Stormvogel – and than there where three…

(GENESIS Album aus den frühen 80´igern mit dem Klassiker „Follow you follow me“ und dem weniger bekannten, viel besserem „Many too many“)

Nun denn. Wir sind auf See!

Diesen Blogeintrag schreibe ich schaukelnder Weise auf den Notebook und werde ihn gleich via eMail -> Satellit -> Blog in den Orbit schicken. Wenn alles funktioniert wie es soll dann ist dieser Beitrag auf der ARC
Website und unter www.wiedekamm.com zu lesen.

Eigentlich gibt es viel zu berichten – und in der Tiefe eigentlich dann doch nicht. Wir sind nicht nur den Dritten Tag auf See, nein, wir sind auch nur noch zu Dritt.

Unser erster nautischer Offizier Knut ist erkrankt und wir beide haben am Tag der Abreise (genau 3 Stunden vor Ralleye Start) entschieden, das es besser und sicherer ist von Bord zu gehen. Und zwar nicht nur für ihn, sondern auch für uns.

Das mag sich blöd und unsozial anhören, aber ein krankes Crewmitglied wird auf einem so kleinem Boot schnell zu einer Belastung für die übrigen…und die haben ja in der Regel genug mit sich selbst zu kämpfen (…Seekrankheit, Schlafmangel und so).

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Alles ist gut und ich hatte kurz den Gedanken, das der Stormvogel (alias Bad Luck Bird) nun seine Weh-Wehchen auf die Menschen überträgt – nachdem an Bord alles durchrepariert ist 😉

Zu unserem Glück hat Knut aber trotz Krankheit sofort die Rolle des METABO wieder übernommen und sendet Zusammenfassungen vom Wetter und von der Flottenbewegung. Das hilft uns sehr!

Tja, auf See. Der Dritte Tag, ca. 17 werden wohl noch kommen.

Wir haben Nord-Ost Wind der Stärke 5-6 bei 3-4 Meter Welle. Seit gestern Abend laufen wir eher 250° Süd-West Kurs. Segeln Schmetterling (Groß an BB im 1. Reff, Yankee an STB im Baum, ebenfalls gerefft). Das Boot rollt und giert, man muss sich jede Minute abstützen.

Die mechanische Windfahne ist seit gestern im Dauerbetrieb um Strom zu sparen. Die hält sich ganz gut, aber den Stromverbrauch haben wir noch nicht im Griff. Wenn es uns Morgen besser geht. wollen wir den Schleppgenerator ausbringen. Dann müsste sich die Situation etwas entspannen.

Noch 642 Seemeilen bis zum empfohlenen Wegpunkt AN514 auf 20° 00,0′ Nord und 30° 00,0′ West. Ab dieser Position soll man mit stetigen Ostwinden rechnen können. die einen geschwind über den Ozean tragen. Wenn man den direkten Kurs gehen würde, könnte man zwar Wegstrecke einsparen, müsste
aber mit Zonen von Gegenwind und/oder Windstille oberhalb dieser Position rechnen. Laut 3 fachem Weltumsegler und vielfachen Buchautor Jimmy Cornell (von dem diese Empfehlung stammt) hat sich an dieser
Segelanweisung seit Kolumbus´s Tagen nichts verändert.

Soweit ich das im täglichen Flottenbericht nachvollziehen kann, gibt es wie in jedem Jahr auch diesmal Direktläufer und Umwegfahrer. Das muss wohl so sein 😉

Vielleicht noch ein Nachsatz zu Jimmy Cornell:

Mit großer Vorfreude bin ich zu seinem ARC Seminar in Las Palmas gegangen – immerhin habe ich fast alle Bücher von ihm. Und war enttäuscht vom Vortragsstil, vom Inhalt und auch von der Person. Hatte ich mir alles anders, strahlender, wegweisender ausgemalt. Dieser alte Mann sollte Jimmy Cornell sein – der auf den Buchcovern vor Zuversicht und Tatkraft nur so strotzt?

Und wie so häufig ist es Heidi, die mir klar macht, das der Mann wohl auch älter wird und nun so um die 75 Jahre alt sein muss. Da hat er wohl einfach nur alte Fotos verwendet…

..hm, ja, hm, ja, das ist ja ein guter Gedanke:

Als Buchautor bleibt man also ewig jung!

Peter, mit Freigabe durch den Kommunikationsoffizier Heidi.

P.S.:
Maximum Surfspeed: 10,5kn

Ein Gedanke zu „Stormvogel – and than there where three…“

  1. I am a happy sailor
    I can work all day long
    I can take the shifts during day and night
    I fully support the skipper and his crew
    I am a happy sailor

    [Aus einem Bewerbungsschreiben eines Seefahrers, der sich um Hand gegen Coje für die Passage beworben hat]

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