London 2019

Hey, was machen Wiedekamms, wenn sie in LONDON sind und nicht zu einem MARILLION Konzert (oder zwei) gehen?

London, Themse, Tower Bridge

Sie suchen Wasser.

Unbewusst.
Ungeplant sowieso.

Und wenn sie schließlich Wasser gefunden haben?

Dann fahren sie darauf.

Skyline London

Nun, der gemeine Londonfahrer denkt da sicher unvermittelt an die THEMSE und ja, auf der THEMSE waren wir an Bord einer Fähre natürlich auch, doch nein: London hat noch mehr Wasser. Nicht zu verwechseln mit Meerwasser.

Regents Canal

Da wäre dann zum Beispiel der REGENTS CANAL.

Regents Canal

Typischer englischer Kanal, typisch englische Kanalboote, typisch wirr in die Landschaft gesetzt. Oder hier besser: In die Stadt gesetzt. Straßen, Häuser? Kein Problem. Muss man eben Tunnel bauen. Den MAIDA HILL TUNNEL zum Beispiel. Als Skipper muss man für die Durchfahrt wohl Drogen nehmen. Was für ein Albtraumtunnel! Beruhigend: Das Licht am Ende des Tunnels kann nicht von einem entgegen kommenden Zug stammen. Soviel ist sicher!

Unterwegs gibt es viel zu sehen. Stadt halt. Die Kanaltour geht von CAMDEN MARKET entlang des LONDON ZOO´s und man kann auf diesem Abschnitt vom Boot aus tatsächlich auch mal Tiere sehen.

Regents Canal

Die Hausboote erinnerten mich denn auch mal wieder an lange verschollene Musik. Long ago and far away. 1990 entstand das Weltmusikprojekt ONE WORLD ONE VOICE. Einer der vielen mitwirkenden Künstler war DAVID GILMOUR (PINK FLOYD), der ein kleines aber absolut unverkennbares Gitarrenriff an Deck seines Hausbootes einspielte. Die Szene habe ich nie vergessen und nach unserer Rückkehr nach ELMSHORN denn auch direkt mal wieder reingehört. Starke Sache das. 29 Jahre später. Und, das sind die Zeichen der Zeit, bei YOUTUBE das Video dazu angesehen. Wer Zeit hat…

Regents Canal

Unsere kleine Kanalfahrt endete in LITTLE VENICE, genauer im BRIDGE HOUSE, einer recht netten Kneipe in guter Lage. Von da aus sind wir dann zu Fuß in die Stadt zurück marschiert. Alles nur eine Frage der Einstellung. Auch Entfernungen. Städte erkundet man bekanntermaßen immer am Besten zu Fuß.

Bridge House in Little Vernice, London

Übernachtet haben wir diesmal im Clubhaus von unserem englischen Segelclub CRUISING ASSOCIATION. Die haben im Gebäude für Mitglieder günstige Gästezimmer, CABINS genannt. Nicht größer als eine Kammer an Bord einer kleinen Yacht, aber durchaus funktional. Wie es der Zufall so wollte, hatte der Club an unserem freien Abend gerade Hauptversammlung und so haben wir mal eben, by the way, neue Segelfreunde kennen gelernt.

Eigentlich eine eigene kleine Geschichte, doch hier will ich nur schnell davon berichten, wie die zu ihrem großen Clubhaus in den LONDON DOCKLANDS gekommen sind: In der Bibliothek des traditionsreichen Clubs befanden sich einige sehr alte Segelhandbücher, auf die ein Museum scharf war. Tja, so dachten sich die damaligen Clubmanager, verticken wir doch die Bücher und bauen ein Haus…

Cruising Association Club Haus

…nun bauten sie das Haus aber so groß, das dessen Unterhaltskosten ein paar Jahre später zum Problem wurden. So vermieteten sie seit Jahren ein paar Räume und decken damit die Betriebskosten. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Wie immer.

Wir haben uns von einem Geldautomaten voll abzocken lassen. WIR! Wir REISEEXPERTEN! 13,5% Wechelkursaufschlag wollte ich nicht. Also, ohne den Text GENAU zu lesen auf dem Bildschorm „NO“ gedrückt. Und trotzdem kam das Geld raus.

Schweine-Geldautomat – Moderne Wegelagerer…

Entrüstet, sauer weiter gegangen, doch dann umgekehrt und noch mal Geld geholt. Jeden Bildschirm abfotografiert. Und schließlich die Frage, auf die ich mit „Nein“ geantwortet hatte, vollständig gelesen und endlich auch verstanden. Merke: „Nein“ heißt nicht „Abbruch“. Dazu immer hübsch den Abbruch-Knopf an der Tastatur verwenden. Das völlig sinnlos verschwendete Geld habe ich wieder rein geholt. Ein paar (mehr) Bier weniger…

…Strafe muss sein!

(Mal ganz was neues)

Peter.

TRANS-OCEAN e.V.

Es gäbe da zu berichten, das ich nun auch ein Ehrenamt bekleide.

Wie die Frau, so der Mann. Nach 2,5 Jahren endlich eine sinnvolle Aufgabe.

Mit deutlicher Verzögerung zwar, aber nun, seit dem 2. November 2019 bin also auch ich ein Ehrenamtler. Und soviel kann ich schon sagen: Durchaus mit Leidenschaft.

Ich wurde zum Vorsitzenden von „TRANS-OCEAN Verein zur Förderung des Hochseesegelns e.V.“ mit Sitz in Cuxhaven gewählt. Der Verein hat eine über 50 jährige Tradition, aktuell etwa 4.400 Mitglieder, drei Mitarbeiterinnen und hat sich mit Haut und Haaren dem Blauwassersegeln verschrieben. In allen Facetten. Egal ob Fahrten-, Regatta oder Extremsegler. Bei uns sind sie alle und unser grandioses Motto „Die See im Herzen“ verbindet uns. Wer über die Ozeane segelt, der muss die großen Meere wohl lieben und trotz großem Respekt ein Platz im Herzen dafür haben.

Traditionell veranstalten wir im November unser TRANS-OCEAN Wochenende mit einem Festabend, auf dem wir unsere jährlichen Preisträger würdigen. Jochen Rieker, seines Zeichens Chefredakteur des YACHT Magazin und von YACHT Online, war in diesem Jahr einer der Laudatoren und schrieb später über den Abend:

„Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gibt es im ganzen Land keinen Clubabend, an dem befahrenere Mitglieder das Saisonende feiern.“

Ich glaube, da fühle ich mich wohl. Unter gleichgesinnten, Rückkehrer oder Lossegler. Auf dem langen Schlag, auf Landurlaub oder auf dem Sprung. Die Welt. Das ist das Fahrgebiet.

Hier auf meinem privaten Blog werde ich nicht viel oder auch gar nichts über TO, so die Kurzform von TRANS-OCEAN e.V., schreiben. Einen Vorstandsblog hat TO noch nicht, steht aber durchaus auf dem Wunschzettel.

Die Vereinsarbeit wird keinen Vorwand für weniger Beiträge auf www.wiedekamm.com liefern. Denn, so viel ist klar: Viel weniger als im Moment kann man auf seinem eigenen Blog eigentlich gar nicht schreiben.

Nun denn: Wer sich für´s Segeln interessiert, der möge in Zukunft nach TRANS-OCEAN Ausschau halten!

fair winds!

Peter.

MARILLION Royal Albert Hall 2019 Tag 2

Warum eigentlich nur ONCE IN A LIFE TIME?

Warum, wenn es geht, nicht zwei mal ONCE IN A LIFE TIME?

Oder, wenn sich schon mal die Gelegenheit ergibt, warum nicht auch drei mal ONCE IN A LIFE TIME?

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Tja, und das ist dann wohl das Problem. Diese Unersättlichkeit. Von allem alles. Das ist in wenigen Worten das eigentliche Problem. Das verdrängen wir bitte mal wieder ganz schnell. Denn am gestrigen Dienstag Abend spiele MARILLION zum zweiten Mal in Folge in der wieder ausverkauften ROYAL ALBERT HALL in LONDON. Seit 2017 das Dritte mal.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Und natürlich wäre es nicht MARILLION, wenn sie nicht ein anderes Programm auf die Bühne gestellt hätten. Denn gut die Hälfte des Publikums war wie wir am Tag zuvor auch schon da. Keine halbe Sachen.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Auf den alle zwei Jahre statt findenden Fanwochenenden („MARILLION-WEEKENDS“) auf der ganzen Welt bringt die Band an drei aufeinander folgenden Tagen drei komplett unterschiedliche Programme zu Stande. Logisch, wenn man 30 Jahre zusammen Musik macht, dann hat man genug Material.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Da es sich bei dieser Musik nicht um ONE HIT WONDER, sondern in diesen 30 Jahren eher um KEIN HIT WONDER handelt, warten die Fans auch nicht auf DEN EINEN Song. Und der eine Welthit, den MARILLION 1985 (mithin vor 34 Jahren mit einem anderen Sänger) hatte, hat nichts mit der aktuellen Musik zu tun. Also kommt auch keiner deswegen. Na ja, vielleicht doch einige wenige ewig gestrige.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Etwas weniger als die Hälfte der Songs blieb diesmal aber im Programm. Das war gut so. GAZA als Einstieg ist ja immer richtig und die Lightshow dazu eine eigene Komposition die man sehr gerne sieht. Oder zweimal. Oder dreimal…

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Tag 1
Gaza
Power
Beyond You
Seasons End
Estonia
A Collection
The New Kings
Man of a Thousand Faces
The Space
Separated Out
This Strange Engine

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Tag 2
Gaza
Fantastic Place
You’re Gone
Seasons End
Estonia
Hollow Man
Ocean Cloud
The Sky Above the Rain
The Great Escape
Afraid of Sunlight
Separated Out
This Strange Engine

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Diesmal saßen wir bewusst wieder wo anders. Ganz oben, auf den billigeren Plätzen. Sicht war OK, obwohl Heidi durch ein Geländer luschern musste. Die ROYAL ALBERT HALL ist wirklich ein toller Ort für ein Konzert der Lieblingsband. Oder zwei. Oder drei.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Der Innenraum war diesmal nicht bestuhlt – für die etwas fitteren Fans. Beim Bier, vorher in der naheliegenden Kneipe GLOUCESTER ARMS, haben wir auch schon einen Rollator deprimiert zur Kenntnis nehmen müssen. Das Alter der Fans, aber durchaus auch das eigene,nimmt der Herr Sänger dann auch zum Anlass, um zu erklären, warum es eigentlich dieses Zugaben-Ritual gebe: Man müsse ja auch als Rockstar mal auf Klo…

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Nun, denn. Das Konzert war der Abschluss der diesjährigen GROß BRITANNIEN Tour und entsprechend gelöst waren die Damen und Herren auf der Bühne. Und das Publikum sowieso.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Was bleibt?

Eine tolle Erinnerung an ein tolles Konzert mit einer lange nicht mehr gesehenen Lightshow.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Und darum geht es doch.

Peter.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

MARILLION Royal Albert Hall 2019 Tag 1

Warum eigentlich nur ONCE IN A LIFE TIME?

Warum, wenn es geht, nicht zwei mal ONCE IN A LIFE TIME?

Ja, ja, schon klar: Weil das Wort ONCE eine  Einzigartigkeit ausdrücken soll. Etwas einmaliges, super besonderes, ganz spezielles. Aber wie verhält es sich, wenn die einmalige, ganz besondere und erst recht spezielle Rockband MARILLION ein zweites Mal in der ebenfalls einmaligen, ganz besonderen und speziellen ROYAL ALBERT HALL in LONDON e zwei Jahre nach dem ONCE IN A LIFE TIME Konzert 2017 noch einmal die Bühne betritt?

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL 2019, Day 1

Dann geht man da hin. Da will man da hin. Da muss man da hin.

Und das mit dem ONCE IN A LIFE TIME spielt dann auch keine Rolle mehr.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL 2019, Day 1

Natürlich konnte 2017 nicht überboten werden, denn es war schon im Vorfeld klar, das MARILLION nicht nochmals F.E.A.R. in voller Länge spielen würde. So war die Setlist gestern Abend (Montag, 18.11.2019) denn auch sehr durchmischt und nicht jederzeit nach des Autors Geschmack. GAZA als Einstig war schon mal super und zeigte mitgereisten MARILLION Novizen wo der musikalische Hammer hängt.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL 2019, Day 1

Eigentlich ist MARILLION ja auf der Europatour „MARILLION WITH FRIENDS FROM THE ORCHESTRA“. Also Streicher, Flöte und Horn mit dabei. Was vor 2017 noch eine nette Idee war, geht jetzt aber zumindest in Teilen nach hinten los. BEYOND YOU war schon immer schwach, aber die „Orchester“ Version war schlecht.
Wirklich zerstört wurde mein so geliebtes ESTONIA. Die Idee, im Mittelteil das kalte, schaurige Gitarrenintermezzo durch Streicher zu ersetzten, deren Geigen ein lustiges Spiel der Wellen zu Gehör bringen sollen, war einfach nur sch…. (Entschuldigung).

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL 2019, Day 1

Doch es wäre ja nicht MARILLION, wenn nicht auch was für die ganz verwöhnten an diesem ansonsten wunderschönen Abend dabei gewesen wäre. SEASONS END, THIS STRANGE ENGINE, NEW KINGS, MAN WITH A THOUSAND FACES (bei dem am Ende die Halle Kopf stand) und ein sehr grandioses SEPARATED OUT waren echte, einmailige, ONCE IN A LIFE TIME Highlights.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL 2019, Day 1 , Standing Ovations

Das war ein toller Abend, mehr zum London Ausflug später. Eine einzelne Mitreisende drängelt, etwas.

Peter.

Zur Lage XXXV

Fünfundreißig Lageberichte. Genauer: „Segel(boot) Lageberichte“.

Nun, es ist Wintersaison und wir waren bekanntlich in diesem Jahr gar nicht segeln. Also kann der Skipper auch nichts kaputt gemacht haben, denkt der Laie. Die Fachfrau hingegen ist sicher, das der Skipper doch irgendwie Verursacher der aktuellen STORMVOGEL Baustelle sein muss. Und sei es nur der Umstand, das er das Boot mal gekauft hat.

Mobile Schweißerwerkstatt

Der letzte Blogeintrag zu diesem Thema liegt nun schon drei Monate zurück und eigentlich ist in dieser Zeit nicht wirklich viel am Boot selbst passiert. Dafür haben schlaue Köpfe gearbeitet. Doch der Reihe nach:

Alte Rumpfsektion

Nach dem der Ballast komplett entfernt wurde, hat die Werft die beschädigten Stellen mittels Sandstrahl komplett innen und außen gereinigt…danach mussten Heidi und ich den Dampfer vom Sandstrahlen reinigen..trotz Arbeitszelt, Abdeckung und so weiter: Was für ein Dreck! 😉

Großes, für eine Zeit gewolltes Loch im Aluminiumrumpf
Die herausgetrennte Bordwand, Innenseite

Dann schlug die Stunde der Experten: Ein Bootsbau-Gutachter, ein Elektrik-Gutachter und ein Werftchef für die Aluminiumarbeiten. Der Werftchef hatte ja schon im Frühjahr die Steuerbord-Anodentasche als Ursache des Übels ausgemacht. Nun haben die beiden Gutachter sich ebenfalls auf dieses Bauteil als auslösende Ursache fest gelegt. So zerstört wie die sei, könne es gar nicht anders sein. Geht es also demokratisch zu, war es die Anodentasche.

Die alte, herausgetrennte Anodentasche von ihrer Schokolandenseite

Was die beiden Gutachter aber auch sagten:
Teile der Steuerbord-Bordwand müssen erneuert werden. Und ein paar Bodenwrangen auch. Befürchtet hatten wir das ja schon, nun aber quasi amtliche Gewissheit.

Die alte herausgetrennte Anodentasche: Grausame Innenansicht

Jetzt konnten wir die Reparaturpläne also konkretisieren, Aufwände und Kosten ermitteln – und einmal mehr die Entscheidung „Abbruch“ oder „Weitermachen“ treffen. Hilfreich bei dieser schweren Entscheidung waren die Gutachter, aber auch Makler in Deutschland und den Niederlanden. Allgemeiner Tenor: „Ja, das Boot hat nun einen Makel, aber der Schaden kann gut repariert werden und ein möglicher neuer Eigner hat die Gewissheit, das er ordentlich behoben wurde“.

Also: Weitermachen.

Die Mitarbeiter einer auf Aluminium Boots- und Schiffbau spezialisierten Werft aus Hamburg rückten mit schwerem Gerät nach Glückstadt an und schnitten die beschädigten Aluminiumplatten erst mal raus. Feststellung: Rumpfstärke in diesem Bereich 6mm. Das ist echt ein Brett. 6mm Aluminium…

Na prima!

Hatten wir also erst mal für ein paar Tage ein riesiges Loch im Boot.

Aber wirklich nur für ein paar Tage. Denn wenn die Aluminiummenschen erst mal los legen, dann kann man sie kaum halten. Montags angefangen, Freitags fertig geworden. So lieben wir das!

Die neue Bordwand, noch provisorisch angeheftet

Tja, und nun haben wir per heute **KEIN** Loch mehr im Boot. Kein kleines, kein großes. Wie schön!

Obwohl:
Der Beweis der absoluten Dichtigkeit steht noch aus. Durch einen Schwimmtest (gesichert, im Kran) soll im nächsten Schritt physisch überprüft werden, ob der reparierte Rumpf wirklich zu 100% dicht ist. Aktuell herrscht allerdings gerade Hochbetrieb in der Werft – andere Boote wollen ins Winterlager und wir können für den Schwimmtest den Kran nicht mal eben ein paar Stunden blockieren. Also warten wir geduldig, bis die große Welle vorbei ist.

Neben dem aufregenden großen Loch wurde aber auch im Detail geschweißt: Die Materialstärke des Kielkastens beträgt 10mm, die des Kiels 12mm. Eigentlich, so die Experten müsse dort nichts aufgedoppelt werden, aber der Optik wegen sei es auch nicht verkehrt. Also wurden dort kleine Aluminiumplatten flächig aufgesetzt.

Aufdopplungen an Kielkasten (links) und Kiel (rechts)

Ferner haben wir nun an der tiefsten Stelle im Bleiballast ein Aluminiumrohr, das als Peilrohr wirken soll. Zu Wartungszwecken kann in zukünftigen Winterlagern damit überprüft werden, ob der Bleiballast wie erforderlich trocken liegt, oder ob Schwitzwasser o.ä. vorhanden ist.

Peilrohe (unten, links)

Erst nach dem Schwimmtest geht es dann mit dem Wiedereinbau des Bleiballasts weiter. Doch das wird ein neuer Lagebericht.

Für heute noch wichtig zu erwähnen: Es gibt einen Fertigstellungstermin: 20/02/20

Das Datum ist cool, oder?

Peter.

 

Fazit Schottland 2019

In gut vier Wochen sind wir ziemlich genau 5.000 Kilometer mit KNAUSi von ELMSHORN nach ULLAPOOL und wieder zurück gekurvt.  KNAUSi, so haben wir unser Wohnmobil der Marke KNAUS getauft. Finden wir sehr passend für so einen Luxusschlitten.

In der Vorbereitung auf diese Tour hatten wir uns den PHILIPS NAVIGATOR CAMPING AND CARAVANING ATLAS OF BRITAN Straßenatlas zur besseren Orientierung zugelegt. In Zeiten von GPS gestützten Navigationssystemen mit europäischen Straßenkarten eigentlich ein Anachronismus, aber so ein gut gemachter Papieratlas bleibt wohl auf Lebenszeit unsere erste Wahl.
Der Atlas enthält auch alle Campingplätze in GROSS BRITANTIEN, die Plätze des „The Camping and Caravanning Club“ – und so wurden wir mal eben für ein Jahr Mitglied in diesem Club. Dachten, dies sei sehr sinnvoll. Wertvolle Rabatte, exklusive Club-Plätze…

…was für ein Quatsch: Der Club ist m.E. eher so was wie ein Franchise und die Clubplätze sind so teuer, das es sie selbst mit Rabatten völlig überteuert sind. Ja, OK, sie sind besser ausgestattet als die normalen Campingplätze. Aber unser Lieblingsplatz in FLOCKTON beim Kohlemuseum kostete gerade mal 17 GBP plus 50 Pence für das Duschen. Die billigste Club-Site lag bei 41 GPB, incl. Duschen. Camping ist per Definition ja eher das „Einfache“, „Rustikale“. Im Schnitt haben wir auf den nicht-Club-Sites irgendwas um die 30 GBP bezahlt.

Also, die Mitgliedschaft im „The Camping and Caravanning Club“ war schon mal überflüssig. Zumal die Meisten Clubplätze auch Nicht-Clubmitglieder zulassen. Die nicht-Clubgebundenen Plätze hatten immer einen Platz für uns, die Club-Plätze  waren auch mal wg. Überfüllung geschlossen.

Nicht überflüssig war die Anschaffung des kleinen Büchleins SCHOTTLAND MIT KINDERN aus dem NATURZEIT REISEVERLAG. Die dort beschrieben kleinen Wandertouren und Spaziergänge kann man natürlich auch eiskalt ohne Kinder zurück legen.

Woran merkt man, dass GROSS BRITANIEN eine Insel ist?

Daran, dass sie ein eigenes System für die Grauwasser (also Spül- und Duschabwasser aus den Wohnmobilen und Wohnwagen) haben: Nur sehr selten findet man auf den Campingplätzen ein überfahrbaren Gully, um das Grauwasser ordnungsgemäß in die Kanalisation zu entsorgen. Stattdessen haben die Fahrzeuge ein mittelgroßes Fass in dem das Grauwasser gesammelt wird. Ich habe mich dann eine Zeitlang gefragt, wie man denn das volle schwere Fass zum Entleeren bringen kann…ganz einfach: Es wird verschlossen, umgekippt und zu einem Ausguss gerollt. Ganz spannend…und irgendwie altertümlich eigentümlich.

Das Fahren auf der falschen Straßenseite war nie ein Problem, jedenfalls nicht für den Fahrer. Die Beifahrerin neigte jedoch ab und zu zur Schnappatmung, wenn auf einer engen Landstraße ein LKW entgegen kam. Die ganz kleinen, einspurigen Straßen waren aber auch für den Fahrer eine Herausforderung. Zum einen hoffte er ständig, nicht auf Gegenverkehr zu treffen und rückwärts in eine der zahlreichen Ausweichbuchten manövrieren zu müssen, zum anderen schafft man vielleicht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Km/h und hat dennoch keine Zeit, in die Landschaft zu blicken.

Campen ist in GROSS BRITANIEN mindestens so populär wie in DEUTSCHLAND. Daher bekommt man wirklich überall Ausrüstung und Material, falls man was vergessen hat oder was kaputt gegangen ist. Alle Plätze hatten die blauen drei-poligen CE Stecker für die Stromversorgung.

Diese Popularität führt natürlich dazu, dass man, insbesondere in der Hauptsaison, wirklich nirgendwo mehr alleine ist. Das war manchmal etwas nervig – jedenfalls so lange, bis wir uns daran erinnerten, selbst Teil dieser Campinghorde zu ein.

Für völlig absurd halten wir es, in GROSS BRITANIEN auf den Straßen mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Es gibt so gut wie keine Fahrradwege und die Straßen sind eng: Da wird es schnell gefährlich.

Diesel und Lebensmittel sind nur unmerklich teurer, Alkohol in Form von Wein und Bier hingegen schon. Vermutlich eine erzieherische wirkende steuerliche Maßnahme.

Wie schön zu wissen, dass die britische Regierung sich um das Wohl der Leute kümmert!

Peter.

Zugspitze

Wenn junge Segelpaare Hochzeit feiern, dann entweder auf hoher See oder auf hohen Bergen.

Blühende Lünebruger Heide

In jedem Fall HOCH muss es sein.

Blühende Lünebruger Heide

Und wenn Familie und Freunde dabei sein sollen, scheidet die hohe See relativ schnell aus. Bleiben also die hohen Berge. Gibt es in Deutschland ja auch nicht so besonders viele. Mit knapp dreitausend Metern ist die ZUGSPITZE schon mal erste Wahl. Fehlt noch ein wenig fremdländischer Charme, eine Alm, ein Traktor, Sonne und die bestimmte Abwesenheit von Schnee.

GAMSALM
Porsche Hochzeitstraktor aus den 1960igern. Einzylinder, irgendwas mit 15 PS oder so. Aber Porsche.
Bestes Hochzeitswetter: Sonne, kein Schnee

Die GAMSALM in EHRWALD in ÖSTERREICH erfüllt all diese Kriterien und so waren wir eingeladen dort dabei zu sein. Was lag also näher als bei bestem Wetter ein paar Tage früher als nötig los zu fahren und endlich mal einen Tag in der blühenden LÜNEBURGER HEIDE zu verbringen, Freunde in MANNHEIM zu besuchen und nach vier Reisetagen in ÖSTERREICH anzukommen? Mal richtig ordentlich Hochzeit feiern, fesch in Dirndl und Lederhose. Von C&A, nur nicht übertreiben.

Blick vom Campingplatz des Zuspitzresort auf eben jene…

Auf dem Rückweg bei Segelfreunden in HEIDELBERG Station gemacht – die sind quasi auch frisch verheiratet. Seit 50 Jahren.

Berg vor Berg

Was mich zum Thema „Ziele muss man haben“ bringt. In jedem Alter, in jedem Ehejahr. Klar, die letzten 18 Jahre wollen Heidi und ich auch noch schaffen. Wäre doch gelacht! Doch da endet die Einigkeit. Denn (so muss ich hier erklären) zu vorgerückter Hochzeitsstunde kam mir der Gedanke, dass wir im Jahre 2025 doch eigentlich eine Zugspitz-Erstbesteigung in Angriff nehmen könnten. Ziele muss man haben! Einige der Hochzeitsgäste bestärken mich spontan in diesem Vorhaben, die Frau, als sie davon hört, hält mich für betrunken.

Bergwanderer auf dem Weg zum Gipfel der Zugspitze
Bergwanderer auf dem Weg zum Gipfel der Zugspitze
Bergwanderer auf dem Weg zum Gipfel der Zugspitze

Na ja, angetrunken vielleicht. Wie es sich für eine Hochzeit gehört. Aber mehr nicht. Betrunken – auf keinen Fall! Wieso müssen Menschen auf eine einmal geäußerte Idee immer als erstes Nein sagen? Hallo? Ich meine, 2025 ist doch echt noch ein kleines Weilchen. Genug Zeit um fit und vor allem Bergerfahren zu werden. Immer mal wieder ein wenig üben und dann im Juli 2025 das Basislager wie jetzt auch im grandiosen ZUGSPITZRESORT aufschlagen und auf Wetter warten. Ah, da haben wir es ja wieder: Auf Wetter warten! Das beherrschen wir als Schönwetter-Segler perfekt. 

Bergwanderer in der Warteschlange kurz vor dem Gipfelkreuz
Gedränge am Gipfelkreuz der Zugspitze

Der Bräutigam, Schelm der er ist, will mir (ganz modern!) einen Deal aufschwatzen: Wenn ich das wirklich schaffen würde, fährt er ein umfangreiches BBQ nach meiner Rückkehr am Fuße des Berges auf. Durchaus sehr verlockend. Aber wieso müssen Menschen immer erst mal Nein sagen, wenn einer eine Idee hat? Ich habe nein gesagt. Kein Druck. Kein Zwang. Und meine designierte Bergwanderpartnerin muss ich ja auch noch erst überzeugen.

Seilbahn
Die deutsche Bergstation

Ich sage es ja: Ziele muss man haben!

Peter.

WC des Campingplatzes ZUGSPITZRESORT
Private Badezimmer des Campingplatzes ZUGSPITZRESORT
Kommt ´ne Wolke angeflogen, kannste nix mehr sehen…

Heimreise

War ganz schlau, in CANTERBURY drei Nächte zu bleiben um dann am frühen Sonntagmorgen zur Fähre nach DOVER zu fahren und unsere kleine SCHOTTLAND Reise somit offiziell zu beenden. Da kommt man noch mal zur (Reise-)Ruhe…

…viel zu früh in DOVER angekommen wird beim CHECK-IN Mitgeteilt, dass die Fähre nach DÜNKIRCHEN über eine Stunde Verspätung habe und wir „jetzt, sofort“ noch nach CALAIS kommen könnten.

JETZT.

SOFORT.

Also nicht WARTEN – das passt uns sehr gut! Also Fahrplanänderung.

Im ENGLISCHEN KANAL einige Schiffe unterwegs, der Riesencontainerjäger MSC DITTE kommt von Steuerbord auf und der Skipper ohne derzeit seetüchtiges Boot fragt sich ob der stehenden Peilung, ob eines der Schiffe wohl seinen Kurs ändern wird? Sieht nicht so aus…doch wer passiert wen zuerst? Ohne technische Hilfsmittel lange nicht zu beurteilen. Das Manöver wäre ohne AIS/RADAR/ARPAR sicherlich anders abgelaufen. Aber 2019 passieren sich große Seeschiffe bei gutem Wetter offenbar auch mal gerne in ein paar hundert Meter Abstand. Nicht nach meinem Geschmack…aber ich habe ja auch im Moment kein Boot, das schwimmt, die beiden Kapitäne schon. Sogar Schiffe, keine Boote.

Den Nachmittag bei Ebbe am Strand verbracht. Endlich mal ein echter Sommertag am Strand, auch wenn es später diesig wird. Ein junger Mann kommt vorbei und sammelt alle Arten von Plastik ein. Alle anderen Menschen liegen wie wir halbnackt am Strand rum, doch der Typ da läuft in voller Montur und Handschuhen rum. Und sammelt Müll.

Logisch. Das muss hinterfragt werden:

Aäron kommt aus dem nahen Belgien und hat sich in den Kopf gesetzt, die Strände in seiner Region sauberer zu machen. Im Internet nennt er sich PLASTC SOUP WARRIOR und dokumentiert im virtuellen Raum das, was er in der realen Welt so findet. Hier, am Strand von DÜNKIRCHEN in unmittelbarer Nähe des Atomkraftwerkes, zeigt er uns kleine Schaumstoffkügelchen, die zu hunderten am Strand herum liegen. Er erklärt uns, dass diese aus dem Atomkraftwerk stammen. Diese Kügelchen würden dazu verwendet um die Rohre des Kühlwassersystems zu reinigen. Durch das Seewasser würden die Rohrwände leicht bewachsen und im Rahmen einer Routine-Reinigung der Rohre würden die Plastikkügelchen durch die Rohre geschossen und die Rohre so gereinigt. Für mich unklar blieb, ob die dann alle ins Meer gespült werden oder ob das hier nur Irrläufer sind. Ist aber eigentlich auch egal, denn hier liegen sowieso viel zu viele herum. Wenn das stimmt, wäre das ja echt der Brüller: Da reden alle von Plastikvermeidung und die Atomkraftwerke hauen das Zeug Routinemäßig einfach so ins Meer.

Am Abend dann im kleinen Ort GRAVELINES den ersten und letzten Cocktail der Reise – war aber auch irgendwie der einzige Ort, wo ein Cocktail im Sonnenuntergang am Meer überhaupt möglich war. Dabei fällt mir auf, dass es noch nicht mal einen Whisky in SCHOTTLAND gab. Waren wir in SCHOTTLAND?

Den letzten Reisetag haben wir auf der Autobahn verbracht. In einem Rutsch mit zwei Pausen von DÜNKIRCHEN nach ELMSHORN. 11 Stunden, gingen erstaunlich gut.

Doch wer jetzt denkt, dies sei der letzte Beitrag zu unserer SCHOTTLAND 2019 Tour, der liegt falsch.

Ein kleines Fazit möchte und werde ich demnächst schon noch ziehen…

Peter.

Canterbury

Mal wieder durch Zufall finden wir unseren nächsten Haltepunkt und landen im Süd-Östlich gelegenen CANTERBURY.

Die Kathedrale von Canterbury: Überall in der Stadt zu sehen

Und das kam so: Die Fähre für die Rückreise nach DEUTSCHLAND hatten wir zunächst nicht gebucht um zeitlich flexibel zu bleiben. Wie üblich heutzutage. Dabei hatten wir übersehen, dass die Sommerferien viele Insulaner dazu verleiten, ihre geliebte Insel zu verlassen und das alte Europa auf dem Kontinent zu besuchen. In der Folge waren alle von uns gewünschten Fährtermine ausgebucht oder vier Mal (!) so teuer wie normal.

Die Kathedrale von Canterbury: Überall in der Stadt zu sehen

Nachdem wir dann für den Sonntagvormittag eine günstige Fähre buchen konnten, suchten wir nun also einen Campingplatz in der Nähe von DOVER – Freitag bis Sonntag. Und, na logisch, auch das gar nicht so einfach. „Ausgebucht“. So ein Nonsens. Campingplatz ausgebucht….
…aber nicht in CANTERBURY! 30 Minuten Fahrzeit bis DOVER, das wird an einem Sonntagmorgen wohl OK sein.

Die Kathedrale von Canterbury: Überall in der Stadt zu sehen

Also landen wir unverhofft in der Stadt der Kirche und sind anfangs nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist. Doch bereits nach dem ersten Besuch in der Stadt freuen wir uns sehr, hierhergekommen zu sein!

Die Kathedrale von Canterbury: Schwindelerregende Höhen

Was für eine schöne Altstadt und, obwohl wirklich viel Eintrittsgeld, was für eine phantastische Kirche – oder wohl richtiger Kathedrale. Und während das zuletzt besuchte Kohlebergwerk immerhin 250 Jahre Geschichte vor sich her trug, hat dieses Bauwerk 1.400 Jahre (!) gesehen. Oder, wie wir Hobby-Historiker ja seit DIE SÄULEN DER ERDE wissen, Variationen davon. Denn fertig wurden die Kirchen damals ja nie. Endlos lange Bauzeiten und immer wieder Aus- und Anbauten. Je nach Kassenlage und Laune des Kirchenvorstehers.

Die Kathedrale von Canterbury: Fasziniernde Decken

Gebaut wird an der Kathedrale von CANTERBURY jetzt gerade auch wieder. Instandhaltung.

Obwohl mitten am Tag gar nicht mal so viele Besucher auf dem Gelände. Liegt vielleicht am teuren Eintritt? Wir gehen als Familie mit Kindern durch und stöhnen hörbar an der Kasse. Aber wehe dem, der mehr als drei Kindern die Kathedrale zeigen möchte. Dafür gibt es keinen Tarif. Merke: Bergwerke kann man in GROSSBRITANNIEN kostenlos besuchen, Kirchen nehmen Geld.

Später am Nachmittag gehen wir ins Kino. Unsere Freunde von der MAUINE hatten uns vom neuen Kinofilm YESTERDAY berichtet und wir dachten, es sei eine gute Idee, diesen Film in einem englischen Kino zu sehen. War es auch. Obwohl längst nicht jeden Dialogwitz verstanden haben: Sehr lustiger und gut unterhaltender Gute-Laune Film.

Die Kathedrale von Canterbury: Protz

Der Campingplatz liegt gerade so in Fuß-Reichweite der Stadt. Die jungen mitreisenden Menschen überreden die Oma am Tag darauf zu einem weiteren Stadtbesuch, Opa versteckt sich hinter seinem Computer und schreibt ein paar Blog-Beiträge. Das gelingt ihm nämlich nicht, wenn die Jugend mit ihrer Anwesenheit nachhaltig versucht, die Regeln des Tages zu bestimmen.

Die Kathedrale von Canterbury

Und das ist, so hart diese Erkenntnis auch sein mag, ein unzweifelhaftes Kennzeichen des fortschreitenden Alters.

Bitte nicht stören!

Peter.

National Coal Mining Museum (Wakefield/Flockton)

Es war mir ein großes Bedürfnis, den mitreisenden jungen Menschen ein echtes Bergwerk in GROßBRITANIEN zu zeigen. Doch erst auf der Rückreise auf dem Weg in den Süden des Landes ergab sich Ort und Gelegenheit.

Die Wahl fiel auf das NATIONAL COAL MINING MUSEM, wenn man ganz genau sein möchte muss man den Zusatz FOR ENGLAND ebenfalls nennen, denn jede Region hat sein eigenes „National“-Museum. Der ursprüngliche Name der Miene ist CAPHOUSE COLLIERY und sie liegt im Städtedreieck von LEEDS, MANCHESTER und SHEFFIELD in der Nähe des kleinen Orts FLOCKTON in dem wiederum der kleine Campingplatz HIGHFIELD HOUSE CARAVAN PARK beherbergt ist.

HIGHFIELD HOUSE Campingplatz

Also erst mal nach FLOCKTON bei wirklichem Sauwetter. Solche Sturzseeartigen Wolkenbrüche habe ich mit 54 Jahren noch nicht erlebt! Zum Glück ist das Auto trocken, wir sind auf einer großen Autobahn ganz links und können langsam fahren. Die ganze Region ist extrem dicht besiedelt und entsprechend dicht ist auch der Verkehr. Nicht wirklich schön zu fahren, liegt bestimmt auch daran, dass in SCHOTTLAND trotz Sommerferien deutlich weniger los war.

HIGHFIELD HOUSE Campingplatz

Wir finden HIGHFIELD HOUSE im zweiten Anlauf. Obwohl vorher telefonisch angemeldet treffen wir niemanden an. Erster Eindruck: Ein wenig obskur. Ein Mann kommt von irgendwo her auf uns zu und berichtet, dass die Eigentümerin beim Arzt sei und wir einfach auf den Platz fahren können. Der Platz, das ist eine große an einem leichten Abhang gelegene Rasenfläche. Der Mann rät uns mit etwas mehr Geschwindigkeit ganz nach oben links in die Ecke zu fahren und das Auto so zu parken, das wir ohne rangieren den Abhang herunter rollen können, wenn wir wieder abreisen. Grund: Der Rasen ist jetzt schon triefend nass und für die kommenden Tage sei noch mehr Regen angesagt.

HIGHFIELD HOUSE Campingplatz

Alles klar. Das bekommen wir hin. Außer uns noch drei andere Camper, später kommen noch zwei. Die Sanitäranlagen alt, nicht ganz sauber vom Matsch und Rasen, aber durchaus OK. Später kommt die Besitzerin vom Sohn im Auto herum gefahren und sagt Hallo. Wenn wir Zeit hätten sollen wir in ihr Haus zur Anmeldung kommen…
….das macht Heidi dann etwas später und kommt ewig nicht zurück. Als sie dann zurück kommt höre ich die traurige Geschichte. Der Mann sei im letzten Oktober gestorben und sie leide jetzt an Krebs. Deshalb die vielen Arztbesuche. Keine rosigen Aussichten im HIGHFIELD HOUSE.

HIGHFIELD HOUSE Campingplatz (mal ganz genau in der Bildmitte suchen…)

Der Platz gefällt uns viel besser als die „Luxus-Campingplätze“ der letzten Tage. Camping ist für uns immer „draußen“ und „einfach“. Während wir zuvor locker zwischen 35 und 40 Pfund pro Nacht bezahlen mussten, sind es hier 17 Pfund. Mehr als OK.

So sitze ich denn da in der Abenddämmerung unter der ausgefahrenen Markise vor dem Auto auf meinem mit dem Boot aus AUSTRALIEN mitgebrachten Campingstuhl (Modell „BIG BOY“, MADE IN CHINA, natürlich) im Nieselregen, lasse meinen Blick über das kleine Tal zum Ort FLOCKTON hinüber schweifen und sinniere über das Leben der HIGHFIELD HOUSE Eigentümer. Schon echt beschissen. Wenn es einen trifft, dann mit voller Wucht. Hier im Doppelschlag. Was für ein Mist.
OK, das Wetter verstärkt die trüben Gedanken natürlich erheblich und es wird vielleicht einfach Zeit, ins Bett zu gehen.

Der nächste Morgen beginnt trocken und frohen Mutes!

Heute geht es unter die Erde!

Per GOOGLE MAPS ausgekundschaftet, das es nur 3,5 Kilometer zum Museum sind. Das gehen wir zu Fuß. Obwohl wir ja nun wissen, dass Fußgänger auf englischen Landstraßen eher Freiwild denn Verkehrsteilnehmer sind. Doch wir haben Glück: Fast auf der ganzen Strecke gibt es einen schmalen Bürgersteig, den wir hübsch und sicher im Gänsemarsch ablaufen können.

Eingang

Das Museum wirkt wie ein eben erst still gelegtes Bergwerk, dabei wird hier bereits seit 1985 keine Kohle mehr gefördert. Seit 1988 ist es ein Museum und das blickt auf eine rund 250 jährige Bergbaugeschichte an diesem Ort zurück. 250 Jahre!
Völlig ungewöhnlich: Der Eintritt ist frei! Absolut kostenlos! Auch wenn man Untertage will. Spenden willkommen. Die Untertagetour kann man online vorab buchen um nicht ewig in einer eventuellen Schlange warten zu müssen. Wenn man nicht spenden möchte, zahlt man einen Pfand für die Ausrüstung, den man nach der Tour zurückbekommt. Das ist wirklich klasse. Wir sind gegen 10:00 Uhr da und es ist noch angenehm leer. Keine Schlange, kein Warten.

Natürlich zieht es uns zunächst in den Untergrund. Jeder bekommt einen soliden Helm und eine originale elektrische Grubenlampe. Dann mit gut 20 Leuten in den „Fahrstuhl“, der eher einem Käfig gleicht. Es rumpelt, an den Wänden läuft das Wasser herunter und mit jedem Meter abwärts wird es spürbar kälter. Stockdunkel, bis auf die Lampe von Jeb, unserem Führer. Schätzungsweise Anfang 60, groß, drahtig und mit einem kaum verständlichen Akzent. Als er merkt, dass er ein paar Deutsche in der Gruppe hat spricht er langsamer und deutlicher – klarer Fall von Führer-Profi. War in seinem früheren Leben selbst Bergmann und hat nun als Touristenführer offenbar viel Freude.

Werkshof, geade verlassen – aber noch vorher aufgeräumt

Nach 146 Meter setzten wir ruppig auf und laufen als Gruppe durch eine große Luftschleuse mit schweren alten Holztüren, denn die Belüftung von Kohlegruben gehört wohl zu den wichtigsten Sicherheitseinrichtungen unter Tage. Feuer und Explosionen in Folge schlechter Luft unter Tage. Nicht auszudenken! Aus diesem Grund dürfen wir auch keine Handys und Fotoapparate mitnehmen. Die wurden oben alle eingesammelt und weg geschlossen.

Es ist totenstill. Die Luft ist klar und somit vermutlich völlig anders, als wenn hier noch Kohle gefördert werden würde.

Jeb erzählt sehr plastisch, stellt Fragen an die Reisegruppe und vermittelt recht anschaulich die (technische) Entwicklung im Bergbau. Wir stehen vor einer kleinen Holzklappe, daran eine Schnur und daran die Nachbildung eines kleinen, etwa vierjährigen Jungen. Jeb fragt, was der Junge hier wohl früher gemacht habe? Kollektives Schweigen. Keiner hat eine Ahnung. Jeb bittet die Gruppe, alle Lampen auszuschalten. Bis alle ihre Schalter gefunden haben dauert es einen Augenblick, dann ist es mit einem Male stockdunkel. Jeb wartet. Die Augen gewöhnen sich nicht an die Dunkelheit. Denn hier unten ist absolut kein Licht. Kein Schimmern eines Notausgang-Schildes, kein Handybildschirm, kein beleuchtetes Zifferblatt einer Uhr.

Absolute Dunkelheit und andächtige Stille.

Und nun erst erklärt Jeb, was der Junge damit der Kordel und der Holzklappe früher gemacht hat:
Er saß, in völliger Dunkelheit (Kerzen waren teuer!), an der Klappe und wartete darauf, das seine Mutter von innen gegen die kleine Klappe klopfte, dann schob er sie auf, nahm den von der Mutter durchgeschobenen Korb und mit Kohlestücken und danach die Mutter entgegen und schloss die Klappe dann wieder. Damit er die Klappe in absoluter Finsternis auch immer wieder finden konnte war er per Schnur an der Klappe angebunden.
Die ersten in der Gruppe werden trotz Jeb´s wohlklingender Stimme unruhig. Die absolute Dunkelheit wirkt auf jeden extrem bedrückend. Allgemeine Aufmunterung, als wir die Lampen wieder anmachen dürfen. Früher, so Jeb, haben ganze Familien im Bergwerk gearbeitet. Hinter der Klappe war eine kleine Mulde, in der der Mann im Schein einer Kerze mit einer Spitzhacke die Kohle abschlug, die Frau sammelte die Bruchstücke in einem Korb ein und wenn der voll war, kroch sie durch die Klappe und brachte die Kohle zum nächsten Sammelpunkt. Die Klappe war eine Art Luftschleuse. Belüftung! Die kleinen Kinder kämpften hier unten nicht nur mit der absoluten Dunkelheit. Ratten waren ein anderes großes Problem.

Erst viel, viel später (…stand irgendwo im Museum auf einer Info-Tafel, habe ich aber leider versiebt) hat man beschlossen, das kleine Kinder nicht mehr in den Mienen arbeiten sollten. Das Mindestalter wurde auf 10 Jahre festgelegt…

Gespenstische Szene über Tage…

Auf unserer unterirdischen Tour wandern wir unter Jeb´s fachkundiger Anleitung durch die Jahrzehnte. Der erste Sprengstoff, Bohrhammer, Hydraulikstempel und große Bohrmaschinen. In Einzelteilen unter die Erde gebracht, zwei Wochen montiert. Oft deutsche Technik.
Doch irgendwann war Schluss und wie bei uns im Ruhrgebiet standen sehr viele Menschen vor dem Nichts. Man stelle sich das mal vor: Wenn zehn Generationen einer Familie unter der Erde Kohle gefördert haben, dann war die Miene absolut Lebensbestimmend.

Der Weg zurück ans Tageslicht erfreut alle, die wieder kehrende Wärme und das Sonnenlicht tun recht gut.

Ich befürchte, unsere jungen mitreisenden Menschen haben höchstens ansatzweise verstanden, wie das Leben mit dem Bergwerk früher war und male mir aus, wie es wohl wäre, wenn man ein Bergbaumuseum im technischen Betrieb halten würde und man unter Tage mal selbst für eine Stunde Kohle fördern müsste. In ein paar Jahren, wenn Menschen wie Jeb nicht mehr als authentische Führer arbeiten können, wird wieder ein kleines Stück Geschichte verloren gehen. Nicht, das ich neuerdings dem vergangene hinterher traure. Nein. Es geht darum aus Geschichte zu lernen und das einmal erfahrene so plastisch wie möglich zu konservieren, damit es nicht irgendwann so abstrakt wird, das es niemand mehr ernst nimmt…und auf den Gedanken kommt, es besser zu wissen.

Nun denn. Wir besuchen noch eine Vorführung in der Schmiede und kaufen später ein paar Erinnerungstücke vom Schmied. Verlorene Berufe.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz schmerzen zwar die Füße ein wenig, aber wir alle wissen: Das war ein unvergesslicher Ausflug.

Peter.

…neues von Familie, Segeln und Fotos