LAND DIVING auf PENTECOST

(11/06-13/06/2013, PENTECOST, VANUATU)

Mittwoch, den 11. Juni 2014 erreichen wir nach nur 16 Seemeilen
PENTECOST und gehen in der HOMO–BAY vor Anker. Das Highlight der VANUATU Reise steht bevor. In Touristen-Fachjargon LAND DIVING genannt.

Präambel:
Die Multiple-Persönlichkeit PETER besteht aus Peter, dem Skipper, Peter, dem ahnungslosen Bord-Mechaniker, Peter, dem angehenden Bord-Elektriker, Peter, dem Biertester, Peter, dem Blog-Autor und Peter, dem Fotografen.
Und eben jene letztgenannte Persönlichkeit ist aktuell traurig und würde sich am liebsten an den Schultern seines in der Ferne weilenden
Fotocoaches ausweinen! Der ist aber so weit weg, da vertrocknen
sämtliche Tränen und jeder Schmerz über nur mittelmäßig gelungene Bilder bleibt auf der (langen) Strecke…
…sch… auf Unfähigkeit, Bilder sind im Herzen dauerhafter als die im
Internet!

Moral:
Laienhaft könnte man meinen, das sei ein sehr früher Vorläufer des
Bungee-Jumping. Wir vermuten erst mal, das es sich um eine frühere
Foltermethode für unbeherrschte Ehemänner handelt. Anders ist dieser Wahnsinn nicht zu erklären!

Wer bitte schön springt freiwillig von einem wackligen Holzturm, nur mit ein paar lagen Wurzeln an den Fußknöcheln gesichert und landet mit dem Gesicht zuerst im schwarzen Dreck?

Daher der Ausdruck: LAND DIVING – die waghalsigen Männer tauchen wirklich IN DIE ERDE ein. OK, durch ausgefeilte und vermutlich patentierte Urwaldtechnik etwas abgebremst, aber das Ende ist echt Brutal…und das wird wohl der große Unterschied zum BUNGEE JUMPING sein. Hoffentlich – im Sinne der Bungee-Springer.

Nach dem Dritten Sprung setzt denn auch bei JEDEM der Mitreisenden unabhängig voneinander ein schlechtes Gefühl ein: Mit unserem Geld ermuntern wir diese einmalig mutigen jungen Männer todesmutig ihr Leben zu riskieren. Ist das politisch noch korrekt? Es ist auf jeden Fall VANUATU pur: In diesem Land will keiner was umsonst – hier wollen alle für Geld eine Leistung erbringen. Und diese Leistung der Springer ist einmalig und unglaublich beeindruckend – nach längerer Überlegung halte ich dieses (Show-)Geschäft nicht für anstößig. Das LAND DIVING hat eine sehr lange Tradition auf PENECOST und das dafür nun (viel) Geld verlangt
wird, ist mehr als nur fair.

Handlung:
Verschiedene Dörfer auf PENTECOST bieten Touristen das LAND DINVING an – jedes Dorf hat dabei seinen eigenen Sprungtrum. Wir sind in der WALLY BAY mit LUC, dem lokalen Tourismus-Präsidenten (so nennt er sich selbst!) verabredet. Am Freitag, den 13. Juni 2014 besteht unsere Gruppe aus 10 Seefahrern – die LAND DIVING Manschaft besteht aus 5 jungen Musikern, ca. 30 Sängern und Tänzern, 6 Helfern und eben jenen 10 wagemutigen Springern. Die Springer haben Verspätung – die späte Übertragung eines Spiels der Fussball-WM verzögert den Ablauf etwas. Wir werden mit ambitionierter Live-Musik eingestimmt auf das, was da kommen mag.
Gefühlt macht sich das halbe Dorf zum Sprungturm auf. Es wird sich
umgezogen und die spärlichen traditionelle Kleidung angelegt. Ein ewiger Sing-Sang mit Kampfrufen wird angestimmt um die Springer in die nötige Trance zu versetzen – denn irgendwie müssen die das Hirn vor dem Springen ja ausschalten (?).

Zunächst spring ein vielleicht 10 oder 12 Jähriger Junge von einer der
unteren Plattformen. Wir spüren seine Angst, wir spüren den Druck der durch den Sing-Sang und das Gejohle aufgebaut wird. Zaghaft, ganz vorsichtig geht er freihändig in die Hocke als ob er so die Distanz zur Erde verringern könnte. Er springt! Er taucht kurz in die Erde ein, ist sofort wieder auf den Füßen und strahlt wie ein echter Sieger. Ist er
auch, zweifellos.

Es folgen nun junge Männer, immer ein Podest höher als der Vorherige.
Nummer 4 kneift – trotz Gruppenzwang und einsetzendem Gelächter einiger Dorfbewohner. Die Helfer entknoten die aus Pflanzen hergestellten Stricke von seinen Fußknöcheln und ein anderer Springer übernimmt…und wie sollte es anders sein? Durch das jähe Abbremsen des Falls (bewirkt durch das Strecken der langen Wurzeln und das Herunterklappen des Podests) wird der Körper schlagartig zurück gerissen (…und jedem anderen würde das Rückrat gebrochen) und der Strick am linken Fuß reißt!
Das sah´ nicht nur schmerzhaft aus, das war mit Sicherheit sehr, sehr
schmerzhaft. Gestützt von den Helfern torkelt der Springer vom
Landeplatz – als ob Nummer 4 was geahnt hätte?

Je höher es auf dem Turm hinaus geht, um so professioneller und
stilsicherer werden die Springer. Nach Befestigung der Wurzeln an den
Knöcheln etwas Posing in alle Richtungen, dann kippen sie in Zeitlupe
Kopfüber vom Absprungpodest, extreme Körperspannung, extreme
Konzentration. Ganz auf den einen Sprung fixiert. WAHNSINN!

Nach Springer Nummer 7 klettert der bestimmt 65 jährige LUC auf den Turm und bedankt sich laut und deutlich im Namen aller für unser kommen und…unser Geld.

ER bedankt sich bei UNS!

Ebenfalls Wahnsinn.

Der letzte Springer ist wohl der mutigste, mit Sicherheit aber auch der
größte Show-Stuntman in der Truppe. Nach seiner Landung wird jedem klar: So sehen Sieger aus!

…obgleich: Sein Penis-Sheet ist leicht verrutscht und das erfordert
kulturell hier wohl einen ganz anderen Mut….

Ein zutiefst beeindruckter Peter.

PS:
So sehen Sieger aus – oder einfach nur Leute, die wissen, das sie gerade
was sehr gefährliches wieder einmal überlebt haben?

PPS:
Bilder folgen, wenn wir hier in LUGANVILE auf ESPIRITO SANTO eine
tragfähige Internetverbindung gefunden haben…auch für die anderen
Beiträge.

 

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