Zur Lage VI

Wir schreiben den 6. November 2012, wir liegen in Las Palmas auf Gran Canaria und arbeiten jeden Tag an unserem Boot.

Eigentlich wollen wir gar nicht hier sein, eigentlich wollen wir nicht jeden Tag eine Baustelle.

Der Hafen füllt sich mit weiteren ARC Booten und gerade habe ich folgendes Foto gemacht:

Heute ist Heidi  darauf gekommen, das im Moment eigentlich fast alles, was wichtig ist, kaputt ist.

Schön, das die Stormvogel Crew endlich einer Meinung bezüglich des Bootszustands 19 Tage vor der Atlantiküberquerung ist, oder?

Im Einzelnen:

1) NANNI DIESEL

Der ortsansässige NANNI Servicetechniker ist ein Profi. Er arbeitet auch für MAN an großen Schiffsdieseln und verfügt offenbar über sehr viel Erfahrung. Er war gestern ausführlich an Bord und hat zunächst die Kompression gemessen. Alle vier Zylinder sind bei knapp 30 Bar – das entspricht wohl dem Neuzustand. Dann wurde der Zylinderkopfdeckel aufgenommen und die Ventile und Federn untersucht. Leider kann man hier schon deutliche Korrosionsspuren erkennen – unglaublich wie schnell das geht:

Ferner wurde der Deckel der Einspritzpumpe aufgenommen und das Innere begutachtet. Soweit wohl alles OK. Wir folgen den Vorschlägen des Experten und unterziehen den Motor folgender Therapie:

1.a) Die Federn der Ventile werden alle ersetzt. Diese werden sehr stark beansprucht und die Befürchtung ist, das der Rostansatz weiter geht und die Federn in naher Zukunft brechen könnten.

1.b) Reinigung des Zylinderkopfes

1.c) Ölwechsel

1.d) Neues Getriebe: Wir wussten ja eigentlich schon immer, das die Geräusche im Leerlauf nicht richtig sein konnten. Leider haben die „Kollegen“ in Vigo hier einen faulen Kompromiss gemacht. Also bekommen wir nun ein neues, zum Motor wirklich passendes Getriebe.

1.e) Wellen-Distanzstück: Das Teil wurde in Vigo extra für uns angefertigt weil der neue Motor natürlich einen anderen Abstand zu Welle hat, als der alte. Leider läuft das Teil nicht wirklich rund und es könnte sein, das damit über viele Betriebsstunden hinweg das Wellenlager zerlegt wird. Da wir jetzt sowieso ein neues Getriebe bekommen, wird dieses Teil ersetzt – wieder durch Maßanfertigung. Mal sehen, ob die hier besser sind.

 

2) Generator

Eigentlich haben wir den bisher nur auf den drei längeren Seetörns (Biskaya, Portugal – Madeira und Madeira – Gran Canaria) ernsthaft gebraucht. Auf dem letzten Törn hat er dann seinen Dienst verweigert. Der Generator ist eine zweite Dieselmaschine (2 Zylinder Perkins) die mit einem riesigen Dynamo verbunden ist. Wen er läuft erzeugt er 220 Volt und lädt über ein Ladegerät unsere Batterien. Das Problem ist, das er ca. 5-7 Minuten läuft und dann abstirbt, weil er nicht genug Diesel bekommt. Bereits seit 4 Tagen (teilweise mit Hilfe eines Schweden, der sich hier ein paar Euro verdienen will) sitze ich an dem Sch… Teil und finde den Fehler nicht. Nach der ursprünglichen Vermutung, das irgendwie Luft in die Dieselleitung kommt sind wir jetzt auf dem Trip, das irgendwas mit der Einspritzpumpe nicht stimmt, da es keinen sichtbaren Dieselrücklauf gibt. Das ist jedenfalls der Befund eines Motortechnikers, der sich gerade unsere hydraulische Steuerung ansieht…

 

c) Hydraulische Steuerung

…unser Boot hat verschiedene Steuerungssysteme. Die normale Handsteuerung per Steuerrad ist voll mechanisch und funktioniert einwandfrei. Lediglich die manuelle Feststellbremse ist bei Schwerwetter nicht girff-fest und dann bekommt die Windfahne Probleme, weil das Hauptruder auch (ungewollt) in Aktion gerät.

Daneben haben wir noch ein hydraulisches Steuersystem um aus dem Deckshaus steuern zu können oder auch um den elektrischen Autopiloten nutzen zu können. Dieser steuert computergestützt viel genauer als z.B. die Windfahne. Dafür braucht er eine Hydraulikpumpe. Und diese Pumpe hat vermutlich einen Fehler. Jedenfalls macht sie vermehrt merkwürdige („hysterische“) Geräusche und wir denken, das sie durch Ölmangel einen bleibenden Schaden erlitten hat.

Die Pumpe wurde heute demontiert und wird hoffentlich bald durch eine neue ersetzt. Wenn keine verfügbar ist, werden die Mechaniker eine Überholung vornehmen (…oder sollte ich sagen „versuchen“?).

 

d) Elektrik

Auf den Etappen, die ein wenig rauher waren, haben wir immer sehr viel Wasser an Deck gefahren. Und zweimal haben wir an „unmöglichen“ Stellen im Schiff (im Salon!) Seewasser gefunden. Beim zweiten Mal haben wir auf See alles demontiert und die Ursache gefunden. Ein Tankstutzen leckt. Das Leck haben wir mit massiven Sikkaflexeinsatz wohl gestopft. Aber dadurch ist Seewasser (Salzwasser!) in die Beleuchtungselektrik des Salons gelangt.

Ein Elektriker hat sorgsam alles untersucht und durchgmessen und keine bleiben Schäden feststellen können.

Wir stellen jetzt noch die verbliebenden Halogen Birnen auf LED um (irre teuer!) und haben dann wieder ein gutes Gefühl.

Ferner haben wir uns entschieden, weitere Tools zur Stromerzeugung einzusetzten. Vermutlich waren die unsicheren Dieselmaschinen ein Motivationstreiber. Die elektrische Verkabelung hat ebenfalls der Elektriker vorgenommen und gestern abgeschlossen.

d.1) Solarpanel

Auf dem Schiebeluk-Dach haben wir nun ein Solarpanel, das im Peak 2,2 Ampere liefern soll. Das ist wirklich nicht viel, aber von den Abmessungen her das größte, was mechanisch machbar war. Zum Vergleich: Wenn wir nur die minimale Navigationselektronik laufen lassen, brauchen wir bereits 3 Ampere. Die anderen nützlichen Verbraucher verschlingen:

  • Kühlschrank: 4-5 Ampere, aber nur wenn er wirklich kühlt
  • Plotter: 3 Ampere
  • Elektrischer Autopilot: 5 Ampere
  • Ladegerät 12 V Staubsauger via 220 Volt Inverter: 3 Ampere

d.2) Aquagen

Ferner haben wir einen 4 Ampere „Wellengenerator“ angeschafft. Das ist eine Art Dynamo, der an der Heckreling befestigt wird. Daran wird dann eine 30 Meter Leine befestigt und daran eine schwere Metallachse mit Propeller. Durch die Fahrt im Schiff wird dann der Propeller gedreht und der dreht dann die Leine und die dann den Generator. Wir sind sehr gespannt, ob das Ding denn wirklich funktioniert. Als sinnvolles Add-On haben wir dann noch das Umbaukit gekauft, mit dem man das Teil auch als Windgenerator nutzen kann wenn man vor Anker liegt.

Nun, so hoffen wir, werden wir jedenfalls immer genug Strom an Bord habn, um kommunikationsfähig zu bleiben.

Das Backup für die Navigation besteht aus zwei Notebooks mit je zwei Akkus und einem externen GPS Empfänger sowie einem batteriegetriebenen Stand-Alone GPS und klassischen Seekarten aus Papier.

Einzig für die Wettervorhersage gibt es kein Backup: Wenn wir nicht genügend Strom für unsere Satellitenverbindung haben, dann haben wir auch kein Wetter. Dann haben wir aber auch nur die Situation, die die altvorderen aus dem vorherigem Jahrhundert hatten: Wetter ist das, was man sieht, wenn man raus guckt.

e) Segelmacher

Das Rigg haben wir noch nicht untersucht (bzw. untersuchen lassen) – aber ich kann von Deck aus keine Schäden entdecken und erwarte auch keine. Dazu waren die Segeltörns, auch bei viel Wind, einfach zu perfekt.

Aber wir wollen unser Cockpit an Backbord und Steuerbord durch eine Persenning am Seezaun behaglicher machen. Zu viel Wind und Spritzwasser.

Ferner sollen die beiden Doradenlüfter an Deck Schlechtwetterpersennigen bekommen. Wir hatten immer wieder Spritzwasser vor dem Klo und im Klo. Da rutscht man leicht drauf aus.

Und schließlich wollen wir mit einer großen Plane zwischen Cockpit-Persenning und Bimini für noch mehr Schatten im Cockpit sorgen – wenn die Sonne brennt, dann brennt sie einem ein Loch in den Kopf.

f) Gas

Wir haben an Bord zwei deutsche 5kg Gasflaschen – die brauchen wir für den Herd, ganz wie es für Wohnwagen und Wohnmobile üblich ist. Natürlich kennt hier niemand diese Flaschen und ein Tausch oder ein Auffüllen ist schwierig.

Aber Heidi hat hier im Hafen einen älteren Herren, der in einem französischem Bus in türkis blau in der Nähe der CEPSA Tankstelle wohnt, entdeckt. Dieser nimmt die leeren Flaschen mit und bringt sie gefüllt wieder her – für 35 €. Das tragische daran: Der Mann ist wohl schwer krebskrank und kaum noch erreichbar. Jup, das ist ein Schicksal!

Nun denn: Wir haben uns außerdem zwei 3kg CAMPINGGAZ Flaschen und ein entrechendes Reduzierventil besorgt und werden im Fall des Falles auf dieses System umsteigen. Wenn wir nicht mehr kochen können, bricht eine Welt zusammen! 😉

 

Soweit zur Lage und unseren aktuellen großen Verbesserungsprojekten. Wir hoffen sehr, alle technischen Probleme zeitnah in den Griff zu bekommen und dann vielleicht doch noch mal ein Buch vor dem großen Schlag lesen zu können!

Peter.

 

 

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