSSSSSSOOOOOOOOOOONNNN (Tom Hanks in Cast Away, dem ultimativen Film für gestrandete)

Nein, nicht der. Sondern den Kühlschrank-Mister-Wilson. Der Einzige in SINGAPORE, der sich mit Kühlschränken auf Booten auskennt. Und weil er ein solcher Spezialist ist, ist er gerade zum Arbeiten auf den MALEDIVEN und kommt erst am Mittwoch zur Werft zurück.

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Nun, das Bier wird nicht warm – wir haben ja noch den Gefrierschrank und steuern den nun manuell so das nichts einfriert.

In diesem Zusammenhang:
Wer den Unterschied zwischen einem Kühl- und Gefrierschrank kennt und uns erklären kann, wie wir den Gefrierschrank zum Kühlschrank machen können, dem versprechen wir pauschal eine nette Überraschung!
(Wir haben zwei Kompressoren und zwei Steuergeräte, alles sieht identisch aus – aber einer macht es selbst auf kleinster Stufe kälter als gewünscht…).

So, und das ist nun unser technischer Status am Wochenende.

Wir hatten gehofft, am Dienstag Richtung Norden aufbrechen zu können, aber das wird nichts. Wenn die Maschine am Montag wieder läuft, müssen wir Testfahrten machen, Tanken, das Schiff ausrüsten und ausklarieren.

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So ist also unser neuer Plan, in Ruhe am Montag die Maschine wieder in Betrieb zu nehmen und am Mittwoch Mr. Wilson zu konsultieren. Mit Chance können wir dann Samstag mit einem super-STORMVOGEL wieder in See stechen…

(…optisch ist er im Moment sowieso eine Augenweide!…)

…das würde denn auch langsam mal Zeit, denn am Mittwoch, 5. Februar 2015 landet unserer Verstärkungscrew in KUALA LUMPUR (140 Seemeilen von hier).

Heiter weiter!

Peter.

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