Heidi und der Wal

(…und nicht: Peter und der Wolf!)

ODER

Was die letzten Tage so geschah…

Nach dem wir es in ATUONA auf HIVA OA nicht mehr ausgehalten haben sind wir auf die Nachbarinsel TAHUATA und dort im Nordwesten in die HANAMEMOA Bucht gegangen. 8 Seemeilen easy going. Die Bucht ist unbewohnt, super und eindeutig Südsee!

Allerdings mussten wir am Montag (10/06/2013) dann noch mal zurück nach ATUONA – zum Einkaufen. Also fix den STORMVOGEL gesattelt und diesmal mit Crew Dianne und Graham die 8 Meilen zurück, einkaufen und wieder 8 Meilen. Schöner Day-Sail mit guter Crew! Tags darauf (Di, 11/06/2013) mit dem Dingi der MAUNIE (15 PS Zweitakter!) in die 3 Seemeilen entfernte Nachbarbucht – da soll es ein Dorf mit Obst und Gemüse geben. Die Fahrt wird im wahrsten Sinne des Wortes eine Spritztour – jedenfalls sind wir klitsche Nass 😉 Auf dem Rückweg erleben wir ein besonderes Schauspiel: Jede Menge Delphine treiben sich in der Bucht herum und tollen durch das Wasser – und durch die Luft! Wie im Zirkus fliegen sie ein paar Meter über dem Wasser um dann mit einem Riesenplatsch wieder darin zu landen. Toll! Ein paar sehr gute Bilder sind uns von diesem Schauspiel gelungen.

Donnerstag, den 13. Juni 2013 11:00 Uhr stechen wir wieder in See, Ziel TUAMOTO und dort das Atoll TAKAROA.

Am Abend zuvor sind MAUNIE und STORMVOGEL an Bord der US Yacht LEWARD zu mexikanischen Dipps eingeladen. Lili und Steven sind beides Ingenieure, sie war früher bei der NASA, er in der Ölindustrie. Breitester texanischer Slang, das Boot TipTop in Schuss. Neben vielen anderen Geschichten berichtet Lili von Freunden, die vor vielen Jahren mal einen Wal gerammt hätten – und in die Rettungsinsel mussten. Damals noch mit einen alten EPIRB ohne GPS Unterstützung. (Das ist eine automatische Seenot-Funkboje die per Satellit Hilfe alarmiert). Das Paar musste 60 Tage in der Rettungsinsel ausharren, bis sie geborgen wurden. Lili hat den Skipper gefragt, was er anders machen würde: Er meinte, Motor an und den Wal mit dem Geräusch vertreiben…

Und so nähern wir uns also der kleinen Geschichte von „Heidi und dem Wal“:

Tags drauf also los: Vollzeug, hinter der Insel noch keine Welle, 8-9 Knoten Fahrt (!!!) und die See ist unser. Nach ein paar Stunden wird das Steuern aber zu aufwendig und wir beschließen, direkt das 2. Reff im Groß einzulegen. Yankee kurz weg gerollt damit das beim „an den Wind“ gehen nicht so klappert, ich an den Mast und Heidi ans Ruder.

Heidi luvt kurz an, damit das Großsegel fällt, ich kürze wie geplant das Segel und rufe Heidi zu, sie soll zurück nach Steuerbord auf den alten Kurs gehen, während ich noch die Leinen am Mast klar mache.

Sie ruft zurück: Geht nicht, guck mal da!!!!

Wieso geht nicht?

Was ist denn jetzt schon wieder?

Ich ducke mich unter das Großsegel und sehe an unserem Steuerbord-Heck, vielleicht 5-10 Meter entfernt, den Kopf eines riesigen Wals! Mit dem einen Auge aus dem Wasser schielt er so gerade Heidi an und überlegt offenbar, ob sie als Vor- oder Nachspeise zu gebrauchen ist…und das macht Heidi doch sehr nervös!

Heidi ist also etwas aus der Fassung ob der Nähe eines so großen Tieres und verweigert jedes Kommando – jedenfalls will sie nicht nach Steuerbord zurück gehen.

Keiner von uns hat eine Hand frei, um ein Photo zu machen.

Ich beende schnell meine Arbeit am Mast und eile zurück zu Heidi – und schon ist der Wal auch wieder verschwunden. Dachte wohl, Heidi sei solo unterwegs und er könne hier mal kurz wen vernaschen, was? Na denn, die Aufregung legt sich wieder und endlich, endlich haben wir auch unseren Wal gesehen.

Der Freitag auf See verläuft so la la, der Wind lässt weiter nach und wir laufen nur noch 5-6 Knoten.

Heute, am Samstag (15/06/2013) hat er uns dann ganz verlassen. Es scheint sich so eine Gesetzmäßigkeit heraus zu bilden: Auf dem letzten Drittel eines Landfalls versagt der Wind seine Dienste und der Diesel muss her halten. So ein Mist! Das so aufwendig getankte Zeug wird sofort wieder rausgeblasen…

…und weil wir wirklich alles versucht haben, um unter Segel weiter zu kommen hat sich unsere geschätzte Ankunftszeit auf TAKAROA in den frühen Abend verlegt. Das ist schlecht, denn die Ansteuerung und der Pass (=Kanal durch die Korallen-Riffe) kann man nur am Tage passieren. So laufen wir jetzt etwas schneller als gewollt unter Motor, damit wir am späten Nachmittag ankommen – und nicht eine Nacht auf See irgendwie vertrödeln müssen. Denn Motoren müssen wir im Moment so oder so.

Soweit die letzte Woche – das Regengebiet, das wir gerade durchqueren, löst sich auf und Heidi bekommt mal wieder einen spektakulären Sonnenuntergang geboten.

Alles ist gut, Alles wird gut.

Peter, mit Freigabe durch den Kommunikationsoffizier.

P.S.: Dieser Beitrag ist per plain-text eMail erstellt worden – ich hoffe, die Formatierung bleibt erhalten.

PPS: Nein, tat sie nicht – manuell nachgearbeitet…

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