Zur Lage VIII (oder) T spielt keine Rolle mehr…

Es ist Sonntag, der 25. November 2012 17:00 Uhr (also T+4), der Start der ARC 2012 liegt vier Stunden zurück und wir liegen immer noch in der Marina von Las Palmas de Gran Canaria.

Wie 90% der ARC Flotte auch.

Was war geschehen?

T-48
Das ARC Komittee veröffentlicht für jedes Boot das Handicap – Time Correction Factor (TCF) genannt. Auf Grund der bei der Anmeldung mitgeteilten technischen Daten
bekommt jedes Boot einen individuellen Korrekturfaktor. Damit wird dann die „errechnete Segelzeit“ ermittelt um eine Chancengleichheit unter den Booten in der Wertung herstellen
zu können. Ein Faktor von kleiner 1 führt dazu, man rechnerisch schneller wird, als man tatsächlich gesegelt ist. Bei größer 1 wird man langsamer.

Unser TCF ist 0.930 und damit kann ich im Vergleich zu anderen Booten gut leben.

Die HASPA Hamburg (der tolle, rote Dampfer den man beim Hafengeburtstag in Hamburg immer sehen kann) hat einen TCF von 1.293 und ist damit eindeutig ein Rennboot
(startet ja auch in der Regatta-Gruppe), wie man hier sehen kann:

Andere, uns bekannte Boote haben folgenden TCF:

MAUNIE 0.862
INDULIGENCE 0.992
CHARME OFFENSIVE 1.028 (…eine Hanse!)
RAVI 1.079
FREE SPIRIT 1.410

T-29
Aufstehen – es gibt noch so viel zu erledigen! Zunächst müssen die 30 Tonnen Obst und Gemüse gewaschen und verstaut werden, die Heidi geordert hat und am Vorabend geliefert wurden.

Das Zeug sorgt für Diskussion: 40 Euro für Bier, 120 Euro für Fleisch und 180 Euro für Grünzeug – wer soll das alles essen???

So diskutieren wir munter weiter, als wir Gemüse und Obst in originellen Positionen verstauen:


Ich widme mich lieber meinen Decksbaustellen und besorge im Laden noch ein paar Kleinteile. Die machen in diesen Tagen das Geschäft ihres Lebens! Am Vortag habe
ich zusammen mit einem Service-Menschen von LEWMAR eine dritte Winsch (Winde) an Backbord installiert. Diese soll uns helfen, das große Vorsegeln (Yankee genannt) einfacher reffen zu können wenn wir auf Backbordbug liegen. Dann sind beide vorhandenen Winschen durch die Schoten (Leinen) für Vorsegel und Yankee belegt und wir haben zu wenig Kraft, um die Reffleine (damit macht man das Segel kleiner) mit der Hand einholen zu können.
Toller Service von LEWMAR, wie im übrigen auch von HYDROFANE – beide Unternehmen haben Service-Leute auf den Stegen und helfen bei allen Fragen. Ohne dafür Geld zu nehmen.

Knut und ich kurblen Hendrik in den Mast um an einigen Wanten (Drahtseilen) eine Plastikummantelung anzubringen. Diese soll verhindern, das unsere Leinen aufscheuern.

 

Heidi packt ein großes Heimatpaket für ein bekanntes anstehendes Event im Dezember und bringt auf dem Weg zur Post auch gleich das Auto zum Flughafen zurück.

T-25
Skipperbriefing im Hotel Santa Catalina nahe dem Yachthafen. Dem 1. Offizier des STORMVOGELS wird der Einlass verweigert: Wir können nur eine Eintrittskarte vorweisen und (britsich korrekt) könnte es schließlich sein, das Knut sich als dritter oder gar vierter einschleicht. Nachdem der Saal fast gefüllt ist sitzt auch der erste Offizier dort, wo er hin gehört: An meiner Seite!

Zunächst übernimmt Mr. Andrew Bishop, seines Zeichens Managing Director der ARC, das Wort und geleitet durch das am Eingang verteilte Handout.

T-24
Mr. Chris Tibbs, der ARC Meterologe, übernimmt das Mikro und berichtet von starken Südwinden (also genau von vorne!) und 6 Meter Wellen für den Start und die beiden kommenden Tage danach.
Das liege an einem Tiefdruckgebiet das nördlich der Kanarischen Inseln durchziehe…aha. Ferner sollten wir ein zweites Tief über der Mitte des Atlantiks im Auge behalten…
…so so, hätten wir vielleicht vorher selbst auch mal Wetter sehen sollen? 😉

T-23
Mr. Bishop übernimmt wieder und legt überraschend die Folie „Startänderungen“ auf.

Aufgrund der Wetterbedingungen hat das ARC Komitee beschlossen ein zweites Startfenster für Dienstag, den 27. November 2012 13:00 Uhr (T+48) anzubieten.

Tosender Beifall der anwesenden (ca.) 600 Personen!

Eine Startverschiebung sei bei der ARC bisher nur zwei mal vorgekommen, aber Sicherheit und Komfort sollen Vorrgang haben, so Mr. Bishop. Wer wolle, könne wie geplant am Sonntag (T-0) starten. In jedem Fall müssten aber die Regatta-Gruppen starten. Den Grund haben wir nicht begriffen, ebenso auch nicht die beiden Startfenster für die Ralleye Gruppe.

T-22
Mit diesem Paukenschlag endete dann auch schnell das Briefing – didaktisch sehr, sehr gut gemacht – ansonsten hätte wohl kaum jemand zugehört.

Für einige Skipper stand sehr schnell fest, nicht am Sonntag zu starten. Ich wollte mir erst zusammen mit Knut in Ruhe ein Bild vom Wetter und vor allem von den damit möglichen Kursen machen.

T-21
Somit verbrachten wir den Samstag Nachmittag wie geplant mit einem ersten Probeschlag mit unserer Crew und stellten fest, das trotz des wenigen, ständig wechselnden Windes der Schwell unser schwer beladenes Boot (650 Liter Diesel, 650 Liter Wasser, 3 Tonnen Gemüse, 20 Kg Fleisch, 15 Liter Bier) etwas behäbig erschienen ließ.
Aber zum Glück kam dann doch noch etwas Wind und Bootsmann Hendrik und 1. Offizier Knut konnten mutig in der Hafeneinfahrt kreuzen. Was der Skipper allerdings nicht verstanden hat war der Umstand, das er, der Skipper himself, die Winden bedienen musste…

T-19
Nach unserer Rückkehr nahmen wir uns dann den Navigations-PC vor. „Unser“ Wetter kommt von METOFRANCE und zeichnet kein so gräußliches Bild der kommenden zwei Tage, aber einfach ist das Wetter bei dieser Vorhersage auch nicht.
Nach einiger Zeit reift die Erkenntnis das man trotz harter Startbedingungen nach zwei Tagen sowohl auf dem Südkurs als auch auf dem West-Südwestkurs in jeweils
eine große Flautenzone hinein geraten würde – und somit kaum etwas gewonnen hätte.

Und noch ein Argument konnte ich auf dem Ponton aufschnappen:

Wenn man mit seiner Crew direkt in den ersten beiden Tagen in der Sch… landet, dann ist die Moral im Eimer und die folgenden 14-17 Tage werden sehr unschön. Weise, Weise!

Dennoch: Eine Nacht drüber schlafen und die Entscheidung wie gewünscht am Sonntag Vormittag im ARC Büro mitteilen.

T-17
Dinner mit Crew und Gast – die Hafenrestaurants sind zum bersten voll! Viele, viele Crews haben sich bereits fürs Bleiben entschieden…

T-5
Nach dem Frühstück teilt der 1. Offizier der stolzen Segelyacht STORMVOGEL dem ARC Organisationskomitee feierlich mit, das wir nicht um 13:00 Uhr starten werden, sondern ebenfalls auf Wetterbesserung für Dienstag warten.

T-0
In brütender Hitze, praller Sonne und (jedenfalls an Land) sehr wenig Wind beobachten wir den Start der Regatta-Gruppe und von vier Ralleye Booten (wenn wir richtig gezählt haben).
So wenig Boote, die Startlinie liegt sehr weit unter Land und selbst wenn Wind wäre, würde dieser vom nahen Land geschluckt werden. Selten etwas langweiligeres gesehen!
Klar, 332 startende ARC Boote wären eine Show gewesen – aber so?

So genießen wir einen „lazy Sunday“ schreiben eMails und Blog und warten auf den Wind. Wehe, er kommt nicht!

Peter.

6 Gedanken zu „Zur Lage VIII (oder) T spielt keine Rolle mehr…“

  1. > Unser TCF ist 0.930 und damit kann ich im Vergleich zu anderen Booten gut leben.
    > Andere, uns bekannte Boote haben folgenden TCF:
    > MAUNIE 0.862

    Na herzlichen Glückwunsch, Skipper 🙂 Wenn die Maunie auch noch solch ein deutlich günstigeres TCF hat als Ihr, müsst Ihr Euch aber ranhalten!

  2. ….den tollkühnen Männern (und Frauen!) auf ihren „fliegenden“ Kisten ein dreifaches

    hip hip hurra……………….Gute Fahrt bzw. Mast- und Schotbruch euch allen

    Louise & Wolfgang

  3. Schon merkwürdig, wie die Regattaleitung das organisiert. Entweder macht man einen für alle beeindruckenden Massenstart für alle Boote die dann tagelang mit Sichtkontakt segeln können (was wohl mehr Spaß bringt) und akzeptiert einen entsprechend auseinander gezogenen Zieleinlauf – oder man lässt – mit vergleichbarem Effekt – die langsameren Boote gestuft in vergleichbaren Gruppen vorfahren, um einen möglichst geschlosseneren Zieleinlauf zu haben. Jetzt hat man die schnellen Boote vorfahren lassen, die wahrscheinlich längst alle Partys gefeiert haben, wenn die Letzten ankommen. Aber wenn man schon mit einer Art Yardstick-Klassifizierung Vergleichbarkeit aller Boote herstellen will, müsste man ja auch darauf sehen, dass alle Boote möglichst lange geimeinsam in der gleichen Wetterzone unterwegs sind, was so gerade nicht der Fall ist – schade.

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