AUSTRALIEN – INDONESIEN: Netze und Wiedervereinigung

Tag 4 der Passage von THURSDAY ISLAND nach SAUMLAKI auf der Insel YAMDENA geht zu Ende.

Höchste Zeit für einen neuen Blog-Eintrag!

Wir dödeln nun schon seit zwei Tagen stark gerefft mit 5 bis 6 Knoten
bei fabelhaften 20 Knoten Wind so vor uns her, weil wir auf den Rest
unserer kleinen Flotte (ODA und SOUTHERN STAR) warten wollen.
Schließlich waren wir mit einem einzigen Manöver in der Nacht von
Mittwoch (30/07/2014) auf Donnerstag mit einem Male 30 Seemeilen voraus!

Wie konnte das geschehen? Haben wir an Bord des STORMVOGELS das Beamen über kurze Distanzen erfunden? Haben wir eine Abkürzung durch das Meer gefunden?

So richtig, richtig, richtig können wir die Ereignisse der Nacht auch
noch nicht rekonstruieren, dazu würde es wohl einem Skippertreffen mit bewusstseinserweiternden Drogen (Bier, beruhigt) bedürfen das sich auf offener See nicht so einfach abhalten lässt. Vielleicht wäre auch ein Voice-Recorder Mitschnitt des Funkverkehrs hilfreich?

Daher hier die kurze, einseitige Reflektion der Dinge, die da geschehen
sind:

Gegen 21:00 Uhr meldet SOUTHERN STAR starke Radar-Echos ca. fünf Seemeilen voraus. Optisch ist nichts zu sehen, die beiden Radargeräte an Bord von ODA und STORMVOGEL melden ebenfalls nichts – gar nichts!
Nach ein zwei weiteren Meilen kann SOUTHERN STAR kleine Lichter, einige davon blinkend wie an einer Perlenkette aufgereit erkennen – aha, das muss wohl eines der in dieser Gegen extrem berüchtigten riesigen Fischernetze sein. Mitten durch möchte so recht keiner, erst Recht niemand, der auf seine Schiffsschraube angewiesen ist.

Also umfahren.

Die Entscheidung fällt für eine südliche Umgehung, laut Radar ist das
Netz in zwei Seemeilen (immerhin 3,6 Kilometer!) zu Ende. Wir haben
Glück, der Wind gibt diese 90° Kursänderung her, also nach Süden…

nach Süden,

nach Süden,

nach Süden…

…denn das Netz geht immer weiter. Immer wieder tauchen neue
Radar-Echos auf (bei den Segelbooten weiterhin NICHTS!) und man kann den schwachen Lichtschein der Lampen erkennen. Weiter im Süden muss was ganz großes sein, denn da ist es noch unter dem Horizont ganz hell, inmitten der absolut dunklen Nacht.

Nach etwa 10 (!!!) Seemeilen haben wir das Ende des Netzes erreicht und sehen gegen Mitternacht zwei Fischereifahrzeuge. Eines davon wirkt wie ein riesiges Seeungeheuer, das vorne das Netz einsaugt und hinten wieder ausspeit.

Möglicherweise sind wir eine Boje zu früh abgebogen, jedenfalls trifft
ODA auf ein Netz und bleibt kurz darin hängen…

…SOUTHERN STAR und STORMVOGEL sind über diese Stelle schon hinweg, ohne Netzkontakt…

…fühlen sich nun aber leicht bedroht, weil eingekesselt zwischen den
beiden Fischereifahrzeugen und mindestens einem endlos langen Netz.

Über Funk hätte man nun einem leichten Chaos folgen können – alle sind aufgeregt, verwirrt und planlos. Mittlerweile ist nach Mitternacht und es entwickelt sich eine gewisse Wut auf diese fischenden Menschen: Sie reagieren nicht auf UKW Funk-Anrufe und auch nicht auf den riesigen Suchscheinwerfer von SOUTHERN STAR. Die fischen einfach weiter – wollen die gar Sportboote fischen?

Nun denn, ODA entscheidet sich, exakt den gleichen Weg zurück zu fahren, den wir gekommen sind. SOUTHERN STAR, die das Netz ja schon passiert haben, sehen auf dem Radar weitere Echos und entschließen sich ebenfalls für den Rückmarsch.

Wir sehen weiterhin gar nichts auf unserem Radar, aber auch optisch rein gar nichts in NORD-WESTLICHER Richtung, also der Richtung, in die wir sowieso segeln müssen. Über Funk stellen wir noch sicher, das ODA keine technischen Probleme mit dem Netz mehr hat und Ruder und Propeller einwandfrei funktionieren…
…und so trennen wir uns. Wir fahren hinter dem Netz auf Sollkurs
weiter, lediglich um 10 Seemeilen nach Süden versetzt. Die anderen
beiden Dampfen gegen Wind und Welle auf dem gleichen Weg zurück, den wir gekommen sind. Ihr Plan: Das Netz nördlich umfahren.

Klar, wir laufen schnell aus AIS und Funkbereich hinaus, aber SOUTHERN STAR hat auch ein Kurzwellengerät und so verabreden wir uns alle drei Stunden auf SSB und bleiben so in Kontakt.

Wir halten super-scharfen Ausguck und laufen alleine in die Dunkelheit,
das umfahrene Netz klar an Steuerbord optisch erkennbar. Wie hoch ist denn die Wahrscheinlichkeit, das die zwei so riesige Netze direkt
nebeneinander haben? Die können sich doch nur vertüddeln?

Nun denn, wir sehen in der Nacht keinen Fischer mehr, auch keine Netze, gar niemand ist hier.

Und so haben wir auf einmal einen Vorsprung von gut 30
Seemeilen…nutzen in aber nicht, weil wir nun mal zusammen segeln
wollen. Also warten wir, bis die anderen beiden wieder aufgeschlossen
haben. Das wird heute in der ersten Nachthälfte sein…

…und dann weiter auf das Ziel SAUMLAKI. Noch 185 Seemeilen to go,
durch dieses doofe Netz haben wir eine Tagesankunft verpasst. Nun läuft es auf die Nacht von Samstag auf Sonntag hinaus und wir fragen uns, wie spannend das wohl werden wird. Schließlich ist das jetzt ja ASIEN, wo die Leute (auch) auf dem Wasser leben (sollen) (?).

Das gute ist:
Andere Boote der SAIL2INDONESIA Rally kommen heute schon an und haben versprochen, eine aktuelle Beschreibung der Verhältnisse vor Ort Morgen per Funkt und eMail zu liefern.

Wir sind sehr gespannt, wie es auf YAMDENA wohl aussieht!

Wir freuen uns auf unseren ersten Landfall in ASIEN!

Ansonsten alles wohl an Bord. Wie immer hat sich nach drei Seetagen eine Bordroutine eingestellt und das Leben ist durchaus wieder erträglich 😉

Peter.

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