Karibische Reparaturen

Die Feiertage sind vorbei und so langsam kommen die Arbeiten an unserem Dampfer so richtig in Schwung. Zunächst hat ein auf Motoren, Generatoren und Getriebe spezialisiertes Team unser kaputtes Getriebe ausgebaut.

Zufälle gibts: Der Vorname des Chefs ist „Egbert“ – wie der super kompetente HUTTING Werftmanager in Makkum.

Sieht doch wie neu aus, oder? Ich dürfte in den TOP-10 der schnellsten Getriebezerstörer gelandet sein – nach nur 33 Stunden sozusagen innerlich ausgebrannt – das Getriebe meine ich 😉

Durch den blockierten Propeller wurde das Getriebeöl so stark erhitzt,das sämtliche Kunststoffteile darin eingeschmolzen wurden, so zum Beispiel der Ölpeilstab:

Das neue Getriebe ist derzeit per Luftfracht aus den USA unterwegs und soll Morgen am Flughafen in St. Lucia eintreffen, mit Chance also Mittwoch/Donnerstag bei uns. Wenn alles nach Plan läuft haben wir vor dem Wochenende wieder einen Antrieb!

Hurra, Hurra, Hurra!

Der abgebrochene Rahmen auf der Steuersäule ist geschweißt. Vorher (links):

Und nachher (wieder links). Damit der Experte CHINAMAN das Aluminium schweißen konnte, mussten wir per Schlepper erst mal in die Werft vorholt werden. Um Aluminium zu schweißen braucht man wohl besonders viel Strom und Geräte – das ging an den Pontons in der Marina nicht.

CHINAMAN ist übrigens wirklich aus China – seine großen Kinder leben in den USA, hier gibt es (oh wunder) auch kleine Kinder von ihm… 😉  Auf CHINAMAN komme ich gleich noch mal zurück…

…aber vorher möchte ich die hervorragende Arbeit von FIBER loben. Der hat die Glasfaserhaube des Steuerstand komplett wieder aufgebaut – sieht aus wie neu:

Und auch den in der Mitte durchgebrochenen Gashebel hat FIBER so geflickt, das er als neu durchgehen kann:

Als wir zum schweißen an der Werftpier lagen konnten wir erstmals auch unser selbst genähtes Sonnensegel vernünftig fotografieren. Den Stoff hatten wir schon in Las Palmas gekauft. Hier auf St. Lucia haben Heidi und ich dann die Stoffbahnen zusammen genäht, den Rand umgenäht und die Ösen eingestanzt. Diese gemeinsame Arbeit war anfangs recht stressig – jeder hat halt so seine eigenen Vorstellungen. Aber am Ende sind wir doch stolz auf das Ergebnis:

Nun denn, wir liegen also an der Werftpier rum, CHINAMAN hat geschweißt und wir warten am Samstag Nachmittag (12/01/2013)  auf den Rücktransport.

Zunächst kommt eine Megayacht vorbei – MADE IN GERMANY (by Lürssen!)

Dann kommen die Leute von Egbert (Getriebe) vorbei und fragen CHINAMAN, ob er sich nicht mal das Drucklager von unserem AQUADRIVE ansehen kann.

Ein AQADRIVE ist eine VOLVO PENTA Erfindung. Dabei werden die Popellerwellen mit Wasser geschmiert und über eine Art permnente Gummi-Kupplung wird die Welle vom Motor entkoppelt. Dadurch wird die Virbration der Welle minimiert.

Damit nun die durch den Propeller erzeugte Vortriebskraft nicht auf dieser Gummi-Kupplung, oder gar dem Getriebe oder Motor landet gibt es ein Drucklager das fest mit dem Schiff verbunden ist.

Und eben jenes Drucklager ist uns bei unserem „Vorfall“ ja ebenfalls auseinander geflogen. Heidi und ich hatten das auf See zwar wieder halbwegs zusammen gesetzt, aber eben nur halbwegs…

Unser Getriebemann hat zwar alles versucht, ein passendes Ersatzteil aufzutreiben – aber  VOLVO USA meinte wohl, ganz schön alt das Teil!

Also vor Ort Reparatur unumgänglich.

Ein neuer Fall für CHINAMAN!

Der sieht sich das also am Samstag Nachmittag an und meint nur – OK, das könne er am Sonntag machen, wenn wir uns jetzt kranen lassen weil er die Welle ein Stück ziehen muss. Die mir eingeräumte Bedenkzeit war kleiner 1 Minute – nur eine Frage: Kennt er unseren Propeller? Bekommt er den wieder montiert? – Dont worry, no problem, no problem…

Also fix in den Kran:

…und dort in Schlingen und Stützen zwei Nächte verbracht. Am Sonntag hat dann wie versprochen CHINAMAN los gelegt. Schraube demoniert, Welle ein Stück gezogen…

…Drucklager ausgebaut und am Kopf ein neues Gewinde geschnitten (Teil in Bildmitte):

Über dieses Gewinde wird dieser Flansch auf das Drucklager montiert:

Durch den „Vorfall“ hat es genau dieses Gewinde zerrissen – und dadurch ist dann das Drucklager auseinander gefallen. CHINAMAN meint, das die Hitze und „LOCKTIDE“ das Metall angefressen hätten. (LOCKTIDE ist so eine Art Klebemittel um Schraubverbindungen dauerhaft gegen unbeabsichtigtes lockern zu sichern). Durch die Leine im Propeller wurde die ganze Welle mit großer Gewalt nach hinten gezogen – und dabei hat es das Gewinde dann zerlegt. Wo rohe Kräfte sinnlos walten…

Neues Gewinde geschnitten und die Mutter in der richtigen Position angeschweißt – man konnte CHINAMAN seinen Stolz auf das Werk anmerken. Nachdem er dann auch noch den Propeller richtig wieder montiert hat bin auch stolz auf ihn ;-))

Unser Großsegel ist auch geflickt – alle Taschen für die Segellatten sehen wieder ordentlich aus. Nur Ersatz für die gebrochenen Segellatten bekommen wir hier auf der Insel nicht so einfach. Die kurzen können wir aus den gebrochenen langen gewinnen – aber die beiden unteren, sehr langen Latten müssen ersetzt werden. Und das geht so:

Der Marina-Manager (!) fährt Morgen sowieso geschäftlich mit einem Boot nach Martinique. Also bekommt er ein Muster und die beiden Längen in die Hand gedrückt und die Adresse, wo es die wohl geben wird. Wenn alles klar geht, haben wir die also auch Dienstag oder Mittwoch. Super, oder?

Aber es bleibt noch eine Menge nach und ich gehe nicht vor Ende Januar für die Fertigstellung aus.

Was uns erst hier aufgefallen ist: In der Nacht des „Vorfalls“ haben wir Steuersäule nicht abgedeckt. Dadurch ist Seewasser in die Achterkajüte gelaufen – in die Lichtelektrik und in den Steuercomputer. Beides ist komplett ausgetrocknet und funktioniert wieder – zum Glück!

Zum Abschluss möchte ich allen segelnden Katastrophen-Junkies diesen Blog aus Österreich ans Herz legen. Ich habe ihn Ende 2011 angefangen zu lesen – bis kurz vor unserer eigenen Abeise. Die Crew ist ca. 1 Jahr vor uns – hoffentlich bleiben uns solche Unfälle erspart!

Nun denn – Licht am Ende des Tunnels bei 34°C, kühler Briese, blauem Himmel und coolen Drinks.

Peter.

 

3 Gedanken zu „Karibische Reparaturen“

  1. Na ja, wenn der Service selbst als „China Man Lawrence“ firmiert, wird selbst eine empfindlich „politisch korrekte“ Seele kaum daran Anstoß nehmen können, wenn der Chef mit offensichtlichem Bezug darauf von Peter „Chinamann“ genannt wird – und dies ganz sicher nicht mit herabsetzender Absicht..

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