BORA BORA – zweite Runde

Kommenden Samstag wären wir zwei Wochen hier, verdödeln die Zeit und warten auf ein passendes Wetterfenster für den Törn nach RAROTONGA (COOK ISLANDS).

Gute Gelegenheit um die letzte Woche einmal aus Sicht eines faulen Langfahrten-Seglers zu beschreiben…

…gewöhnlich beginnt der Tag mit der SSB Funkrunde (NET) um 08:00 Uhr Ortszeit. Das dauert so eine halbe Stunde, man erfährt eine Menge über Wetter und mögliche Ziele um einen herum. Anschließend schwinge ich meine noch müden Knochen bei jedem Wind und Wetter kunstvoll in unser Dingi um an Land zu fahren.
Dort organisiere ich frisches Baguette, während Heidi den Frühstückstisch deckt und Kaffee kocht. Mittlerweile habe ich noch drei andere Boote mit dieser Köstlichkeit am Morgen zu versorgen – Boat-Boy Pierre Piton wird doch noch Wirklichkeit, nur anders als gedacht. Wie immer im Leben…

Gegen 10:00 Uhr ist Frühstück durch und ein Blick auf die Instrumente (Batterie-Monitor und Tank) verrät uns, ob wir Strom und Wasser machen sollten. Strom brauchen wir fast immer, der zum Windgenerator umgebaute Schleppgenerator bringt trotz der enormen Böen kaum etwas. Außerdem haben wir gerade fest gestellt, das dieses tolle SSB Funkgerät im Stand-By Modus ein knappes Ampere frisst, also 22 Ampere am Tag! Weil wir an den Hauptschalter der Black-Box nicht einfach heran kommen, schalten wir jetzt immer die Sicherung aus…und für Neuseeland steht ein richtiger Schalter am Instrumentenbrett auf dem Wunschzettel. Nun denn, bei Bedarf also Generator und Wassermacher an und nach anderthalb oder zwei Stunden fühlen wir und der STORMVOGEL uns wieder wohl. Arbeit erledigt…schließlich wollen die Maschinen ja überwacht werden.

Mittlerweile haben wir beide es geschafft, parallel in Büchern zu lesen – so kann es durchaus mal passieren, das wir uns in die Bücher eingraben und gar nichts anderes unternehmen. Allerdings gibt es auch mal das Gefühl des Bord-Kollers und dann gehen wir an Land spazieren. Dabei kann man dann auch mal ein Bildchen schießen:

Mittags gibt es Lunch an Bord, oder auch mal an Land. Teuer, aber 1A! Durch die sehr französische Prägung hier und die (relative) Nähe zu Neuseeland bleiben keine kulinarischen Wünsche unerfüllt. Es gibt alles, alles ist ein wenig teurer aber in der Regel erstaunlich frisch.

Der Nachmittag gestaltet sich dann ob des üppigen Mittagsmahls in der Regel noch fauler als der Vormittag. Wieder Lesen, abhängen und nicht allzu viel Bewegung. Schließlich müssen wir uns ja auf die Happy-Hour in der Marina-Bar vorbereiten. Die ist immer von 17:00-18:00 Uhr und eigentlich Pflicht. Ein Schelm der denkt, es gehe nur um die Drinks – natürlich geht es um Konversation mit den Crew´s der anderen Boote: Nur hier kann man neueste Tipps und Gerüchte in Erfahrung bringen!
Während der Happy-Hour gibt es „2 für 1“, das macht den Preis für ein Bier akzeptabel (3,50 € statt 7,00 €) und sorgt dafür, das die allermeisten kurz nach 18:00 Uhr an Bord zurück kehren. Das ist wohl nicht Sinn der Sache, aber nicht wirklich unser Problem.

Recht weit entfernt von uns, aber doch in Sichtweite hat die bereits bekannte wunderschöne, historisch aussehende Superyacht aus Glasgow ihren Anker geworfen. Während wir in PAPEETE nur unbefriedigende Bilder machen konnten, gelang hier eine (vergrößerte) Totale:

Am Montag hören wir über UKW Funk eine Rettungsaktion auf Kanal 16 mit. MRCC PAPEETE (Maritime Rescue Coordination Center) koordiniert zwei andere Boote und einen Helikopter um Personen (?) aus dem Wasser an der Süd-Ost Küste von BORA BORA zu bergen. Natürlich alles in französisch und so bekommen wir nur wenig mit…aber die Dramatik springt doch auf uns über. Erst Recht als der Rettungshubschrauber TANGO RESCUE in unserer Nähe auftaucht…

 …auf dem freien Festplatz am Fährhafen landet…

 …und die verletzen Personen (?) an einen Krankenwagen übergibt. Denn hier gibt es ein kleines Hospital und der Flug zurück nach PAPEETE würde wohl zu lange dauern.

Weil offensichtlich viele, viele Boote auf das richtige Wetterfenster für den Schlag nach Westen warten, wird es hier immer voller. Keine Mooringbojen frei, also ankern auf 20-25 Meter Wasser – ich nenne das ja Tiefseeankern und bin froh´, das wir das nicht machen müssen.

Dienstag Nachmittag dann mal wieder eine unvorhersehbare VODOO-STORMVOGEL Aktion:
Ich sitze lesend im Cockpit so vor mich her, Heidi liegt irgendwo unter Deck, da kommt eine blöde Motorbootwelle UND (…und das UND ist wichtig!) im gleichen Moment eine Sturmböe den Berg hinunter. Die weht das Dingi samt Motor in die Luft, dreht es rum und lässt es kopfüber im Wasser landen. Na prima, wieder ein Motor unter Wasser! In Null Komma Nix drehen wir das Teil wieder rum, ich springe ins Dingi und lasse das Seewasser aus der Motorabdeckung ablaufen. Heidi macht den Werkzeug-Anreicher, ich fluche und schimpfe wie immer, drehe die Zündkerze raus und wieder rein, nochmal raus und wieder rein und schwupps, nach ungefähr 1.000 Startversuchen springt das Teil doch wieder an? Tolle Sache, oder? Kann wohl auch in einem U-Boot eingesetzt werden.
Schnell noch einen Ölwechsel (sicher ist sicher) und eine WD40 Sprühnebelbehadlung und schon ist das Dingi wieder klar.
Und nun das wirklich positive daran: Statistisch gibt es einmal die Woche diesen VODOO-Mist (VM), damit ist der Rest der Woche VODOO-Mist-Frei (VMF), doll, wa? Wie entspannt das Leben doch sein kann, wenn man die Zusammenhänge endlich mal durchschaut…

Später am Nachmittag tauchen auf einmal zwei cool aussehende Dingi´s auf und scouten in der Bucht herum…da wird doch wohl gleich eine Mega-Yacht erscheinen? Und richtig, der Superdampfer LEGACY legt sich gleich neben unseren STORMVOGEL vor Anker und schaltet zur Begrüßung erst mal seine Unterwasser-Beleuchtung ein:

Irre, oder? Also jetzt nicht „irre“ im Sinn von doof, sondern einfach nur unglaublich. Wir haben uns ja immer schon gefragt warum die Super-Yachten so viele Dingis mit sich herum fahren – und denken nun, das sind wie bei einem Flugzeugträger die Begleitschiffe. Je mehr man davon im Wasser hat, um so mehr macht das Erscheinen des Hauptdarstellers Eindruck. Eben ganz so wie bei einem Flugzeugträger.

Mittwoch melden wir uns schon mal bei der GENDARMERIE ab und bekommen unsere Ausreise-Stempel in den Pass. Am Nachmittag kommt die MAUNIE von ihrem Ausflug in den Süden zurück und bringt super-tolle Bilder von Kite-Surfern in Action und ein Unterwasservideo der Superlative mit!
In Anbetracht dieser Bilder überlege ich kurz, das Fotografieren ganz einzustellen. So viel zum Thema Neid und Eifersucht. Ich versuche Besser zu werden und bilde mich weiter Natürlich im Geheimen: Für die NIKON D800 habe ich mir jetzt ein Markt+Technik eBook gekauft um dieses High-Tech Teil mal endlich ganz zu verstehen. Das Buch ist so lala, aber ich lese fleißig und spiele herum, mal sehen ob das auch zu besseren Bildern führt.

Am Abend dann Lagebesprechung und der Plan, am Freitag auf die Nachbarinsel MAUPITI (30 Seemeilen nach Westen) über-zusetzten. RAROTONGA macht einfach keinen Sinn. Stand jetzt hätten wir drei Tage sehr leichten Segelwind von 8-12 Knoten und dann zwei Tage unter 6 Knoten, das können wir zum Segeln mal einfach so vergessen.

Donnerstag, so stellen wir doch Morgens sehr überrascht fest, ist ein halber Feiertag auf BORA BORA und MAUNIE kann ihren ToDo Zettel nicht wie geplant abarbeiten, weil fast alles geschlossen hat. So werden wir Freitag schon mal voraus segeln und Graham und Dianne kommen am Samstag nach.

Und dann, vielleicht, vielleicht, nächste Woche Mittwoch, Donnerstag weiter nach RAROTONGA. Auch wenn wir keinen Zeitdruck verspüren, FIJI könnte wohl knapp werden.

Peter.

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