Zur Lage VII (oder) T-115

In 115 Stunden startet die Ralley ARC 2012 von Gran Ganaria nach Saint Lucia.

Unser Startfenster ist am 25. November 2012 um 13:00 Uhr.

Wir sind dabei!

In der letzten Woche wurden alle großen Baustellen durch die Mechaniker abgeschlossen.

Im Schnelldurchlauf:

1) Hauptmaschine
Kompression gemessen und OK (alle Zylinder knapp 30 Bar), alle Federn der Ventile gewechselt. Erneut Ölwechsel. Neues (hydraulisches) Getriebe und passendes, nun wirklich zentriertes Distanzstück.

2) Generator
Neue elektrische Dieselpumpe und Reparatur des Steuerbord-Tanks – dort hatte die Ansaugleitung im Tank ein kleines Loch und dadurch wurde Luft in die Dieselleitung gesaugt und der Generator blieb stehen.

3) Hydraulik
Neue Hydraulikpumpe für die Steueranlage – die Entlüftung derselben dauerte Stunden.

Am Samstag (24/11/2012) haben wir eine ausführliche Testfahrt unternommen und gehen nun beruhigt davon aus, das wir tatsächlich starten können! (hipp hipp, hurra!)

Nachdem nun die Handwerker das Feld geräumt haben, können wir endlich mit dem „Kleinkram“ selbst los legen.

Unsere Crew kommt am Freitag, den 23. November 2012 hier an und wird die Achterkajüte beziehen. Heidi und ich räumen die Vorschiffskajüte und ziehen in den Salon. Zum einen kann man bei Seegang im Vorschiff sowieso nicht schlafen, zum anderen brauchen wir unbedingt Stauraum für Segel, Lebensmittel und Ausrüstung.

Also mussten wir für die beiden Salonkojen erst mal Leesegel bauen. Die sollen verhindern, das man bei Seegang im Schlaf aus der Koje purzelt und sich die Knochen bricht. Andere Boote haben ja auch eine Nähmaschine an Bord (vgl. MAUNIE) – wir jetzt also auch. Marke „SINGER heavy duty“ – damit kann man auch dicke Persenninge nähen.
Das fertige Werk sieht an Steuerbord dann so aus:

In der Zwischenzeit kommen verschiedene ARC Leute vorbei und begutachten unseren Dampfer. Den obligatorischen Sicherheitscheck besthen wir bis auf paar Kleinigkeiten im ersten Anlauf.

Den freiwilligen Rigg-Check ebenso. Dafür kommt „Jerry, the Rigger“ (cooler Name, oder?) an Bord und klettert in den Mast. Dabei begutachtet er das laufende und stehende Gut (also alle Drahtseile und Tampen) und versucht Schwachstellen zu finden. Er schafft so 6-8 Boote am Tag. Ich denke mal, am Ende des Tages dürfte er ganz schön müde sein:

Richtig nervig ist im Moment das WLAN und das Handy-Netz. Durch die Masse an Booten (232!) und die mehr als 1.200 Menschen ist beides wohl mehr als am Limit. Daher ist bloggen, eMail und Skype eher schwierig…

…aber so richtig haben wir auch gar keine Zeit dafür. Jeden Abend von 18:30 bis 20:00 Uhr gibt es den ARC Sundowner bei dem ein wechselnder Sponsor jedem zwei Bier spendiert. Dann gibt es noch jede Menge offizielle und private Partys.

Wir haben die offizielle Eröffnungsparty am Freitag (16/11/2012) geschwänzt und an Bord der BELLA vor Anker liegend mit Ulrike und Matthias gegrillt. Die Eröffnungsparty soll super gewesen sein – aber was könnte unseren gemeinsamen Abend mit der Las Palmas Kulisse bei 24°C toppen? Die beiden hatten leider in dieser Nacht mit aufkommenden Wind und nicht haltendem Anker zu kämpfen…

Am Sonntag (18/11/2012) dann die offizielle Eröffnungszeremonie mit Flaggenparade, toller Blasmusik und ein paar offiziellen Reden. Nachdem am Vorabend im täglichen ARC eMail Newsletter noch händeringend nach einem Flaggenträger für (unter anderen) Deutschland gesucht wurde fragte ich also Sonntags morgens, von der Morgentoilette kommend und nicht klar im Kopf, ob das Problem denn nun gelöst sei. Nein, 2 Stunden vor der Parade kein Flaggenträger. Na denn muss ich das wohl machen…

Weitere Bilder gibt es auf der ARC Website – wie im übrigen auch ab Sonntag eine Übersicht mit allen Positionsdaten der Flotte. Dafür wurden alle Boote mit einem GPS-Tracker von YELLOWBRICK ausgerüstet. Man kann also Live unsere tagesaktuelle Platzierung sehen.

In dieser Woche haben wir die Verproviantierung in Angriff genommen. Heidi hat einen Speiseplan für 21 Tage erstellt und damit begonnen, strikt danach einzukaufen. Das Ziel ist, in keinem Fall verdorbene Lebensmittel über Bord werfen zu müssen, weil wir vielleicht zu viel eingekauft haben. Die Supermarkt-Sachen holt Heidi selbst mit dem Auto, das Tiefkühlfleisch wird frisch aus der Markthalle angeliefert und das Grünzeug (äh, ich meine Gemüse und Obst) holt Heidi ebenfalls am Freitag aus der Markthalle.

Wir haben nun 12 5-Liter Kanister mit Trinkwasser an Bord um Kaffee, Tee und Essen kochen zu können. So umgehen wir die Diskussion über unsere Aluminiumtanks. Für diejenigen, die bereits unter Alzheimer leiden: Aluminium steht in Verdacht, Alzheimer zu befördern. Die Tanks füllen wir natürlich auch noch mit 750 Liter Wasser auf. Daneben gibt es Trinkwasser aus Flaschen, Cola, Fanta und Gerstenkaltschale aus Dosen.

Ferner haben wir die Dieseltanks bis zum Stehkragen aufgefüllt. Leider gingen nur 300 Liter rein – leider, weil der Liter hier gerade 1,12 € kostet. Nun haben wir in Summe 650 Liter Diesel an Bord und dürfen uns offiziell Tankschiff nennen…

Die Kunst beim Stauen besteht nun darin, die Sachen bei Bedarf auch einfach wieder zu finden. Listen haben sich als zu aufwendig und statisch erweisen – wir fotografieren jetzt einfach:

Heute Abend sind wir auf einem ARC Crew-Dinner. Weil unsere Crew ja noch nicht da ist, werden wir den Abend mit der gestern angereisten MAUNIE Crew verbringen. Wir sind sehr gespannt, wen Dianne und Graham denn da so an Bord genommen haben 😉

Die Hoffnungen auf eine gute Platzierung haben wir aufgegeben. Es gibt zwar auch eine echte Regatta-Gruppe, aber in unserer Rallye Gruppe sind viele Boote, die schon mehrmals mitgefahren sind und Etmale von 200 und mehr Seemeilen schaffen. Allerdings nur mit hohem Materialeinsatz. Da lässt man sein Leichtwindsegel bei zunehmenden Wind wohl schon mal länger stehen und nimmt in Kauf, das es zerfetzt – hat man halt drei dabei.
Das kommt für uns nicht in Frage. Wir wollen schließlich weiter und müssen auch nicht vorne mit dabei sein…aber bitte auch nicht hinten! ;-))

Ach ja, einen habe ich noch:

Am Sonntag, den 18. November 2012 hatten wir unseren 26. Hochzeitstag. Wie gut, das meine Frau mich daran erinnert hat (…und wie gut hatte ich es doch in meinem vorherigen Leben – da gab es Menschen, die die mich im Vorfeld entsprechend gebrieft haben…aus, vorbei, seufz!):

Und ganz zum Schluss:

Heute spielt Marillion in Köln. Ich habe bereits vorletzte Woche alle Varianten eines Konzertbesuches untersucht. Anreise am Vortag über Düsseldorf, Rückreise am Folgetag über Köln. Aber bei Reisekosten von knapp 700 Euro und drei Tagen weniger Zeit für unsere Vorbereitung habe ich keine Flüge gebucht. Schade, Schade. Ich hoffe innig, das Marillion nicht in Rente geht, bevor ich zurück komme. Und wer weiß? Vielleicht spielen sie ja im nächsten Jahr in Australien?

Peter.

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