TASI 12,13: Nach WARATAH

Unser weiterer Weg führt uns nun wieder nach Norden. Gemächlich, natürlich. So wollen wir erst mal am Ufer des Stausee´s LAKE PIEMAN auf einer Freecampsite nächtigen, nachdem wir STAHAN verlassen haben. Recht einsame Gegend hier. Kaum ein Auto – und wenn, dann nur Arbeiter die Stromleitungen oder, Überraschung, Windkraftanlagen bauen. Jedenfalls haben wir Hinweisschilder auf VESTAS gelesen.

HENTY DUNES, TASMANIA

Unterwegs machen wir kurz Stop an der HENTY DUNES. Düne…so steht es jedenfalls in der Karte. Nichtsahnend klettern Paul und ich also sehr mühevoll die Düne hinauf, die Ladies bleiben unten, und wir erwarten zur Belohnung nach dem Aufstieg direkt dahinter liegend das Meer.

Nix da.

Nix MEER.

Nur noch MEHR Sand.

Viel MEHR Sand.

HENTY DUNES, TASMANIA

Und erst ganz hinten, am Horizont dieses Sandmeeres sieht man das Echte Meer. Gigantischer Sandhaufen, könnte man auch dazu sagen. So gigantisch, das dieser offenbar sogar abgebaut wird, jedenfalls sehen wir in einer Ecke Bagger und große Sandabbrüche. Zum Meer schaffen wir es nicht. Viel zu anstrengend. Also zurück zu den Autos und weiter.

Weiter durch die Einsamkeit, auf sehr kurvenreicher Strecke. Der PIEMAN Damm ist spektakulär und wohl auch schon recht alt. Robbie ist schon viel früher da, weil er sich die Düne nicht angesehen hat. Und filmt unsere Staudamm-Passage mit der Drohne. Recht beeindruckende Bilder, später vielleicht einmal für alle zu sehen.
Das obligatorische Campfire am Abend bereitet Sorgen. Nur nasses bis triefend Nasses Holz um uns herum. Kann ja wohl nicht sein! Der Einsatz der ganzen Reisegruppe ist nötig, um halbwegs brennbares Material heran zu schaffen. Der Lehrling aus Deutschland lernt: Amber ist wichtig! Mit genug Amber brennt alles. Amber, damit ist die Glut gemeint und die lässt sich auch mit kleinen Stöcken und Laub erzeugen. Und so brennt irgendwann mal wieder ein richtig gutes Feuer. Ist auch sehr wichtig, denn sobald die Sonne weg ist, wird es sch…. kalt.

Nach CORNINNA

Am nächsten Morgen trennen sich kurz unsere Wege. Die beiden Wohnmobile werden nach CORINNA fahren und dort die Barge (kleine Fähre) über den PIEMAN RIVER nehmen. Das große Wohnmobilgespann von Robbie passt da gar nicht erst drauf, denn der maximale Achsenabstand ist 9 Meter. Zugwagen und Anhänger bringen 15 Meter zusammen – und drei Tonnen Anhänger können wir auch nicht schieben. Also getrennte Wege nach WARATAH.

CORINNA, TASMANIA

Die Fahrt nach CORINNA ist schon gut. Langsam, wegen der vielen Kurven auf kleiner Straße, aber gut, weil so einsam. Die Fähre dann der Abenteuer-Hit schlechthin. Man klingelt und irgendwann setzt sich dann der Fährmann mit der Seilfähre in Bewegung. Das Gefährt ist aus großen Fässern oder ähnlichem gebastelt. Schwimmt aber. Jedenfalls mit einem Wohnmobil. Auf der anderen Seite angekommen, erst mal einen Kaffee im Buschhaus. Eine Campsite, Parkplätze und ein Schuppen für Kanus, mehr ist CORINNA eigentlich nicht. Ach ja, wunderschön gelegen ist es auch!

Fähre in CORINNA, TASMANIA

Das Wetter hält sich noch super gut, doch je weiter wir nun nach Osten vordringen und dabei auch noch Höhenmeter gewinnen, um so schlechter wird es. Bedeckter Himmel, manchmal Schauer und vor allem, ganz widerlich kalt.

So abweisend empfängt uns die historische Industriestadt WARATAH denn auch und ich frage mich, warum wir zur Hölle in dieses verschlafene, trostlose Nest gekommen sind? Von Industrie zeugen nur noch Hinweistafeln und hier und da mal eine alte verrottete Anlage. Aber sonst? Was sollen wir hier?

Kreuzung in WARATAH

Wie wäre es mit dem bekannten THE BISCHOFF HOTEL am Orte? Macht zwar erst um 3 Uhr am Nachmittag auf, aber dann gibt es Bier und ab 6 sogar Abendessen. Einfaches Kneipenessen, aber gut. Dazu ein offener Kamin, Leute die Dart spielen und unsere Reisegruppe, die, mal wieder, Karten spielt. PHASE 10 . Wer hätte das gedacht?

Alte, nicht mehr passierbare Brücke in WARATAH

Nun, und da ist dann diese ältere, völlig übergewichtige Frau, deren alter NISSAN kurz nach dem Hotel auf der Hauptstraße seinen Geist aufgegeben hat. Steht da hilflos und nur im T-Shirt und Hose bekleidet in der Kälte und weiß sich nicht zu helfen. Die beiden Ingenieure unserer Reisegruppe beobachten ihr Treiben, ziehen die Jacken über und gehen schließlich zu ihr hinüber. Und obwohl absolute Experten ihres Faches gelingt es ihnen nicht, den Motor wieder anspringen zu lassen. Die Frau ist zwar dankbar, aber meint auch, sie kümmere sich selbst. Unverrichteter Dinge ziehen Robbie und Paul wieder ab. Machen sich aber Gedanken, denn nun ist es schon fast dunkel und wirklich lausig kalt.
Kurze Zeit später erscheint die Frau im Hotel, bestellt einen Kaffee und fragt, kaum hörbar, nach dem Preis für ein Zimmer für eine Nacht. Offenbar keine Hilfe von Familie oder Freunden in Sicht? Wir Deutsche haben das nicht verstanden (aufgrund der Sprache) aber aus der Antwort der Frau auf die die 20 Dollar Ansage pro Nacht im Backpackerraum der Wirtin schließen die mitreisenden Eingeborenen, das dies der sehr übergewichtigen Frau viel zu teuer (…und vermutlich auch zu unangenehm) sei.
Die Frau verschwindet wieder in ihr Auto, wir spielen weiter Karten, Essen und nach zwei Stunden sind wir müde und wollen wir zurück.

Das Auto der Frau steht immer noch an gleicher Stelle, sie darin.

Die ganze Reisegruppe ist innerlich vom Helfersyndrom beseelt, aber keiner macht den ersten Schritt. Wir alle stehen schon vor der Tür und frieren fürchterlich im eisigen Wind. Da geht Paul zurück, redet mit der Wirtin – und gibt ihr, nicht der Frau im Auto, 70 Dollar für ein Zimmer und ein Essen für die Frau im Auto. Dann geht er zu der Frau im Auto, sagt ihr kurz das alles organisiert sei und sie nun selbst entscheiden könne, was sie mache. Die Frau lehnt weitere Hilfe ab, weiß aber nun, das das Hotel noch ein paar Stunden auf hat und sie dort gut versorgt schlafen kann.

Mit ruhigem Gewissen kehren wir alle zu unseren Autos zurück und gehen ins Bett.

Mehr kann man nicht tun.

Museum in WARATAH

Das Auto der Frau können wir von unserem Platz aus nicht sehen, als wir uns am nächsten Morgen fertig zur Abfahrt machen. Ist ja immer so eine Art Ritual, dieses gemeinsame Abfahren.

Gegen 9:30 kommt die Wirtin des THE BISCHOFF HOTEL vorbei und gibt Paul die 70 Dollar zurück – die Frau im Auto sei nicht gekommen. Was ist mit ihr passiert? Die Wirtin glaubt, sie ist von ihrer Tochter in der Nacht abgeholt worden. Alles sei gut.

Tja, das ist es wohl in der Tat. Nur gute, ehrliche Leute um einen herum. Alles ist gut. Oder wie die ehemals von mir sehr verehrte Band BAP damls in einem anderen Zusammenhang völlig entspannt sang: „Alles im Lot“.

Alles wird gut, alles im Lot.

Peter.

TASI 10,11: STRAHAN und GORDON RIVER TOUR

Fragt man Eingeborene nach dem Besten Ort auf TASMANIEN, wird sehr oft STRAHAN genannt. Denn hier, ganz im Westen der Insel kann man mit dem Schiff zur GORDON RIVER TOUR starten – und die sei nun mal sensationell. Wirklich!

Menschen, Tiere, Sensationen!

Da wollen wir hin!

Unser frostiges Nachtlager am RIVER DERWENT ist schnell abgebrochen und wir gehen früh´ am Morgen, also so gegen 9:00 Uhr, zurück auf die Piste. Die Anreise nach STRAHAN ist an sich schon ein Highlight. Sehr gut in Erinnerung bleibt die spektakuläre Abfahrt zum LAKE BURBURY. Nach langer kurvenreicher Waldfahrt mit eingeschränktem Sichtfeld auf den Horizont unvermittelt endlose Weite, Berge am Horizont und strahlend blaues Wasser!

LAKE BURBURY
IRON BLOW

Kaum haben wir dieses vermeintliche Tal passiert, geht es schon wieder bergauf. In der Nähe des Ortes GORMANSTON liegt eine alte Eisen- und Kupfermiene. Der IRON BLOW Aussichtspunkt ist atemraubend, denn man steht wie auf einem 10 Meter Sprungturm im Schwimmbad und schaut in die Tiefe – reinfallen möchte man in das smaragdgrüne Wasser allerdings nicht. Kommt man wohl nicht so leicht wieder raus. Keine Badeleiter erkennbar. Die Miene sieht aus, als ob sie gerade erst gestern verlassen wurde. Tatsächlich wurde aber der Betrieb schon vor gut 90 Jahren eingestellt. Auf der anderen Seite des Berges, in der Region QUEENSTOWN, wird noch Erz gefördert.

Sprungturm

Nach dieser spektakulären Anreise sind wir bei Ankunft auf dem Campingplatz von STRAHAN etwas enttäuscht. Komische Anlage, mehr Cabins (feste Hütten) als Stellplätze, bei der Platzvergabe ist kein System zu erkennen und die Dame an der Rezeption hat alles durcheinander gebracht und uns schon gestern erwartet. Daher will sie drei statt zwei Übernachtungen abrechnen. Eigentlich ist das ja alles auch egal, denn wir sind ja hier zur GORDON RIVER TOUR und nicht „zum auf dem Campingplatz herum sitzen“.

GORDON RIVER

Die Schiffsreise von STRAHAN aus dauert gut sechs Stunden und startet bereits um 9:30 Uhr. Wir haben, im stillen Einverständnis aller Reisenden, die Luxusvariante mit vollem Catering gebucht. Entsprechend teuer die Nummer – die vielen Familien mit Kindern können oder wollen sich das nicht leisten und sitzen unten. Auch in dieser Hinsicht hat alles seine Zeit.

Das Schiff SPIRIT OF THE WILD der Reederei GORDON RIVER CRUISES ist fast nagelneu und entsprechend ultramodern. Der Kapitän erzählt gleich zu Beginn stolz, das das Schiff mit DEUTSCHER Antriebstechnologie ausgerüstet sei – es hat einen komplexen Dieselelektrischen Antrieb!
Wir werden schließlich den WEST COAST Nationalpark befahren, da will man als Reederei offenbar seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Oder muss es sogar. Erst Recht wenn überall steht: „100% locally owned and operated“. Das ist die gleiche allgegenwärtige Nummer wie „100% Australia“ – ganz klare Abgrenzung zu internationalen Konzernen und Produkten.

Die Strecken über die MACQUAIRE HARBOUR genannte riesige Lagune sind recht lang, da braucht man schon eine Geschwindigkeit von über 20 Knoten um uns Gäste in vertretbarer Zeit herum zu kutschieren.

HELLS GATES (eigentlich sind es zwei Einfahrten), Seewärts
HELLS GATES (Landwärts)

Zunächst geht es mit Vollgas zum HELLS GATES, der schmalen Durchfahrt, die den MACQUAIRE HARBOUR vom INDISCHEN OZEAN trennt. Die Ebbe läuft und die Strömung ist wirklich gigantisch. Vorsichtig, mit langsamer Fahrt lässt der Kapitän sein Schiff von der Strömung durch die Einfahrt ziehen und schwups, sind wir auf dem offenen Meer! Wir sind auf dem INDISCHEN OZEAN! Wie bestellt taucht ein Segelboot auf – falls es einlaufen will, wird es wohl noch etwas warten müssen: Gegen die Strömung kommen solch kleine Boote nicht an. Unser großer Dampfer schon.

Fischfarm im MACQUAIRE HARBOUR

Wir lernen:
Eigentlich hätte MACQUAIRE HARBOUR der wichtigste Hafen von TASMANIEN werden können/sollen. Doch als die mit Eisenerz beladenen Schiffe immer größer wurden und 3.000 Tonnen Kapazität je Schiff erreicht waren, konnten die Schiffe nicht mehr sicher das HELLS GATE passieren (was ohnehin nur bei gutem Wetter möglich war & ist). Es gab Überlegungen, die Felsen der Einfahrt weg zu sprengen und die Fahrrinne zu verbreitern – wollte aber keiner bezahlen. Also schlief die Schifffahrt im MACQUAIRE HARBOUR wieder ein. Fast jedenfalls. Schließlich gibt es noch die Touristenschiffe und riesige Fischfarmen. Denn das extrem geschützte Revier ist ideal für die kommerzielle Fischzucht geeignet. Offen bleibt, ob hier nicht schon wieder übertrieben wird. Gerade noch OK oder schon zu viel Fischfarmen? Wie viel Zucht verträgt das Wasser? Betreiber und GREENIES streiten…

GORDON RIVER Mündung

Mit sehr schneller Fahrt zur Flussmündung. Auf dem GORDON RIVER selbst wird dann tatsächlich mit Batterie gefahren. Langsam. Völlig still ist es aber nicht an Bord, denn ein kleiner Hilfsdiesel betreibt die Lüftung für den Maschinenraum. Dennoch: Was für ein großer Unterschied im Fahrverhalten, fast schon wie auf unserem STORMVOGEL, wenn wir die Segel setzten und den Brüllaffen abstellen…

GORDON RIVER

Die Flussfahrt ist eine Reise durch einen Urwald, der nie durch Straßen, nie durch Ortschaften erschlossen wurde. Völlig unberührt. Im unbewegt vor uns liegenden Flusswasser spiegeln sich die Wolken. Extra für uns Touristen hat man mitten im Urwald einen Anleger und einen kurzen Rundgang durch den Urwald gebaut. Immerhin sind heute gut 100 Passagiere unterwegs und die beiden Tourguides erläutern brillant die Umgebung. OK, der Rundgang hat was, aber es ist so schrecklich beklemmend still! Gespensterhaft ruhig. Ist das nicht komisch, in einem Urwald?
Also den Tourguide fragen: Diese erklärt, das es hier unten am Boden viel zu feucht und zu dunkel sei, um eine Geräusche machende Tierwelt zu beherbergen. Hmmm, kann das wirklich so sein?

Flussaufwärts geht es für uns nicht weiter und wir düsen nach passieren der Mündung wieder mit Höchstgeschwindigkeit durch den MACQUIRE HARBOUR. Nach SARAH ISLAND. Schon wieder ein Gefängnis – oder besser eine Gefängnisinsel.
Schon wieder, könnte man meinen. Doch SARAH ISLAND ist sozusagen die Mutter aller Gefängnisse in AUSTRALIEN und TASMANIEN. Hier wurde das Prinzip des offenen Arbeitslagers erstmals umgesetzt. Angeblich sind irgendwann einmal 10 Gefangene spektakulär mit einem hier offiziell von den Sträflingen gebauten Schiff abgehauen – und tatsächlich bis AMERIKA gekommen! Unglaublich, oder? So unglaublich, das man ein kleines Theaterstück mit dem Titel „THE SHIP THAT NEVER WAS“ daraus gemacht hat. Das wird Abends in STRAHAN aufgeführt und ich wäre wirklich gerne da hin gegangen, denn einer der hervorragenden Tourguides spielt dort mit. Doch es ist eine kleine Open Air Bühne und es ist lausig kalt. Keiner will mit und mir selbst ist ja auch kalt. Echt kalt.

SARAH ISLAND war also sozusagen die kleine Blaupause für PORT ARTHUR – und wurde geschlossen, nach dem man sich für die größere Anlage in PORT ARTHUR entschieden hatte – das haben die uns in PORT ARTHUR nicht erzählt! Billige Kopie oder was? Der Umzug wird natürlich durchaus seinen Sinn gehabt haben. SARAH ISLAND war nicht wirklich geeignet. Zu Felsig, zu uneben, zu klein. Da mussten die Sträflinge erst mal künstlich die Insel vergrößern um ein flaches Gebiet für den Werftbetrieb zu schaffen. Trinkwasser musste täglich in Booten vom Festland geholt werden. Von Sträflingen, natürlich. Zwei Problemchen dabei: Einige hauten einfach ab, andere wurden von wilden Tieren getötet.

Wir haben die GORDEN RIVER TOUR in vollen Zügen genossen, nicht nur wegen der gebuchten Luxusklasse. Einmal mehr haben mich die sehr engagierten Tourguides beeindruckt. OK, es werden einstudierte Texte sein, die sie sprechen. Aber so pointiert, so plakativ, das ist selten. Das geht weit über den normalen Fremdenführer hinaus und ist schon fast ein Schauspiel. Toll gemacht, wirklich sehr gut und jeden Dollar wert!

Zu Fuß kehren wir zum Campingplatz zurück…

…und Zack, schon wieder einen tollen Tag erlebt.

Peter.

TASI 9: River Derwent

Mal wieder ein Sprung weiter. Richtung Westen, diesmal.

Eigentlich wollen wir in der Gegend von LAKE ST CLAIR vor einer Kneipe bei DERWENT BRIDGE Station machen, aber als wir dort ankommen erscheint uns der Platz direkt an der Straße trotz „kostenlos“ und Bier und Essen in der Kneipe wenig attraktiv.

Unterwegs: TARRALEAH
Unterwegs: TARRALEAH

So irren wir zunächst ein wenig Orientierungslos durch die Gegend, teilen uns sogar auf um verschiedene Übernachtungsplätze in der Umgebung zu erkunden. Gewinner wird, mal wieder, eine Freecampsite direkt am Fluß RIVER DERWENT. Größter und nicht zu unterschätzender Vorteil an einer Freecampsite: Man kann ein Feuer machen. Jedenfalls in der Regel und wenn man Holz findet.

River Derwent
River Derwent

(Adresse via WIKICAMPS: Camground Derwent River / Lake King William – 15573 Lyell Highway Derwent Bridge)

Also kommen wir erst mal an, richten uns ein und gehen unverzüglich auf die Jagd nach Brennholz. Gar nicht so einfach. Die Umgebung ist erstaunlich aufgeräumt. Oder besser ausgeräumt? Doch wer suchet, der findet und unser Feuer direkt am Fluß kann sich mal wieder sehen lassen.

Die Morgendämmerung geht einher mit eisiger Kälte. Das Wasser in einer draußen stehenden Pfanne ist komplett gefroren. Wie schlecht, das es auf einer Freecampsite keinen Strom und somit auch keine Heizung in unserem Bus gibt. Kälte ist vielleicht sogar noch vor Regen die verabscheuenswerteste Naturgewalt beim Campen. Finde ich.

Unserem GPS Tracker kann man in Bezug auf die Temperatur nicht trauen: Der liegt immer hinter der Windschutzscheibe und wird tagsüber von der Sonne gekocht. Abends will ich ihn eigentlich immer ausschalten, Gebühren sparen. Aber: Die Höhe, die er anzeigt, ist richtig: 722 Meter. So hoch, so kalt.

River Derwent früh´ am eisig kalten Morgen

Obwohl…

…diese wirklich extrem lausige Morgenkälte sorgt im Zusammenspiel mit der bereits strahlend hellen Morgensonne am wolkenlosen, tiefblauen Himmel für einen stimmungsvollen Morgennebel über dem RIVER DERWENT – und für einige grandiose Fotos.

River Derwent: Nachbarfamilie beim Frühstück am Fluß

Wer sagt´s denn. Alles wird gut. Trotz Kälte am Morgen

Peter.

Greenie

Nein, der Titel ist kein Schreibfehler.

Es ist nicht GENIE, sondern tatsächlich GREENIE gemeint.

Das ist australische Umgangssprache für Grüner, Umweltaktivist, Linker. Eigentlich für alles, was den Konservativen im Land suspekt erscheint. Man trifft hier erstaunlich viele, insbesondere ältere Männer, die wie Herr Trump den Klimawandel einfach leugnen. Das Blöde daran ist: Während ich Herrn Trump wirklich nicht zum Freund haben möchte, sind mir einige der hier kennen gelernten (konservativen) Klimaleugner doch sehr sympathisch. Und ich würde gerne deren Freundschaft genießen – umgekehrt, so glaube ich, ist es bestimmt genau so. Daher reden wir ja miteinander. Neben diesem einen kontroversen Thema gibt es viel mehr Dinge, in denen wir gleicher Meinung sind und die uns vereinen.

Sage ich ja sowieso immer: Es gibt viel mehr was die Menschen vereint als das, was sie trennt.

Schon erstaunlich, nach welchem Muster diese Klimaleugner immer vorgehen. Operieren mit exakten Jahreszahlen aus vergangenen Jahrhunderten an denen es Jahrhundertsommer in Folge gegeben habe, fragen, warum GREENLAND denn wohl GRÜNLAND heiße, wenn es damals nicht GRÜN, also Eisfrei, gewesen wäre?

Ich kann da nicht mit halten. Einzelne Ereignisse interessieren sowieso nicht. Es ist wohl mehr das Große Ganze, das Big Picture, das es zu beachten gibt. Irre viel Autos, Industrie, Flugzeuge bis der Arzt kommt und so weiter, und so fort. Seit wenigen Jahren erst. Gemessen an der irdischen Entwicklung.

Was ich aber im Weltbild dieser Menschen als besonders besorgniserregend empfinde: Sie fühlen sich allesamt im Grunde verfolgt und unterwandert! Von eben jenen GREENIE´s: Linke Gruppen und linkes Denken hätten Kindergarten, Schulen und Universitäten unterwandert und brächten die Saat für eine Systemveränderung – natürlich zum schlechteren – aus. Na ja, eine Systemveränderung ist vielleicht auch dringend nötig, jedenfalls was die Umweltabnutzung angeht. Das bedeutet aber doch wohl nicht gleich auch Kommunismus, Staatslenkung und die Einschränkung persönlicher Freiheiten.

Es ist so einfach: Komplexe Zusammenhänge, Prozesse und Systeme werden ignoriert statt verstanden. Es wird noch nicht mal versucht, zu verstehen. Es ist viel einfacher, Attacken auf GREENIE´s, „die da Oben“ oder „das System“ zu reiten. Es wird nicht argumentiert, sondern agitiert. Eine andere Position als die eigene wird nicht zugelassen.

Das ist reine Zeitverschwendung!

Was ist denn objektiv von einem älteren Bauern zu halten, der seinen Hof auf einem paar Hundert Meter hohen Berg hat und der allen Ernstes behauptet, es gäbe keine Umweltverschmutzung durch Autos?
Vermutlich genau so viel (wenig) wie von einem Hardcore GREENIE, der auf Straßen niedrigere Feinstaubwerte als in Büros fordert.

Dabei eint doch beide im Grundsatz unsere westlichen, demokratischen Werte. Sie eint, die Welt in der wir leben. Sie eint, das sie so leben können, wie sie möchten.

Das Problem mit den alten Männern, die auf ihrer Meinung beharren, ist nicht neu. Das war schon immer so. Schließlich gibt es bei uns im Deutschen das schöne Wort des Altersstarrsinn. Doch, und das ist neu: Noch nie war unsere Gesellschaft so alt wie heute. Noch nie gab es so viele alte Männer mit einer eigenen Meinung die sie immer unveränderlicher bis in den Tot begleitet. Das war früher anders. Da wurden die Männer immer durch irgendwelche Kriege am älter werden gehindert.

OK, Krieg und/oder frühzeitiger Tot ist keine Lösung.

Mein Vorschlag: Reisen.

Reisen, aktiv versuchen bewusst Land und Leute kennen zu lernen. Andere, fremde Menschen ansprechen – notfalls mit Unterstützung legaler Drogen um die eigene Hemmschwelle zu überwinden. Zeit miteinander verbringen und heraus finden, was verbindet. Und was trennt. Erklären, was im eigenen Land gut läuft, lernen, was im besuchten Land gut läuft.

Wäre doch gelacht, wenn die Spalter, die Besserwisser, die ewig Gestrigen, die Zögerlichen, die platten Systemkritiker gewinnen würden.

So viel ist schon mal klar: Die Guten gewinnen! Immer.

Peter.

TASI 7,8: HOBART und BLACK HILL

Die Segelregatta SYDNEY – HOBART ist weltberühmt und mindestens ebenso berüchtigt. Schließlich ist das Revier nicht einfach und das Wetter sehr wechselhaft und oft eben auch sehr stürmisch.

HOBART

Da fahren wir doch lieber mit dem Auto von SYDNEY nach HOBART und schauen uns die Hauptstadt von TASMANIEN mal ein wenig an. Sehr wenig, um genau zu sein. Denn wir strolchen nur am Hafen zur Mittagspause herum. Station machen wollen wir hier nicht – merkwürdig verbaute und verschandelte Kulisse, hier am Hafen. Mag sein, das ich ungerecht bin, aber HOBART ist leider kein Platz, an dem man mal gewesen sein muss.

HOBART

Unsere heutige Station mit Namen BLACK HILL hingegen schon. Etwa 40 Kilometer westlich von HOBART, hoch oben in den Bergen. Dort liegt der weit verstreute Ort BLACK HILL. Eigentlich eher eine versprengte Ansammlung von Farmen und Hütten. Da irgendwo soll ein Campingplatz sein, HEIMAT CHALET mit Namen. Alles ein wenig merkwürdig und wir finden den Platz auch nicht auf Anhieb, verfahren uns, merken es 15 Kilometer später und kehren um. Alles kein Problem, es ist noch hell.

BLACK HILL HEIMAT Chalet

Der Campingplatz ist winzig: Genau zwei (2) Stellplätze gibt es hier. Wir sind mit drei Autos unterwegs und müssen entsprechend zusammen rücken. Dafür hat jeder Platz sein eigenes kleines Dusch- und WC Haus. Mit Heizstrahler und jeder Menge warmen Wasser. Luxoriös, könnte man meinen. Besonders charmant trifft es besser. Es gibt auch noch 2 Ferienhäuser, eine Gemeinschaftshütte und das Haus der Besitzer auf dem Grundstück. Und Pferde, Bullen, Alpakas und einen Hund. Die ganze Anlage wurde vor 18 Jahren von einem Schweizer Koch aufgebaut und eingerichtet. Der bot Kochkurse für Feriengäste an. Das erklärt dann schon mal den deutsch klingenden Namen HEIMAT CHALET. Nach 10 Jahren hat er alles verkauft und der zweite Besitzer hat 8 Jahre die Stellung gehalten. Nun haben vor kurzem Bill und Katy übernommen – als Altersbeschäftigung. Sehr liebenswürdige Gastgeber und wirklich jederzeit um das Wohl der Gäste bemüht – auch, wenn es nur Camper sind.

Gemeinschaftshütte im HEIMAT CHALET, BLACK HILL, TASMANIEN
Gemeinschaftshütte im HEIMAT CHALET, BLACK HILL, TASMANIEN
Gemeinschaftshütte im HEIMAT CHALET, BLACK HILL, TASMANIEN

Wir richten uns ein und nehmen die Gemeinschaftshütte in Besitz. Bill hat schon das Feuer angemacht und es ist kuschelig warm – obwohl der kalte Wind durch die Ritzen pfeift. Das Feuer muss halt nur groß genug sein. Wir verbringen den Abend mit Geschichten erzählen und Kartenspielen und beschließen später am Abend, einen Tag länger an diesem ungewöhnlichen Ort zu bleiben. Wenn ein Ort wirklich gut ist, dann muss man einfach verlängern. Logisch.

Alpaka im HEIMAT CHALET

Am Morgen werden die Tiere gefüttert und Heidi schließt sofort Freundschaft mit einem Alpaka. Der Rundgang über das Anwesen führt durch Unmengen von Weidezäunen und Absperrungen – die verschiedenen Tiere sollen nicht in einem Gehege aufeinander treffen. Am zweiten Abend trifft eine australische Familie mit drei Kindern ein und bezieht eines der Ferienhäuser. In der Tat ein Paradies für Kinder. Und für Erwachsene, denn der allgemeine Treffpunkt ist eben die gemütliche Gemeinschaftshütte mit dem offenen Feuer. Und so wird ein wenig zusammen gerückt und wieder viel erzählt.

BLACK HILL, HEIMAT CHALET – 1:1 so aufgenommen und NICHT bearbeitet

BLACK HILL, HEIMAT CHALET ist sicher der bisher Beste besuchte Ort auf unserer Reise.

Peter.

P.S.: Ja ja, OK, es gab auch ein Problem(chen): Scheißkalt, hier oben in den Bergen!


TASI 5,6: PORT ARTHUR

PORT ARTHUR liegt im Südosten der Insel TASMANIEN und ist zu Lande nur über den 60 Meter Breiten EAGLEHAWK NECK zu erreichen.

Prima, dachten sich die Engländer, in deren Besitz AUSTRALIEN und TASMANIEN vor über 200 Jahren war! Da richten wir dort doch einfach ein Gefängnis für unsere nach AUSTRALIEN exportieren Straftäter ein und wir müssen nur dieses gut 60 Meter breite Stück Land am EAGLEHAWK NECK ernsthaft bewachen.

PORT ARTHUR

Nun war es bereits damals schon so, das man als Gefangener nicht einfach so in seiner Zelle vor sich hin dösen konnte, nein nein, man musste durchaus 10-12 Stunden am Tag, arbeiten! Die Halbinsel TASMAN PENINSULA war dicht bewaldet – gutes HUON PINE Holz in rauen Mengen! Das Holz ist mit natürlichen Ölen getränkt und ideal für den Schiffbau. Also bauten die Straftäter Schiffe. Große und kleine. Natürlich ohne Bezahlung und daher waren die Schiffe konkurrenzlos günstig. Überhaupt: „Straftäter“. Nach heutigen Maßstäben noch nicht mal Kleinkrimminelle. Leute, die ein Stück Brot geklaut haben, weil sie nichts zu Essen hatten. Oder Kinder, die Spielzeug stahlen. Aber, natürlich, auch echte Übeltäter.

PORT ARTHUR

Woher ich das alles weiß?

Von Robert, dem Introducing Tourguide!

Das haben die in PORT ARTHUR recht klug gemacht. Statt die Besucher stumpf auf die Runde zu schicken, kann jeder, der will, an einem einstündigen Einführungs-Rundgang teilnehmen. Darin erzählt Robert von PORT ARTHUR und den Menschen, die hier lebten. Das macht er ganz famos in freier, klarer und lauter Rede. So plakativ, das man selbst mit mäßigen Englischkenntnissen gut folgen kann. Zu beginn erst mal ein paar Verhaltensregeln, Drohenverbot und so weiter.

Dann die Vorstellung der einzelnen Abschnitte der riesigen Anlage, die wohl die perfekte Kulisse für einen Film abgeben könnte. Und natürlich die Erwähnung des PORT ARTHUR Massenmordes von 1996 und der Hinweis darauf, das es absolut unerwünscht sei, den Namen des Massenmörders auf dem Boden der Anlage stehend, zu erwähnen. Finde ich gut – obwohl ich mich ernsthaft frage, wieso ich diesen Massenmord nicht kenne. 1996. Mist, das ist verdammt lange her. Würde mich wohl auch jetzt nicht besonders berühren, wenn ich mich nicht gerade so intensiv mit UTOYA auseinander gesetzt hätte. Auf den ersten Blick viele Ähnlichkeiten, wenn man sich etwas einliest dann doch nicht. Zum Glück aller. Dennoch. 36 Tote sind viel zu viel.

PORT ARTHUR

Nun, Massenmord soll nicht schon wieder ein Thema dieses Blogs werden und daher blenden wir den auch schnell wieder aus. Fast schon spaßig ist die Schilderung der Lebensumstände: Die Gefangenen bekamen drei Mahlzeiten am Tag und eine Einzelzelle. Die bewachenden Soldaten hingegen bekamen auch drei Mahlzeiten, aber nur halbe Ration! Schließlich mussten sie ja „nur“ bewachen und nicht körperlich arbeiten. Ihre Unterkunft war ähnlich groß wie die Einzelzellen der Gefangenen, aber sie mussten sich den Raum mit einem anderen teilen. Einer im Bett, einer davor auf dem Boden liegend. Na toll!

PORT ARTHUR

Die Dritte Gruppe von Menschen war die kleine Ansammlung der „Manager“: Buchhalter, Ärzte, Priester und die Anstaltsleitung. Die wohnten britisch vornehm auf einem Hügel in schön kuscheligen Häusern. Logisch: Wenn man schon am Ar… der Welt arbeiten muss, dann wenigstens schön. Denn die Meisten waren beim Militär und nicht gerade freiwillig hier. Sehr wenige Frauen und noch weniger Kinder – freie Kinder.

PORT ARTHUR

Robert erzählt aber auch davon, das man durchaus ernsthaft versucht hat, die Sträflinge zu resozialisieren. Bei einigen ist das sogar sehr gut gelungen und sie wurden erfolgreiche Unternehmer in TASMANIEN. Andere wurden ehrliche Arbeiter – und lebten als freie Menschen in der Strafkolonie. Allerdings sind auch viele gestorben, insbesondere die gefangenen Kinder. Die Toten hat man auf einer eigenen Friedhofsinsel in der Bucht von PORT ARTHUR beigesetzt.

Egal wie man dreht oder wendet. Kein Leben und schon gar kein Ort für uns Luxustouristen. Tauschen möchten wir nicht!

Irgendwann ist einer der Kommandanten auf den Gedanken gekommen, das man aufmüpfige Gefangene körperlich mit Schlägen und Peitschenhieben doch gar nicht brechen könne. Im Gegenteil: Sie würden nur immer abgebrühter und die anderen Gefangenen würden bei den öffentlichen Maßregelungen sogar zu ihnen aufschauen. Aufruhr drohte! Also dachte er sich die Isolationshaft in absoluter Stille und Dunkelheit aus. Die Zelle kann man besichtigen. Wir haben auf der Türschwelle kehrt gemacht…

PORT ARTHUR

Schade ist, das die kleine Stadt, die PORT ARTHUR damals durchaus war, kaum noch zu erkennen ist. Denn viele Gebäude wurden aus Holz erbaut und sind längst verrottet oder abgebrannt. Nur die aus Stein errichteten Wohnhäuser des „Managements“ sind gut erhalten. Und Ruinen der massiven Gebäude. Weil damals ja schon die Fotografie erfunden war, gibt es durchaus tolle Schwarz-Weiß Fotos in der Ausstellung, die den Ort aus verschiedenen Perspektiven gut zeigen. Ich habe die zwar abfotografiert, zeige die hier aber nicht – gehören mir ja nicht.

Garten in PORT ARTHUR

Eine Ausnahme möchte ich mit dem folgenden Schaubild machen. Daraus geht hervor, das die Engländer zwar nicht die Einzigen waren, die ihre Gefangenen einfach Exportiert haben, aber sie waren ganz offenkundig die eifrigsten. Eine Zeitlang.

Quelle: PORT ARTHUR Gallerie

Zum Besuch gehört eine kleine Bootstour durch die Bucht. Schiff-fahren ist ja immer gut und so kommen wir an der unheimlichen Friedhofsinsel vorbei und lernen, das hier in der Bucht auch schon mal große Kreuzfahrer vor Anker gehen und die Gäste an Land spülen.

Wie gut, das wir heute fast alleine waren.

Peter.

P.S.: Der Besuch von PORT ARTHUR ist natürlich mindestens ein Ganztagesausflug – die Eintrittskarten gelten sogar für zwei Tage. Wir haben unser Camp gleich in der Nähe, auf dem Campingplatz „White Beach Tourist Park“ im Ort White Beach aufgeschlagen.

TASI 2,3,4: Unterwegs

Wir sind gleich zu Anfang unseres TASMANIEN Abenteuers verabredet in LAUNCESTON, der zweitgrößten Stadt der Insel. Verabredet zum Essen. Mit, was Wunder, Segelfreuden. Die beiden arbeiten im Winter hier, im Sommer gehen sie Segeln. Kennen gelernt auf der INDONESIEN Rally 2014. Jetzt kommts: Derzeit ist ihr Boot in SCHOTTLAND und sie planen es im Mai über die Nordroute nach ALASKA zu segeln. Ziele muss man haben!

Launceston

So machen wir also erst mal Quartier auf einem durchschnittlichen Campingplatz 10 Kilometer vor LAUNCESTON und kurven am Nachmittag mit unserem Wohnmobil in die Stadt – der FORD RANGER von Robbie ist zwar riesig, aber auch da passen nur 4 Personen hinein. Im Moment sind wir ja zu sechst. Schwer, etwas herausragendes über den Ort zu sagen. Großer Ort mit mäßig attraktiver Innenstadt.

Das Restaurant GERONIMO liegt mitten in der Stadt und ist insofern ungewöhnlich, als das es „shared menues“ anbietet. D.h. alles wird, wie früher, in Schüsseln und Platten an den Tisch gebracht und man bedient sich selbst. Recht lecker, die ganze Sache. Schöner Abend in großer Runde, zurück in Dunkelheit zum Campingplatz. Nüchtern, versteht sich.

Auf dem (abgekürzten) Weg…

Der folgende Tag ist Wolkenverhangen und grau, Ideal um mal ein paar Kilometer mehr abzufahren. Es geht zur COLES BAY an der Ostküste der Insel, die direkt an den FREYCINET NATIONAL PARK angrenzt. Darin liegt dann die so genannte WINEGLASS BAY – angeblich eine der schönsten Buchten der Welt. Mal wieder. Müssen wir unbedingt überprüfen. Also hin!

DEVILS CORNER Weingut

Unterwegs kurze Fotostation auf dem Weingut DEVILS CORNER – keine Weinprobe wg. fahren, aber ein fantastischer Ausblick. Wenn man eine Weintraube wäre und man hätte im Normalfall viel Sonne (also heute nicht), würde ordentlich bewässert (wie fast alles hier) und hätte dann diesen phantastischen Ausblick, dann würde man wohl zu einer sehr wohlschmeckenden Weintraube heranreifen. So denn der Ausblick Einfluss auf den Geschmack einer Weintraube haben würde. So oder so: Der Wein aus dem DEVILS CORNER ist allgegenwärtig auf der Insel und auch in unserem Wohnmobil zu finden

DEVILS CORNER Weingut

Via WIKICAMPS haben wir eine Freecampsite direkt an der COLES BAY ausgesucht. Findet man auch über GOOGLE MAPS unter dem Stichwort SWAN RIVER CAMPING. Sensationell gut gelegener Platz mit, immerhin, einem Plumpsklo und mit ohne Geld. OK, hier und da recht viel Sand und man muss sehen, wo man mit dem Auto hin fährt um nicht stecken zu bleiben, aber für uns Touristen kein Problem. Ein Eingebohrener traut sich zu viel, bleibt stecken und muss von Robbies Allrad-Truck befreit werden. Entertainment pur.

Klarer Fall von Festgefahren!
Am Abend

Der Sonnenuntergang am Abend ist spektakulär schön – doch bin ich etwas irritiert als meine junge Nachbarin, wir beide im flachen Wasser stehend (da gerade Hochwasser) um das Schauspiel zu fotografieren, meint, sie habe noch nie im Leben etwas so schönes gesehen…
…tja, junge Frau, möchte man da väterlich raten, dann reise mal schön weiter durch die Welt, halte die Augen offen und Du wirst noch viel, viel mehr sehr schöne Sonnenuntergänge, Buchten und Berge sehen. Natürlich sagt man es nicht und stimmt lediglich grummelnd zu.

Am Tag
FREYCINET National Park

Am nächsten Tag dann in den Nationalpark FREYCINET um den 6 Kilometer langen Rundweg zum WINGLASS BAY Aussichtspunkt zu Fuß in Angriff zu nehmen. Sehr gut angelegte Wege über Stock und Stein erleichtern die Wanderung (…oder eher den Spaziergang?) und mit genügend Verschnaufpausen lassen sich auch die vielen Höhenmeter meistern. Irritierend: Kommen junge Wandersleut vorbei und müssen auch verschnaufen. Verdutzt äußern wir ob der strahlenden Jugendlichkeit Unverständnis und ernten nur den Spruch: „Gestern wohl zu viel Alkohol getrunken“. Wie jetzt, die Jugend trinkt auch???

WINEGLASS BAY

Der Anblick der WINEGLASS BAY ist durchaus OK, aber die Felsen um zu, die darin brechenden Wellen und der strahlend tiefblaue Himmel fesseln mich mehr. Auf dem Rückweg zum Zeltplatz besuchen wir noch kurz das Leuchttürmchen von CAPE TOURVILLE. Steht so hoch auf der Klippe, da braucht es keinen großen Turm. Der kurze Rundgang eröffnet nochmals spektakuläre Blicke auf Meer, Felsen und Brandung.

Wanderweg

Noch ein kurzer Hinweis an alle Liebhaber von Meeresfrüchten sei gestattet: In unmittelbarer Nähe des SWAN RIVER Campgrounds befindet sich die FREYCINET MARINE FARM. Hier kann man recht günstig Austern, Prawns und Scollups kaufen – oder auch gleich vor Ort vernaschen 😉

Oh ja, liebe Vicky Leandors: WIR LIEBEN DAS LEBEN!

Peter.


TASI 1: Beechford

Wenn man die Nachtfähre von MELBOURNE nach DEVONPORT nimmt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man zwar ausgeschlafen, aber im dunklen in TASMANIEN ankommt. Dramaturgisch schwer zu toppen: In völliger Dunkelheit von der Fähre rollen und über kleine, einsame Landstraßen kurven, geradewegs in den Sonnenaufgang hinein. Wenn dann schleichend langsam das erste Licht die Dunkelheit durchbricht, wenn Wolken, Dunst und reale Hügel zu riesigen Gebirgsketten in der Morgendämmerung verschmelzen, dann breitet sich leicht so was wie Romantik in unserem kleinen Wohnmobil aus. Verbunden mit der Gewissheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

TASI 1: Ankunft in der Morgendämmerung

Unsere kleine Reisegruppe erweitert sich hier: Die Freunde der Freunde, Tracy und Paul mit Namen, verstärken unsere kleine Karavane um ein weiteres Wohnmobil. Kein MERCEDES, ein FIAT, hier in TASMANIEN angemietet. Die beiden sind aus Zeitgründen schlicht eingeflogen…

Unser erstes Ziel soll im Norden, leicht Östlich das kleine Nest BEECHFORD sein. Kein Campingplatz, dafür eine Freecampsite mit Klo. Und einem riesigen, nahezu unberührten Sandstrand. Nach den großen Freeways auf dem Festland und der Millionenstadt MELBOURNE ein völlig neues Fahrgefühl. Ziemlich eng, die Straßen hier. Und sehr, sehr kurvenreich.

Der „Zeltplatz“ in BEECHFORD entpuppt sich als riesige Wiese, kein anderer Camper zu sehen. Wir richten uns ein und sammeln gemeinsam Holz für das abendliche Campfire. Diese Lagerfeuer haben eine große Tradition im Leben der Australischen Camper. Und obwohl sehr, sehr geliebt, wird von den Eingeborenen das jeweils lokal ausgesprochene Verbot von offenem Feuer (wg. Busch- und Waldbränden) genau beachtet. Von Touristen manchmal nicht, dann wird auch schon mal ein höflicher, aber bestimmter Hinweis auf das Feuerverbot von den Eingeborenen gegeben.

Campfire oder zu Deutsch: Lagerfeuer

Hier in BEECHFORD stehen keine Verbotsschilder und es ist sowieso auch recht feucht. Muss vor kurzem geregnet haben. Also kein Problem mit Feuer und so.

Düne in BEECHFORD, TASMANIEN

Der Strand ist wirklich klasse und in den Dünen muss man sich mal kneifen, um den Sand nicht mit DÄNEMARK zu verwechseln. Aber das Wasser! Das Wasser ist eisig kalt. Unglaublich, wie kalt so ein Meer sein kann! Und so unglaublich klar. Mag sein, das man im Sommer hier schwimmen kann.

Der Auftakt ist gelungen. Sechs erwachsene Menschen im Konvoi durch TASMANIEN.

Das kann ja was werden…

Peter.

BEECHFORD, Tasmanien, Strand
BEECHFORD, Tasmanien, Strand
BEECHFORD, Tasmanien, Strand
BEECHFORD, Tasmanien, Strand

7 auf einen Streich

Wenn man nicht aufpasst, dann läuft einem die Zeit einfach so davon.

Wenn man nicht aufpasst, dann veraltet so ein Blog schneller, als das man eine Dose Bier öffnen könnte

Wenn man nicht aufpasst, hat man in der Zwischenzeit verdammt viele Dosen Bier geöffnet und keine einzige Zeile geschrieben.

Wie gut, das ich mich wie immer voll unter Kontrolle habe. Trotz der vielen anderen, in der Regel flüssigen, ablenkenden Dinge. Also hier nun „Sieben auf einem Streich“. Dazu muss zunächst erläutert werden, das unser eigentliches Ziel TASMANIEN (oder Tasi, wie die alles abkürzenden Eingebohrenen sagen) ist. Die Insel kann man mit dem Auto nur mit der Fähre von MELBOURNE erreichen, das liegt so bummelig 2.000 Kilometer südlich von BRISBANE. Auf dem Weg wollen wir unsere Segelfreunde Karen und John von SENTA besuchen, und drei „Kinder“ von JoJo und Robbie. „Kinder“ in Anführungszeichen, weil das natürlich wie unsere eigenen „Kinder“ längst junge Erwachsene sind. Beide zu Besuchenden leben im Großraum SYDNEY und haben am Wochenende Zeit. Dienstag müssen wir am Abend in MELBOURNE sein – die Fähre ist fest gebucht. Also massig Zeit bis zum Wochenende und dann mal eben schnell die die restlichen 1.000 Kilometer ganz in den SÜDEN AUSTRALIEN´s abspulen. Wer unsere Reise auf der Karte verfolgen möchte: Der GPS Tracker ist wieder aktiv!

Sieben Stationen:

  • SPLIT ROCK DAMM
  • DUNEDOO / DUBBO Zoo
  • NULKABA (Hanging Tree Wines)
  • LAKE MACQUIRE
  • SYDNEY
  • MORVEN (Round Hill Hotel)
  • MELBOURNE
SPLIT ROCK DAM: Ausgetrockneter Stausee, Kühe auf dem Seegrund

Nummer 1: SPLIT ROCK DAM

In der Karte als See eingezeichnet. Eine Freecamsite am Seeufer. Freecamp bedeutet, man zahlt nix für die Nacht, es gibt aber auch nix. Keinen Strom. Kein Wasser. Vielleicht ein Plumpsklo. Das Problem: Der See ist nahezu völlig ausgetrocknet und bei der Suche nach der Campsite stehen wir, laut GPS, auf einmal trockenen Fußes mitten im See. Etwas deprimierend, diese unfassbare Trockenheit. Und erst Recht der Anblick dieses ausgetrockneten See’s. Die Campsite finden wir am Abend nicht mehr und so stellen wir uns einfach am Rande der Straße auf – absolut alleine auf weiter Flur – und verbringen einen schönen Abend in der Wildnis. Die Geräusche der Tiere irritieren Heidi und mich, aber unsere Freunde beruhigen uns: Die wollen nur nachsehen, wer sich da in ihrem Revier herum treibt.

Der nutzlose Damm von SPLIT ROCK DAMM
Gier-Affen im Zoo von DUBBO

Nummer 2: DUNEDOO / DUBBO Zoo

Wir lassen die Autos in DUNEDOO um nicht zu viele Kilometer in die falsche Richtung zu fahren. Mit dem PickUp (oder wie die Australier sagen: Dem UT (gesprochen „JUTT“, gemeint ist das Utility Car) tags darauf in den Zoo von DUBBO. Der Name der Stadt ist ja wohl prädestiniert für einen Zoo. Wie alles in AUSTRALIEN: Der Zoo ist riesig und die Fußkranken können mit dem Auto durch das Gelände, aber natürlich nicht durch die Gehege fahren. Wir fahren selbstverständlich nicht. Tapfer zu Fuß. Schöner Ausflug, aber Löwen in Aktion werden wir wohl nur irgendwann mal in AFRIKA sehen. In DUBBO liegen sie, wie in jedem anderen Zoo der Welt, nur faul in der Sonne herum.

Schlammbad im Zoo von DUBBO
Touristen in der Brauerei

Nummer 3: NULKABA (Hanging Tree Wines)

Auf dem Weg Richtung Großraum SYDNEY machen wir in NULKABA Station. Denn hier gibt es die POTTERS Brauerei, die KÖLSCH braut. Kein Scherz. Vom Fass, schmeckt Super, wirklich! Also kaufen wir drei Flaschen – á 0,75 Liter. Sektflaschen. Mit AUSTRALISCHEM KÖLSCH drin. Etwas trüber als vom Fass, aber genau so lecker.
Danach zur Weinprobe auf dem Weingut „Hanging Tree Wines“. Das Weingut heißt so, weil gleich am Eingang ein großer alter Baum steht, an dem, angeblich, früher einmal, Gauner und Gangster erhängt wurden.
Der Wein ist affenteuer und nur einige Sorten schmecken wirklich gut. Dafür lernen wir, das auf den Flaschen 41% Steuer liege (kaum zu glauben!) und daher der Wein so teuer sei. Sehr unterhaltsamer Nachmittag auf einem sehr, sehr schön angelegtem Weingut.

Das Weingut HANGING TREE WINES
Am See LAKE MACQUIRE

Nummer 4: LAKE MACQUIRE

Karen und John haben sich am See LAKE MACQUIRE ein Haus gekauft und vermieten es über AIRBNB an Feriengäste. Für dieses Wochenende sind Hausarbeiten angesagt und daher sind die beiden selbst vor Ort. Wir auch. Tolle Location, toller See, atemberaubendes Haus und natürlich jede Menge Wiedersehensfreude. Wie immer: Man müsste mehr Zeit miteinander verbringen, aber alles hat eine Ordnung, alles hat einen Ablauf, alles hat seine Zeit.

Nummer 5: SYDNEY

Die drei Jungs von JoJo und Robbie treffen wir in der Kneipe in HUNTERSVILLE, in der Heidi 2014 ihren Geburtstag mit Karen und John gefeiert hat. Das WOOLWICH PIER HOTEL ist am Samstag Abend gut besucht, etwas zu laut, aber am Ende doch ein richtig gutes Erlebnis.

Das ROUND HILL HOTEL in MORVEN

Nummer 6: MORVEN (Round Hill Hotel)

Nun aber Kilometer fressen! Früh ‘am Sonntagmorgen machen wir uns auf dem Weg nach SÜDEN. Diesmal tatsächlich FREEWAY – also Autobahn. Denn mit einem Schnitt von 90 Km/h dauern 1.000 Kilometer. Wir wollen schon Montagabend in MELBOURNE sein, weil Robbie am Dienstagmorgen noch mal schnell zum Hersteller ON THE MOVE seines Wohnwagens will. Der hat noch ein paar Macken – so neu wie er ist – und wenn man schon mal in der Nähe ist, dann…
Die Nacht wollen wir etwas abseits des FREEWAY´s verbringen und mit der App WIKICamps haben wir uns die Kneipe ROUND HILL HOTEL in Dorf MORVEN ausgesucht. Da kann man kostenlos stehen, wenn man ein paar Bier in der Kneipe trinkt. Natürlich essen wir auch da.
Jo, die Wirtin, freut sich über den Besuch. Der Ofen brennt schon, es ist schnuckelig warm, aber auch ganz schön einsam. Im Dorf leben 50 Leute, Jo meint, sie komme potentiell auf so rund 100 mögliche Gäste. Und natürlich hofft sie auch auf so Typen wie uns. Camper, die vorbei kommen, Station machen und für etwas Umsatz sorgen. JoJo erklärt Jo WIKICamps und diese freut sich über die vielen positiven Kommentare – schließlich haben nur diese Meinungen anderer uns nach MARVEN geführt. Jo erzählt, das sie am liebsten das ROUND HILL HOTEL verkaufen würde und zu ihrer Tochter nach CAIRNS ziehen möchte. Doch es findet sich noch kein Käufer – und die Kneipe ist ihr einziges Vermögen und Einkommen. Viel Glück, Jo!

Buschcamping
Der Musiker GARETH WIECKO in MELBOURNE

Nummer 7: MELBOURNE

Wir haben uns einen richtigen Campingplatz im Norden von MELBOURNE als Station ausgesucht. Jo hatte uns schon gewarnt: Die Fahrt (gut 400 KM) nach MELBOURNE sei tödlich langweilig. Und ja, wie langweilig!!!
Die Campsite gehört zur BIG4 Gruppe und nicht nur Robbie ärgert sich darüber. Premium-Preise, aber nur Durchschnitt für Platz und Service. Das geht nicht zusammen. Wir sehen es etwas gelassener als reine Übernachtungsstation.
Während die Eingeborenen also den Wohnwagenhersteller aufsuchen, kurven wir mit unserem langen MERCEDES Sprinter in die Stadt und parken mitten auf dem Parkplatz des VICTORIA MARKETS. Astrein. Mitten in der Stadt. Viereinhalbstunden für 14 AUS$. Zunächst strolchen wir recht lange auf dem überdachten Markt herum und mir geht durch den Kopf, das ich im zarten Alter von 17 Jahren schon einmal hier war. Long ago und far away.
Wir lauschen andächtig dem jungen Straßenmusiker GARETH WIECKO und kaufen natürlich auch seine CD. Eigentlich müssten wir aus dem Auto unsere Campingstühle holen und seiner ganzen Aufführung lauschen. Irgendwo hat er Strom angezapft und kann spielen, so lange er will. Dann durch die Stadt zum Fluss – Mann, sind hier viele Menschen unterwegs. Und Baukräne! Baukräne ohne Ende! Wer wohl alles in diese neuen Wolkenkratzer einziehen soll? Die Füße beginnen zu schmerzen, gehen zurück zum Auto und wir fahren schließlich zum Fährhafen. Dort haben Robbie und JoJo einen Parkplatz direkt am Strand für uns frei gehalten. Eine gute Stunde später beginnt das Bording und wir checken auf der SPIRIT OF TASMANAI 1 ein.

VICTORIA MARKET in unmittelbarer Nähe der Hochhäuser von MELBOURNE
Die Fähre SPIRIT OF TASMANAIA 1

Das Vorspiel ist vorbei, der Hauptakt beginnt:

Nächster Stop TASMANIEN.

Die Insel, die südlicher als SÜDAFRIKA liegt.

Das eröffnet ungeahnte Weiten: Steht man im Westen, kann man bis ARGENTINIEN schauen – also rein theoretisch. Im Osten liegt die Süd-Insel von NEUSEELAND im Weg. Aber ansonsten auch da:

Freie Fahrt.

Peter.

Stanthrope – Sounds from the Vines

Der Zufall wollte es so, das unsere eigene Reiseplanung in eine schon lange gebuchte Veranstaltung unserer Freunde fiel. Zusammen mit anderen wollten sie das Musikfestival SOUNDS FROM THE VINES in STANTROPHE besuchen…na logisch: Da kommen wir doch einfach mal mit.

OK, mit unserem schnöden MERCEDES SPRINTER Wohnmobilchen werden wir auf den ersten Blick als Touristen identifiziert, doch mein Neid auf die großen PickUp´s mit ihren Outback-Wohnwagen hält sich in Grenzen. Doch ist dem wirklich so?

Die Konzerte finden auf dem STANTHROPE Showground statt – das ist eigentlich eine Ausstellungsfläche für Rinder, Pferde und sonstiges Getier. Einmal im Jahr für Menschen. Keiner der Freunde der Freunde kennt eine der Bands, die da spielen werden. Es geht wohl mehr um das Zusammensein, Treffen und Schnacken.

Wir erreichen den Showground schon am Freitag Nachmittag und richten uns erst mal in Ruhe ein. Am nächsten Vormittag mit dem Auto in die Stadt – da ist die Hölle los: Überall vor den Geschäften Livemusik, Eltern, die ihr Kinder beim musizieren filmen und natürlich auch jede Menge Besucher. An ungefähr 20 ausgewiesenen Stationen wird mit viel Spaß Musik gemacht, zu jeder vollen Stunde wechseln die Musiker die Station. Neben Applaus wird Geld gesammelt. Und Goldmünzen. Die können die Besucher kaufen und dann als Zeichen ihrer Wertschätzung in die Sammelboxen der jeweiligen Musiker schmeißen. Wer die meisten Goldmünzen einsackt, hat gewonnen. Logisch. Mit Sicherheit steckt auch noch ein guter Zweck dahinter, doch den haben wir nicht ergründen können.

Mann, ist das heiß hier!

Noch ein paar Besorgungen und dann wird es auch schon Zeit, sich in die Schlange vor dem Eintritt zum Konzertgelände einzureihen. Um 14:00 Uhr Ortszeit geht es los, wird sind kurz danach drin, mit unseren Campingstühlen. Denn Festival funktioniert hier so: Direkt vor der Bühne ist ein Bereich für zappelwillige Gäste abgesperrt – Zutritt nur OHNE Stühle. Dahinter die Stuhlzone. Da hockt man, hört der Musik zu, trinkt sein Bier, klönschnackt und wenn es einen vor die Bühne zieht, steht man eben auf und geht.

In den Umbaupausen wird auf den Leinwänden Werbung angezeigt. So z.B. für einen Auftritt der BABY ANIMALS. Als Vorgruppe soll die Band KILLING HEIDI auftreten – ich schwöre, ich habe nix, aber auch GAR NIX damit zu tun!

Das Programm (in der Reihenfolge ihres Erscheinens)

COLT SEAVERS BAND
(Showband mit leicht beschürzter Sängerin und weißen Kontrabass)

BOOM CRASH OPERA
(Keine Ahnung, welcher Stil, aber der etwas ältere Gitarrist war mit Sicherheit auf irgendwas. Völlig durchgeknallt, zeitweise gut)

PSEUDO ECHO
(
80iger Jahre Revival – Endlosversion von FUNKY TOWN, manchmal gut)

ROSE TATTOO
(Mindestens Hardrock, wenn nicht Metall. Sänger über 70 Jahre alt, dem einen Gitarristen würde man lieber nicht Nachts begegnen)


BABY ANIMALS
(Nach drei Songs der Grund zu gehen)

JAMES REYNE
(Recht nett und eingängig, auch aus der Ferne)

Das kleine Problem: Die auftretenden Bands könnten unterschiedlicher nicht sein. Von jedem etwas, wohl um es jedem Recht zu machen. Na ja. Ich dachte da eher an etwas Country&Western, doch dann kam Hardrock (oder war es schon Metall?), 80iger Jahre Synthipop und auch noch irgendwas belangloses. Und so kam, was kommen musste: Bei der vorletzten Band geben wir auf und gehen zurück zum Zeltplatz – der ist so nah´, das man die Musik noch sehr gut hören kann. Ich äußere noch den Gedanken, das die Beste Band wohl zum Schluß kommen würde, doch – ich stehe allein mit dieser Ansicht

Und so fängt dann ein gewisser JAMES REYNE als Höhepunkt des Abends an zu spielen und siehe da…sehr schön. Wären wir mal lieber nicht gegangen. Dann hätten wir neben den Ohren auch was für die Augen gehabt. Hätte, hätte, Fahradkette.

Mittlerweile ist es stockdunkel, ein toller Sternenhimmel über uns und der Mond geht auf. Lauwarme Luft, ein Bier, (nun) gute Musik und Freunde um uns herum. Was kann man mehr erwarten?

Nun denn, den Sonntag brauchen wir zur allgemeinen Erholung und gemeinsamen Mittagessen auf einem naheliegendem Weingut. Der Wein ist so la la und ich frage michm ob der gewünschte TakeAway Preis für diese Qualität wohl ernst gemeint sein könnte…erst ein paar Tage später lerne ich, warum das so ist.

Heiter weiter. Sage ich da nur.

Peter.

…neues von Familie, Segeln und Fotos