Fazit Schottland 2019

In gut vier Wochen sind wir ziemlich genau 5.000 Kilometer mit KNAUSi von ELMSHORN nach ULLAPOOL und wieder zurück gekurvt.  KNAUSi, so haben wir unser Wohnmobil der Marke KNAUS getauft. Finden wir sehr passend für so einen Luxusschlitten.

In der Vorbereitung auf diese Tour hatten wir uns den PHILIPS NAVIGATOR CAMPING AND CARAVANING ATLAS OF BRITAN Straßenatlas zur besseren Orientierung zugelegt. In Zeiten von GPS gestützten Navigationssystemen mit europäischen Straßenkarten eigentlich ein Anachronismus, aber so ein gut gemachter Papieratlas bleibt wohl auf Lebenszeit unsere erste Wahl.
Der Atlas enthält auch alle Campingplätze in GROSS BRITANTIEN, die Plätze des „The Camping and Caravanning Club“ – und so wurden wir mal eben für ein Jahr Mitglied in diesem Club. Dachten, dies sei sehr sinnvoll. Wertvolle Rabatte, exklusive Club-Plätze…

…was für ein Quatsch: Der Club ist m.E. eher so was wie ein Franchise und die Clubplätze sind so teuer, das es sie selbst mit Rabatten völlig überteuert sind. Ja, OK, sie sind besser ausgestattet als die normalen Campingplätze. Aber unser Lieblingsplatz in FLOCKTON beim Kohlemuseum kostete gerade mal 17 GBP plus 50 Pence für das Duschen. Die billigste Club-Site lag bei 41 GPB, incl. Duschen. Camping ist per Definition ja eher das „Einfache“, „Rustikale“. Im Schnitt haben wir auf den nicht-Club-Sites irgendwas um die 30 GBP bezahlt.

Also, die Mitgliedschaft im „The Camping and Caravanning Club“ war schon mal überflüssig. Zumal die Meisten Clubplätze auch Nicht-Clubmitglieder zulassen. Die nicht-Clubgebundenen Plätze hatten immer einen Platz für uns, die Club-Plätze  waren auch mal wg. Überfüllung geschlossen.

Nicht überflüssig war die Anschaffung des kleinen Büchleins SCHOTTLAND MIT KINDERN aus dem NATURZEIT REISEVERLAG. Die dort beschrieben kleinen Wandertouren und Spaziergänge kann man natürlich auch eiskalt ohne Kinder zurück legen.

Woran merkt man, dass GROSS BRITANIEN eine Insel ist?

Daran, dass sie ein eigenes System für die Grauwasser (also Spül- und Duschabwasser aus den Wohnmobilen und Wohnwagen) haben: Nur sehr selten findet man auf den Campingplätzen ein überfahrbaren Gully, um das Grauwasser ordnungsgemäß in die Kanalisation zu entsorgen. Stattdessen haben die Fahrzeuge ein mittelgroßes Fass in dem das Grauwasser gesammelt wird. Ich habe mich dann eine Zeitlang gefragt, wie man denn das volle schwere Fass zum Entleeren bringen kann…ganz einfach: Es wird verschlossen, umgekippt und zu einem Ausguss gerollt. Ganz spannend…und irgendwie altertümlich eigentümlich.

Das Fahren auf der falschen Straßenseite war nie ein Problem, jedenfalls nicht für den Fahrer. Die Beifahrerin neigte jedoch ab und zu zur Schnappatmung, wenn auf einer engen Landstraße ein LKW entgegen kam. Die ganz kleinen, einspurigen Straßen waren aber auch für den Fahrer eine Herausforderung. Zum einen hoffte er ständig, nicht auf Gegenverkehr zu treffen und rückwärts in eine der zahlreichen Ausweichbuchten manövrieren zu müssen, zum anderen schafft man vielleicht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Km/h und hat dennoch keine Zeit, in die Landschaft zu blicken.

Campen ist in GROSS BRITANIEN mindestens so populär wie in DEUTSCHLAND. Daher bekommt man wirklich überall Ausrüstung und Material, falls man was vergessen hat oder was kaputt gegangen ist. Alle Plätze hatten die blauen drei-poligen CE Stecker für die Stromversorgung.

Diese Popularität führt natürlich dazu, dass man, insbesondere in der Hauptsaison, wirklich nirgendwo mehr alleine ist. Das war manchmal etwas nervig – jedenfalls so lange, bis wir uns daran erinnerten, selbst Teil dieser Campinghorde zu ein.

Für völlig absurd halten wir es, in GROSS BRITANIEN auf den Straßen mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Es gibt so gut wie keine Fahrradwege und die Straßen sind eng: Da wird es schnell gefährlich.

Diesel und Lebensmittel sind nur unmerklich teurer, Alkohol in Form von Wein und Bier hingegen schon. Vermutlich eine erzieherische wirkende steuerliche Maßnahme.

Wie schön zu wissen, dass die britische Regierung sich um das Wohl der Leute kümmert!

Peter.

Zugspitze

Wenn junge Segelpaare Hochzeit feiern, dann entweder auf hoher See oder auf hohen Bergen.

Blühende Lünebruger Heide

In jedem Fall HOCH muss es sein.

Blühende Lünebruger Heide

Und wenn Familie und Freunde dabei sein sollen, scheidet die hohe See relativ schnell aus. Bleiben also die hohen Berge. Gibt es in Deutschland ja auch nicht so besonders viele. Mit knapp dreitausend Metern ist die ZUGSPITZE schon mal erste Wahl. Fehlt noch ein wenig fremdländischer Charme, eine Alm, ein Traktor, Sonne und die bestimmte Abwesenheit von Schnee.

GAMSALM
Porsche Hochzeitstraktor aus den 1960igern. Einzylinder, irgendwas mit 15 PS oder so. Aber Porsche.
Bestes Hochzeitswetter: Sonne, kein Schnee

Die GAMSALM in EHRWALD in ÖSTERREICH erfüllt all diese Kriterien und so waren wir eingeladen dort dabei zu sein. Was lag also näher als bei bestem Wetter ein paar Tage früher als nötig los zu fahren und endlich mal einen Tag in der blühenden LÜNEBURGER HEIDE zu verbringen, Freunde in MANNHEIM zu besuchen und nach vier Reisetagen in ÖSTERREICH anzukommen? Mal richtig ordentlich Hochzeit feiern, fesch in Dirndl und Lederhose. Von C&A, nur nicht übertreiben.

Blick vom Campingplatz des Zuspitzresort auf eben jene…

Auf dem Rückweg bei Segelfreunden in HEIDELBERG Station gemacht – die sind quasi auch frisch verheiratet. Seit 50 Jahren.

Berg vor Berg

Was mich zum Thema „Ziele muss man haben“ bringt. In jedem Alter, in jedem Ehejahr. Klar, die letzten 18 Jahre wollen Heidi und ich auch noch schaffen. Wäre doch gelacht! Doch da endet die Einigkeit. Denn (so muss ich hier erklären) zu vorgerückter Hochzeitsstunde kam mir der Gedanke, dass wir im Jahre 2025 doch eigentlich eine Zugspitz-Erstbesteigung in Angriff nehmen könnten. Ziele muss man haben! Einige der Hochzeitsgäste bestärken mich spontan in diesem Vorhaben, die Frau, als sie davon hört, hält mich für betrunken.

Bergwanderer auf dem Weg zum Gipfel der Zugspitze
Bergwanderer auf dem Weg zum Gipfel der Zugspitze
Bergwanderer auf dem Weg zum Gipfel der Zugspitze

Na ja, angetrunken vielleicht. Wie es sich für eine Hochzeit gehört. Aber mehr nicht. Betrunken – auf keinen Fall! Wieso müssen Menschen auf eine einmal geäußerte Idee immer als erstes Nein sagen? Hallo? Ich meine, 2025 ist doch echt noch ein kleines Weilchen. Genug Zeit um fit und vor allem Bergerfahren zu werden. Immer mal wieder ein wenig üben und dann im Juli 2025 das Basislager wie jetzt auch im grandiosen ZUGSPITZRESORT aufschlagen und auf Wetter warten. Ah, da haben wir es ja wieder: Auf Wetter warten! Das beherrschen wir als Schönwetter-Segler perfekt. 

Bergwanderer in der Warteschlange kurz vor dem Gipfelkreuz
Gedränge am Gipfelkreuz der Zugspitze

Der Bräutigam, Schelm der er ist, will mir (ganz modern!) einen Deal aufschwatzen: Wenn ich das wirklich schaffen würde, fährt er ein umfangreiches BBQ nach meiner Rückkehr am Fuße des Berges auf. Durchaus sehr verlockend. Aber wieso müssen Menschen immer erst mal Nein sagen, wenn einer eine Idee hat? Ich habe nein gesagt. Kein Druck. Kein Zwang. Und meine designierte Bergwanderpartnerin muss ich ja auch noch erst überzeugen.

Seilbahn
Die deutsche Bergstation

Ich sage es ja: Ziele muss man haben!

Peter.

WC des Campingplatzes ZUGSPITZRESORT
Private Badezimmer des Campingplatzes ZUGSPITZRESORT
Kommt ´ne Wolke angeflogen, kannste nix mehr sehen…

Heimreise

War ganz schlau, in CANTERBURY drei Nächte zu bleiben um dann am frühen Sonntagmorgen zur Fähre nach DOVER zu fahren und unsere kleine SCHOTTLAND Reise somit offiziell zu beenden. Da kommt man noch mal zur (Reise-)Ruhe…

…viel zu früh in DOVER angekommen wird beim CHECK-IN Mitgeteilt, dass die Fähre nach DÜNKIRCHEN über eine Stunde Verspätung habe und wir „jetzt, sofort“ noch nach CALAIS kommen könnten.

JETZT.

SOFORT.

Also nicht WARTEN – das passt uns sehr gut! Also Fahrplanänderung.

Im ENGLISCHEN KANAL einige Schiffe unterwegs, der Riesencontainerjäger MSC DITTE kommt von Steuerbord auf und der Skipper ohne derzeit seetüchtiges Boot fragt sich ob der stehenden Peilung, ob eines der Schiffe wohl seinen Kurs ändern wird? Sieht nicht so aus…doch wer passiert wen zuerst? Ohne technische Hilfsmittel lange nicht zu beurteilen. Das Manöver wäre ohne AIS/RADAR/ARPAR sicherlich anders abgelaufen. Aber 2019 passieren sich große Seeschiffe bei gutem Wetter offenbar auch mal gerne in ein paar hundert Meter Abstand. Nicht nach meinem Geschmack…aber ich habe ja auch im Moment kein Boot, das schwimmt, die beiden Kapitäne schon. Sogar Schiffe, keine Boote.

Den Nachmittag bei Ebbe am Strand verbracht. Endlich mal ein echter Sommertag am Strand, auch wenn es später diesig wird. Ein junger Mann kommt vorbei und sammelt alle Arten von Plastik ein. Alle anderen Menschen liegen wie wir halbnackt am Strand rum, doch der Typ da läuft in voller Montur und Handschuhen rum. Und sammelt Müll.

Logisch. Das muss hinterfragt werden:

Aäron kommt aus dem nahen Belgien und hat sich in den Kopf gesetzt, die Strände in seiner Region sauberer zu machen. Im Internet nennt er sich PLASTC SOUP WARRIOR und dokumentiert im virtuellen Raum das, was er in der realen Welt so findet. Hier, am Strand von DÜNKIRCHEN in unmittelbarer Nähe des Atomkraftwerkes, zeigt er uns kleine Schaumstoffkügelchen, die zu hunderten am Strand herum liegen. Er erklärt uns, dass diese aus dem Atomkraftwerk stammen. Diese Kügelchen würden dazu verwendet um die Rohre des Kühlwassersystems zu reinigen. Durch das Seewasser würden die Rohrwände leicht bewachsen und im Rahmen einer Routine-Reinigung der Rohre würden die Plastikkügelchen durch die Rohre geschossen und die Rohre so gereinigt. Für mich unklar blieb, ob die dann alle ins Meer gespült werden oder ob das hier nur Irrläufer sind. Ist aber eigentlich auch egal, denn hier liegen sowieso viel zu viele herum. Wenn das stimmt, wäre das ja echt der Brüller: Da reden alle von Plastikvermeidung und die Atomkraftwerke hauen das Zeug Routinemäßig einfach so ins Meer.

Am Abend dann im kleinen Ort GRAVELINES den ersten und letzten Cocktail der Reise – war aber auch irgendwie der einzige Ort, wo ein Cocktail im Sonnenuntergang am Meer überhaupt möglich war. Dabei fällt mir auf, dass es noch nicht mal einen Whisky in SCHOTTLAND gab. Waren wir in SCHOTTLAND?

Den letzten Reisetag haben wir auf der Autobahn verbracht. In einem Rutsch mit zwei Pausen von DÜNKIRCHEN nach ELMSHORN. 11 Stunden, gingen erstaunlich gut.

Doch wer jetzt denkt, dies sei der letzte Beitrag zu unserer SCHOTTLAND 2019 Tour, der liegt falsch.

Ein kleines Fazit möchte und werde ich demnächst schon noch ziehen…

Peter.

Canterbury

Mal wieder durch Zufall finden wir unseren nächsten Haltepunkt und landen im Süd-Östlich gelegenen CANTERBURY.

Die Kathedrale von Canterbury: Überall in der Stadt zu sehen

Und das kam so: Die Fähre für die Rückreise nach DEUTSCHLAND hatten wir zunächst nicht gebucht um zeitlich flexibel zu bleiben. Wie üblich heutzutage. Dabei hatten wir übersehen, dass die Sommerferien viele Insulaner dazu verleiten, ihre geliebte Insel zu verlassen und das alte Europa auf dem Kontinent zu besuchen. In der Folge waren alle von uns gewünschten Fährtermine ausgebucht oder vier Mal (!) so teuer wie normal.

Die Kathedrale von Canterbury: Überall in der Stadt zu sehen

Nachdem wir dann für den Sonntagvormittag eine günstige Fähre buchen konnten, suchten wir nun also einen Campingplatz in der Nähe von DOVER – Freitag bis Sonntag. Und, na logisch, auch das gar nicht so einfach. „Ausgebucht“. So ein Nonsens. Campingplatz ausgebucht….
…aber nicht in CANTERBURY! 30 Minuten Fahrzeit bis DOVER, das wird an einem Sonntagmorgen wohl OK sein.

Die Kathedrale von Canterbury: Überall in der Stadt zu sehen

Also landen wir unverhofft in der Stadt der Kirche und sind anfangs nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist. Doch bereits nach dem ersten Besuch in der Stadt freuen wir uns sehr, hierhergekommen zu sein!

Die Kathedrale von Canterbury: Schwindelerregende Höhen

Was für eine schöne Altstadt und, obwohl wirklich viel Eintrittsgeld, was für eine phantastische Kirche – oder wohl richtiger Kathedrale. Und während das zuletzt besuchte Kohlebergwerk immerhin 250 Jahre Geschichte vor sich her trug, hat dieses Bauwerk 1.400 Jahre (!) gesehen. Oder, wie wir Hobby-Historiker ja seit DIE SÄULEN DER ERDE wissen, Variationen davon. Denn fertig wurden die Kirchen damals ja nie. Endlos lange Bauzeiten und immer wieder Aus- und Anbauten. Je nach Kassenlage und Laune des Kirchenvorstehers.

Die Kathedrale von Canterbury: Fasziniernde Decken

Gebaut wird an der Kathedrale von CANTERBURY jetzt gerade auch wieder. Instandhaltung.

Obwohl mitten am Tag gar nicht mal so viele Besucher auf dem Gelände. Liegt vielleicht am teuren Eintritt? Wir gehen als Familie mit Kindern durch und stöhnen hörbar an der Kasse. Aber wehe dem, der mehr als drei Kindern die Kathedrale zeigen möchte. Dafür gibt es keinen Tarif. Merke: Bergwerke kann man in GROSSBRITANNIEN kostenlos besuchen, Kirchen nehmen Geld.

Später am Nachmittag gehen wir ins Kino. Unsere Freunde von der MAUINE hatten uns vom neuen Kinofilm YESTERDAY berichtet und wir dachten, es sei eine gute Idee, diesen Film in einem englischen Kino zu sehen. War es auch. Obwohl längst nicht jeden Dialogwitz verstanden haben: Sehr lustiger und gut unterhaltender Gute-Laune Film.

Die Kathedrale von Canterbury: Protz

Der Campingplatz liegt gerade so in Fuß-Reichweite der Stadt. Die jungen mitreisenden Menschen überreden die Oma am Tag darauf zu einem weiteren Stadtbesuch, Opa versteckt sich hinter seinem Computer und schreibt ein paar Blog-Beiträge. Das gelingt ihm nämlich nicht, wenn die Jugend mit ihrer Anwesenheit nachhaltig versucht, die Regeln des Tages zu bestimmen.

Die Kathedrale von Canterbury

Und das ist, so hart diese Erkenntnis auch sein mag, ein unzweifelhaftes Kennzeichen des fortschreitenden Alters.

Bitte nicht stören!

Peter.

National Coal Mining Museum (Wakefield/Flockton)

Es war mir ein großes Bedürfnis, den mitreisenden jungen Menschen ein echtes Bergwerk in GROßBRITANIEN zu zeigen. Doch erst auf der Rückreise auf dem Weg in den Süden des Landes ergab sich Ort und Gelegenheit.

Die Wahl fiel auf das NATIONAL COAL MINING MUSEM, wenn man ganz genau sein möchte muss man den Zusatz FOR ENGLAND ebenfalls nennen, denn jede Region hat sein eigenes „National“-Museum. Der ursprüngliche Name der Miene ist CAPHOUSE COLLIERY und sie liegt im Städtedreieck von LEEDS, MANCHESTER und SHEFFIELD in der Nähe des kleinen Orts FLOCKTON in dem wiederum der kleine Campingplatz HIGHFIELD HOUSE CARAVAN PARK beherbergt ist.

HIGHFIELD HOUSE Campingplatz

Also erst mal nach FLOCKTON bei wirklichem Sauwetter. Solche Sturzseeartigen Wolkenbrüche habe ich mit 54 Jahren noch nicht erlebt! Zum Glück ist das Auto trocken, wir sind auf einer großen Autobahn ganz links und können langsam fahren. Die ganze Region ist extrem dicht besiedelt und entsprechend dicht ist auch der Verkehr. Nicht wirklich schön zu fahren, liegt bestimmt auch daran, dass in SCHOTTLAND trotz Sommerferien deutlich weniger los war.

HIGHFIELD HOUSE Campingplatz

Wir finden HIGHFIELD HOUSE im zweiten Anlauf. Obwohl vorher telefonisch angemeldet treffen wir niemanden an. Erster Eindruck: Ein wenig obskur. Ein Mann kommt von irgendwo her auf uns zu und berichtet, dass die Eigentümerin beim Arzt sei und wir einfach auf den Platz fahren können. Der Platz, das ist eine große an einem leichten Abhang gelegene Rasenfläche. Der Mann rät uns mit etwas mehr Geschwindigkeit ganz nach oben links in die Ecke zu fahren und das Auto so zu parken, das wir ohne rangieren den Abhang herunter rollen können, wenn wir wieder abreisen. Grund: Der Rasen ist jetzt schon triefend nass und für die kommenden Tage sei noch mehr Regen angesagt.

HIGHFIELD HOUSE Campingplatz

Alles klar. Das bekommen wir hin. Außer uns noch drei andere Camper, später kommen noch zwei. Die Sanitäranlagen alt, nicht ganz sauber vom Matsch und Rasen, aber durchaus OK. Später kommt die Besitzerin vom Sohn im Auto herum gefahren und sagt Hallo. Wenn wir Zeit hätten sollen wir in ihr Haus zur Anmeldung kommen…
….das macht Heidi dann etwas später und kommt ewig nicht zurück. Als sie dann zurück kommt höre ich die traurige Geschichte. Der Mann sei im letzten Oktober gestorben und sie leide jetzt an Krebs. Deshalb die vielen Arztbesuche. Keine rosigen Aussichten im HIGHFIELD HOUSE.

HIGHFIELD HOUSE Campingplatz (mal ganz genau in der Bildmitte suchen…)

Der Platz gefällt uns viel besser als die „Luxus-Campingplätze“ der letzten Tage. Camping ist für uns immer „draußen“ und „einfach“. Während wir zuvor locker zwischen 35 und 40 Pfund pro Nacht bezahlen mussten, sind es hier 17 Pfund. Mehr als OK.

So sitze ich denn da in der Abenddämmerung unter der ausgefahrenen Markise vor dem Auto auf meinem mit dem Boot aus AUSTRALIEN mitgebrachten Campingstuhl (Modell „BIG BOY“, MADE IN CHINA, natürlich) im Nieselregen, lasse meinen Blick über das kleine Tal zum Ort FLOCKTON hinüber schweifen und sinniere über das Leben der HIGHFIELD HOUSE Eigentümer. Schon echt beschissen. Wenn es einen trifft, dann mit voller Wucht. Hier im Doppelschlag. Was für ein Mist.
OK, das Wetter verstärkt die trüben Gedanken natürlich erheblich und es wird vielleicht einfach Zeit, ins Bett zu gehen.

Der nächste Morgen beginnt trocken und frohen Mutes!

Heute geht es unter die Erde!

Per GOOGLE MAPS ausgekundschaftet, das es nur 3,5 Kilometer zum Museum sind. Das gehen wir zu Fuß. Obwohl wir ja nun wissen, dass Fußgänger auf englischen Landstraßen eher Freiwild denn Verkehrsteilnehmer sind. Doch wir haben Glück: Fast auf der ganzen Strecke gibt es einen schmalen Bürgersteig, den wir hübsch und sicher im Gänsemarsch ablaufen können.

Eingang

Das Museum wirkt wie ein eben erst still gelegtes Bergwerk, dabei wird hier bereits seit 1985 keine Kohle mehr gefördert. Seit 1988 ist es ein Museum und das blickt auf eine rund 250 jährige Bergbaugeschichte an diesem Ort zurück. 250 Jahre!
Völlig ungewöhnlich: Der Eintritt ist frei! Absolut kostenlos! Auch wenn man Untertage will. Spenden willkommen. Die Untertagetour kann man online vorab buchen um nicht ewig in einer eventuellen Schlange warten zu müssen. Wenn man nicht spenden möchte, zahlt man einen Pfand für die Ausrüstung, den man nach der Tour zurückbekommt. Das ist wirklich klasse. Wir sind gegen 10:00 Uhr da und es ist noch angenehm leer. Keine Schlange, kein Warten.

Natürlich zieht es uns zunächst in den Untergrund. Jeder bekommt einen soliden Helm und eine originale elektrische Grubenlampe. Dann mit gut 20 Leuten in den „Fahrstuhl“, der eher einem Käfig gleicht. Es rumpelt, an den Wänden läuft das Wasser herunter und mit jedem Meter abwärts wird es spürbar kälter. Stockdunkel, bis auf die Lampe von Jeb, unserem Führer. Schätzungsweise Anfang 60, groß, drahtig und mit einem kaum verständlichen Akzent. Als er merkt, dass er ein paar Deutsche in der Gruppe hat spricht er langsamer und deutlicher – klarer Fall von Führer-Profi. War in seinem früheren Leben selbst Bergmann und hat nun als Touristenführer offenbar viel Freude.

Werkshof, geade verlassen – aber noch vorher aufgeräumt

Nach 146 Meter setzten wir ruppig auf und laufen als Gruppe durch eine große Luftschleuse mit schweren alten Holztüren, denn die Belüftung von Kohlegruben gehört wohl zu den wichtigsten Sicherheitseinrichtungen unter Tage. Feuer und Explosionen in Folge schlechter Luft unter Tage. Nicht auszudenken! Aus diesem Grund dürfen wir auch keine Handys und Fotoapparate mitnehmen. Die wurden oben alle eingesammelt und weg geschlossen.

Es ist totenstill. Die Luft ist klar und somit vermutlich völlig anders, als wenn hier noch Kohle gefördert werden würde.

Jeb erzählt sehr plastisch, stellt Fragen an die Reisegruppe und vermittelt recht anschaulich die (technische) Entwicklung im Bergbau. Wir stehen vor einer kleinen Holzklappe, daran eine Schnur und daran die Nachbildung eines kleinen, etwa vierjährigen Jungen. Jeb fragt, was der Junge hier wohl früher gemacht habe? Kollektives Schweigen. Keiner hat eine Ahnung. Jeb bittet die Gruppe, alle Lampen auszuschalten. Bis alle ihre Schalter gefunden haben dauert es einen Augenblick, dann ist es mit einem Male stockdunkel. Jeb wartet. Die Augen gewöhnen sich nicht an die Dunkelheit. Denn hier unten ist absolut kein Licht. Kein Schimmern eines Notausgang-Schildes, kein Handybildschirm, kein beleuchtetes Zifferblatt einer Uhr.

Absolute Dunkelheit und andächtige Stille.

Und nun erst erklärt Jeb, was der Junge damit der Kordel und der Holzklappe früher gemacht hat:
Er saß, in völliger Dunkelheit (Kerzen waren teuer!), an der Klappe und wartete darauf, das seine Mutter von innen gegen die kleine Klappe klopfte, dann schob er sie auf, nahm den von der Mutter durchgeschobenen Korb und mit Kohlestücken und danach die Mutter entgegen und schloss die Klappe dann wieder. Damit er die Klappe in absoluter Finsternis auch immer wieder finden konnte war er per Schnur an der Klappe angebunden.
Die ersten in der Gruppe werden trotz Jeb´s wohlklingender Stimme unruhig. Die absolute Dunkelheit wirkt auf jeden extrem bedrückend. Allgemeine Aufmunterung, als wir die Lampen wieder anmachen dürfen. Früher, so Jeb, haben ganze Familien im Bergwerk gearbeitet. Hinter der Klappe war eine kleine Mulde, in der der Mann im Schein einer Kerze mit einer Spitzhacke die Kohle abschlug, die Frau sammelte die Bruchstücke in einem Korb ein und wenn der voll war, kroch sie durch die Klappe und brachte die Kohle zum nächsten Sammelpunkt. Die Klappe war eine Art Luftschleuse. Belüftung! Die kleinen Kinder kämpften hier unten nicht nur mit der absoluten Dunkelheit. Ratten waren ein anderes großes Problem.

Erst viel, viel später (…stand irgendwo im Museum auf einer Info-Tafel, habe ich aber leider versiebt) hat man beschlossen, das kleine Kinder nicht mehr in den Mienen arbeiten sollten. Das Mindestalter wurde auf 10 Jahre festgelegt…

Gespenstische Szene über Tage…

Auf unserer unterirdischen Tour wandern wir unter Jeb´s fachkundiger Anleitung durch die Jahrzehnte. Der erste Sprengstoff, Bohrhammer, Hydraulikstempel und große Bohrmaschinen. In Einzelteilen unter die Erde gebracht, zwei Wochen montiert. Oft deutsche Technik.
Doch irgendwann war Schluss und wie bei uns im Ruhrgebiet standen sehr viele Menschen vor dem Nichts. Man stelle sich das mal vor: Wenn zehn Generationen einer Familie unter der Erde Kohle gefördert haben, dann war die Miene absolut Lebensbestimmend.

Der Weg zurück ans Tageslicht erfreut alle, die wieder kehrende Wärme und das Sonnenlicht tun recht gut.

Ich befürchte, unsere jungen mitreisenden Menschen haben höchstens ansatzweise verstanden, wie das Leben mit dem Bergwerk früher war und male mir aus, wie es wohl wäre, wenn man ein Bergbaumuseum im technischen Betrieb halten würde und man unter Tage mal selbst für eine Stunde Kohle fördern müsste. In ein paar Jahren, wenn Menschen wie Jeb nicht mehr als authentische Führer arbeiten können, wird wieder ein kleines Stück Geschichte verloren gehen. Nicht, das ich neuerdings dem vergangene hinterher traure. Nein. Es geht darum aus Geschichte zu lernen und das einmal erfahrene so plastisch wie möglich zu konservieren, damit es nicht irgendwann so abstrakt wird, das es niemand mehr ernst nimmt…und auf den Gedanken kommt, es besser zu wissen.

Nun denn. Wir besuchen noch eine Vorführung in der Schmiede und kaufen später ein paar Erinnerungstücke vom Schmied. Verlorene Berufe.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz schmerzen zwar die Füße ein wenig, aber wir alle wissen: Das war ein unvergesslicher Ausflug.

Peter.

LOCH LOMOND

Warum nur ein LOCH, wenn man auch zwei LOCHe haben kann?

CALEDONIA CANAL Schleuse in FORT AUGUSTUS

Auch wenn ich anderes im Schilde führte. LOCH NESS blieb völlig ereignislos. Nun also zum LOCH LOMOND. Da soll da viel schöner sein! Natürlich: Woanders ist es immer schöner. Der Landweg gen Süden auf der A82 führt uns erst mal durch FORT AUGUSTUS und bietet somit die glorreiche Möglichkeit, Sportboote beim Schleusen im CALEDONIAN CANAL zu beobachten ohne selbst schleusen zu müssen. Die hier anzutreffenden Schleusen haben eine sehr große Ähnlichkeit mit denen im GÖTA KANAL – liegt wohl daran, dass Herr Telford beide Kanäle gebaut hat. Erst in Schottland und dann in Schweden. Beiden Kanälen ist ferner gemein, dass sie nie so genutzt wurden, wie ursprünglich erdacht und geplant. Statt Frachtschiffen schippern jede Menge Sportboote darauf. Ist ja auch OK.

Touristen an einer Schleuse in FORT AUGUSTUS

Die Zeit, die wir morgens als lässige Schleusenzuschauer in FORT AUGUSTUS vertrödeln fehlt uns später am Tag. Zum einen bietet die A82 auf dem Streckenabschnitt GLENCOE bis TYNDRUM spektakuläre Ansichten. Wenn man denn einen freien Parkplatz in einer der zahlreich vorhandenen Haltezonen ergattern würde. Brechend voll, die ganzen 50 Kilometer. A82 in den Sommerferien ist wohl nicht so schlau. Kann man machen nix.

Grandiose (Wolken)Berge

Zum anderen ist noch später am Tag, auf Höhe TARBET die Straße auf einmal gesperrt. Nach einer halben Stunde erreichen wir den sperrenden Polizisten und erfahren, dass die Straße kurz vor LUSS, unserem heutigen Zielort, aufgrund eines schweren Verkehrsunfall auf unbestimmte Zeit voll gesperrt sei. Wenn wir wollten, könnten wir da hin fahren und hoffen, dass die Einfahrt zum Campingplatz vor der Unfallstelle liege.

Dann mal los.

Die A82 ist eigentlich die Hauptschlagader aus dem Norden und führt nach GLASGOW. Doch jetzt haben wir die Straße für uns alleine. Keine anderen Autos. Verdächtig. Die Unfallstelle liegt natürlich VOR dem Campingplatz, ungefähr 1,4 Kilometer. Was für ein Drama!

So stand es in meinem Entwurf. „Drama“. Bei der Recherche zum Unfall habe ich fest gestellt, das dort ein Mensch mit einem Motorrad tödlich verunglückt ist. Das ist wohl eher ein Drama. Und traurig auch. Im Stau stehen wohl eher nicht.

Es ist ausgeschlossen, das wir irgendwie passieren können. Keine Aus-/Ansage über die Dauer der Sperrung. Nach einer halben Stunde Wartezeit drehen wir um und planen nach Studium der Karte, das wir einfach auf ein paar kleinen Straßen 40 Kilometer fahren müssen, um zur anderen Seite der Unfallstelle zu gelangen.

Namenloser Berg am LOCH LOMOND, Höhe LUSS

Doch diese naive Idee haben an diesem Sonntagnachmittag ca. 1 Millionen andere Autos auch. Bei Einfahrt in die kleine A814 in ARROCHAR weist ein großes Hinweisschild freundlich darauf hin, dass diese Straße für HGV´s (Heavy Goods Vehicles) nicht geeignet sei. Nur „nicht geeignet“ – nicht gesperrt. Nun, das betrifft uns ja ganz gewiss nicht. Unser Auto gilt mit max. 3,5 Tonnen noch als PKW. Und bisher hatten wir mit der Größe unseres Gefährtes ja auch keine Probleme.
Bereits nach 10 Minuten stehen wir. Absoluter Stillstand. Motor aus. Die Straße ist so eng, an Umdrehen ist gar nicht zu denken.

Nach einer Stunde kommt ein Polizist.

Zu Fuß.

Er grüßt uns freundlich und bittet darum, egal was passiere, das wir hier an Ort und Stelle genau stehen bleiben, bis er wieder komme. Man müsse erst den Gegenverkehr ableiten und brauche auf unserer Spur Stillstand. Im Scherz sage ich noch, OK, nach drei Tagen würde ich aber schon weiter fahren wollen. Auch wenn er nicht wieder komme. Gelächter.

Nun denn, man ahnt es schon. Er kommt nicht wieder.

Namenloser Berg am LOCH LOMOND, Höhe LUSS

Es dämmert. Nieselregen. Absolute Stille am Rande des LOCH LONG. Eigentlich kein See, eher ein riesiger Fjord mit Seewasser drin. Wieso heißt es also LOCH? Ab und an kommen ebenfalls im Stau stehende Eingeborene vorbei und führen ihre Hunde Gassi. An Bord unseres Wohnmobils haben wir alles erdenkliche mit dabei. Auch ein Klo. Es geht einfach nicht weiter. Ab und zu kommen Fahrzeuge in Kolonnen auf der Gegenspur. Aber dann auch mal lange wieder nix. Wir haben beim Campingplatz angerufen und mitgeteilt, dass wir wohl sehr spät kommen – kein Problem, andere Gäste stünden auch im absoluten Stillstand und sie würden auf alle warten. Wie schön!

Im letzten Restlicht geht es vor uns mit einem male weiter. Nach weiteren zwei Stunden. Oh je. Die drei Tage sind noch nicht wirklich vergangen. Jetzt auf die angekündigte Rückkehr des Polizisten warten oder entgegen seiner klaren Anweisung weiter fahren?

Es scheint uns sehr unwahrscheinlich, dass der junge Mann noch mal hier vorbei kommt. Also tuckern wir mit all den anderen Autos im Schritttempo weiter…

…und gelangen endlich zum Kern des Problems: Ein LKW und ein BUS stehen sich unpassierbar gegenüber. Beides ganz klar HGV´s. Klarer geht’s wohl nicht! Beide Fahrer sind offenbar ganz schlaue Eingeborene. Der Sattelschlepper steht schon halb im Graben, da kommen wir noch gut vorbei. Der Reisebus hingegen kann nicht dichter an den Rand, da gibt es Felsüberhänge. Zurücksetzten kann er auch nicht, denn hinter ihm stehen doch DREI weitere Reisebusse. Ganz prima! Die hier reichlich vertretene Polizei meint, wir müssten am Bus vorbei kommen und ich denke das auch. Es wird knapper als gedacht und gelingt schließlich doch.

Im Schritttempo an den anderen Bussen vorbei und dann so schnell es geht auf der kleinen, nun völlig leeren Straße weiter nach Süden. Immerhin hat die Polizei die A814 nun auch Richtung Norden gesperrt und wir haben freie Bahn. Als wir später die Endlos-Schlange von wartenden Autos auf der Gegenfahrbahn passieren sind wir nur froh´, das wir nach jetzt gut vier Stunden des absoluten Stillstandes endlich weiter kommen.

Um 21:30 Uhr kommen wir nach etwas Suchen auf dem Campingplatz an haben wirklich keine Lust mehr.

160 Kilometer in 9 Stunden.

Schneckenrekord.

Campsite direkt am Seeufer

Am nächsten Tag wird gewandert. Auf einen kahlen Berg dessen Namen wir nicht kennen, mal wieder. Aber toll. Das trübe Wetter nehmen wir gar nicht mehr zur Kenntnis, die Regenjacke ist schon länger unser bester Freund. Landschaftlich ist LOCH LOMOND tatsächlich um Längen schöner als LOCH NESS – aber touristisch auch viel ausgelutschter. Im sehr kleinen Ort Schicki-Micki Läden, ein Märchenpfad für die Kleinen, Ausflugsboot und Kneipe. Nun, wir haben den Berg, dessen Namen wir nie erfahren werden und immerhin ein Fast-Gipfel-Gefühl, denn bis ganz oben haben wir es nicht geschafft 😉

Peter.

Loch Ness (Foyers)

Nein, es hat nicht geklappt.

Dabei haben wir keinen Aufwand, keine Mühe gescheut!

Tief, tief, tiefer hängende Regenwolken

Junges, zartes Frischfleisch als Lebendfutter zunächst aus Deutschland eingeflogen und dann schonend über den Landweg an den Zielort transportiert. Dabei jederzeit auf gesunde Ernährung und körperliche Unversehrtheit geachtet. Nicht zu warm. Nicht zu kalt. Keine Aufregung. Kein Stress. Kein Schweiß, schon mal gar kein Angstschweiß. Einfach Wohlbehütet.

Endlich mal wieder ein richtiger Wald

Was hat es genützt?

Nichts!

Wasserfall mit Wasser

Das Lebendfutter bei trüben Nebelwetter mit Signalkleidung am Körper am Strand von LOCH NESS direkt an der Wasserkante auf und ab laufen lassen. Das kann man doch nicht übersehen!? Sind wir auf Höhe FOYERS vielleicht auf der falschen Uferseite?

Nichts!

Kein kräuselndes Wasser, kein Wellenschlag.

Einfach Nichts!

Das lässt einen dann doch zweifeln. Es gibt ja so viele andere, die auch zweifeln. Ein eingeborener Freund hat uns erzählt, dass er mal im Rahmen eines Forschungsprojekts eine Woche auf einem Floß auf LOCH NESS herumgegondelt sei, um Unterwasser-Sonaraufnahmen zu machen.

Gespenstisches Seeufer

Nichts!

Seit dem zweifelt er auch.

Doch ich weiß es besser. Wie immer, eigentlich.

Schließlich habe ich in jungen Jahren mehrfach die (quasi) Dokumentation von ROBBI, TOBBI und das FLIEWATÜÜT im Fernsehen gesehen! So was bildet (ein) und prägt. Seit Jahren habe ich die DVDs in meiner Sammlung und mehrfach Kindern und Enkeln vorgeführt. Ich weiß es besser!

Ich weiß alles! Ich kenne sogar die Maße: 54,36 Meter hoch, 65,13 Meter lang. Fast quadratisch. Ungewöhnlich zwar, aber fachmännisch von ROBBI und TOBBI vermessen. Ich war ja quasi dabei.

Also hätten wir was auf der Wasseroberfläche sehen müssen. Bei der Größe!

Nichts!

Nach einiger Überlegung habe ich da jetzt so eine Theorie. Alles folgt bekanntlich dem Zeitgeist. Vielleicht war ja gerade Veggieday? Oder, noch schlimmer, die um sich greifende Vegane Seuche ist in Schottland angekommen. Beyond Meat und so.

Nun denn. Wanderungen im Nebel, oder war es Regen, Wasserfälle und jede Menge Bäume haben wir dennoch gesehen.

Und das Lebendfutter halten wir einfach weiter frisch.

Wer weiß, wozu wir das noch gebrauchen können.

Peter.

Eingeborner LAND ROVER, mit OHNE Dachzelt

P.S.: Schon echt spaßig: Die (mit Abstand) meisten (eigentlich alle!) LAND ROVER DEFENDER mit Dachzelt haben ein deutsches Nummernschild…und stehen auf Campingplätzen herum.

Yachthafen am LOCH NESS (FOYERS)

Ullapool

Es ist ja immer so eine Sache im Leben eines Reisenden an Orte zurück zu kommen, die man sehr gut in Erinnerung behalten hat.

Eigentlich kann man nur enttäuscht werden.

ULLAPOOL

Ich will nun nicht von Enttäuschung sprechen, aber wir besuchen tatsächlich ein anderes ULLAPOOL als das, was ich in Erinnerung hatte. Der Ort hat sich natürlich überhaupt nicht verändert. Aber er ist gerade nicht so wunderbar tot und verlassen, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Hier ist der Bär los und das liegt wohl einzig an dem Umstand, dass mittlerweile auch die Eingeborenen Schulferien haben. Ein paar Europäer sind auch hier.

ULLAPOOL Campsite

Klar enttäuscht bin ich von dem Platz, den uns die Dame vom Campingplatz zuweist. Die Wiese ist triefend nass und das Meer kann man nur durch viele Wohnwagen, Wohnmobile und Zelte hindurch erkennen. Aber, und das ist nun mal eben so: Die vorderen Plätze sind alle belegt. Angeblich werden keine Reservierungen angenommen, dennoch steht an ein paar guten, leeren Plätzen ein Schild „reserved“.

Nicht ULLAPPOL, sondern auf dem Weg dahin: Keine Ahnung, wo.

Ok, es ist wie es ist und ich werde jetzt hier doch nicht den ewig nörgelnden Deutschen geben. Ich doch nicht!

zu Fuß zur Achnahaird Beach

Es geht auch gar nicht um ULLAPOOL, sondern um die Gegend nördlich davon. Sensationell. Einmalig. Wunderschön. Wie doof suche ich eine kleine Straße die ich von damals in Erinnerung habe. Doch so viele Kilometer wie auch abspulen und so viel neues wir auch entdecken – ich finde die Straße nicht wieder! Was für ein Drama! Dabei gibt es hier eigentlich gar nicht so viele. Doch ist man erst mal auf einer, fährt man die ganzen Buchten und Meerengen aus und braucht Stunden, um den nächsten Abzweig zu erreichen.

Achnahaird BeachAchnahaird Beach

Immerhin: Bei herrlichem Wetter gehen wir an einem der seltenen Sandbadestrände in Achnahaird Beach baden. Wirklich! Mit Kopf unter und so! Sehr erfrischend und nur kalt, wenn man sich in tiefere Wasserschichten abgleiten lässt.
Auch hier ist der Bär los. Sollte man nicht denken. So abgelegen wie das hier ist. Sommerferien, schönes Wetter und Sandbadestrand ergeben natürlich für alle anderen auch eine verführerische Kombination.

Achnahaird Beach

In Schottland.

Peter.

Kann man kaufen: Cafe, Buchladen und B&B
Parkplatz von Achnahaird Beach

OBAN

Nach zwei Tagen macht es endlich Klick.

Nach sagenhaften 48 Stunden fällt mir aus heiterem Himmel ein, dass wir schon mal in OBAN waren. Oder wenigstens durchgefahren sind. Auf unserer ersten SCHOTTLAND-Tour 2009. Darf man so was als erfahrener Reisender einfach so vergessen? Nach schon(?) oder erst(?) 10 Jahren? Eigenes Selbstverständnis, klare Antwort: NEIN!

Also, warum nicht erinnert? Schwache Ausrede: Wir sind ja nur mit der Fähre hier angekommen und dann direkt weiter gefahren.

HEIMKEHR HAMBURG

Und eigentlich wären wir ja auch jetzt gar nicht hier her gekommen – doch, wie der Zufall es will, liegen zwei befreundete Segelboote im Hafen der Insel KERRERA, gleich gegenüber der Stadt OBAN.
Zum einen die HEIMKEHR von Marlene und Bert, zum anderen die FREYDIS von Heide und Erich Wilts. Und was liegt da näher als sich auf einen Drink zu treffen? In der Theorie wären wir ja auch mit dem STORMVOGEL hierhergekommen…aber, ganz ehrlich: Wenn wir so das aktuelle Wetter betrachten können wir froh´ sein, an Land unterwegs zu sein. Zeitlich hätte das mit Sicherheit nicht gepasst, aber mit einem Auto ist man ja dann doch viel schneller und bei jedem Wetter unterwegs, da kann man mal eben wo anders hin fahren.

FREYDIS

Der Campingplatz in OBAN liegt ganz famos auf Hügeln mit Blick auf die Meerenge und das Meer selbst, so denken wir bei der Ankunft und beziehen Posten auf einem eben jener Hügel. Des Ausblicks willens. Als uns am nächsten Morgen der heftige Regen horizontal ins Gesicht klatscht wünschen wir uns fürs nächste Mal doch etwas mehr Weitsicht bei der Auswahl des Standplatzes: Windschatten würde Wunder wirken. Doch das Zelt der mitreisenden Jugendlichen hält dem Unwetter Stand – und wir selbstverständlich auch!

Und sei es nicht Schmach genug, sich nicht erinnern zu können, verläuft sich der Skipper an einem trockenen Tage mit seiner kleinen Reisegruppe grandios bei dem Versuch, OBAN über Feld(wege) zu Fuß vom Campingplatz aus zu erreichen. Nach 8 (ACHT!) zu überwindenden massiven Stacheldrahtzäunen, weitläufigen Sumpfgebieten, hüfthohes Gras und endlosen glitschigen Abhängen gibt er entnervt auf und hält schnurstracks auf ein Anwesen zu – in der stillen Hoffnung, dort wieder eine kleine Straße oder zumindest einen Weg zu finden.

Die vier Gestalten, die da planlos durch das hohe Gras auf sumpfigen Boden stapfen erwecken, natürlich, die Aufmerksamkeit der selbstverständlich vorhandenen Wachhunde die den wildesten aller möglichen Alarme schlagen, bis, endlich, ein Mensch in Erscheinung tritt und den Hunden erst mal Ruhe gebietet. Wie sich heraus stellt sind wir auf dem zweiten Campingplatz von OBAN gelandet und die Wirtin, die uns hier nun in Empfang nimmt wirkt doch sehr ernst und ungehalten, das wir da einfach durch die abgezäunten Wiesen stapfen und die Hunde verrückt machen.

Mit vielen Entschuldigungen und noch mehr Lächeln entspannen wir die Situation und machen uns schnell aus dem Staub. Wer weiß, wozu diese Hunde alles fähig sind?

Das Wetter wird zusehends besser, die befreundeten Segelboote ziehen weiter auf ihrem Kurs nach Süden und wir bauen unsere Zelte ab.

Die Karawane zieht weiter.

Peter.

Edinburgh

Basislager Edinburgh.

Am UNION CANAL

Natürlich nicht in der Stadt, sondern eher in Nähe des Flughafens. Denn hier bekommt unsere Reisegruppe Zuwachs und Kurzbesuch. Der LINWATER Campingplatz liegt für dieses Vorhaben gar nicht mal so schlecht: Nach einem 3,5 KM Spaziergang auf der Straße gelangt man zu einer Bushaltestelle, von dort aus geht es in die Stadt nach EDINBURGH. Auf der Straße muss man sich vorsehen: Jede Menge LEWIS HAMILTON´s auf der engen Rennstrecke unterwegs, aber wenn man nicht gerade im Berufsverkehr unterwegs ist, kann man durchaus überleben.

ALMOND AQUÄDUKT

Wie sich später bei genauerer Erkundung des Umlandes heraus stellt, kann man von LINWATER aus aber auch ganz hervorragende Spaziergänge entlang des UNION KANALS unternehmen. Wer hätte das gedacht? Mal wieder ein betriebsfähiger Kanal aus dem vor-vorherigen Jahrhundert.  

ALMOND AQUÄDUKT

Zunächst treibt es uns über das eindrucksvolle Aquädukt von ALMOND in Richtung der Ortschaft BROXBURN. Eigentlich ein sehr schöner Weg im satten Grün Schottlands, wäre da nur nicht unüberhörbar die M8 Autobahn. Absolut irre, wie laut so eine Straße sein kann.

An einem anderen Tag gehen wir in Richtung RATHO und kommen zwar der M8 auch wieder sehr nahe, aber insgesamt ist dieser Weg dann doch schöner und somit besser.

Den obligatorischen Stadtausflug nach EDINBURGH beschränken wir auf einen Tag. Wir hätten noch Zeit für einen weiteren gehabt, doch die erschlagende Menschenmasse auf der Burg hat uns schnell die Freude verdorben. Wieder einmal durchaus klar: Wir sind selbst Teil der Besuchermassen. Ich für meinen Teil habe jedenfalls beschlossen, nicht mehr hier her zu kommen. Da ändert auch die Hochzeitsgesellschaft, die hübsch ausstaffiert und sehr würdevoll zur gleichen Zeit auf dem Gelände herumstolziert, nichts daran. Was für ein Aufwand! Doch auf der ewigen Suche nach dem positiven: Der Dudelsackspieler der Hochzeitsgesellschaft war sicher sehen- und hörenswert!

Nach vier Tagen brechen wir wieder auf, bringen früh´ am Morgen den Besuch zum Flughafen und sind fortan zu viert unterwegs.

Wie, lange Zeit zuvor, geplant.

Ich liebe Pläne.

Peter.

…neues von Familie, Segeln und Fotos