Unser Wohnmobil-Leben in NEUSEELAND und AUSTRALIEN

Abseits der (fast) täglichen Reiseberichte hier mal ein Beitrag aus unserem Alltagsleben in den beiden Ländern NEUSEELAND und AUSTRALIEN – auf der Straße.

Zur Erinnerung:
Wir haben unser Projekt „Lange Reise“ (mit dem Segelboot in & um die Welt) in NEUSEELAND unterbrochen und sind mit Wohnmobilen in beiden Ländern unterwegs. Grund für die Unterbrechung ist die Hurricane-Saison in den tropischen Gewässern, die von November bis April eines jeden Jahres Segeltörns (sehr) gefährlich macht. Also nichts für uns und daher sind wir tief im Süden der Erde auf Landtour.

Wenn man beide Länder mal miteinander vergleicht, so kommt uns NEUSEELAND deutlich unformaler, unbürokratischer vor. Klar, die Einreiseprozedur ist vielleicht aufwendiger, aber ist man erst mal im Land, ist es als gehöre man dazu. Beispiele:

* SIM Karte fürs Handy:
In NEUSEELAND einfach in jedem Laden zu kaufen – rein schieben und los geht es. In AUSTRALIEN muss man erst  mal umständlich seine Identität schriftlich nachweisen – Kopie vom Reisepass, Füherschein etc. dem Telefonanbieter mitteilen…

* Anmeldung auf einem Campingplatz:
In NEUSEELAND wird, wenn überhaupt, nach dem Nummernschild des Fahrzeugs gefragt. Geht man auf eine DOC Campsite (Department of Conservation) meldet man sich selbst mittels einem Plastikumschlag an – darin deponiert man die lächerlich geringen Gebühren von 4-6 NZ$ pro Person und Nacht. Thats it.
In AUSTRALIEN braucht man mindestens das Nummernschild, Vor- und Nachname des Fahrers sowie dessen Wohnsitz. In BRISBANE wollte die Dame an der Rezeption allen Ernstes auch noch die Namen der Mitreisenden haben – angeblich Gesetz (?).
Freie Campsites haben wir in AUSTRALIEN noch nicht genutzt/gefunden…soll es aber durchaus geben.

* Überschaubarer
Obwohl in AUSTRALIEN nur etwa fünf mal mehr Menschen wohnen als in NEUSEELAND, kommen uns die Städte riesiger, unübersehbarer vor. OK, AUCKLAND und CHRISTCHURCH sind auch nicht besonders klein, aber hier in AUSTRALIEN ist jedes Nest (gefühlt) groß – oder eben extrem weitläufig. Das liegt natürlich auch daran, das hier jeder sein eigenes Haus/Hütte hat. Keine Wohnblocks für die einfache Bevölkerung.

Der Wert der Währung ist aus unserer Sicht fast identisch, NEUSEELAND ist (währungs-technisch) etwas günstiger. Der Diesel an der Tankstelle ist in AUSTRALIEN teurer als das einfache Benzin und insgesamt auch teurer als in NEUSEELAND. Aber dennoch: In beiden Ländern macht tanken „Spaß“, weil der Liter (umgerechnet) bei einem Euro liegt. Tankstellen zu finden ist in beiden Ländern kein Problem – wenn man in Gegenden kommt, wo Tankstellen Mangelware sind, wird man deutlich mit Hinweisschildern am Straßenrand darauf aufmerksam gemacht. Wir tanken die Wohnmobile auf, wenn wir bei 1/3 der Tankkapazität sind. Die (laut VW) offizielle Reserve von 3 Litern würde nur für 30-50 Kilometer reichen, das hingegen könnte dann doch mal knapp werden!

Einkaufs-technisch lassen beide Länder keine Wünsche offen. Manchmal nervt das „100% PURE NEWZEALAND“ ein wenig – für unseren Geschmack wird ein wenig zu viel auf die (angebliche) Reinheit der Natur in NEUSEELAND hingewiesen. Denn eines ist klar: NEUSEELAND ist nur deshalb noch so sauber und „puristisch“, weil hier so wenig Menschen leben. Die sehr intensive Landwirtschaft und massive Bewässerung von ganzen Landstrichen wird auch ihre Spuren hinterlassen. Oder hat es schon.

In die gleiche Kerbe wie „100% PURE NEWZELAND“ schlagen Werbe-Slogans wie „100% locally owned“ oder „100% NEWZEALAND (bzw. AUSTRALIA) owned“ – ich denke schon, das die Leute lieber bei einem Einheimischen kaufen als bei einem (anonymen) internationalen Konzern.

Vermutlich auch in NEUSEELAND, aber erst hier in AUSTRALIEN wahrgenommen: Man kann im Supermarkt und im Restaurant wählen, ob man sein Steak von Rindern haben möchte, die mit Weidegrass oder „Futter“ (was auch immer das genau sein mag) aufgezogen und gefüttert worden. Weidegrass muss was besseres sein – es ist gut 1/3 teurer… 😉

Wobei sicherlich (biologisch) zu prüfen wäre, ob das Gras auf diesen massiv bewässerten Weiden wirklich „gut und gehaltvoll“ ist. Und schließlich – welches Wasser wird zur Bewässerung eigentlich verwendet?

In beiden Ländern gibt es eine unübersehbare Menge an Biersorten, aber in AUSTRALIEN muss man jeglichen Alkohol (ja,auch das Grundnahrungsmittel Bier gehört dazu) im LIQUEUR SHOP kaufen. In den Supermärkten gibt es absolut KEINEN Alkohol. Manchmal sind diese LIQUEUR SHOP´s direkt beim Supermarkt angegliedert (dann haben sie aber eine eigene Kasse), in der Regel sind sie aber auf dem gleichen Gelände. Zutritt nur ab 18 Jahren.
In BRISBANE gab es in einem Shop so merkwürdige Angebote wie: „Kaufe 6 beliebige Flaschen Wein und erhalte 30% Discount auf alle“ – ob das wirklich zur Minderung des Alkoholkonsums beiträgt?

Wie lieben ALDI AUSTRALIA!
Die Läden sind fast alle neu, super aufgeräumt, gut sortiert und wirklich günstiger als die WOOLWORTH und COOLE´s, die hier sonst den Lebensmittelmarkt beherrschen. Einzig die Kassierer(innen) wirken etwas gestresster als ihre Kollegen in den anderen Supermärkten. Der Job ist ja auch wirklich schwieriger als in DEUTSCHLAND: Man kassiert nicht nur, man muss die Ware auch klug  in Tüten packen…  (Kühlprodukte zu Kühlprodukten, Obst zu Obst etc.)

Die (Aus) Sprache ist in NEUSEELAND deutlich klarer – die AUSTRALIER sprechen dann doch schon eher einen AUSI-Slang und man (ich!) hat Mühe, ihnen zu folgen…

…aber in beiden Ländern sind die Eingeborenen super nett: Sobald sie merken, das Ausländer vor einem stehen bemühen sie sich um einfache Worte und klare Aussprache. Hilfsbereit sind alle sowieso – uneingeschränkt!

Überhaupt: Man wundert sich, wie viele NEUSEELÄNDER und AUSTRALIER schon mal in EUROPA waren – und auch ein paar Tage in DEUTSCHLAND verbracht haben. Klar, in unserem (Einwohner-mäßig) riesigen Land gehen die „paar“ Besucher vom anderen Ende der Welt wohl eher unter, aber wir hoffen sehr, „wir DEUTSCHEN“ sind ebenso freundlich und hilfsbereit im eigenen Land wie die zu uns.

Die Campsites in beiden Ländern sind durch die Bank wirklich SUPER SAUBER.

In AUSTRALIEN sind die Stellplätze für Wohnwagen und Wohnmobile besser ausgestattet als in NEUSEELAND: Jede Site (Stellplatz) hat einen Strom-, Wasser- und Abwasser- (Grauwasser – keine Fäkalien) Anschluss.  Das führt dazu, das die meisten Fahrzeuge in AUSTRALIEN direkt einen Frischwasser und Abwasseranschluss am Fahrzeug-äußeren haben – just plug in.
Wohnmobile sind bei den Einheimischen in AUSTRALIEN nahezu verpönt. Die haben alle coole Offroad-taugliche Wohnwagen mit noch cooleren Trucks davor. In der Regel Allrad-PickUp´s mit Doppelkabine, also Sitzplätze für 5.

Cooler PickUp

Die Wohnwagen (scheinbar egal wie groß, fast immer Doppelachse) sind allesamt ungebremst. Einfach nur die Deichsel auf die Anhängerkupplung des Zugfahrzeugs. Offenbar bei deren Größe kein Problem.
Vorzelte in unserem Sinn gibt es nicht – eher so eine Art Markise (oder Rollo) dessen Rolle auf dem Fahrzeug entgegengesetzten Seite auf Stangen angebracht ist. Dadurch bekommt man mehr Stabilität in die Sache. Je nach Bedarf (Sonnenschutz!) hängt man dann Seitenteile ein, fertig ist das „Vorzelt“.

australia aravaning

Das Campen scheint in AUSTRALIEN einen sehr hohen Stellenwert zu haben: An den beiden vergangenen Wochenende waren die Campsites richtig voll mit Local´s.
In beiden Ländern haben die Campingplätze sogenannt CABIN´s – sehr einfache „Häuschen“ oder „Hütten“ die man je Nacht mieten kann, wenn man nicht per Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil unterwegs ist. Preislich liegen diese CABIN´s etwas unterhalb der einfachen MOTEL´s, die auch sehr weit verbreitet sind.

Extrem Cool:

Monster Truck

AufbauDie kommerziellen Campsites haben immer mindestens eine „Camp-Kitchen“:

* Einen Herd mit elektrischen Herdplatten
* Kühl- und Gefrierschrank
* BBQ´s – Gasgrille mit Edelstahlpfanne – also keinen Rost
* Spüle
* Sitzgelegenheiten zum Essen

So kann man auch als Zelt-reisender Abends vernünftig kochen…oder Morgens seine Spiegeleier braten – wenn man denn eine Pfanne hat: Geschirr gehört nicht zur Ausstattung der Camp-Kitchen.

Wir nutzen in letzter Zeit die BBQ´s öfters, auch wenn man sie danach (logisch!) selber sauber machen muss. Aber auf diesen Gasbetriebenen Edelstahlpfannen lässt sich wirklich gut kochen. OK, ob das „Grillen“ im Norddeutschen Sinne des Wortes ist, sei dahin gestellt 😉

Die prominenteren kommerziellen Campsites haben sich was schlaues, aus Campersicht aber doofes einfallen lassen: Alle wollen, das man bereits um 10:00 Uhr den Platz verlässt. Einige argumentieren mit „Wir brauchen Zeit zum sauber machen“. Wenn man später abreist, drohen alle mit Zusatzkosten in ungenannter Höhe, eine Campsite sprach von 25 AUS$ „Bearbeitungsgebühr“. Nun, die „schlauen“ Campsites haben auch an den Ausfahrten Schranken eingerichtet und man erhält beim CheckIn einen persönlichen Code um die Schranke zu öffnen…der ist natürlich nur bis 10:00 Uhr gültig und man muss als reuiger Sünder ins Büro…

Wetter-technisch war NEUSEELAND deutlich abwechslungsreicher als AUSTRALIEN. Mehr Regen, mehr Kälte (im Sommer). Seit nun zwei Wochen in AUSTRALIEN hat es nur einmal geregnet – am ersten Tag.
Wir alle (auch die Kinder) haben durchaus körperliche Probleme mit der Hitze in AUSTRALIEN – 35°C bis 38°C (im Schatten) steckt man mal wirklich nicht so einfach weg – aber es ist soooo angenehm auf der Haut!

Im Moment kennen wir nur drei Arten von Tagen:

1) Fahrtag
Aufstehen, Frühstücken, aufräumen und einpacken, losfahren, oft unterwegs mal einkaufen und da, wo es schön ist, anhalten.

2) Ruhetag
Wenn es uns irgendwo gefällt, bleiben wir einfach einen Tag länger. Das zieht manchmal das Problem nach sich, das wir zu Fuß in die Stadt/das Dorf gehen müssen um neuen Proviant heran zu schaffen – weil wir immer nur für zwei Tage einkaufen.

3) Ausflugstag
Das ist dann der Großkampftag – Aufstehen, Frühstücken und auf in den Sightseeing-Trubel! Die Abende sind dann besonders kurz, weil solche Touren (mit und ohne Hitze) irgendwie immer anstrengend sind 😉

Die Arbeitsteilung ist dem Profil der Mitreisenden angepasst:

a) Die Kinder verhalten sich wie echte Kinder und sabotieren alles, was geht. Manchmal, in Einzelfällen, decken sie den Tisch und sorgen jederzeit für einen Lacher

b) Die Kindsmutter kümmert sich um die Behebung der Sabotage-Akte, ist Kindsmutter und hilft im Allgemeinen mit, den Tagesablauf aufrecht zu erhalten

c) Die Oma verbringt 80% ihrer Zeit als Bespaßungs-Unterhaltungs-Künstler und sorgt für neue Sabotage-Ideen, die restlichen 20% widmet sie mehr oder weniger Ernsthaft der Nahrungszubereitung

d) Der Opa ist Fahrer, Prügelknabe für gewalttätige Kinder und Omas, verrichtet den Abwasch und ist der personifizierte Entsorgungsfachmann schlecht hin

Soweit unser Leben im Wohnmobil.

Gegen 21:00 Uhr betten wir uns zur Ruhe…

…Gute Nacht, John-Boy,

…Gute Nacht, Mary-Ann,

…Gute Nacht, Opa (OK, nicht ganz Authentisch)

Peter.

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